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Plötzlich stand der Tribun Ahenobarbus vor ihm: „Na, Centurio, bereit, den Sieg für die Augusta einzufahren?“

Lucius nickte, und als er sah, dass Canidius und Valens in Hörweite waren, antwortete er mit lauter Stimme: „Bei so viel Herzlichkeit und Vertrauen, wie mir die Kameraden entgegenbringen, kann ich ja schließlich nur gewinnen!“

Quirinius und Gallus standen vor dem Fahnenheiligtum und erklärten die Wettkampfbedingungen. „Es ist ganz einfach“, begann Quirinius. „Die Centurie der Augusta marschiert aus der Porta Principalis Sinistra und die der Gallica aus der Porta Principalis Dextra. Ihr umrundet zweimal das Lager außerhalb der aufgestellten Speere und die Centurie, die als erste ihr Signum wieder hier auf dem Prätorium abgestellt hat und angetreten ist, hat gewonnen. Wenn sich die beiden Centurien draußen begegnen, muss die Centurie ausweichen, die auf der falschen Torseite ist. Für die Augusta ist die Sinistra die richtige Seite, für die Gallica die Dextra. Cornicen!“

Der Cornicen blies das Angriffssignal und Lucius erteilte den Befehclass="underline" „Pergite!“

Die Centurie schwenkte sofort auf die Via Principalis und marschierte auf das Tor zu. Laute Anfeuerungsrufe der Legionäre begleiteten sie auf dem Weg. So musste sich ein Gladiator oder ein Wagenlenker fühlen, dachte Lucius bei sich.

Sie verließen das Lager und sahen den Rhenus vor sich. Das andere Ufer war auf Grund des trüben Wetters nicht zu sehen, aber Zeit, die Aussicht zu genießen, war sowieso keine. Sie bogen rechts ab und eilten auf die erste Markierung zu. Drusillus schloss zu Lucius auf: „Centurio, die andere Centurie ist im Eilschritt losmarschiert, die hängen uns jetzt schon ab. Wir müssen schneller gehen!“

Lucius schüttelte energisch den Kopf, er hatte oft genug Wettläufe in der Palaestra bestritten: „Nein, wenn wir zu schnell loslegen, haben wir hinten heraus nichts mehr zuzusetzen! Kehre nach hinten zurück und achte auf ein gleichmäßiges Tempo und darauf, dass keiner zurückbleibt!“

Drusillus fügte sich murrend. Sie bogen um die erste Ecke und steuerten auf die Porta Praetoria zu. Die andere Centurie hatte schon einen kleinen Vorsprung und war auf Höhe des Tores. Vom Lagerwall kamen laute Anfeuerungs- und Jubelrufe, Verwünschungen und Beschwörungen. Lucius warf einen Blick zum Wall und sah die Legionäre dicht an dicht stehen. Er konnte sie nicht voneinander unterscheiden, aber er stellte sich vor, wie Vitellius, Valens und Canidius mit rotem Gesicht umherrannten und vor Wut brüllten. Vielleicht wäre ein höheres Tempo doch besser? Lucius zweifelte nur kurz. Als die andere Centurie an ihnen vorbeizog und sie mit Hohngelächter bedachte, widerstand er der Versuchung, Laufschritt zu befehlen. Stattdessen stapften seine Männer weiter gleichmäßig durch den Schnee und Lucius ging die Reihen entlang, um sie zu loben und anzufeuern. Er hatte viel gelernt von Ambiorix.

„Denkt daran, die Spartaner fragen nicht, wie viele, sie fragen nur, wo!“, rief er, und die Männer antworteten mit Gelächter.

„Scheiß auf die Griechen!“, rief Promptus zurück. „Hast du keinen römischen Spruch, Centurio?“ „Natürlich“, antwortete Lucius. „Besiegt werden wir siegen!“

Mit Jubel und Beifall antworteten seine Männer auf das Plautus-Zitat und bogen um die nächste Lagerecke. Sie marschierten auf der Westseite des Lagers entlang auf Basilia zu und bogen dann wieder zum Fluss ab. Auf der Decumanaseite begegneten sie erneut der Centurie der Gallica. Wieder brandete deren Hohngelächter auf, aber diesmal schon deutlich matter. Lucius sah ihre angestrengten Gesichter und bemerkte eine ganze Reihe unter ihnen, die schwer atmeten. Ihr Keuchen war noch eine ganze Weile zu hören.

„Centurio!“, sagte einer der Männer beunruhigt. „Die haben bald die erste Runde absolviert und wir gerade mal eine halbe!“

„Na und? Dafür fallen sie gleich tot um, wie der Grieche nach dem Marathon!“, entgegnete Lucius. „Aber ihr habt recht, es wird Zeit für einen kleinen Dauerlauf, oder?“

Die Männer brüllten begeistert Zustimmung.

