„Angenommen, er verbraucht den restlichen Schub, um sich schnell zu drehen“, sagte eine andere Stimme. „Dadurch wäre es uns möglich, einen rasch rotierenden Körper von der ungefähren Masse eines Tralthaners mit optischen Mitteln zu orten und ihn.“
„Ich weiß nicht, Sir“, unterbrach sie die erste Stimme. „Auch einige von diesen Frachtstücken sind groß, weisen etwa die gleiche Masse auf und bewegen sich in ähnlicher Weise. Falls Gurronsevas das Pech gehabt hat, zwischen zwei zusammenstoßenden Frachtstücken eingeklemmt zu werden, dann hat er vielleicht nicht mehr viel Ähnlichkeit mit einem Tralthaner.“
„Befestigen Sie einen Traktorstrahlprojektor an der Außenhaut“, ordnete die zweite Stimme rasch an. „Setzen Sie den Strahl zusammen mit der Rettungsmannschaft ein, die sich verteilen soll, um die Trümmerwolke in einem Rutsch abzusuchen. Falls irgendwer etwas entdeckt, das wie unser verirrter Tralthaner aussieht, ziehen Sie es mit dem Strahl ins Hospital.“
„Traktorstrahlprojektoren sind nicht gerade transportabel, Sir“, wandte die erste Stimme ein. „Wir werden einige Zeit brauchen, um ihn in der richtigen Position festzuklemmen, und auch die Nachjustierung der.“
„Ich weiß, ich weiß. Erledigen Sie es einfach so schnell wie möglich.“
Durch die wenigen klaren Stellen im Helm sah Gurronsevas, daß sich seine Lage in bezug auf das Hospital stabilisiert hatte, denn die Frachtschleuse des Ladeplatzes, die durch die Entfernung zu einem kleinen, hell erleuchteten Quadrat zusammengeschrumpft war, kreiste nicht mehr um ihn herum. Durch die Schleuse schafften winzige terrestrische Gestalten ein Gerät, wahrscheinlich den Traktorstrahlprojektor, auf die Außenhaut. Wenige Sekunden später kamen die ersten Mitglieder der Rettungsmannschaft in düsengetriebenen Anzügen herausgeschossen, um sich über die zugeteilten Suchgebiete zu verteilen.
Keiner von ihnen stürzte direkt auf Gurronsevas zu, der seinerseits ins Unglück stürzte.
Immer noch breitete sich die Trümmerwolke rings um ihn aus und zog sich dabei auseinander, und der dichte Nebel aus Nahrungspräparat und Chlor löste sich zu einem etwas weniger undurchdringlichen Dunst auf, außer an einer Stelle in der Nähe, wo ein hudlarischer Sprühbehälter mit irgend etwas zusammengeprallt war, das den Sprühkopf abgerissen und den Behälter zum Drehen gebracht hatte. Nun spritzte während der Rotation der Inhalt in einem dünnen Strahl mit hohem Druck aus dem Behälter, so daß dieser von einer sich ständig erweiternden Spirale aus Nahrungspräparat umgeben war. Doch Gurronsevas war ihm zu nah und bewegte sich zu schnell, um den hellen, unwirklichen Nebelringen mit Hilfe der Düsen zu entkommen, und konnte nur die Arme um den Kopf schlingen, um die verbliebenen durchsichtigen Stellen des Helms zu schützen.
Kurz bevor er den Außenrand der hellen, unwirklichen Spirale erreichte, hätte Gurronsevas fast glauben können, er nähere sich dem Staub im äquatorialen Orbit eines gewaltigen Planeten mit Ringsystem und dringe in ihn ein. Wenigstens ist mein Lebensende von einigen ungewöhnlichen und interessanten Erlebnissen begleitet, dachte er. Als er durch die Nebelringe hindurchgeflogen war, ohne daß sich die Sicht durch den Helm verschlechtert hatte, war er äußerst zufrieden.
Jenseits der Ringe, etwa fünfzig Meter voraus, entdeckte er einen anderen Gegenstand, und zwar ein großes, anscheinend unbeschädigtes Paket mit hudlarischen Sprühbehältern, das sich im Verhältnis zu ihm selbst weder drehte noch fortbewegte. Folglich stellte es keine Bedrohung dar.
Die Rettungsmannschaft schwärmte jetzt weit aus, doch keine der Stimmen meldete, Gurronsevas erspäht zu haben, und der Tralthaner selbst konnte nur eins der Mitglieder durch den Nebel sehen. Als er sich gerade fragte, ob er die Arme schwenken sollte, um zu versuchen, die Aufmerksamkeit dieses einzelnen Terrestriers auf sich zu lenken, fiel ihm wieder der rotierende Behälter mit dem Nahrungspräparat ins Auge, der die Ringe erzeugte.
