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Während sich Skar fassungslos aufrichtete, auf das Schauspiel starrte und ein paar Schritte zurückstolperte, jagten sich seine Gedanken. Wenn er das gewusst hätte ... wenn er nur geahnt hätte, mit welcher Panik die Khtaám auf Feuer reagierten ... aber jetzt begriff er auch, warum sie ihn so umständlich vom Feuerplatz weggelockt hatten, statt ihn und Esanna gleich an Ort und Stelle zu überfallen.

Der Drache spuckte den fliehenden Monstern eine letzte Feuerwalze hinterher, die wie eine sengende Verdammnis über sie hinwegglitt und rauchende, vor Hitze knackende Vernichtung über sie brachte; es sah aus, als wäre der Zorn wütender Götter über die Khtaám und die ganze Höhle gekommen, um sie für ihr verdammenswertes Treiben abzustrafen. Die Kreaturen stießen schrille, unmenschliche Laute aus bei dem Versuch, noch in letzter Sekunde der drohenden Vernichtung zu entkommen, doch etliche von ihnen schafften es nicht mehr, wurden zu flammenden, Hitze abstrahlenden Säulen. Die Luft war voll beißenden Rauchs und schmeckte nach Feuer, und der lodernde Feuerschein erhellte die gigantische Kuppel der Höhle, brach und reflektierte sich in dunklem, wie poliert wirkendem Gestein in Schwindel erregender Höhe; ein unvorstellbarer Lärm, Schreie, das Krachen berstender Kreaturen, das Prasseln von Feuer, das die kleineren Khtaám ergriffen hatte und über sie hinwegwogte und ein schrilles, in den Ohren schmerzendes Heulen und Kreischen riss an ihren Nerven ...

Nachdem der Frarr sein Vernichtungswerk beendet hatte, schnappte das gigantische Maul mit ein paar fürchterlichen Beißbewegungen in Skars und Esannas Richtung und ein tiefes Grollen entrang sich seiner Brust. Es war ein Anblick, der einem weniger beherzten Mann als Skar das Blut in den Adern hätte gefrieren lassen. Das riesige, mit rasiermesserscharfen Alligatorzähnen bewehrte Echsenmaul war groß genug, um einen Mann mit einem einzigen Biss zu zerteilen. Die Bestie war grün, von einem so kranken, widerwärtigen Grün, wie er es nie zuvor gesehen hatte, und ihr Rumpf erinnerte bei genauerem Hinsehen an einen ins Groteske vergrößerten Leib einer Riesenschlange, der zu allem Überfluss auch noch mit einem zackenbewehrten Wulst ausgestattet war.

Skar starrte wie gebannt auf das Wesen, sich nur zu bewusst, dass die nächsten Sekunden darüber entscheiden würden, ob der Drache auch sie angreifen würde oder nicht. Die Bösartigkeit und Erbarmungslosigkeit dieser Riesenechse war beinahe körperlich spürbar. Das ganze Wesen wirkte irgendwie missgestaltet, zumindest im Vergleich zu einer Daktyle. Sein langer, lanzenförmiger Schwanz diente offenbar dazu, seinen Flug zu steuern und gleichzeitig sein Gleichgewicht auszubalancieren, war aber darüber hinaus auch eine fürchterliche Waffe, die sicherlich mühelos eine ganze Menschengruppe beiseite wischen konnte. Seine Füße waren groß und fünfzehig wie die von Menschen, doch wirkten sie eher wie Klauen, die reißen und zerstören wollten. Am grässlichsten jedoch war der Schädel mit seiner höhnischen Mundpartie, den gefährlichen Reißzähnen und dem arglistigen Blick aus dunkel schimmernden Echsenaugen. Skar konnte nicht gerade behaupten, dass es ihn beruhigte, einen solchen Kampfgefährten zu haben. Er warf einen besorgten Blick zu Kama herüber, der immer noch mit diesem merkwürdigen Teil in seiner Hand hantierte, dessen schwacher Lichtschein allerdings nicht mehr zu sehen war - wahrscheinlich ganz einfach deshalb, weil er in der tobenden Feuersbrunst verendender Kreaturen unterging. Kama erwiderte seinen Blick und machte dann mit dem Kopf eine Bewegung, die wohl bedeuten sollte, dass er und Esanna zu ihm herüberkommen sollten. Skar legte seine Hand auf die Schulter des Mädchens, das ganz selbstverständlich zu ihm gerannt war und sich nun schluchzend an ihn presste. Er spürte das Zittern und Beben ihres Körpers und er konnte sie nur zu gut verstehen. Was in den letzten Stunden passiert war, hätte selbst dann an Aufregung für ein ganzes Leben gereicht, wenn ihnen jetzt die Konfrontation mit dem Drachen erspart geblieben wäre.

