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»Schluss!«, wollte Skar schreien, denn er wusste mit untrüglicher Sicherheit, dass die Vernichtung der Höhle unmittelbar bevorstand, wenn sie nicht sofort mit dem Wahnsinn aufhörten, aber ein losgeschlagener Stein, der seine Schulter traf, ließ ihn erneut um sein Gleichgewicht kämpfen und trieb ihm die Luft aus den Lungen.

Die Nahrak allerdings hätten wohl sowieso nicht auf ihn gehört. Ungeachtet des Chaos um sie herum verstärkten sie ihre Anstrengungen. Das von den Stäben aus Sternenstahl ausgehende Leuchten hatte sich verstärkt und war irgendwie bösartiger geworden und gleichzeitig nahm die Intensität der Entladungen zu, die um das Monster tobten, ohne es allerdings dorthin zurückzuschicken, wo es hergekommen war.

Er durfte keine Zeit verlieren. Ohne auch nur noch einen Moment auf das Krachen, Donnern und Blitzen zu achten, packte er sein Tschekal fester und ließ es mit der Breitseite auf den Kopf des neben ihm stehenden Nahrak niedersausen. Der Mann stieß einen überraschten Laut aus und schwankte leicht; aber zu Skars Verblüffung hielt er sich weiter auf den Beinen und dachte gar nicht daran, zu Boden zu gehen.

Skar kam nicht dazu, ihn mit einem kräftigeren Hieb außer Gefecht zu setzen, denn das von grellen Entladungen gepeinigte Ungeheuer fuhr mit einem entsetzlichen, zischelnden Laut herum und stampfte auf ihn zu, als begriffe es, was er vorhatte. Er duckte sich, riss mit einer verzweifelten Bewegung sein Tschekal hoch und ließ es in die Peitschenarme kreisen, aber der Sternenstahl prallte von der wütenden Bestie ab, als ob er ein Holzschwert in den Händen halten würde. Das aggressive Zischen des Monsters verstärkte sich, und als es näher kam, spreizten sich seine Tentakel, öffneten sich zu einer schwerfälligen, tödlichen Umarmung.

Es war genau so, wie Skar es befürchtet hatte. Selbst wenn er mit doppelter Wucht auf diese schwarzgrüne Masse einschlagen würde, käme es nur dem Versuch einer Mücke gleich, mit einem wütenden Angriff seines Stachels einen Menschen erstechen zu wollen. Möglicherweise hielten die Nahrak die geeignete Waffe für den Kampf gegen ein solches Monstrum in den Händen, möglicherweise hätten sie es damit auch unter freiem Himmel auslöschen können, ohne sich selbst zu gefährden. Doch hier, in der Höhle, würde ihre Art zu kämpfen ihrer aller Untergang bedeuten. Deshalb blieb ihm nur noch eine Chance: Seine Taktik zu ändern und etwas vollkommen Unerwartetes zu unternehmen.

Mit einer Geschicklichkeit, die seinem angeschlagenen Zustand Hohn sprach, tauchte Skar unter dem nächsten Angriff der nach ihm peitschenden Fangarme durch, war mit einem Satz außerhalb ihrer Reichweite und in der nächsten Bewegung auch schon unter den Nahrak. Das Tschekal sauste wie ein eigenständiges Lebewesen auf Kama hinab und hätte ihm den Schädel gespalten, wenn Skar es nicht um neunzig Grad gedreht hätte.

Der Mann rechnete nicht mit einem Angriff von der Seite aus, natürlich nicht, und tat deswegen auch nichts zu seiner Verteidigung. Als ihn die Breitseite des Schwerts traf, ging Kama wie vom Blitz getroffen zu Boden. Seine Hände glitten von den fluoreszierenden Stäben ab. Das dumpfe Grollen, das die nächste Entladung angekündigt hatte, lief in einem Knistern aus, das von wenigen gekräuselten und eindeutig schwächlich wirkenden Energiebahnen begleitet wurde. Doch Skar blieb keine Zeit sich um die Auswirkungen seines Angriffs auf seinen merkwürdigen Verbündeten zu kümmern.

Die beiden anderen Nahrak wandten sich ihm zu. In ihren Gesichtern stand ein Entsetzen, fast schon ein tiefer Schmerz, der sich mit völligem Unverständnis mischte. »Du Narr«, stieß einer der beiden aus.

Skar hätte nicht überraschter sein können, wenn sich der Mann vor ihm in Luft aufgelöst hätte. Er war wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass keiner der Nahrak - bis auf Kama - Tekanda sprach. Aber das war jetzt unwichtig. Auf ihren Zügen lag ein Ausdruck von Furcht, der nichts mit übersteigerten Reaktionen zu tun hatte. Sie hatten Angst, beinahe panische Angst.

