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Die acht Männer rannten auf ihn zu, während sich die Centurie wieder in Marsch setzte.

„Los, vier Mann nehmen alle Waffen, schnell, bis auf ein Scutum und ab, hinter den anderen her!“ Vier Männer beluden sich mit den zusätzlichen Pila und Schilden und stapften, so gut es ging, hinter der Kolonne her.

„Los, ihr vier nehmt eure Schwerter ab, knotet die Riemen aneinander und befestigt sie am Schildgriff!“

Im Handumdrehen wurde so der Schild in einen Zugschlitten verwandelt, der verdutzte Celsonius oben draufgesetzt und von den vier Männern mit dem selbstgebauten Geschirr gezogen. Der Schild schlitterte vorwärts und Lucius lief mit den vier zusätzlichen Schwertern nebenher. Er warf einen Blick über die Schulter und sah den letzten Mann der Gallica um die Ecke verschwinden. Aber auch seine Centurie hatte die letzte Lagerecke erreicht.

„AUGUSTA, AUGUSTA, AUGUSTA!“, brüllten die Legionäre begeistert vom Lager her.

Sie bogen um die Lagerecke. Celsonius klammerte sich mühsam an den hin- und herschlenkernden Schild und versuchte krampfhaft, nicht heruntergeschleudert zu werden. Seine Position sah alles andere als bequem aus.

Sie holten auf und sahen, dass die Männer, die mit den zusätzlichen Pila beladen waren, zurückfielen. Sie warteten auf sie und lösten sie ab. Mit unvermindertem Tempo ging es weiter. Jetzt schlossen sie zur Centurie auf, worauf die hinteren Legionäre einen Ruf ausstießen, der nach vorn durchgegeben wurde. Was gerufen wurde, konnte Lucius nicht verstehen, aber er konnte es sich denken, als die Centurie in den Laufschritt fiel. Sie erreichten die Via Principalis und liefen auf das Lager zu. Lucius hatte zu Drusillus an der Spitze aufgeschlossen.

„ZUM ANGRIFF!“, brüllte Lucius wieder, und mit dem Schlachtruf „AUGUSTUS!“ stürmten die Männer durch das Tor und rannten auf das Forum zu.

Durch das andere Tor kamen die Männer der Gallica herein. Das Geschrei um sie herum wurde ohrenbetäubend. Sie erreichten das Forum und kamen stolpernd und schlitternd zum Stehen. Mallius stoppte abrupt und ging dann ruhig und würdevoll auf den Stellplatz der Standarte zu. Lucius sah den anderen Signifer ebenfalls das Forum erreichen und wollte am liebsten „Lauf, Mallius, lauf!“ brüllen, aber er wusste, nichts würde einen Signifer dazu bringen, die heilige Handlung, das ihm anvertraute Signum im Heiligtum der Legion aufzustellen, in Hast und Eile durchzuführen. Der andere Signifer ging genauso angemessenen Schrittes auf die Standarte zu, während um sie herum die Männer ungeduldig schrien und jubelten.

Lucius fiel plötzlich siedendheiß ein, dass er noch immer die Schwerter seiner Legionäre trug. „Vernite! Antreten!“, befahl er und warf den Legionären ihre Schwerter zu.

Mallius kehrte so zügig er vermochte auf seinen Platz zurück und Lucius baute sich keuchend vor Quirinius und Gallus auf.

„Die zweite Centurie der Hastaten der 8. Kohorte vollzählig vom Übungsmarsch zurück. Ein Verletzter!“

Gallus sah ihn säuerlich an und warf einen Blick zu seinem Primipilus, der mit Canidius zusammen die beiden Centurien beobachtete hatte. Ein widerwilliger Ausdruck breitete sich auf dessen Gesicht aus, aber schließlich zuckte er resigniert mit den Schultern.

Quirinius grinste breit und sagte: „Du schuldest mir einen Denar, Gaius!“

Gallus warf ihm einen Denar zu und wandte sich wütend ab. Quirinius fing ihn lässig auf und sagte zu Lucius: „Gut gemacht, Centurio!“, und klopfte ihm auf die Schulter.

