Выбрать главу

Nachdem die Römer verschwunden waren, versammelten sich die Häuptlinge und die Krieger erneut, um den Schlachtplan zu besprechen. Die Versammlung lief nicht so, wie Gesatorix es gehofft hatte. Er wollte mit dem Heer den Römern entgegenziehen und sie in einer offenen Feldschlacht bekämpfen. Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, sprach Cingetorix, dieser Feigling, dagegen. Am liebsten hätte Gesatorix ihn vor aller Augen zum Kampf herausgefordert, aber ein Druide überwachte die Verhandlung als Garant für einen friedlichen Verlauf.

„Uns stehen zwei Legionen gegenüber, das sind mindestens achttausend Mann, dazu kommen noch die Kontingente der Hilfstruppen und Reiter. Die Römer sind uns zahlenmäßig überlegen!“

„Na und? Ein Licate nimmt es mindestens mit zwei Römern auf!“, brüllte ein anderer Häuptling dazwischen.

„Und dann?“, fragte Cingetorix herausfordernd. „Wir haben, wenn wir alle waffenfähigen Männer aufbieten, fünftausend Krieger! Wir schlagen also die zwei Legionen zurück. In Gallien stehen andere bereit, die spätestens im nächsten Jahr nachrücken werden. Unsere Toten aber werden tot bleiben!“

„Wenn wir die Römer geschlagen haben, werden sich die anderen vindelicischen Stämme uns anschließen und wir werden nach Lugdunum marschieren und die Stadt niederbrennen!“

Die Männer kannten die Gegebenheiten in den römischen Landen nicht und ihnen gefiel, was sie da hörten. Jubel brach in der Halle aus.

Ihre Gier und ihre Engstirnigkeit würde sie in den Abgrund führen! Cingetorix ärgerte sich nicht zum ersten Mal über das geringe Wissen seines Volkes über die Welt da draußen. So erklärte er der Versammlung, dass es außer den zwei Legionen im Anmarsch noch vier weitere in Gallia Comata gab. Lautes Geschrei erhob sich. Die Männer brüllten erhitzt, dass sie auch mit sechs Legionen fertig würden.

Cingetorix hob die Arme: „Und wenn die anderen Stämme sich uns nicht anschließen? Was dann? Dann stehen wir alleine gegen die Legionen, und nach den zwei kommen noch zwei und dann vielleicht drei!“ Er machte eine Pause und sah, dass seine Worte Wirkung zeigten. „Nein, wenn wir kämpfen wollen, müssen wir den Ort bestimmen und es muss ein Ort sein, wo wenige Krieger viele aufhalten können und der einer Belagerung standhält, in der die Römer Meister sind!“

„Was schlägst du vor?“, fragte der Druide ruhig.

„Wir verschanzen uns hier in Damasia. Der Ort liegt auf einem Berg. Wir sind durch den Fluss in Richtung Mittag und im Rücken geschützt. Wenn wir einen Graben und einen Wall vom See zur Stadt ziehen, können wir im Norden ein Lager aufschlagen und dort die meisten Krieger unterbringen. Wir können nur aus Richtung Sonnenuntergang angegriffen werden. Unsere Flanken sind durch den See und durch Damasia geschützt. Über den Fluss können wir Verstärkung und Nachschub holen. Über den See und durch die Berge können wir Krieger ausschicken, die die Proviantzüge der Römer überfallen.“

Die anderen murmelten Zustimmung.

„Wir sollten so viel Getreide wie möglich einbringen und hier lagern.“ Er wandte sich an die Abgesandten der anderen Stämme. „Ihr könnt uns unterstützen. Die Cattenaten können mit ihren Kriegern hierherkommen und uns verstärken. Die Cosuaneten und Rucinaten sollen um den See herum ziehen und die Römer von hinten angreifen. Vernichtet ihren Nachschub, schneidet sie von ihrer Basis am Rhenus ab, und sie müssen sich zurückziehen.“

Die Abgesandten der Rucinaten wiegten bedenklich ihre Häupter. „Und was, wenn die Römer Damasia nicht belagern, sondern weiterziehen? Dann greifen sie erst unsere Krieger an und dann unser Land!“

Cingetorix versuchte, ihn zu beschwichtigen: „Wenn die Römer sich nach Mitternacht wenden, zieht ihr euch zurück und wir greifen ihre Nachschubwege an!“ Er hob beide Hände. „Unsere beiden Heere werden wie zwei Hände sein, die gegen einen einarmigen Krieger kämpfen. Egal, gegen welche Hand er sich wehrt, die andere wird ihn ohrfeigen!“

Die Männer brachen in Jubel aus und der Plan wurde angenommen.

