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Was Skars Aufmerksamkeit aber mehr auf sich zog, waren die winzigen huschenden Kreaturen, die sich vom Rand der Pfütze hinweg in den Hintergrund der Höhle ausbreiteten wie ein lebendig gewordener Teppich. Auf den ersten Blick hätte er nicht zu sagen vermocht, ob es sich dabei um Khtaám-Larven handelte oder um irgendetwas anderes - aber das war auch nicht so wichtig. Entscheidender war, dass sie sich von ihm wegbewegten und nicht auf ihn zu. Der Nahrak, der den Energiestab geworfen hatte, wandte sich langsam mit ausdruckslosem Gesicht zu ihm um. »Das du niiiiicht hättest maaaachen dürfen«, sagte er.

»Was?«, krächzte Skar. »Dass du dieses ... Ding vernichtet hast? Was ist verkehrt daran.«

»Eiiiine Meeeenge«, sagte der Mann leise, »denn jeeeetzt sind wir weeeehrlos. Wir brauchen dreeei Jaertiks, um das Feld zu ... zu maaachen. Wir aber haben nur noch zweeeei.« Skar nickte geistesabwesend. Er verstand kein Wort von dem, was der Mann sagte, zumal eine Welle der Übelkeit durch seinen Körper jagte. Die Anstrengungen des Kampfes und der Schmerz, der jetzt nahezu ungehindert durch seinen Körper jagte, waren zu viel gewesen. Er kämpfte den aufkommenden Brechreiz mit aller Macht nieder und sah sich nach Esanna um, die weit entfernt hinter ihm gegen die Wand geknallt war.

Sie war nicht mehr da.

Zuerst glaubte er, seine Augen spielten ihm einen Streich, denn noch immer tanzten bunte Schlieren vor ihnen und außerdem war das schwache, grünliche Licht in der Höhle kaum dazu geeignet, jede Einzelheit zu erkennen. Doch dann begriff er, dass er sich nicht getäuscht haben konnte. Er sah Gewimmel an den Rändern der Höhle, überall, nur nicht in ihrer unmittelbaren Umgebung; huschende, schemenhafte Bewegungen, die sich nicht fassen ließen und doch mehr als deutlich wahrnehmbar waren.

Wenn er diese zuckende Brut sah, konnte er einen menschlichen Körper wohl kaum übersehen. Er riss sich von dem grässlichen Anblick der huschenden Schemen los, fuhr herum und stürmte mit immer noch gezogenem Tschekal in die Richtung, in die das Mädchen nach seinem Angriff auf die Nahrak gestürzt war.

»Bleeeeib hier!«, schrie jemand hinter ihm.

Es war der Nahrak, der die Kreatur vernichtet hatte. Nur ganz am Rande seines Verstands nahm Skar wahr, dass dieser Mann, bis auf seinen Sprachfehler, fast besser Tekanda sprach als Kama. Wenn er Esanna wieder gefunden hatte, würde er den Nahrak ein paar unangenehme Fragen stellen müssen.

Er rannte, so schnell er konnte. Seine Füße schmerzten unerträglich. Eine dünne Spur glitzernder Blutstropfen blieb auf dem schlierigen Boden hinter ihm zurück und sein Rücken brannte immer noch wie Feuer. Jeder einzelne Schritt war eine Qual, aber er bemerkte es kaum. Es hatte in seinem Leben zu oft Situationen gegeben, in denen Schmerz eine untergeordnete Bedeutung gespielt hatte im Vergleich zu dem, was zu tun gewesen war. Und er wusste, dass Schmerz alleine vollkommen bedeutungslos und damit auch nahezu komplett ausblendbar war.

Nicht Schmerz war tödlich. Tödlich waren nur Verletzungen, die sich nicht mehr heilen ließen.

Er spürte, dass ihm einer, wenn nicht beide Nahrak nachliefen - Kama lag immer noch regungslos dort, wo er ihn niedergeschlagen hatte -, und er verdoppelte seine Anstrengungen, aber seine Verletzungen beeinträchtigten ihn zu sehr, um sie abhängen zu können; und im Grunde genommen war es egal. Auch wenn die Nahrak über seine Einmischung alles andere als erfreut waren und kaum begreifen konnten, warum er Kama niedergeschlagen hatte - er begriff es ja selbst nicht, wenn er ehrlich war -, so waren sie doch nicht seine Feinde.

Er fand weder Esanna noch eine Spur von ihr. Mit hämmerndem Herzen blieb er stehen, sah sich um, versuchte das Gekribbel und Gewirr zu seinen Füßen auszublenden und fragte sich, warum ihm dieses Digger-Mädchen so wichtig war. Er hatte mit ansehen müssen, wie die Quorrl ihr ganzes Dorf ausgelöscht hatten, ohne auf Frauen und Kinder Rücksicht zu nehmen. Und jetzt machte er sich Sorgen wegen eines einzelnen Mädchens.

