„Ja, sogar ein üppiges, aber das reicht bedauerlicherweise nicht aus“, antwortete Gurronsevas mit betrübter Stimme. „Deshalb wollte ich ja mit Colonel Skempton sprechen, um mein Budget aufstocken zu lassen. Die Zutaten, die ich brauche, stammen von vielen verschiedenen Planeten, und allein die Transportkosten würden mein Budget um ein Vielfaches übersteigen.“
Creon-Emesh stieß plötzlich ein scharfes Bellen aus. „Sie sind ja naiver als das Monitorkorps erlaubt, Gurronsevas, und zweifellos sind Sie zu beschäftigt gewesen, um dieses Problem mit jemandem von der Beschaffungsabteilung zu besprechen. Doch Sie interessieren sich ausschließlich dafür, wie man die Nahrungsmittel zubereitet, und nicht dafür, wie sie zu uns gelangen. Wären Sie Skempton nicht ein Dorn im Auge geworden, hätte er Sie über unsere Vorgehensweisen unterrichtet, und zwar so, wie ich es jetzt tun werde. Hören Sie mir also genau zu.
Wie Sie ja bereits wissen, ist das Monitorkorps für die Versorgung und Wartung des Orbit Hospitals verantwortlich“, fuhr der Nidianer rasch fort. „Für diese Zwecke verwendet das Korps einen sehr geringen Teil des Gesamtetats der Föderation, und aus diesem Topf müssen neben den Versorgungsgütern auch sämtliche Dienstleistungen finanziert werden. Zur Versorgung gehört nicht nur, daß man uns auf jede Spezies abgestimmte chirurgische Instrumente und Geräte, Medikamente, fremde Atmosphären und natürlich die Nährstoffsubstanzen zum Auffüllen der Synthesizertanks liefert, sondern auch die Nahrungsbehälter für die Hudlarer und Illensaner, bei denen die Einfuhr als Fertigprodukt praktischer ist als die eigene Herstellung. Zudem bringen uns die Mitarbeiter des Monitorkorps Patienten, deren Behandlung die medizinischen Möglichkeiten der Krankenhäuser auf den Föderationsplaneten übersteigt und die uns von dort zur Heilung überwiesen werden, oder die Opfer von Raumunfällen oder neu entdeckte Lebensformen, die verletzt oder krank sind oder eine sonstige medizinische Versorgung benötigen. Weil die Schiffe des Korps nicht speziell für umfangreiche Frachttransporte gebaut sind, werden Schiffe wie die Trivennleth gechartert, um diese Aufgabe zu erledigen. Von daher ist es Ihnen innerhalb des Ihnen gewährten Budgets mit ein bißchen phantasievoller Buchführung durchaus möglich, in jedem Teil der erforschten Galaxis Zutaten zu kaufen und die Transportkosten aus dem Gesamtetat des Monitorkorps für Versorgung und Wartung des Hospitals zu bezahlen, der viel zu groß ist, als daß man sich um die von Ihnen verursachten, relativ geringen Kosten Gedanken machen würde. Verstehen Sie, was ich Ihnen damit sagen will?“
Es war, als hätten die künstlichen Schwerkraftgitter im Boden versagt und Gurronsevas würde gleich nach oben schweben, so groß war der Stein, der ihm gerade vom Herzen gefallen war. Doch bevor er die richtigen Worte finden konnte, um seine Dankbarkeit auszudrücken und zu sagen, daß er den Hinweis sehr wohl verstanden habe, fuhr Creon-Emesh schon mit seiner leicht bellenden Stimme fort.
„Natürlich betrifft Sie der Teil, der mit der Wartung des Hospitals zusammenhängt, nicht — obwohl Sie erst kürzlich Anlaß zu einer ganzen Menge Reparaturarbeiten, die noch immer am Gebäude durchgeführt werden müssen, Anlaß gegeben haben. Haben Sie zufällig eine Liste der Sachen dabei, die Sie brauchen?“
„Jaja, danke auch“, stammelte Gurronsevas. „Die wichtigsten Sachen habe ich mir allerdings eingeprägt. Aber wird das, was Sie für mich tun, nicht dazu führen, daß Sie Skempton genauso ein Dorn im Auge sein werden wie ich? Oder könnten Ihre Aufstiegschancen dadurch nicht auf andere Weise beeinträchtigt werden? Und sind Sie sicher, daß sich all das vor dem Colonel verheimlichen läßt?“
„Um Ihre drei Fragen der Reihenfolge nach zu beantworten, nein, nein und nein“, entgegnete Creon-Emesh ungeduldig. „Dem Colonel läßt sich nichts verheimlichen, das verhindert schon das Verfahren, nach dem wir vorgehen. Skempton wird alles, was wir tun, verfolgen können, doch er hat selbst oft genug gesagt, das Leben sei zu kurz, um kostbare Zeit mit der Überprüfung jeder einzelnen Bestellung zu vergeuden, von denen durchschnittlich mehrere tausend pro Tag eingehen. Das überläßt er lieber Untergebenen wie mir, denen er vertraut, die aber ganz offensichtlich nicht vertrauenswürdig sind. Solange die Erkennungscodes, die Flugstreckenanweisungen und die Bestellmengen nicht ungewöhnlich sind, werden Ihre Bestellungen ohne Frage angenommen werden. Falls bei einem der Artikel die Wahrscheinlichkeit bestehen sollte, daß er das Mißtrauen der Versorgungsabteilung erregt, werde ich Sie auffordern, noch einmal darüber nachzudenken.
