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»Das werden wir sehen!« sagte Lohmann kampflustig. »Ich bin von der Presse. Ihr Chef dürfte nicht sehr glücklich sein, wenn ich über meine Erfahrungen mit Ihrer Firma berichte.«

»Hören Sie doch auf, Lohmann«, sagte Warstein müde. »Haben Sie es immer noch nicht begriffen?«

»Was?«

»Wir werden keinen Wagen bekommen«, antwortete Warstein. »Weder hier noch bei einem anderen Autoverleih in der Stadt.« Er sprach absichtlich ein wenig lauter, als notwendig gewesen wäre, und hielt die junge Frau auf der anderen Seite der Theke dabei scharf im Auge. Sie hatte sich ausgezeichnet in der Gewalt, aber trotzdem nicht gut genug, um ein leichtes Zusammenzucken zu unterdrücken. Er hatte ins Schwarze getroffen.

»Ach, und wieso nicht?« wollte Lohmann wissen.

»Franke«, antwortete Warstein. »Das ist seine Handschrift.«

»Machen Sie sich nicht lächerlich!« sagte Lohmann. »Er hat vielleicht genug Einfluß und Geld, um sich ein paar Schläger zu mieten, aber das kann er nun doch nicht.«

»Wetten wir?« fragte Warstein. »Mein nächstes Monatseinkommen gegen Ihres?«

Bevor Lohmann antworten konnte, erschien ein Mann in einem dunklen Anzug auf der anderen Seite des Schalters. Lohmann zückte kampflustig seinen Presseausweis. »Sie leiten diesen Saftladen hier?« begann er. »Also, dann hören Sie mir mal genau zu...«

Warstein für seinen Teil tat das nicht. Er wußte, wie das Gespräch enden würde. Was Lohmann tat, war reine Zeitverschwendung.

Er sollte recht behalten - mit allem. Der Geschäftsführer der Autovermietung zeigte sich weder von Lohmanns wüsten Tiraden noch von Angelikas vergeblichen Versuchen, die Wogen zu glätten, auch nur im mindesten beeindruckt. Er blieb die ganze Zeit höflich, aber das änderte nichts daran, daß sie keinen Wagen bekamen. Und obwohl Lohmann am Schluß so grob wurde, daß Warstein, wäre er an der Stelle des anderen gewesen, ihn einfach hinausgeworfen hätte, rief er sogar sämtliche anderen Autovermietungen in der Stadt an - mit ganz genau dem Ergebnis, das Warstein vorausgesagt hatte. »Es tut mir wirklich leid«, schloß er. »Aber seit die Eisenbahnverbindung ausgefallen ist, herrscht bei uns Hochbetrieb. Dazu kommt das verrückte Wetter...« Er seufzte. »Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht helfen.«

»Und ich gehe jede Wette ein, wir bekommen ein Dutzend Wagen, wenn ich unter einem falschen Namen irgendeine Autovermietung in der Stadt anrufe«, murmelte Angelika. Der Geschäftsführer mußte die Worte gehört haben, denn er sah sie für einen Moment irritiert an, und auch ein bißchen erschrocken, wie Warstein fand.

Aber schließlich zog er es doch vor, so zu tun, als hätte er nichts gehört.

Zornig und frustriert verließen sie den Schalter und entfernten sich ein paar Meter. »Das darf doch alles nicht wahr sein!« ereiferte sich Lohmann. »So allmählich beginnt sich dieser Dr. Franke wirklich meinen Unmut zuzuziehen.«

»Mir beginnt er langsam unheimlich zu werden«, sagte Angelika. »Wer um alles in der Welt ist dieser Mann?«

Sie sah Warstein an, aber er konnte nur hilflos mit den Schultern zucken. Er hatte gewußt, daß Franke über weitreichende Verbindungen verfügte. Aber das...

»Also, was tun wir?« fragte Angelika.

»Was sollen wir schon tun?« knurrte Lohmann. »Wir nehmen ein Taxi.«

»Nach Ascona?«

»Quatsch«, antwortete Lohmann unfreundlich. »Der Mann, den ich suche, wohnt hier in Genf. Ein paar Kilometer außerhalb, um genau zu sein. Danach sehen wir weiter - falls dieser Franke nicht auch sämtliche Taxifahrer der Stadt bestochen hat, heißt das.«

