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Der Polizist sagte: »Was zum Teufel …?«

Aber der Himmel verfinsterte sich jetzt noch mehr und die Brücke erzitterte unter lautem Gedröhne. Und nun, als die Polizisten nach oben schauten, sahen sie, zu wem ich sprach. Man hörte einen allgemeinen Seufzer der Überraschung und Angst aus den Kehlen der Leute, die aus ihren Wagen gestiegen waren.

Ganz oben auf den Pfeilern der Brücke hockte Coyote in seiner hässlichsten und wildesten Form. Er waberte und veränderte sich mit jedem Windstoß, aber die hinterhältigen Augen brannten bewegungslos auf uns herunter und seine dämonischen Fangzähne schimmerten durch den Nebel.

Autofahrer und Polizisten liefen davon. Einer der Cops versuchte, mich mit sich fortzuziehen, aber ich schüttelte ihn ab. Hinter mir hörte ich Menschen, die über die Straße liefen, und das Geräusch von Autotüren, die geöffnet wurden, weil auch die Letzten ihre Frauen und Kinder von hier wegbrachten.

»Coyote!«,schrie ich. Ich war in Schweiß gebadet und zitterte am ganzen Körper. »Ich habe deine Bärenjungfrau, Coyote!«

Der grausige Körper des Dämons zog sich zusammen und verkrümmte sich, doch er war jetzt klarer durch den Nebel zu erkennen. Ich konnte sehen, dass er das eisengraue Haar Big Monsters zwischen die Hörner auf seinem Kopf gewunden hatte, eine scheußliche Girlande primitiver Magie. Die Brücke vibrierte unter mir und ein dunkles Krachen ertönte, das klang wie Donnern fern im Gebirge.

»Coyote! Gib mir das Haar und du bekommst deine Bärenjungfrau zurück! Hörst du mich, Coyote? Hörst du mich?«

Die Brücke erbebte heftig. Stahl und Betonteile stürzten von oben auf die Straße und schlugen auf die verlassenen Autos.

Ich drehte mich um und rannte zum Pinto zurück, schaute dabei mehrmals über meine Schulter auf den lauernden Dämon zurück. Ich stellte mir vor, wie sich seine teuflischen Krallen in meinen Rücken gruben oder seine Zähne mir das Fleisch vom Körper rissen. Meine Nerven kochten regelrecht, ich musste mir mit dem Hemdsärmel den Schweiß vom Gesicht wischen.

Ich erreichte den Wagen. Der Atem der Bestie traf mich, ein sengender Hurrikan, der mir heiß in die Ohren blies. Mein Gesicht fühlte sich an wie rohes Fleisch. Ich riss die Wagentür auf und versuchte, Jane von ihrem Sitz auf die Straße zu heben. Ich schwitzte und fluchte, und die ganze Zeit erbebte die Brücke unter mir, sodass ich kaum stehen bleiben konnte.

In diesem Augenblick liefen mir drei uniformierte SWAT-Leute mit ihren Gewehren nach. Einer von ihnen schlug mir auf die Schulter und schrie: »Okay, mein Freund, jetzt hau hier ab, so schnell du kannst!«

»Das kann ich nicht! Ich muss es vernichten!«, schrie ich zurück, aber der Mann verstand nicht und rannte weiter auf die grausige, dunkle Masse von Coyote zu.

Ich schätze, erst jetzt, als die drei Männer in Coyote hineinrannten, begriff ich wirklich, gegen was ich angetreten war. Die Männer liefen mit erhobenen Gewehren auf ihn zu, doch im nächsten Augenblick sprang der wölfische Dämon einfach auf sie drauf. Die Luft knisterte voller elektrischer Entladungen und ein Donnerschlag ließ die gesamte Golden Gate Bridge erzittern.

Der Anführer wurde zur Seite geschleudert. Ich sah, dass er vorne komplett aufgerissen war, wie Gehacktes im Kühlregal. Dann wurden sie alle drei vor meinen Augen von einer unsichtbaren, furchtbaren Kraft in Stücke gerissen – ihre Hände und Köpfe und Beine und Arme verstreuten sich in alle Richtungen. Ich glaube, ich schrie wie irre.

Jetzt kroch der Dämon auf mich zu. Er war nur noch einige Meter von mir entfernt, und die gesamte Kraft seines Hasses und seiner Bösartigkeit konzentrierte sich auf mich.

Verzweifelt trug ich Jane zum Geländer der Brücke, dann drehte ich mich um, um Coyote so herausfordernd wie möglich anzuschauen, und brüllte: »Bleib weg … Bleib weg oder ich werde sie runterwerfen!«

Der Dämon kam trotzdem näher und jetzt schlug mir der schrecklich heiße Atem ins Gesicht und trocknete meine Augenhöhlen aus, sodass ich nicht einmal mehr zu blinzeln vermochte. Alles um mich herum war Dunkelheit und Angst, und diese brandigen roten Augen starrten mich mit grausamer Intensität an.

