Выбрать главу

Tiberius ließ die Katapulte und Ballisten in Stellung bringen und den Wall planmäßig beschießen.

Schon nach kurzem Beschuss wagte keiner der Licaten mehr, aufrecht zu stehen. Alle hockten zusammengekauert hinter dem Wall, da die römischen Katapultschützen zielsicher eine Wache nach der anderen abschossen. Dann wurden die Ballisten gegen das Oppidum gerichtet. Die Steine rissen Lücken in die Palisaden und das brennende Pech setzte die Häuser in Brand. Die Vindelicer versuchten, das Feuer einzudämmen und die Lücken wieder zu schließen. Dabei mussten sie weitere Verluste durch die Katapultgeschütze hinnehmen. Den ganzen Tag ging der Beschuss unverändert weiter. Am Nachmittag setzten sich die nach Manipel gestaffelten Kohorten der Römer in Bewegung. Sie schützten einige kleine Kontingente an Hilfstruppen, die unmittelbar hinter ihnen folgten.

Lucius wischte seine Hand an einem Grasbüschel trocken, bevor er mit seinen Männern vorrückte. Hinter ihnen kamen die Hilfstruppen, die Säcke und Reisigbündel schleppten. Jeden Moment mussten sie einen Pfeil- oder Speerhagel erwarten. Er hörte aus der Ferne das Hornsignal, das von seinem Cornicen erwidert wurde.

„Testudo bilden!“, rief er, und die Legionäre hoben die Schilde hoch oder hielten sie zur Seite, um so ein schützendes Dach über einer Gruppe der Hilfstruppen, die Säcke und Reisigbündel trug, zu bilden. Lucius spürte ein mulmiges Gefühl, als sich das Schilddach über ihm schloss. So blind vorzurücken behagte ihm nicht. Das Gefühl verstärkte sich noch, als der Pfeilbeschuss einsetzte. Er hörte, wie die Pfeile dumpf in die Schilde schlugen, und jedes Mal, wenn es über ihm einschlug, zuckte er unwillkürlich zusammen. Ripanus, der seine Reaktion bemerkte, sagte lakonisch: „Man muss sich an die testudo erst gewöhnen, Centurio, aber nach dem zehnten Mal isses halb so wild!“

Lucius versuchte, durch einen der Spalten etwas zu erkennen, und sah, dass die Licaten die Stellungen am ersten Graben besetzt hatten. Sie schleuderten Speere und Steine auf die testudo. Ein Stein traf direkt über ihm auf das Schilddach. Albanus, dessen Schild getroffen worden war, stieß einen Fluch aus.

„Verletzt?“, fragte Lucius besorgt.

„So’n Quatsch, Centurio!“, blaffte Albanus. „Von so ’nem kleinen Steinchen doch nich’. Da müssen die Scheißer schon mit Ballisten auf uns schießen. Nee, nee, aber der Stein hat bestimmt ’ne Beule verursacht und mein Centurio wird wieder rumkrakeelen von wegen Sorgfalt mit dem Material oder so!“

Die Legionäre um sie herum lachten, was unter dem Schilddach hohl klang. Jetzt hörten sie von hinten das Sausen von Speeren, dann über sich, und schon waren von vorn Schmerzensschreie zu hören. Die hinter der testudo postierten Legionäre hatten ihre Pila geschleudert.

„Achtung, wir sind gleich da. Bereithalten, um testudo aufzulösen!“

Lucius hörte ein dumpfes Hornsignal. „Testudo auflösen und Pila fertig!“, befahl er.

Die Schilde wurden gesenkt und die Legionäre, die gerade noch eng zusammengerückt waren, nahmen die normalen Abstände zum Nebenmann ein.

„Pila bereit!“, rief Lucius. „LOS! Mittite! Feuert!“

Jetzt schleuderten seine Männer ihre Pila. Die Wirkung bekam Lucius nicht mit, da er auf die Hilfstruppen achten musste. Diese rannten zum Graben und warfen die Säcke und die Reisigbündel hinein.

Von der Mauer des Oppdiums aus versuchten nun die Bogenschützen, die Hilfstruppen unter Beschuss zu nehmen, aber die römischen Katapultschützen und die syrischen Bogenschützen fügten den keltischen Verteidigern große Verluste zu. Die Hilfstruppen begannen nun, Erde in den Graben zu schaufeln. Lucius ließ den Cornicen ein Signal geben, woraufhin eine zweite Einheit der Hilfstruppen mit langen Planken herbeieilte, die sie über den Graben auf den Wall warfen. Über die so entstandenen Stege gelangten die Legionäre auf den Wall. Es kam zu heftigen Handgemengen. An einigen Stellen war der Graben von den Hilfstruppen bereits eingeebnet worden. Auch hier wurde nun verbissen gekämpft. Es wurde schnell deutlich, dass die leicht bewaffneten Licaten gegen die schwer gepanzerten Legionäre keine Chance hatten. Sie wurden niedergehauen und aus ihren Stellungen vertrieben. Die Verteidiger begannen zum Oppidum zu fliehen und die Legionäre formierten sich und rückten nach.