„NA DANN!“, donnerte Lucius. „CURSIM! Im Laufschritt!“

Die Centurie erhöhte das Tempo, was mit Jubelgeschrei vom Lagerwall quittiert wurde. Sie bogen erneut um die Lagerecke und stürmten auf die Via Principalis zu. So beendeten sie die erste Runde. Weiter ging es, auf das andere Ende des Lagers zu, und Lucius erwartete die Centurie der Gallica, aber sie war noch nicht zu sehen.

„Sie haben an Boden verloren!“, brüllte er und sie bogen auf die Seite der Porta Praetoria ab. Jetzt konnten sie die andere Centurie sehen, sie marschierte im normalen Gleichschritt auf die Via Praetoria zu. Sie hatten also einiges von ihrem ursprünglichen Vorsprung eingebüßt.

Lucius wartete, bis sie nur noch zehn Doppelschritte entfernt waren, und brüllte dann: „Zum Angriff!“

„AUGUSTA!“, brüllten die Legionäre und rannten die wenigen Schritte auf ihre Kameraden zu, die erschrocken zusammenfuhren und die Männer der Augusta entgeistert anstarrten. Um sie nicht zu sehr zu erschöpfen, befahl Lucius wieder Gleichschritt und seine Männer marschierten in normalem Tempo weiter.

„Das hat ihnen eine Scheißangst eingejagt!“, bemerkte einer der Legionäre zufrieden, und seine Nebenleute stimmten begeistert zu. Ein letztes Mal bogen sie zur Dextraseite des Lagers ab. Jetzt, da der Schnee festgetreten war, war das Marschieren beinahe ein Kinderspiel. Sie erreichten die Decumanaseite. Vom Gegner war nichts zu sehen.

„Wir gewinnen, Männer! Durchhalten!“, ermahnte Lucius. Verbissen stapften seine Männer weiter. „Augusta, Augusta, Augusta!“, riefen die Legionäre auf dem Lagerwall. Als sie die Porta Decumana erreichten, bog die Centurie der Gallica um die Ecke.

„Wir gewinnen!“, jubelte Lucius innerlich und sah in Gedanken schon die betretenen Gesichter der primi ordinis vor sich. Da ertönte ein Schmerzensschrei und die Kolonne geriet ins Stocken. Lucius rannte die Reihen entlang und sah einen Mann auf dem Boden liegen, um den sich andere kümmerten. Der Mann hielt sich einen Fuß und krümmte sich offensichtlich vor Schmerzen. Es war Celsonius. Natürlich, fluchte Lucius innerlich, meine Nemesis. Die Centurie der Gallica witterte Morgenluft und verfiel in Laufschritt, als sie die Augusta halten sah. Vom Lagerwall schallten Entsetzens- und Jubelrufe herüber.

„Bin umgeknickt, kann nicht auftreten!“, ächzte der Tesserarius. Lucius tastete grob den Knöchel ab. Auch Drusillus kniete sich neben ihnen hin, um sich die Verletzung anzusehen. Nach einer schnellen Untersuchung standen sie auf und Lucius sah die Gallica mit Hohngeschrei vorbeistürmen. Noch konnten sie gewinnen, ihm musste nur schnell etwas einfallen.

„Lass ihn hier liegen, Centurio!“, sagte Drusillus entnervt.

Natürlich war das die einfachste Lösung, aber irgendetwas in ihm sagte, dass es nicht die richtige war. „Nein!“, sagte er entschieden und schüttelte zur Unterstützung den Kopf. „Niemand wird zurückgelassen!“

„Zurückgelassen?“ Drusillus’ Stimme überschlug sich beinahe hysterisch. „Es sind nur ein paar Schritte zum Lager! Er ist nicht in Gefahr und …!“ Seine Stimme wurde zum Flüstern. „Der Knöchel ist nicht mal dick, nicht gebrochen, gar nichts! Wenn du mich fragst, er ist gekauft!“

Lucius beachtete ihn nicht weiter, ihm war selbst schon aufgefallen, dass der Knöchel nicht geschwollen war, und er hatte vermutet, dass Celsonius ihnen etwas vorspielte. Sie mussten ihn tragen und würden verlieren, da die Träger nicht laufen konnten ohne auszurutschen.

RUTSCHEN, das war die Lösung!

„Drusillus, los, an die Spitze und Marsch, zunächst normaler Gleichschritt! LOS!“, befahl Lucius hektisch und spähte zu den Gegnern. Sie waren wieder in den Gleichschritt zurückgefallen und erreichten gerade die Lagerecke. Nur ein kleiner Vorsprung, das musste zu schaffen sein. „Promptus!“, brüllte er. „Dein Contubernium zu mir, schnell!“