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»In was für Dingen?« fragte Rogler.

»Jemanden zu finden, der sich nicht finden lassen will«, antwortete Franke. »Ein Königreich für einen guten Rat, Herr Rogler. Ich muß dringend mit jemandem Kontakt aufnehmen, der sich in einem Wagen irgendwo in der Schweiz aufhält.«

»In was für einem Wagen?« fragte Rogler. »Wenn Sie das Kennzeichen und die Marke wissen...«

»Theoretisch ja. Praktisch wird er kaum so dumm sein, den Wagen nicht gewechselt zu haben. Und er wird uns auch kaum den Gefallen tun, auf einer Strecke zu bleiben, auf der wir ihn erwarten.«

Rogler verzog spöttisch die Lippen. »Mit derart präzisen Angaben ist das kein Problem«, gab er zurück. »Geben Sie mir zweihundert Mann, ein paar von Ihren Hubschraubern und eine Woche Zeit, und ich finde ihn.«

»Na ja.« Franke seufzte. »Wenigstens einer von uns hat seinen Humor noch nicht verloren.«

»Oh, das war schon ernst gemeint. Es ist ziemlich schwierig, jemanden zu finden, der sich nicht finden lassen will; vor allem, wenn dieser Jemand kein Dummkopf ist. Ich spreche aus Erfahrung. Es gibt ein paar Leute, die ich schon seit Jahren suche.«

»Jahren? Ich rede von Stunden, Rogler.«

»Dann hilft nur noch Zauberei«, erwiderte Rogler. »Und dafür bin ich nicht zuständig.«

Franke überlegte einen Moment angestrengt. »Im Ernst, Rogler«, sagte er dann. »Ich muß diesen Mann sprechen, koste es, was es wolle. Wie viele Männer brauchen Sie, um ihn zu finden? Fünfhundert? Tausend? Nur keine Hemmungen - wir können aus dem vollen schöpfen.«

Nach allem, was er an diesem Tag erlebt hatte, hatte Rogler geglaubt, daß es nichts mehr gäbe, was ihn noch überraschen konnte. Aber das stimmte nicht. Wie so vieles. Trotzdem schüttelte er nach einer Weile den Kopf.

»Ich fürchte, ich muß Sie enttäuschen«, sagte er. »Wenn er sich irgendwo in den Bergen versteckt hat, haben wir praktisch keine Chance. Sie können eine Million Männer nach ihm suchen lassen, ohne ihn zu finden. Anscheinend kennen Sie dieses Land nicht. Was hat er ausgefressen?«

»Ausgefressen?« Franke lachte leise. »Nichts. Ich bin es, der einen Fehler gemacht hat, fürchte ich. Aber ich habe im Moment keine Möglichkeit, ihm das zu sagen.«

»Dann haben Sie ein Problem«, sagte Rogler.

»Ich wollte, es wäre nur eines«, murmelte Franke. Plötzlich hellte sich sein Gesicht auf. Er bedeutete Rogler mit einer - völlig überflüssigen - Geste zu bleiben, wo er war, und wandte sich noch einmal an den Mann hinter sich. »Rufen Sie alle Radiosender im Umkreis von zweihundert Kilometern an«, sagte er. »Sie sollen ihn über den Verkehrsfunk suchen. Ein Reiseruf oder wie immer das heißt - die wissen schon, was ich meine.«

»Und was sollen sie sagen?« fragte der Mann verwirrt.

»Daß er sich melden soll!« schnappte Franke. »Irgend etwas eben. Etwas Unverfängliches...« Er suchte nach Worten. »Verdammt, so etwas liegt mir nicht. Er soll... Sagen Sie, sie sollen durchgeben, daß er dringend Kontakt mit mir aufnehmen soll. Aber nach Möglichkeit nicht auf eine Art und Weise, die gleich eine landesweite Panik auslöst.«

»Gar nicht dumm«, lobte Rogler. »Immerhin - vielleicht hört er ja Radio. Wissen Sie wenigstens, wohin er will?«

»Genau hierher«, sagte Franke. »Warum?«

»Nun, dann wäre es wohl das Einfachste, genau hier auf ihn zu warten«, antwortete Rogler. »Jedenfalls würde ich das tun. Sie kennen diesen Mann? Gut?«

»Ziemlich«, antwortete Franke.

»Dann versuchen Sie, sich in seine Lage zu versetzen«, sagte Rogler. »Versuchen Sie einfach, sich vorzustellen, was Sie an seiner Stelle tun würden.«

»Zum Teufel, ja!« murmelte Franke. »Warum bin ich eigentlich nicht selbst darauf gekommen?« Er drehte sich auf dem Absatz herum und winkte den Soldaten herbei, mit dem er zuvor gesprochen hatte. Rogler stellte ohne sonderliche Überraschung fest, daß es sich auch bei ihm um nichts Geringeres als einen General handelte. Offensichtlich hatte Franke mittlerweile nicht nur die Befehlsgewalt über die gesamte Nordschweiz übernommen, sondern auch über die halbe UNO.

