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Och, n?! Das ist eine bl?de Idee. Ich will mit auf den Ausritt!

»Das ist eine gute Idee!«, mischt sich nun ausgerechnet Lena ein. »Muss doch auch einen Sinn haben, dass du den Kleinen hier mitgeschleppt hast.«

»Das macht Herkules bestimmt gerne. Nicht wahr, Herkules? Du f?ngst das Gespenst!«

Ich hab’s geahnt: Wenn die Rudelchefin es w?nscht, z?gert Luisa keine Sekunde. Sonst tue ich ihr gerne jeden Gefallen, aber muss es ausgerechnet dieser sein? Ich will auch raus und durch den Wald und die Felder laufen, Kaninchen und F?chsen nachsp?ren, kurz: mich mal wieder richtig wie ein Hund f?hlen. Aber dann sehe ich das Strahlen auf Luisas Gesicht. Zum ersten Mal an diesem Wochenende sieht sie gl?cklich aus. Es bedeutet ihr offenbar sehr viel, vor Lena gut dazustehen. Also gut: Adieu ihr Kaninchen und ihr F?chse, f?r heute habt ihr Gl?ck gehabt.

Als die M?dchen in den Stall verschwunden sind, ?berlegen Corinna und Gero gemeinsam, wie sie dem Gespenst auf die Schliche kommen k?nnen.

»Was meinst du – haben die M?dchen tats?chlich etwas am Fenster gesehen? Oder hat eine schlecht getr?umt, und der Rest war allgemeine Hysterie?« Corinna schaut ihren Mann nachdenklich an, der zuckt mit den Schultern.

»Nachdem wir uns wohl einig sind, dass es hier nicht spukt, wird es eher ein Alptraum gewesen sein. Aber sicherheitshalber sehe ich mir die Sache gleich mal von aussen an. Vielleicht hat sich auch jemand einen schlechten Scherz erlaubt.«

»Danke, Gero. Das ist nett. Dann reite ich mit den Damen aus und versuche, sie auf andere Gedanken zu bringen. Nimm doch wirklich Herkules mit. Falls uns jemand einen Streich spielt, findet er vielleicht eine Spur.«

Was heisst denn hiervielleicht? Und wieso Alptraum? Ich weiss doch, was ich gesehen habe! Kinder m?gen sich alles M?gliche einbilden – Dackel neigen nicht dazu. Es ist also bestimmt eine gute Idee, nach ein paar Spuren zu suchen. Am besten, wir fangen gleich damit an!

»Hoppla, Carl-Leopold! Du hast es ja auf einmal so eilig! Lass mich wenigstens noch die T?r aufmachen.« Gero von Eschersbach lacht und l?uft hinter mir her. So, mal sehen – wie kommen wir denn jetzt auf die andere Seite des Fensters vom M?dchenschlafzimmer? Also an die Stelle, wo das Monstergestanden haben muss?

Gero?ffnet erst die T?r zum Flur, dann die Ausgangst?r des Westfl?gels. Dieser Teil des Schlosses hat l?ngst nicht so ein eindrucksvolles Portal wie der Haupteingang in der Mitte des Geb?udes, aber ein paar Stufen m?ssen wir doch hinunter, um nach draussen zu gelangen. Dort angekommen, geht Gero ein paar Meter an der Hauswand entlang, dann bleibt er stehen. Gut, das ist offenbar die Stelle auf H?he des Schlafzimmers.

Ich trabe auch dorthin und beginne, an dem Fleckchen Erde vor der Hauswand zu schn?ffeln. Tats?chlich nehme ich noch den Hauch einer Geruchsspur wahr. Und ich bin mir sicher: Er geh?rt zu einem Menschen, nicht zu einem Monster! Eindeutig. So riecht nur ein Mensch. Die Erkenntnis beruhigt mich. Ich meine, nicht, dass ich vor einem Monster Angst h?tte, o nein! Aber trotzdem ist mir der Gedanke an ein menschliches Wesen irgendwie sympathischer.

»Hm, was auch immer durch dieses Fenster geguckt haben mag, muss sehr, sehr gross gewesen sein«, ?berlegt Gero laut. »Denn das Zimmer liegt im Hochparterre, selbst ich kann kaum durch das Fenster schauen, und ich bin immerhin 1,90.«

Gero hat Recht. Ein echter Geist h?tte wom?glich bis zum Fenster fliegen k?nnen, aber der Mensch muss irgendwie anders dort hochgekommen sein. Ich schn?ffle noch einmal an der Stelle. Gibt es irgendeine Spur, die uns noch weiterhelfen k?nnte?

Aha. Hier ist sie wieder, meine F?hrte! Ich folge ihr von der Hauswand weg ein paar Meter weiter. Sie verl?uft in Richtung der St?lle und endet schliesslich vor einem alten Schuppen. Ich setze mich vor dessen T?r und beginne zu bellen. Gero kommt zu mir.