»Wiiiiir müssen weeeeg«, sagte der Nahrak neben ihm und berührte ihn fast sanft am Arm. »Wiiiiir müssen... flieeehen. Können keinen Angriiiiiff meeeehr abweeehren.« Skar schüttelte benommen den Kopf und schob die Hand des Mannes von seinem Arm. »Ihr habt doch noch zwei von den Dingern ...«

»Deeen Jaertiks...«

»Ja. Damit könntet ihr diesen schleimigen Kreaturen doch ganz schön einheizen.«

»Deeen Khtaám.«

»Khtaám?«, fragte Skar verwirrt. »Ich dachte, das wären diese«, er ballte eine Faust, »diese kleinen, flitzenden Dingern mit den vielen Zähnen.«

»Auch«, nickte der Nahrak. »Khtaám hat viiiiiiiiele Gesichter.«

»Auch das noch«, stöhnte Skar. »Heißt das etwa, dass es noch Schlimmeres gibt als diesen ... diesen letzten, diesen großen Khtaám, den du vernichtet hast?«

»Es giiiiiibt immer Schliiiiiiimmeres«, sagte der Nahrak ausweichend. »Aber nun komm.«

»Und das Mädchen?«

Der Mann runzelte die Stirn, als hätte er die Frage nicht verstanden. Erst als er begriff, dass Skar auf einer Antwort bestehen würde, sagte er: »Sie ist jetzt niiiicht wiiiichtig. Vielleicht später.«

Skar war versucht den Nahrak kurzerhand bei den Schultern zu packen und durchzuschütteln. Er war nie cholerisch gewesen, aber dieses ausweichende und umständliche Gerede machte ihn wahnsinnig. »Es ist mir egal, was du sagst«, brummte er jedoch stattdessen. »Ich werde sie jetzt suchen gehen. Sie kann ja nicht weit gekommen sein.« Wenn sie überhaupt noch lebt, fügte er in Gedanken hinzu. Ohne weiter auf die beiden Männer zu achten, humpelte er weiter. Das Gewimmel zu seinen Füßen wirkte noch immer ziellos und zufällig. Aber er war sich sicher, dass das nicht mehr lange so bleiben würde. Irgendetwas braute sich hier zusammen ... etwas, das mit nächster Angriffswelle nur sehr unvollkommen beschrieben wäre. Vielleicht hatten die Nahrak ja Recht und es lauerte hier unten noch etwas ganz anderes, etwas, das auch zu dieser Gattung der Khtaám gehörte. Es war ein tief beklemmendes Gefühl, das Skar mit diesem Gedanken verband, etwas, das tief in ihm auf eine Resonanz stieß, auf ein geheimes, vielleicht uraltes Wissen, auf etwas, das mit mehr zu tun hatte als mit einem simplen Machtkampf unbekannter und unbegreiflicher Mächte...

Der Felsvorsprung, auf den er zusteuerte, sah aus der Nähe ganz anders aus, als er vermutete hatte. Er war nicht nur eine Unregelmäßigkeit in der Wand, ein zufälliges Spiel der Natur, die diese Höhle geschaffen hatte, sondern eher ein Zugang, der in einen anderen, halb verborgenen Bereich des unterirdischen Labyrinths führte. Er wünschte sich, er hätte eine Fackel bei sich, denn die schwache, grünliche Beleuchtung leuchtete den Bereich hinter dem Vorsprung nur sehr unvollkommen aus.

»Faaalscher Weg«, sagte der Nahrak neben ihm nervös, während seine Augen unruhig hin und her wanderten, als suche er nach den Anzeichen eines bevorstehenden Angriffs.

»Ihr solltet besser nach Kama sehen«, sagte Skar. »Ich mach das hier schon. In einer paar Minuten bin ich zurück.« Der Nahrak schüttelte den Kopf. »Wir niiiiicht haben so viel Zeit«, wiederholte er stur. »Wenn wir niiiiicht gleich gehen, es kaaann sein zu spät.«

»Natürlich«, sagte Skar. »Es kann immer zu spät sein.« Er machte eine ungeduldige Handbewegung. »Und nun geht - und lasst mich in Ruhe.«

Die Reaktion des Nahrak war ganz so, wie er befürchtet hatte. Er wechselte mit seinem Artgenossen einen Blick und es sah ganz so aus, als ständen sie kurz davor, sich auf Skar zu stürzen, um ihn mit Gewalt von seinem Vorhaben abzubringen. Das hätte ihm gerade noch gefehlt. Nachdem er bereits Kama ohne viel Zartgefühl ausgeschaltet hatte, wollte er sich nicht auch noch an diesen beiden die Hände schmutzig machen.