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Daran gemessen versagte Skar kläglich. Er kam gerade halb hoch, da patschte die Klaue der Kiina-Kreatur auch schon wieder auf seine Brust und schleuderte ihn erneut auf das Mädchen herab. Esanna gab einen röchelnden, erstickten Laut von sich und zuckte einmal auf, um gleich darauf wie erstarrt unter ihm liegen zu bleiben. Skar hatte keine Zeit sich darum zu kümmern.

Als sich das Monster mit einem schmatzenden Geräusch auf ihn stürzen wollte, ließ er das durch den nur halb missglückten Sprung wieder freigekommene Tschekal einen präzisen und mit aller Kraft geführten Halbkreis beschreiben, der zu seiner eigenen grenzenlosen Verblüffung das Monster im ersten Ansatz sauber durchtrennte.

Der Torso der Kreatur blieb schwankend über ihm stehen, während der Oberkörper mit dem schlangengleichen Gesicht Kiinas direkt neben Skar auf den Boden krachte. Einen fürchterlichen Augenblick starrte Skar dabei in Kiinas gebrochene Augen, die so täuschend echt aussahen, dass er das Gefühl hatte, ein eiskalter Dolch durchstoße sein Herz. Dann schwappte eine ekelhafte, klebrige Brühe über ihn und der Torso stürzte auf ihn.

Skar zog die Knie an und traf den abscheulichen Unterleib mit einem gewaltigen Tritt im oberen Drittel; seine Hände zitterten dabei so stark, dass er kaum noch das Schwert halten konnte. Bevor der Torso in hohem Bogen davonschleuderte, wurden er und Esanna über und über mit der schwarzen, stinkenden Flüssigkeit besudelt, die zäh wie Blut an ihnen klebte. Obwohl er wusste, dass es Unsinn war, schrie ihm eine innere Stimme zu, dass er soeben sein eigen Fleisch und Blut, seine eigene Tochter umgebracht hatte. Das nächste Kiina-Monster, das in diesem Moment auf ihn zustürmte, belehrte ihn eines Besseren. Ein Schlangenschädel beugte sich über ihn, als er sich erheben wollte, und krabbenähnliche Scherenarme pfiffen wütend an seinem Gesicht vorbei. Skar rammte dem Monster über sich den Griff seines Tschekals an die Stelle, bei denen bei Menschen der Magen gewesen wäre und das Kiina-Monster torkelte zurück.

Er musste aufpassen, sich durch ihr Aussehen nicht täuschen zu lassen. Als die Kreatur erneut auf ihn zustürmte, empfing er sie mit einer Achterkombination, die ihr in einer kreisenden Bewegung zuerst beide Klauen vom Leib trennte und dann tief die Klinge seines Schwertes in ihren Leib versenkte; merkwürdig und überraschend leicht auch diesmal. Mit einem fast menschlicherstaunten Gesichtsausdruck taumelte die Kreatur auf ihn zu und riss die Armstümpfe empor, als wollte sie ihn damit angreifen. Der Laut, mit dem sie dann schließlich auf den Boden prallte, ließ ihn innerlich erschauern.

»Weg hier«, schrie jemand und Skar starrte mit weit aufgerissenen Augen und vollkommen fassungslos auf Kama, der mit grotesk großen Sprüngen auf ihn zugestürmt kam. Er hatte den Nahrak für tot gehalten, zerschmettert von der Explosion, den sein Sturz in die Nische ausgelöst hatte. »Sie werden schon stärker«, brüllte ihm Kama ins Ohr, während er ihn am Arm packte und herumwirbelte.

Skar schüttelte seinen Arm ab und beugte sich zu Esanna herunter. Das Mädchen stöhnte leise und versuchte ihn abzuwehren, als er ihren Oberkörper packte, sie nach oben riss und sie sich ohne viel Federlesens über die Schulter warf. Es war schon zum zweiten Mal, dass er sie auf diese Weise aus einer drohenden Gefahrenzone zu retten versuchte; das erste Mal war im Digger-Dorf gewesen, inmitten des Gemetzels, das die Quorrl unter der Dorfbevölkerung veranstaltet hatten. Im Gegensatz zu dem Kampf gegen diese Monster in dieser vollkommen übersteigerten Höhle - und nur ein paar Schritte entfernt von dem ins unendliche Nichts hinabstürzenden Sog unfassbarer Tiefe - kam ihm der Kampf der Quorrl gegen die Digger allerdings eher wie ein harmloser Spaziergang vor.