Ich hob Jane auf das Geländer. Unter uns im Nebel schlugen und schäumten die grauen Wasser der Bucht.

»Ich tue es, verdammt! Ich tue es!«,schrie ich. Und in diesem Augenblick totaler Panik war es mein völliger Ernst – ich würde Jane hinabwerfen. Ich zwang mich, es wirklich zu wollen. Wenn Coyote jetzt nur noch ein Stück näher kam, dann würde seine geliebte Bärenjungfrau, seine leidenschaftliche Werwölfin, über das Geländer fallen und sterben.

Ich bemerkte ein körperloses Schnauben in der aufgeregten Finsternis vor mir, das Blecken schrecklicher Phantomzähne. Ich sah aber auch Coyotes Kopf mit der Krone aus dem magischen Haar. Und jetzt verharrte er für einen Atemzug. In diesem Augenblick setzte ich alles auf eine Karte und ließ Jane auf den Bürgersteig fallen.

Es passierte in bizarr verlangsamter Bewegung, wie in einem Albtraum, in dem man fortrennt, aber nicht entkommen kann. Während Jane auf den Boden rutschte, wich ich seitwärts aus und rannte auf Coyote zu. Mit einer Hand griff ich nach Big Monsters Haar, legte dabei meine ganze Kraft und Energie in meinen Körper. Trotzdem schien es eine Ewigkeit zu dauern, und ich sah, dass sich Coyote mir langsam zuwandte. Er fletschte seine Zähne mit animalischem Hass.

Es war, als ob man sich selbst in kochendes Wasser wirft. Die Hitze und die Gegenwart Coyotes waren unerträglich. Ich griff zu, griff vorbei und griff noch mal zu …

Plötzlich stolperte und taumelte ich über den Asphalt mit einer Handvoll langer grauer Haare, die knisterten und sich krümmten wie Elektrokabel. Ich knallte gegen das Rad eines verlassenen Plymouth und schürfte mir das Gesicht und einen Arm auf. Aber ich wusste, dass ich es geschafft hatte. Ich hatte Coyote tatsächlich Big Monsters Skalp gestohlen.

Nun ertönte ein nervenzerrüttendes Gebrüll übernatürlicher Wut. Ich dachte, die Brücke würde zusammenkrachen, so laut war es.

Ich zwängte mich zwischen zwei Autos hindurch, aber dann musste ich noch weiter zurückspringen, denn diese Wagen wurden hochgehoben und in einem ohrenbetäubenden Krachen gegeneinandergeschmettert. Ich zog das Haar um einen Cadillac herum hinter mir her und hob es über meinen Kopf.

In diesem Moment erinnerte ich mich daran, was George Thousand Names mir gesagt hatte. Wenn ein Sterblicher versucht, den Skalp eines Riesen oder Dämonen zu tragen, dann wird er von dem zerstört werden, was er sieht. Mit anderen Worten: Solange er es überlebt, und das wäre nicht lange, würde er selbst zu einem Dämon werden. Das könnte sein Verstand aber nicht ertragen.

Ich sagte nur eines. Es war ein Flüstern gegen den glühenden Wind, aber an etwas anderes konnte ich nicht denken. »George, hilf mir! Wo immer du bist, hilf mir!«

Dann schloss ich die Augen in furchtbarer Erwartung und drehte mir das ölige Haar Big Monsters um meinen Kopf.

Zuerst dachte ich, dass nichts passieren würde. Ich hob entsetzt und enttäuscht den Kopf. Aber dann spürte ich, dass mein gesamter Körper plötzlich von einer so großen physischen und geistigen Kraft durchdrungen wurde, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Es war eine erschreckende, bösartige Stärke. Es war die 100-fache Kraft meiner hitzigsten und fleischlichsten Wünsche. Sie versetzte mir einen solchen Stoß, dass ich laut aufkreischte, nicht aus Angst, sondern aus reiner fröhlicher Bösartigkeit. Ich fühlte Lust und Hass und es überkam mich der Drang, alles und jeden um mich herum zu vergewaltigen, zu vernichten und zu zerstören. Ich erhob mich hinter dem Wagen und schien zu erstaunlicher Höhe zu wachsen, größer und stärker, als es einem menschlichen Wesen jemals möglich sein könnte.

Jetzt sah ich Coyote klar. Kein undeutlicher Schatten oder das Durcheinanderwirbeln einer Wolke, sondern das dämonische Biest selbst. Es kroch mit seinem Kleid aus Gewürm und Coyotes Haut auf dem Rücken über Janes Körper.