»Na, hast du was gefunden? In diesem Schuppen? Mal sehen.« Er ?ffnet die T?r. Direkt dahinter steht eine Leiter aus Holz. Jetzt ist mir alles klar: Der Mensch, der uns das Monster vorgegaukelt hat, ist offensichtlich auf die Leiter gestiegen, um ans Fenster zu gelangen. Die Leiter ist jedenfalls von dem gleichen Menschen angefasst worden, der auch die Spur vom Schloss hierher hinterlassen hat. Und nicht nur das: An der Bretterwand des Schuppens lehnt der Dreizack! Aufgeregt laufe ich hin?ber, belle und stupse den Stiel mit meiner Nase an.

»Hey, an dir ist ja ein echter Polizeihund verloren gegangen! Das ist doch mit Sicherheit der Dreizack, den die M?dchen gesehen haben. Eine Mistgabel! Und eine Leiter, um an das Fenster zu reichen. Also war die Monster-Attacke doch kein Alptraum. Aber wer versetzt denn hier harmlose kleine M?dchen in Angst und Schrecken?«

Tja, keine Ahnung. Ich habe mich zwar daran gew?hnt, dass Menschen unsinnige Sachen machen, aber das hier ist schon sehr seltsam. Warum sollte das jemand tun? Ich schnuppere noch ein bisschen an Leiter und Mistgabel, aber hier verliert sich die Spur. Ein Grund mehr, den d?steren Schuppen wieder zu verlassen und ein wenig an der frischen Luft herumzustromern. Auch Geros Interesse an der Monsterjagd scheint etwas abgeflaut zu sein. Jedenfalls ?ffnet er die Schuppent?r und geht wieder mit mir nach draussen.

»Was mache ich denn jetzt mit dir, Carl-Leopold? Den Ausritt hast du verpasst, und ich muss kurz in die Stadt. Wer auch immer der ungebetene Besucher war, ich kann mich momentan nicht damit besch?ftigen, um den m?ssen wir uns also sp?ter k?mmern. Denkst du, du kommst alleine klar? Du kennst dich doch hier aus.«

Ich wedele mit dem Schwanz. Klar komme ich klar. Ich brauche doch kein Kinderm?dchen. Und wenn ich schon keine Kaninchen jagen kann, will ich wenigstens meine Zeit auf dem Schloss geniessen. Vielleicht hat Charlotte Lust, etwas zu unternehmen. Gero b?ckt sich kurz und klopft mir auf den R?cken.

»Braver Hund. Bis sp?ter.«

Als Gero weg ist, laufe ich zur anderen Seite des Schlosses. Ich habe Gl?ck: Die K?chent?r steht offen, und ich kann sogar Emilias Stimme h?ren. Schnell h?pfe ich die Stufen zum Eingang hoch, ihrer Stimme und einem sehr verf?hrerischen Geruch folgend.

»Hoppla, Carl-Leopold – was machst du denn hier?« Emilia ist ?berrascht, mich zu sehen, ihrem L?cheln nach zu urteilen, freut sie sich aber. Ich springe an ihr hoch und mache M?nnchen. »Ja, bist ein ganz Lieber. Warte mal, ich habe gerade ein leckeres H?hnerfrikassee f?r den alten Herrn zubereitet. Es ist noch nicht so stark gew?rzt, du kannst es gerne mal probieren.«

Sie dreht sich um, nimmt eine Sch?ssel und sch?pft etwas von dem Inhalt des grossen Topfes, der auf dem Herd steht, hinein. Es riecht so lecker, dass mir sofort das Wasser in der Schnauze zusammenl?uft.

»Hier, guten Appetit! Es m?sste kalt genug sein, sonst musst du eben noch ein bisschen warten.«

Vorsichtig nehme ich den ersten Brocken ins Maul– herrlich! Und auch nicht zu heiss. Schnell schlinge ich den Rest hinterher, fahre mir mit der Zunge ?ber die Schnauze und blicke Emilia noch einmal erwartungsvoll an.

»Was denn? Schon fertig? Na gut, einen kleinen Nachschlag bekommst du noch, aber dann ist Schluss. Sonst schimpft der Alte, wenn er das merkt!«

Sie gibt mir noch eine Portion. Ich bin im Hundehimmel, eindeutig! Seltsam, dass Charlotte immer noch so schlank ist. Muss am Trainingsprogramm vom Alten liegen.

»Jetzt f?llt es mir auch wieder ein: die L?tte vom Tierarzt verbringt das Wochenende mit den Ponys der jungen Gr?fin, richtig? Oh, da war der alte von Eschersbach ?berhaupt nicht begeistert von. Aber Corinna plant schon so lange einen Ferienhof f?r Kinder, da ist das doch eine gute Gelegenheit, mal zu ?ben. Ist sch?n, dass du mitgekommen bist.« Sie kniet sich neben mich und streichelt mich. Gerne w?rde ich schnurren. Ob mir Herr Beck irgendwann beibringen kann, wie er das immer hinkriegt?