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„Obwohl sich die hudlarischen Mitarbeiter sehr darüber freuen würden, ist mir klar, daß es unangebracht ist, einen Schwärm ihrer einheimischen Insekten in der FROB-Abteilung freizusetzen“, fuhr Gurronsevas fort. „Statt also die Insekten freizulassen, habe ich vor — die Zustimmung und Mitarbeit der pathologischen Abteilung vorausgesetzt—, den Inhalt ihrer Giftdrüsen analysieren und dem Nahrungspräparat eine Spur der giftigen Substanz beimengen zu lassen, die weit unter einem Volumenprozent liegen wird. Falls man den Giftstoff in Form eines feinen Pulvers herstellen könnte, wäre es durch eine einfache Veränderung des Sprühkopfs möglich, ab und zu winzige Giftmengen in das herausspritzende Nahrungspräparat zu mischen, so daß die Absorptionsorgane von dem gelösten Gift genauso zufällig gereizt würden wie von den echten Insektenstichen.“

„Das kann ich einfach nicht glauben!“ fiel ihm Thornnastor ins Wort, wobei er alle vier Augen in Gurronsevas’ Richtung drehte. „Haben Sie vergessen, daß dies hier ein Hospital ist, in dem wir Patienten heilen und nicht versuchen sollen, sie zu vergiften? Sie haben ernsthaft vor, den Hudlarern absichtlich Gift ins Essen zu mischen, und wir sollen Ihnen dabei auch noch helfen?“

„Das ist vielleicht eine etwas zu dramatische Vereinfachung, aber im Grunde ist es genau das, was ich will“, antwortete Gurronsevas.

Murchison schüttelte zwar ablehnend den Kopf, hatte jedoch die Zähne entblößt. Weder sie noch Thornnastor sagten etwas.

„Zwar bin ich selbst kein Arzt“, fuhr Gurronsevas fort, „aber alle medizinisch ausgebildeten Hudlarer, mit denen ich diesen Einfall besprochen habe, stimmen mit mir überein, daß sie mehr Freude am Essen hätten, wenn man dem Nahrungspräparat winzige Mengen Gift hinzufügen würde, und sie sind sich alle ganz sicher, daß es keine schädlichen Auswirkungen hätte. Wenn ich allerdings an die Spätfolgen denke, die das Kauen von orligianischem blauen Hanf, das Rauchen terrestrischen Tabaks oder das Trinken von gegärtem dwerlanischen Scrant hat, bin ich in Fragen des subjektiven Genusses Gewißheiten gegenüber eher mißtrauisch. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Hilfe, um herauszufinden, ob diese Veränderung der hudlarischen Kost schädlich ist oder nicht.

Aber falls sie unbedenklich ist, dann denken Sie bloß mal an die Folgen“, setzte Gurronsevas seine Ausführungen fort, ohne den anderen die Chance zu einer Antwort zu geben. „Keine Hudlarer brechen mehr aus Nahrungsmangel zusammen, weil das Präparat so fade ist, daß sie glatt vergessen haben, es sich aufzusprühen. Im Gegenteil, sie denken immer daran, weil sie der nächsten Mahlzeit mit freudiger Erwartung entgegensehen. Und falls sich das veränderte Präparat hier im Hospital als erfolgreich erweist, gibt es keinen Grund, weshalb es nicht auch auf Schiffen, Bauplätzen im All und überall, wo Hudlarer fern von ihrem Heimatplaneten arbeiten, eingeführt werden sollte. Obendrein wäre es für den Großen Gurronsevas ein weiterer kulinarischer Triumph, der in der gesamten Föderation widerhallen würde, obwohl ich Ihnen versichern kann, daß so etwas für mich keine große Rolle spielt. Selbstverständlich würde ich mich Ihrer Abteilung sehr verpflichtet fühlen, für den Rat und die Hilfe, die Sie mir gewährt ha.“

„Ich verstehe“, schnitt ihm Thornnastor das Wort ab.