Nach allem, was bisher geschehen war, hätte Warstein sich wahrscheinlich nicht einmal mehr darüber gewundert - aber es war natürlich nicht der Fall. Das schlechte Wetter brachte es mit sich, daß sie noch einmal gute zehn Minuten warten mußten, ehe sie einen Wagen bekamen, aber das war auch alles. Warstein atmete erleichtert auf, als sie endlich im Wagen saßen und losfuhren. Kaum eine Sekunde später wurde er so unsanft nach vorne geworfen, daß er gegen den Beifahrersitz prallte und fast von der Bank gefallen wäre. Das Taxi kam mit quietschenden Reifen zum Stillstand, und als Warstein sich wieder aufrichtete, sah er auch den Grund für die plötzliche Notbremsung: Es war eine Gestalt in einem schwarzen Kaftan, die einen Turban auf dem Kopf und einen ebenfalls schwarzen, durchsichtigen Schleier vor dem Gesicht trug. Der Mann war auf die Straße hinausgetreten, ohne auf den Verkehr zu achten. Jetzt blieb er stehen und sah das Taxi eher irritiert als erschrocken an. Warstein war ziemlich sicher, daß er nicht einmal begriff, in welcher Gefahr er geschwebt hatte. Vielleicht tat er es doch, denn der Taxifahrer kurbelte wütend das Fenster herunter und begann ein erstaunliches Repertoire an Flüchen und Verwünschungen zum besten zu geben, und das gleich in mehreren Sprachen. Warstein hörte eine gute Minute amüsiert zu, dann sagte er: »Ich glaube nicht, daß der Mann Sie versteht. Warum fahren Sie nicht einfach weiter? Wir möchten heute noch ankommen, wissen Sie?«

Der Chauffeur schenkte ihm durch den Innenspiegel einen ärgerlichen Blick, aber nach einer weiteren Sekunde drehte er die Scheibe wieder hoch und fuhr weiter. Aber er beruhigte sich keineswegs.

»Verdammte Kameltreiber!« schimpfte er. »Warum bleiben sie nicht zu Hause in der Wüste, wenn sie nicht wissen, wie man sich im Straßenverkehr benimmt?« Er gab Gas und hätte um ein Haar einen anderen Wagen gerammt, als er sich rücksichtslos in den Verkehr einfädelte. Soviel zum Thema Straßenverkehr, dachte Warstein spöttisch.

Ganz automatisch drehte er sich im Sitz herum und sah zu dem Wagen zurück, den sie fast gerammt hätten. Es war ein blauer Fiat, ein sehr großes Modell, und der Fahrer mußte wohl einen gehörigen Schrecken bekommen haben, denn er ließ seinen Wagen jetzt weiter zurückfallen, als nötig gewesen wäre. Er fuhr trotz des schlechten Wetters ohne Licht. Vielleicht traf ihren Chauffeur nicht einmal die Schuld an dem Beinahe-Unfall.

»Seit ein paar Tagen scheint diese ganze Stadt durchzudrehen«, fuhr der Taxifahrer aufgebracht fort. »Erst dieses unmögliche Wetter, und dann noch diese Verrückten, die plötzlich überall herumlaufen...«

»Was für Verrückte?« fragte Lohmann.

»Diese Kameltreiber eben!« antwortete der Fahrer. »Sie haben es doch gerade selbst erlebt! Das fehlt mir noch, daß ich einen Unfall habe!«

»Sie meinen, dieser Araber war nicht der einzige?« hakte Warstein nach. Die Art des Taxifahrers gefiel ihm nicht, aber seine Worte hatten ihn hellhörig werden lassen.

»Bestimmt nicht!« antwortete der Fahrer aufgebracht. »Ich bin ja einiges gewohnt, wissen Sie, aber was seit ein paar Tagen hier los ist, schlägt dem Faß den Boden aus. Man könnte meinen, alle Verrückten der Welt hätten sich hier verabredet. Erst gestern ist ein ganzes Dutzend von diesen Hare-Krishna-Brüdern hier angekommen. Sie haben fast den ganzen Flughafen lahmgelegt, weil sie plötzlich auf die Idee gekommen sind zu meditieren, oder wie sie das nennen. Direkt vor dem Haupteingang. Standen einfach da und rührten sich nicht mehr. Keiner kam mehr rein und keiner mehr raus.«

»Und?« fragte Lohmann.

»Nichts, und«, antwortete der Fahrer. »Die Gendarmen sind gekommen und haben sie wegexpediert, wie es sich gehört. Aber es hat fast eine Stunde gedauert.« Er seufzte tief und schüttelte den Kopf. »Ich bin gespannt, was als nächstes passiert.«

Ja, dachte Warstein, ich auch. Aber er konnte nicht unbedingt sagen, daß ihn dieser Gedanke erfreute.

6

»Sie gehen mir auf die Nerven, Warstein«, sagte Franke, »wissen Sie das eigentlich?« Er lehnte sich in seinem Drehstuhl zurück und begann mit einem Bleistift zu spielen, den er eigens zu diesem Zweck aus seiner Federschale genommen hatte. »Meine Geduld hat bald ein Ende.«