Und vergessen Sie nicht: von vornherein viel anzufordern ist besser, als regelmäßig kleine Mengen nachzubestellen, denn dadurch würde sich nur das Risiko vergrößern, daß man herausfindet, was Sie tun. Was brauchen Sie denn hauptsächlich?“
Der Tralthaner versuchte, dem kleinen Nidianer erneut zu danken, doch dieser schien ausschließlich daran interessiert zu sein, was Gurronsevas benötigte. Und da von Creon-Emesh die ganze Zeit über keinerlei Einwände kamen, wurden seine Forderungen immer anspruchsvoller und unverschämter. Doch erhielt seine wachsende Begeisterung schließlich einen Dämpfer, als der Nidianer plötzlich ein lautes Bellen ausstieß und die beiden kleinen Hände hob.
„Nein, nein!“ wehrte er in entschiedenem Ton ab. „Morgens gepflückte orligianische Crelgiblätter können Sie nicht bekommen. Gurronsevas, seien Sie doch vernünftig!“
„Ich bin vernünftig“, widersprach Gurronsevas. „Die Blätter intensivieren auf unaufdringliche Weise den Geschmack von Speisen über alle Grenzen zwischen den Spezies hinweg und werden mittlerweile allgemein von den Köchen vieler warmblütiger sauerstoffatmender Lebensformen verwandt. Aber ich bin nicht nur vernünftig, sondern auch sehr enttäuscht.“
„Und vergeßlich sind Sie obendrein“, warf ihm der Nidianer vor. „Die Blätter würden hier frühestens drei Tage nach dem Pflücken eintreffen, weil sie gar nicht schneller durch den Hyperraum hergeschafft werden können. Unsere orligianische Beschaffiingsstelle hätte zwar keinerlei Probleme, die Blätter zu besorgen, doch ein Sprung durch den Hyperraum wird nur für dringend benötigte Medikamente oder für den Transport eines schwerkranken Patienten angeordnet. Bloß wegen einer Kiste Krauter einen sonst nur im Notfall durchgeführten Hyperraumflug von Orligia zum Orbit Hospital zu unternehmen würde ganz sicher die Aufmerksamkeit des Colonels erregen, und deshalb muß ich Ihnen diese Bitte abschlagen. Finden Sie sich mit gefriergetrockneten Blättern ab, die ganz normal als Frachtgut geliefert werden, und ich bin einverstanden.“
Gurronsevas dachte kurz nach und sagte dann: „Auf der Erde gibt es einen Ersatz, ein Gewürz namens Muskatnuß. Der Geschmacksunterschied ist so gering, daß ihn nur der allerfeinste Gaumen erkennt, und die Nüsse vertragen den Transport sehr gut. Mit Muskatnuß habe ich bereits die genießbare Schmutzkruste der mit hoher Temperatur gebackenen corellianischen Struul-Gerichte gewürzt, um dem ansonsten faden Fisch mehr Geschmack zu geben. Und auf Nidia hat die Soße, die ich zu Ihrem geschmorten Criggleyut bereitet habe, einen Hauch geriebenen Muskat enthalten, und zwar zur Betonung des.“
„Sie beabsichtigen, Criggleyut auf die Speisekarte zu setzen?“ unterbrach ihn Creon-Emesh aufgeregt. „Das ist eins meiner Lieblingsgerichte, seit mir das erste Haar meines Erwachsenenpelzes gesprossen ist!“
„Bei der erstbesten Gelegenheit“, bestätigte Gurronsevas und fügte dann hinzu: „Für die Zubereitung der nidianischen Gerichte und die anderer Spezies würden etwa fünfundzwanzig Kilo Muskatnuß genügen.“
Creon-Emesh schüttelte den Kopf. „Sie haben mir nicht zugehört, Gurronsevas. Ohne es Ihnen gegenüber zu erwähnen, habe ich die Mengen, die Sie bereits bestellt haben, verdrei- und vervierfacht, weil Sie einfach nicht genügend verlangen. Kleine Mengen erregen Aufmerksamkeit. Die Arbeiter auf dem Entladeplatz könnten alle kleinen Frachtstücke statt für Kisten mit Lebensmitteln für falsch gekennzeichnete Behälter mit dringend benötigten Medikamenten halten und diese zur Überprüfung öffnen, und das würde Skempton auf Sie aufmerksam machen. Bei einem Gewürz, das sich bei derart vielen Spezies großer Beliebtheit erfreut und lange lagerfähig ist, schlage ich eine Mindestbestellmenge von fünf Tonnen vor.“