„Doch falls sich die von Ihnen beabsichtigten Veränderungen als ungefährlich herausstellen sollten, wären sie für mich wichtig genug, um sie bei der nächsten Diagnostikerversammlung zu besprechen, bei der bedauerlicherweise auch Colonel Skempton zugegen sein wird. Wollen Sie das Risiko eingehen, seine Aufmerksamkeit zu erregen?“

„Nein, natürlich nicht“, antwortete Gurronsevas in entschiedenem Ton. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Wenngleich ich mit der Vorstellung kaum leben kann, den Hudlarern bloß aus eigener moralischer Feigheit eine Veränderung des Essens vorenthalten zu haben, noch dazu eine, bei der sich vielleicht vorteilhafte und weitreichende Folgen für sämtliche Speziesangehörige ergeben, die sich nicht auf dem Heimatplaneten aufhalten.“

Bevor er etwas entgegnete, richtete Thornnastor wieder drei Augen und einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf den Untersuchungstisch. „Lassen Sie Pathologin Murchison die Insekten da“, meinte er. „Haben Sie vorhin nicht noch von einem zweiten Problem gesprochen?“

„Ja“, bestätigte Gurronsevas, wobei er sich bereits zum Gehen wandte. „Dabei handelt es sich allerdings eher um ein technisches als um ein medizinisches Problem. Es geht darum, ein neues Gericht eine genau berechnete Zeit lang mit Hochtemperatur zu backen, so daß die genießbare Kruste hart ist, während die Füllung kalt bleibt. Dafür brauche ich nichts weiter zu tun, als den Wartungsebenen, auf denen ich mich bereits gut auskenne, wieder einmal einen längeren Besuch abzustatten, um mich mit den Nahrungsvertriebs- und Wärmetauschsystemen neben dem Fusionsreaktor vertraut zu machen. Das Ganze ist weder mit giftigen Zusätzen noch mit Veränderungen oder Gefahren für bestehende Bauteile und Anlagen verbunden. Das Verfahren, das ich im Auge habe, ist absolut sicher, und es kann gar nichts schiefgehen.“

„Das glaube ich Ihnen“, sagte Pathologin Murchison, als sie von Gurronsevas die Probenflasche entgegennahm, „aber warum habe ich so ein ungutes Gefühl dabei?“

Als sich Major O’Mara acht Tage später mit beachtlichem psychosomatischem Erfolg bemühte, Gurronsevas durch eine Standpauke das dicke tralthanische Fell über die Ohren zu ziehen, erinnerte sich dieser nur zu gut an Murchisons Worte und an sein eigenes dummes Gefühl der Gewißheit. Und seine Erklärungs- und Entschuldigüngsversüche trugen lediglich dazu bei, den Chefpsychologen noch mehr in Rage zu bringen.

„…es ist mir ganz egal, ob es bloß ein einfacher technischer Vorgang gewesen ist, der alle zwei Wochen von Wartungstechnikern routinemäßig durchgeführt wird“, sagte O’Mara leise in einem eigenartigen Ton, der mit abnehmender Lautstärke immer zorniger zu werden schien. „Auch daß laut Wartülngshandbüch derartige Störungen von Bauteilen normal sind und wegen der Hilfsanlage kein Grund für einen Alarm bestanden hat, interessiert mich nicht. Diesmal waren Sie dort, und das ist normalerweise Grund genug für eine Katastrophe. Statt eines schadhaften Reinigungskolbens, der eine Leitung zur Notversorgung mit Kühlmittel verstopft hat und den man hätte herausholen müssen, haben die Sensoren eine große Menge unbekannter Asche angezeigt, die dort nicht hätte sein dürfen. Aufgrund der Befürchtung, die Asche deute auf eine schwerwiegende Verseuchung hin, ist der Reaktor abgeschaltet und das gesamte Hospital in Alarmbereitschaft versetzt worden.!“

„Die Asche ist harmlos“, warf Gurronsevas sein. „Dabei handelt es sich um ein einfaches organisches Gemisch aus.“

„Wir wissen, daß die Asche harmlos ist!“ unterbrach ihn der Chefpsychologe. „Das haben Sie mir ja schon gesagt, und auch, was Sie damit anzustellen versucht haben. Aber die Mitarbeiter der Wartungsabteilung haben davon bisher keine Ahnung und untersuchen zur Zeit mit äußerster Sorgfalt Umstände, die ihrer Ansicht nach außergewöhnlich und möglicherweise lebensbedrohend sein könnten. Nach meiner Schätzung brauchen die wenigstens zwei Stunden, um die Wahrheit herauszufinden und Colonel Skempton davon zu unterrichten, der dann bestimmt mit mir sprechen will. Und zwar wieder einmal über Sie!“

O’Mara machte eine kurze Pause, und als er fortfuhr, schien der Zorn in seiner Stimme von Mitleid gemildert zu werden. „Zu dem Zeitpunkt werde ich dem Colonel mit absoluter Sicherheit mitteilen können, daß Sie das Hospital verlassen haben.“