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„Natürlich ist Ihnen das nicht klar, zumindest bis jetzt noch nicht“, meinte Lioren. „Aber wenn Sie Thornnastor Ihre Schwierigkeiten erklären würden, müßte es möglich sein, den Colonel zu umgehen. Bei Skemptons erstem Assistenten, Creon-Emesh, handelt es sich nämlich um den Leiter der Beschaffungsabteilung. Creon-Emesh und Thornnastor sind seit vielen Jahren so eng befreundet, daß sie beide große Probleme damit hätten, sich gegenseitig einen Gefallen abzuschlagen.“

„Ich verstehe“, sagte Gurronsevas. „Wenn zwei Mitglieder einer Spezies eine derart lange emotionale und sexuelle Beziehung miteinander führen, denken und fühlen sie wie ein einziges.“

Mitten im Satz brach er ab, weil Braithwaite und Cha Thrat anscheinend Atembeschwerden hatten. Bevor er sich voller Sorge nach ihrem Wohlbefinden erkundigen konnte, erklärte Lioren: „Die beiden spielen seit mehr als einem Jahrzehnt bei jeder sich bietenden Gelegenheit Bominyat miteinander, und zwar, wie viele behaupten, auf dem Niveau von Planetenmeisterschaften. Bei Creon-Emesh handelt es sich jedoch um einen Nidianer, deshalb haben die beiden keine körperliche Beziehung zueinander.“

„Dann möchte ich mich hiermit bei beiden Betroffenen vielmals entschuldigen“, murmelte Gurronsevas verlegen. „Aber wenn Creon Emesh Skemptons Assistent ist, würde er dann nicht dem Colonel erzählen.“

„Würde er nicht“, unterbrach ihn Braithwaite in bestimmtem Ton.

„Möglicherweise gebe ich vertrauliche Informationen aus Creon-Emeshs psychologischer Akte preis.“.

„Ich würde sagen, daran gibt es keinen Zweifel“, warf Lioren ein.

„…wenn ich Ihnen verrate, daß der Leiter der Beschaffungsabteilung ein intelligenter, tüchtiger und ehrgeiziger Mitarbeiter ist, der nichts davon hält, seinen Vorgesetzten mit Lappalien zu behelligen und auch nicht mit ernsten Problemen, wenn er sie selbst beheben kann. Kurz gesagt: Creon-Emesh ist einer dieser seltenen und hochgeschätzten Assistenten, die sich unaufhörlich bemühen, ihren Vorgesetzten überflüssig zu machen. Er achtet Skempton zwar, liebt ihn aber nicht und wird sich der momentanen Antipathie des Colonels Ihnen gegenüber bewußt sein. Wenn Sie Creon-Emesh die Bitte also vertraulich stellen und sie so formulieren, daß sie für ihn eine Herausforderung in der Tradition des Bominyat darstellt.“

„So verschlagen, wie der Lieutenant ist, sollte er unbedingt auch Bominyat spielen“, merkte Cha Thrat an.

„…dann bekommen Sie vielleicht Ihre Zutaten, ohne daß der Colonel irgend etwas davon erfährt“, fuhr Braithwaite fort, ohne den Einwurf zu beachten. „Oder wäre es Ihnen lieber, wenn ich Creon-Emesh den Vorschlag mache?“

„Nein“, antwortete Gurronsevas. „Seinerzeit habe ich auch mal Bominyat gespielt, wenn auch nur auf dem Niveau von Stadtmeisterschaften, also haben Creon-Emesh und ich schon mal eine Gemeinsamkeit. Ich bin Ihnen sehr dankbar, sowohl für den Vorschlag als auch für Ihr Hilfsangebot, würde die Sache aber lieber selbst durchführen.“

„Wenn Sie ebenfalls Bominyatti sind, brauchen Sie sich überhaupt keine Sorgen zu machen“, sagte Braithwaite, wobei er die Hand hob, um Gurronsevas zu signalisieren, daß er den Dank zwar zur Kenntnis genommen hatte, aber zurückwies. „Doch genug von diesen unaufrichtigen diplomatischen Spielchen und der kalkulierten Beeinflussung von Verpflichtungen, die andere untereinander haben. Welche kulinarischen Überraschungen planen Sie für uns?“

Für einen Nidianer war Creon-Emeshs Freizeitunterkunft relativ geräumig, doch für die Mehrheit der anderen Spezies stellte sie einen winzigen Raum dar, der geradezu Platzangst hervorrief. Die Decke war derart niedrig, daß Gurronsevas mit dem Kopf an ihr entlangscheuerte, obwohl er die Knie so stark wie möglich gebeugt und die Arme fest verschränkt hielt, und sein Körper drohte die Zierpflanzen hinunterzuwerfen, die an den Wänden hingen, oder die absurd zerbrechlich anmutenden Möbel zu zerdrücken. Auf der einen Seite des Zimmers war ein Bereich freigeräumt worden, und dort stieg die Decke auf eine Höhe an, die für einen größeren Besucher — vermutlich für Thornnastor — gedacht war. Erleichtert begab sich Gurronsevas dorthin.