Die Licaten hatten zunächst die Befestigungen von Damasia instand gesetzt und begannen nun, die Umgebung des Oppidums zu befestigen. Sie hoben einen Graben aus und schichteten einen Wall auf. Einen römischen Centurio hätte er nicht zufriedengestellt, ein Legionär hätte gelächelt. Für die Kelten aber war es eine außergewöhnliche Maßnahme. Sie waren stolz auf ihre Leistung.

Die Frauen, Kinder und Alten wurden aus dem Ort gebracht und über den Fluss gesetzt. Die Mauer wurde ausgebessert und erhöht. Merkwürdigerweise ließen die Römer sie gewähren. Schnell wie der Wind waren sie über die Briganten und Estionen hergefallen, und jetzt trödelten sie in Cambodunum herum. Als endlich dreitausend Cattenaten eintrafen und noch weitere Vorräte mitbrachten, wuchs die Zuversicht der Licaten. Sie waren bereit. Die Römer konnten kommen.

„Warum lässt du dir so viel Zeit, Tiberius?“, fragte Varus. „Wir trödeln jetzt schon eine Woche länger in Cambodunum herum als nötig. Mittlerweile sitzt das Heer der Licaten gut gesichert in Damasia, und wir müssen sie da mühsam herausholen.“

„Warum so kleingläubig, Publius Quinctilius?“, fragte Tiberius gelassen. „Dieses kleine Nest und diese mickrigen Befestigungen werden uns nicht lange aufhalten. Ich lasse mir Zeit, weil ich ein Exempel statuieren will. Die Stämme sollen sehen, dass sie keine Möglichkeit haben, zu gewinnen. Selbst wenn sie Zeit und Ort des Kampfes bestimmen können und so viel Zeit haben, wie sie wollen, sich auf den Kampf vorzubereiten! Du wirst sehen, es wird wie ein Manöver ablaufen. Wir werden ein paar Verluste haben, aber dafür wird es keine Aufstände mehr in unserem Rücken geben! Wir legen also hier in Ruhe ein Lager für die Kohorte an, die unseren Nachschubweg nach Brigantium sichert.“

„Eile mit Weile, würde Augustus jetzt sagen!“, bemerkte Varus lächelnd. „Sind die Männer nicht prächtig? Die Auslese des römischen Volkes!“ Die letzten Worte sagte er mit ironischem Unterton und Seitenblick auf einige Tribune, die auf dem Forum herumlungerten und Wein tranken.

„Zum Kriege zusammengekehrt, das Gerümpel des Landes!“, entgegnete Tiberius, der dem Blick gefolgt war, und fügte, als er Varus’ fragenden Blick sah, noch hinzu: „Homer!“ Er hielt dem Legaten eine Schriftrolle hin. „Übrigens sind mein Bruder und seine zwei Legionen nicht weit!“

Nach dem Abstecher zu den Norikern hatte Drusus seine beiden Legionen wieder vereinigt und marschierte nun nach Westen. Er hatte Tiberius einen Boten geschickt und erfahren, dass dieser die Estionen unterworfen hatte und sich anschickte, gegen die Licaten vorzurücken. Drusus’ Kundschafter hatten schon gemeldet, dass sich auch die übrigen vindelicischen Stämme sammelten.

Doch den Rucinaten und Cosuaneten blieb das plötzliche Auftauchen einer weiteren römischen Streitmacht in ihrem Rücken nicht verborgen und das Heer, das bereits am See der Licaten angekommen war, machte kehrt und marschierte eiligst nach Osten.

Die Augusta marschierte in Schlachtordnung auf, flankiert von den Helvetern und den Belgen. Mit lautem Geschrei strömten die Licaten aus Damasia heraus und stellten sich hinter dem Wall in Schlachtordnung auf. Sie bemerkten nicht, dass die Gallica hinter der Augusta ein Legionslager errichtete und dann nach Norden zog. Einige Meilen westlich vom See der Licaten lag ein weiterer kleiner See. Die Gallica marschierte direkt in die Enge zwischen den beiden Seen und errichtete dort ihr Lager. Dann wurden Gräben ausgehoben und der Durchgang nach Norden und Süden gesichert.

Als die Dämmerung hereinbrach, zog sich die Augusta geordnet ins Lager zurück. Die Licatier verbuchten dies als ersten kleinen Erfolg. Am nächsten Tag setzten die Römer ihre Bautätigkeit fort. Sabinus übernahm das Kommando über die Helveter und die Reiter. Sie schlossen die Lücke zwischen den beiden Legionslagern. Ahenobarbus zog mit dem Aufgebot der Belgen nach Süden und baute deren Lager südlich von Damasia auf, direkt am Ufer der Lica. Damit war der Ort von Westen und Norden her komplett abgeriegelt. Als Ausweg blieben nur noch die Wege nach Osten und über den See.