»Geben Sie Bescheid, daß die Suchaktion entsprechend vorsichtig durchgeführt wird«, sagte er. »Sie sollen nicht versuchen, ihn festzuhalten - es sei denn, sie erwischen ihn mit hundertprozentiger Sicherheit. Ansonsten nur beobachten. Und halten Sie mich auf dem laufenden.«

»Herr Doktor?«

Franke drehte sich mit einer unwilligen Bewegung um, aber der Zorn auf seinem Gesicht verflog sofort, als er den Mann erkannte, der ihn angesprochen hatte. Es war der Techniker von vorhin. Er hielt einen Computerausdruck in den Händen und sah irgendwie unglücklich aus, fand Rogler. Nein. Er verbesserte sich in Gedanken. Nicht unglücklich. Entsetzt war das passendere Wort.

Franke riß ihm das Blatt aus der Hand, warf einen flüchtigen Blick darauf - und wurde kreidebleich. »Das ... das kann nicht stimmen«, sagte er. »Haben Sie das Ergebnis überprüft?«

»Zweimal«, versicherte der Techniker. »Die Schätzung ist eher zu optimistisch. Es gibt eine Steigerung - hier, sehen Sie?« Er stieß mit dem Finger auf das Blatt herunter. »Das Muster ist schwer zu erkennen, weil es sehr unregelmäßig ist, aber es ist da.«

»Aber ... aber dreieinhalb Monate?« Franke fuhr sich nervös mit der freien Hand über das Kinn. »Das kann nicht sein.«

»In Wahrheit sind es wahrscheinlich eher zwei«, antwortete der andere. »Ich habe die größtmögliche Toleranz zu unseren Gunsten eingegeben. Vierzehn Wochen sind der Mittelwert. Und wir haben das Muster immer noch nicht komplett entschlüsselt. Es könnte noch schlimmer kommen.«

»Was könnte noch schlimmer kommen?« fragte Rogler. Seine Beunruhigung war wieder da. Was er in Frankes Augen las, das war nackte Panik.

Der Techniker sah zuerst ihn und dann Franke an.

»Sagen ... Sie es ihm«, sagte Franke leise.

»Es geht um das Loch«, sagte der Techniker. »Sie haben es gesehen?«

»Ich war dort, ja«, bestätigte Rogler. »Und?«

»Wir wissen immer noch nicht, wohin es führt«, antwortete der Techniker. »Wir haben ein paar Sonden hinuntergelassen, aber keine davon hat irgendwelche brauchbaren Ergebnisse geliefert. Das einzige, was wir mit Sicherheit wissen, ist, daß es alles verschlingt, was hineinfällt. Ist Ihnen der Sturm aufgefallen?«

»Sicher«, sagte Rogler. Hatte er gerade geglaubt, in Frankes Augen Panik zu erkennen? Jetzt spürte er sie selbst.

»Er wird stärker«, sagte Franke. »Wohin immer dieser Schacht auch führt - er zieht Sauerstoff an.« Er lachte, aber es klang nach dem genauen Gegenteil, und das war es wohl auch. »Erinnern Sie sich noch, als was Sie es im Hubschrauber bezeichnet haben, Rogler? Wie ein Loch in der Wirklichkeit?«

»Moment mal«, sagte Rogler. »Wollen Sie sagen, daß ... daß durch diesen Schacht Luft verschwindet?«

Franke nickte. Plötzlich wurde es sehr still. Aller Aufmerksamkeit wandte sich ihnen zu. Obwohl er nicht sehr laut gesprochen hatte, mußte jeder hier drinnen Roglers Frage und seine Antwort verstanden haben. »Ja«, sagte er. »Und zwar immer schneller.«

»Wie schnell?« fragte Rogler.

»Es ist eine mathematische Progression«, antwortete der Techniker an Frankes Stelle. »Im Moment merkt man noch nicht sehr viel davon, aber es wird mehr. Ich habe den Computer angewiesen, eine Hochrechnung anzustellen. Das da ist das Ergebnis.« Er deutete auf das Blatt in Frankes Händen. »Wenn der Prozeß im bisherigen Tempo weitergeht, dann haben wir noch dreieinhalb Monate.«

»Dreieinhalb Monate bis wann?« fragte Rogler.

»Bis es genug von unserer Atmosphäre aufgesogen hat, daß wir nicht mehr darin leben können«, antwortete Franke.

Rogler starrte ihn an. »Sie meinen ... hier«, sagte er, »in Porera. Im Tessin?«

»Nein«, antwortete Franke. »Ich meine, auf diesem Planeten.«