Die Legionäre der Augusta brachen in Jubelrufe aus. In den Tumult hinein fragte Canidius Lucius: „Wie bist du auf die Idee mit dem Krankentransport gekommen?“

„Ich hatte mal gelesen, dass die Kimbern auf ihren Schilden verschneite Abhänge heruntergefahren sind!“, sagte Lucius mit breitem Grinsen. „Das ist mir wieder eingefallen!“

Canidius lachte schallend und klopfte Lucius anerkennend auf die Schulter: „Das beweist, dass man aus Büchern doch etwas lernen kann!“

Mit Beifall und viel weiterem Schulterklopfen wurde die Centurie zu ihren Zelten eskortiert. Lucius hatte das Gefühl, einen großen Schritt nach vorn gemacht zu haben. Dies musste doch jetzt der Durchbruch gewesen sein. Wenn ihm der Primipilus in aller Öffentlichkeit auf die Schulter geklopft hatte, mussten doch auch die anderen seine Leistung anerkennen!

Übermütig drehte er sich zu seinen Männern um, zeigte auf den am Boden sitzenden Celsonius und rief: „Vergesst nicht Männer, so eine Verletzung muss man kühlen! Her mit dem Schnee!“

Die Männer johlten und überschütteten den Tesserarius mit Schnee. Celsonius versuchte zu protestieren, doch der Schnee geriet ihm in den Mund. Er hustete und prustete unter dem Beifall der lachenden Männer. Strafe muss sein, dachte Lucius lächelnd.

Am Abend wurde gefeiert und Lucius wanderte von Contubernium zu Contubernium, beglückwünschte alle zu ihrer Leistung und trank ihnen zu. Die Männer empfingen ihn begeistert und tranken auf sein Wohl.

Schließlich setzte Lucius sich glücklich und zufrieden vor sein Quartier und beobachtete seine Leute. Die Kälte machte ihm nichts aus, da sich der heutige Erfolg wie ein wohliger Schleier auf ihn gelegt hatte. Vielleicht war es auch ein bisschen viel Wein gewesen, dachte er, und winkte Drusillus und Mallius herbei. Er beglückwünschte die beiden zu dem Sieg und gemeinsam tranken sie auf den Erfolg.

Als sie sich verabschiedeten, zeigte Drusillus einen Gesichtsausdruck, den Lucius nicht zu deuten wusste. War es Erheiterung, Spott? Auch Mallius blieb noch einen Moment stehen und sah ausnahmsweise einmal zufrieden aus. „Wir haben der Standarte Ehre gemacht und die Jungs haben diesen kleinen Sieg und die Feier verdient! Sie haben sich gut geschlagen!“ Nach einer Pause fügte er jedoch schulterzuckend hinzu: „Es war natürlich keine besondere Leistung! Als wir damals mit Caesar durch die verschneite Cevenna gezogen sind, das war etwas ganz anderes!“

Er lächelte sein überlegenes Altväter-Lächeln. Dann ging er, um seine Unterkunft aufzusuchen.

Lucius sah ihm leicht verdrossen nach. Trotz allem klangen da immer noch diese Vorbehalte und Empfindlichkeiten durch. Und die würden die Centurionen wohl doch nicht ablegen.

Anfangs hatten sie ihn wegen allem abgelehnt: keine Erfahrung, mangelnde Ausdauer, kein Stehvermögen, keine Kampferfahrung, nicht zäh genug und was sie ihm sonst noch unterstellten. Das vergangene Jahr hatte ihnen gezeigt, dass er es zumindest an Zähigkeit und Ausdauer mit jedem aufnehmen konnte. Dem zollten sie Respekt. Aber trotzdem hielten sie ihn für zu jung. Kampferfahrung hatte er immer noch keine. Für sie war es nach wie vor widernatürlich, einen so jungen Centurio zu sehen; einen Legaten, Tribun oder General in dem Alter konnten sie ertragen, das waren sie gewohnt, aber ein Centurio musste alt und knorrig sein wie ein Olivenbaum. In dem bevorstehenden Feldzug würde er zwar seine erste Kampferfahrung sammeln, wahrscheinlich seinen ersten Feind töten, aber selbst das würde ihm voraussichtlich nicht den Respekt seiner Kollegen einbringen. Für einen Centurio waren Tapferkeit und Unerschrockenheit selbstverständlich.

Er dachte an all die Erzählungen, die er früher so gern gehört hatte, wie die von den zwei Centurionen, die sich allein in den Kampf gegen die Gallier gestürzt und vorher ihre Einheiten zum Schiedsrichter bestimmt hatten. Diese sollten entscheiden, wer von ihnen der Tapferere sei. Sie retten sich gegenseitig das Leben und kehrten unbesiegt ins Lager zurück. Die Legionäre stimmten für unentschieden.

Oder die vom Centurio Petronius, der bei Gergovia den Rückzug seiner Männer mit den Worten deckte: „Mein Blut und meine Kräfte rinnen davon. Seht zu, dass ihr wegkommt!“