Die Hilfstruppen rissen nun die Palisade auf dem Wall ein und füllten den Graben mit der Erde des Walls komplett auf. Außerdem sammelten sie die herumliegenden Pila ein, damit die Schmieden sie wieder einsatzfähig machen konnten.

Als das Rückzugssignal ertönte, waren sie zum großen Teil fertig damit. Überall zogen sich die römischen Einheiten nun zurück, nachdem sie ihre Aufgabe, die erste Stellung des Feindes dem Erdboden gleichzumachen, erfüllt hatten.

Lucius sah Varus durch die zurückweichenden Kohorten reiten. Er lobte die Männer für ihre Disziplin und ihren Kampfesmut: „Ihr kämpft so gut wie die Legionäre des Scipio Africanus oder des Gaius Marius. Ich glaube nicht, dass Caesars berühmte X Legion es heute hätte besser machen können!“

Am nächsten Morgen marschierten die Legionen wieder in Schlachtordnung auf. Die Cattenaten setzten schnell über den Fluss, vereinigten sich mit den Licaten, und das Heer der Kelten stellte sich in Schlachtordnung vor dem Oppidum auf.

Zuerst beschossen die römischen Legionen die Vindelicer mit Pfeilen, Kugeln und Steinen. Da das Heer der Kelten keine Deckung mehr hatte, forderte bereits dieser Beschuss reichlich Opfer.

Die Vindelicer versuchten der Bedrängnis durch einen Angriff zu entkommen: Sie stürmten vor.

Dunkel dröhnten die römischen Hörner und Trompeten, als sich die Legionäre in Bewegung setzten, um dem Aufprall zu begegnen. Die Schlacht vollzog sich wie am Tag zuvor, die Pilumsalven forderten ihre Opfer und dann stürmten die Legionäre mit blankem Schwert vor und drängten die Kelten zurück. Wieder fehlte den Verteidigern des Oppidums der Platz, ihre langen Schwerter zu schwingen, und so gerieten ihre Reihen erneut in Unordnung.

Die 8. Kohorte stand als Reserve in der zweiten Reihe und wartete ab. Lucius sah den Kämpfen zu und bemerkte, wie die Legionäre überall planmäßig vorrückten.

Da ertönte das Signaclass="underline" „Halt!“, gefolgt von: „Rückzug!“

Sofort hielten die Legionäre an und zogen sich ordnungsgemäß zurück.

„Fertig machen!“, rief Lucius. „Wir sind dran!“

Er nahm seinen Schild auf und reihte sich bei seinen Männern ein. Ein weiteres Signal ertönte und die Kohorten der ersten Reihe zogen sich noch weiter zurück, um den Kohorten der zweiten Reihe Raum zu geben. Die Kelten bemerkten die Rückzugsbewegung und stürmten mit lautem Geschrei vor.

„Achtung!“, brüllte Lucius und die Legionäre richteten ihre Pila nach vorn und warteten auf den Aufprall. Zuerst ging ein Hagel Wurfspeere nieder, dann warfen sich die Kelten auf die Römer. Sie versuchten die Speere beiseite zu schlagen und die Legionäre direkt anzugreifen. Aber gegen den dichten Wald aus Pilumspitzen war auch dieses Mal nur schwer anzukommen.

Tiberius erteilte den Hilfstruppen den Befehl zum Vorrücken. Kleine Kontingente der Belgen hatten auf der linken Seite die Flanke der Legionen geschützt. Der Rest hatte hinter den Legionen in Bereitschaft gestanden. Als sich die Legionen nach dem ersten Anprall zurückgezogen hatten, hatten die Belgen ihre Positionen gehalten und die Reserve war nachgerückt. Dadurch umschlossen sie das Heer der Vindelicer mehr und mehr. Als nun Tiberius das Signal gab, rückte der Rest der Belgen auch noch vor, umging den eigenen Flügel und stand dann tief in der Flanke der Cattenaten. Ein Signal ertönte und die Belgen griffen an, unterstützt von den häduischen Reitern, die plötzlich aus dem Lager der Gallica ausrückten.

Die Cattenaten wurden von dem Angriff überrascht und ihr rechter Flügel wurde völlig überrannt. Sie wichen zunächst langsam zurück, aber je weiter die Belgen vorrückten, desto schneller wurde ihr Rückzug. Nun griff der rechte römische Flügel an und die Helveter und Allobroger drangen am Fuße des Steilhanges, auf dem Damasia lag, vor. Die überraschten Licaten wichen auch dort zurück. Sofort rückten zwei Legionskohorten nach und schnitten das Heer vom Oppidum ab.