Und das nicht zu Unrecht. Kaum war das Energiefeld in sich zusammengebrochen, ging ein Ruck durch die Bestie und ihre Tentakel fuhren kraftvoller als je zuvor durch die Luft, schlugen dicht neben Skar auf den Boden, als hätte sie zwar bereits ihre Kraft, nicht aber ihre Zielsicherheit vollständig wiedererlangt. Mit einer verzweifelten Bewegung warf sich Skar herum und wich so schnell wie möglich zurück: und dennoch fast zu spät, denn das wabbelnde Monster schien jetzt ihn zu seinem Hauptgegner erkoren zu haben, ohne Dankbarkeit dafür, dass er den Angriff der Nahrak unterbrochen hatte.

Was vielleicht ein fürchterlicher, ein tödlicher Fehler gewesen war.

Ein Monsterarm peitschte wild in seine Richtung und schrappte an seinen nackten Beinen vorbei. Es war nicht viel mehr als eine beiläufige Berührung und doch spürte Skar, wie seine Haut aufriss und Blut an seinem Fuß herablief. Der Schmerz war furchtbar - aber er war nichts im Vergleich zu dem, was ihn erwartete, wenn ihn einer der Tentakel voll erwischte. Das schleimige Äußere der Kreatur suggerierte Schwäche, aber in seinen Bewegungen steckte eine Kraft, die einem mächtigen Staubdrachen in nichts nachstand.

In diesem Moment hätte Skar sonst etwas dafür gegeben, wenn er seinen Angriff auf Kama wieder hätte rückgängig machen können. Vielleicht hätten die Nahrak ja Erfolg gehabt mit ihrer Abwehr des Monsters, ohne dass die Höhle zusammengestürzt wäre ... müßige Gedanken und absolut unsinnig angesichts des zuckenden und blitzartig zuschlagenden Biestes, das sich erneut mit einem Zischen auf ihn stürzte.

Die Hilfe kam von vollkommen unerwarteter Seite. Gerade als Skar mit einer verrückten Drehung an einem der Fangarme vorbeitanzte und unter einem anderen hinwegtauchte, schrie einer der Nahrak auf, warf sich mit einem Satz nach vorne und riss den Arm hoch. Der leuchtende Stab, den er in den Händen gehalten hatte, flog durch die Luft und klatschte in die widerlich schwabbelnde Masse des Ungeheurs.

Das Ergebnis war verblüffend. Das Monster blieb so abrupt stehen, als wäre es gegen eine unsichtbare Mauer geprallt. Ein Zucken jagte wellenartig über seinen Körper und seine Arme peitschten wild hin und her. Die schleimig grüne Masse, aus der sein Körper bestand, schien von einer Sekunde auf die andere ihren Halt zu verlieren. Dünne, glitzernde Schleimfäden tropften zu Boden, gefolgt von faustgroßen Klumpen und Brocken. Es ging unheimlich schnell. Der Leib des Ungeheurs zerschmolz zu einer glibberigen amorphen Masse und seine undefinierbare Körpersubstanz begann zu kochen, zu brodeln und hin und her zu wogen. Mehr und mehr Rauch quoll hoch, während es gleichzeitig prasselte und knisterte wie bei einem Lagerfeuer, das gerade jemand mit einem Eimer Wasser zu ersticken versucht hatte.

Es dauerte nicht einmal eine Minute. Der Rauch wurde so dicht, dass er Skar die Sicht auf das Ungeheuer verwehrte, aber als er sich verzog, war der tentakelbewehrte Koloss verschwunden, als hätte er nie existiert. Doch an seiner Stelle war irgendetwas - anderes. Etwas Kleines, kaum Sichtbares; ein Huschen und Wegkrabbeln, haarfeine Äderchen, die darin zuckten und winzige glänzende Klümpchen, kleinen beinlosen Tieren aus schwarzem Schleim gleich, die blind hin und her krochen.

Langsam schob sich Skar vorwärts. Seine Hände und Knie zitterten und der furchtbare Anblick ließ seinen Magen rebellieren; aber er zwang sich weiter zuzusehen und trat sogar noch einen Schritt näher.

Von dem Monster selbst war nichts mehr zu entdecken. Dort, wo es gestanden hatte, breitete sich jetzt eine glitzernde Pfütze mit einem Durchmesser von fast fünf Metern aus. Schillernde Blasen stiegen an ihre Oberfläche und zerplatzten lautlos, und als sich Skar noch ein Stück weiter vorwagte, stieg ihm ein atemberaubender Gestank in die Nase. In der Mitte der Pfütze lag jetzt das rohrähnliche Teil, das eben noch hell aufgeleuchtet hatte. Doch jetzt war es matt und grau und schien fast mit den grünbraunen Schlieren des Bodens zu verschmelzen und Skar ahnte, dass alle Energie, die in ihm gesteckt hatte, vollständig verbraucht war.