Er hatte sich gerade wieder aufgerichtet und wollte Kama hinterherstürzen, als er begriff, was der Nahrak mit Sie werden stärker gemeint hatte. Das Monster, das aus der Dunkelheit auf ihn zuraste, war nicht nur schneller; seine Bewegungen wirkten auch deutlich koordinierter als die der beiden Kreaturen, die er mit Leichtigkeit hatte töten können. Ein schwarzer Scherenarm jagte auf ihn zu und er musste sein Tschekal blitzschnell hochreißen, um nicht schon im ersten Ansturm schwer getroffen zu werden. Nur mit Mühe konnte er den Schlag auffangen, ohne allerdings seinem Gegner eine ernsthafte Verletzung zufügen zu können. Die Schlagenergie der Kiina-Kreatur stand der eines Quorrl in keiner Weise nach und es gelang ihm nur mit Mühe, mit einem Seitwärtsschritt den größten Teil der tödlichen Wucht wirkungslos verpuffen zu lassen.

Der Schock der Erkenntnis traf ihn erst den Bruchteil einer Sekunde später: Dieser schwarze Scherenarm, der sich mit seinem Tschekal gekreuzt hatte, musste fast so hart sein wie Sternenstahl; er stocherte, nahezu unverletzt, schon wieder vor seinem Gesicht herum, kaum dass Skar mit einem weiteren Ausfallschritt aus seiner Reichweite hatte entkommen wollen. Die Veränderung der Monster zu schier unbesiegbaren Kampfmaschinen besiegelte seinen und ihrer aller Untergang - wenn er sich nicht ganz schnell etwas einfallen ließ und es vor allem vermied, sich auf einen längeren Kampf mit seinem Angreifer einzulassen. Bis die Kreatur Verstärkung bekam, konnte es nicht mehr lange dauern, und sich gegen mehrere der schwarzen Schattenwesen zu verteidigen würde bedeuten das Ende allerhöchstens noch ein paar Minuten hinauszuschieben, bis er unweigerlich unter einer wütenden Attacke zu Boden gehen würde.

In einer einzigen Drehung explodierte seine gesamte Energie. Sein Fuß sauste wie ein eigenständiges Wesen herum, getrieben von dem absoluten Willen zur Vernichtung, wie ihn außer einem Satai nur wenige Menschen mobilisieren konnten. Mit ungestümer Gewalt traf er den verformten Hals des Monsters.

Skar hatte das Gefühl, gegen puren Fels getreten zu haben. Und trotzdem hatte der Tritt Erfolg. Das Ungeheuer stieß einen kläglichen Laut aus, torkelte einen halben Schritt an Skar vorbei und fiel dann wimmernd zu Boden. Das Skar zugewandte Profil ähnelte immer noch in erschreckender Weise dem Kiinas; sogar einzelne Haarsträhnen waren noch erkennbar, allerdings liefen sie in grün verklumpten Hautfetzen aus.

Ein eisiger Schauer überlief Skar, als er erkannte, wie sich das Wesen verändert hatte, das er für seine Tochter gehalten hatte. Dicht unter einer merkwürdig eckigen Körperöffnung, die wohl eher ein Maul als ein Mund war, sah er entsetzliche Beißzangen, die aus dem Unterkiefer wucherten. Sie sahen kräftig genug aus, um einem Mann den Oberschenkel durchzubeißen. Als wäre das noch nicht genug, verfügte die Kreatur über ein ganzes Arsenal weiterer widerlicher Auswüchse - von den mit spitzen Widerhaken versehenen Höckern auf seinem Rücken über gewaltige, dornenbewehrte Sprungbeine bis hin zu ein paar Dutzend dolchspitzer Stacheln auf seinen Armen, die vorne zu krabbenähnlichen Scheren ausliefen.

»Schnell!«, schrie Kama und in seiner Stimme schwang eine für ihn ganz ungewohnte Panik mit. »Wenn die Verwandlung abgeschlossen ist, wir sein verloren.«

Skar riss sich von dem morbiden Anblick los. Gerade noch rechtzeitig, denn das Monster rappelte sich schon wieder auf. Eine sichelförmige Klaue hackte nach Skars Bein, dann war er schon an ihm vorbei und jagte, Esanna eng an sich geklammert, dem Nahrak hinterher.