Bevor mein Leben zu Ende geht, habe ich ja vielleicht noch Zeit für ein paar weitere interessante Erlebnisse, dachte Gurronsevas mit zaghaft aufkeimender Hoffnung.
Das unbeschädigte Paket mit hudlarischen Sprühbehältern schwebte ganz in der Nähe. Gurronsevas zündete die Anzugdüsen, um an das Paket heranzukommen. Trotz der Sauerstoffknappheit und der dringend gebotenen Eile flog er mit sehr geringer Leistung, um nur sanft gegen das Paket zu stoßen, damit es sich nicht zu drehen begann oder die Behälter mit dem hudlarischen Nahrungspräparat beschädigt wurden, die dicht an dicht wie ein riesiger Teppich aus Eiern zusammengepackt waren, der jetzt langsam aufstieg, um ihn aufzunehmen.
Behutsam landete Gurronsevas darauf und bewegte sich mit größter Vorsicht so nahe zur Mitte der Schicht aus Behältern, wie es sein plumper Körperbau zuließ.
Da man den hudlarischen Frachter in der Schwerelosigkeit des Orbits beladen hatte und beim Sprung durch den Hyperraum zum Hospital ebenfalls keine Gravitation aufgetreten war, wurde das aus zwei Lagen Behältern bestehende Paket nicht durch einen festen Container, sondern durch ein straff gespanntes, offenmaschiges Netz zusammengehalten. Darum konnte er zwischen den langen, dicht gepackten Zylindern hindurch zur gegenüberliegenden Seite des Pakets und dahinter bis zur Außenhaut des Hospitals sehen.
Indem er durch den Spalt zwischen den Behältern blickte, die seinem Helm am nächsten waren, machte sich Gurronsevas am Paket fest und zündete die Anzugdüsen, um es in eine langsame, kontrollierte Rollbewegung zu versetzen. Als die hell erleuchtete Frachtschleuse des Ladeplatzes zwölf in dem Spalt zwischen den Behältern in Sicht kam, bremste Gurronsevas die Rollbewegung ab, brachte dann das Ziel unter leichtem Einsatz von Seitenschub in die Mitte dieses primitiven Fadenkreuzes und wartete kurz, um sicher zu sein, daß es dort blieb. Daraufhin zwang er sich zum Nachdenken.
Nach Gurronsevas’ Schätzung befanden sich in der Schicht um ihn herum hundert Behälter mit Nahrungspräparat, deren Sprühköpfe alle senkrecht nach oben gerichtet waren. In der Mitte wurden etwa zwanzig dieser Behälter von seinem Körper bedeckt und waren deshalb für seine Zwecke nutzlos, doch die äußeren Behälter konnte er leeren, ohne sich von oben bis unten mit Nahrungspräparat zu bespritzen. Ganz vorsichtig streckte er alle Arme aus, wählte zwei Behälterpaare aus, die gleich weit von seiner Position in der Mitte entfernt waren, stellte die Ventile nicht auf Sprühnebel, sondern auf den maximalen Ablaßstrahl ein, und betätigte alle vier Sprühköpfe auf einmal.
Als die Behälter ihren Inhalt mit hoher Geschwindigkeit in den Raum spritzten, spürte Gurronsevas einen ganz leichten Druck. Doch die Massenträgheit des Frachtpakets und seines eigenen gewaltigen Körpers mußte erst einmal überwunden werden, und sie war zu groß, als daß sich die Geschwindigkeit, mit der er sich vom Hospital wegbewegte, merklich reduziert hätte. Er wiederholte den Vorgang, bis er die Ventile sämtlicher Behälter in Reichweite geöffnet hatte und von spritzenden, auf dem Kopf stehenden Kegeln aus Nahrungspräparat umgeben war. Daß der Mittelpunkt der Schubkraft seines merkwürdigen Vehikels nicht von der beabsichtigten Flugrichtung abwich, war ungemein wichtig. Darum warf er alle paar Sekunden einen Blick durch die winzigen Lücken zwischen den Behältern, um sicherzugehen, daß die hell erleuchtete und inzwischen langsam anwachsende Öffnung zum Ladeplatz zwölf sich nicht zur Seite bewegte. Sowie sie wegzudriften drohte, korrigierte er den Kurs mit den Anzugdüsen.