„Sie sind bestimmt nicht bloß hier, um mit mir Bominyat zu spielen“, begann Creon-Emesh, bevor Gurronsevas etwas sagen konnte. „Das kann also warten. Wie Thorny mir immer wieder versichert, ähnelt meine Wohnung dem Bau eines tralthanischen Nagetiers. Also halten Sie sich lieber mit dem Lob bezüglich der Ausstattung meiner Unterkunft zurück, weil ich Ihnen das sowieso nicht abkaufen würde, und vergeuden Sie bitte keine kostbare Spielzeit. Was genau wollen Sie von mir?“

Gurronsevas bemühte sich, nicht beleidigt zu sein. Wie ihre zahlreichen Kritiker behaupteten, seien die Nidianer als Spezies nicht besonders stark oder intelligent und verfügten auch über keine wirksamen natürlichen Waffen, die es ihnen ermöglicht hätten, auf ihrem Heimatplaneten zur dominanten Lebensform aufzusteigen, sondern hätten sich diesen Platz ausschließlich durch ihre schlechte Laune und das bloße ungeduldige Verlangen, sich weiterzuentwickeln, erobert. Dennoch hielt es Gurronsevas für angebracht, seinem Gesprächspartner gegenüber wenigstens gutes Benehmen an den Tag zu legen.

„Nichtsdestoweniger bin ich Ihnen dankbar, daß Sie diesem Treffen zugestimmt haben, zumal es zu einer Zeit stattfindet, in der Sie eigentlich Ihre Freizeit verbringen sollten.“

„Freizeit, Dienst, ha!“ rief der Nidianer voller Ungeduld mit einer Kopfbewegung zum Bildschirm, auf dem nicht etwa die Bilder von einem der Unterhaltungskanäle zu sehen waren, sondern Zahlenkolonnen. „Diesen Unterschied nicht zu kennen ist der Fluch, unter dem all diejenigen stehen, die mit Leib und Seele bei der Sache sind. Doch wenn das stimmt, was ich über Sie gehört habe, dann leiden Sie unter demselben Problem. Was genau wollen Sie denn nun von mir?“

„Auskünfte über die Vorgehensweise bei Bestellungen, Ihre Hilfe und Ihre Diskretion“, antwortete Gurronsevas frei heraus; die unverblümte Sprechweise des Nidianers war offenbar ansteckend.

„Erklären Sie mir das“, forderte ihn Creon-Emesh auf.

Wenngleich nicht allzu ansteckend, dachte Gurronsevas. Dies waren Umstände, unter denen mehr als nur ein paar erklärende Worte erforderlich waren. „Als ich ans Orbit Hospital gekommen bin, hatte ich nur wenige persönliche Habseligkeiten dabei, weil Tralthaner, wie Sie sehr gut wissen, keine Kleidung tragen und das Anlegen von Körperschmuck verachten“, erläuterte er. „Statt dessen habe ich eine Reihe von Krautern, Gewürzen und anderen würzigen Zutaten mitgebracht, die auf Traltha, auf der Erde, auf Nidia und auf anderen Planeten wachsen, auf denen Nahrungsmittel mit Phantasie und Einfallsreichtum zubereitet oder gekocht werden und nicht nur, um irgendwelche schädlichen Bakterien abzutöten, die sie enthalten könnten. Aus diesem persönlichen Vorrat habe ich verschiedene Zutaten verwandt, um die Standardgerichte einiger Testpersonen abzuwandeln, und diese abgewandelten Gerichte möchte ich nun zusammen mit einer Anzahl weiterer Verbesserungen, die ich plane, in die Speisekarte der Hauptkantine aufnehmen. Wenn ich gezwungen bin, das Hospital zu verlassen, würde ich mich gern an etwas anderes als an den Unfall auf dem Ladeplatz zwölf erinnern oder an die Zerstörung der Station der Chalder oder an.“

„Jaja, dafür habe ich vollstes Verständnis“, unterbrach ihn Creon-Emesh ungeduldig. „Aber was genau soll ich für Sie tun?“

„Solange es sich um einzelne Gerichte handelt, verbrauche ich von den Zutaten nur ganz geringe Mengen“, fuhr Gurronsevas fort, „doch wenn diese Gerichte in die allgemeine Speisekarte aufgenommen werden sollen — was ich von Anfang an beabsichtigt hatte—, wird der kleine Vorrat, den ich von Nidia mitgebracht habe, innerhalb einer Woche aufgebraucht sein.“

„Dann bestellen Sie doch einfach, was Sie brauchen“, schlug ihm Creon-Emesh vor. „Schließlich haben Sie ein Budget.“