»Das ist... grauenvoll«, stieß Esanna so leise hervor, dass er sie kaum verstand.

Skar nickte, unsicher ob er etwas sagen oder tun konnte, was sie beruhigte. Es war ein merkwürdiges Gefühl, sie so im Arm zu halten, fast tröstlich angesichts des unglaublichen Chaos um sie herum und doch gleichzeitig seltsam unwirklich angesichts der Lebensgefahr, in der sie sich nach wie vor befanden.

»Los!«, rief Kama besorgt zu ihnen herüber, während er langsam und vorsichtig auf den gigantischen Frarr zuging, ohne das Teil in seinen Händen auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. »Bevor die sich was Neues ausdenken!«

Skar löste sich so behutsam wie möglich von Esanna und schob mit seinem Stiefel den Überrest eines brennenden Khtaám zur Seite. »Komm jetzt«, sagte er, während seine Augen wachsam über die vielfachen lodernden Brände in der Höhle glitten. »Wir müssen gehen.«

Esanna schüttelte entsetzt den Kopf und warf einen verzweifelten Blick auf das gigantische Untier, das ihre gemeinsamen Feinde vertrieben hatte - zumindest für den Moment. »Ich ... du ... du willst doch nicht... mit diesem Ding ...« Die heimtückischen Augen des Frarr schienen sich in die seinen festzubrennen und Skar fragte sich besorgt, ob er vielleicht verstand, was hier vorging. Aber das war eine müßige Frage. Er war sich sogar ganz sicher, dass dieser Feuer speiende Drache sehr genau über das im Bild war, was geschah, wenn auch vielleicht nicht auf der bewussten Ebene eines Menschen. Und er war sich auch sicher, dass diese monströse Flugechse alles andere als begeistert von seiner Rolle als Rettungsengel war; dass sie überhaupt gekommen war, konnte nichts mit ihren natürlichen Impulsen zu tun haben, sondern nur mit einem speziellen Lockruf, der wahrscheinlich auf das Ding zurückzuführen war, das Kama nach wie vor in den Händen hielt.

So fahrig, wie sich der Nahrak verhielt, schien er sich allerdings selber nicht ganz sicher zu sein, ob er den Frarr wirklich noch lange kontrollieren konnte.

»Es ist unsere einzige Chance«, versuchte Skar das aufgeregte Mädchen zu beruhigen. »Wir werden jetzt da rübergehen und genau das tun, was Kama von uns verlangt. Er weiß, was er tut.«

»Dieses ... dieses Vieh auch«, stotterte Esanna. »Es hasst uns. Ich kann es spüren.«

»Der Frarr hat uns gerettet«, stellte Skar fest. »Und selbst wenn er uns nicht mag: Er hat uns geholfen und wird es auch weiter tun - wenn wir ihn nur lassen.«

»Der will uns doch gar nicht helfen«, sagte Esanna verzweifelt. »Der will doch etwas ganz anderes.«

»Vielleicht ist er nicht ganz freiwillig hier«, korrigierte sie Skar. »Aber das macht keinen Unterschied ...«

»Los jetzt«, unterbrach ihn Kama. »Ich weiß nicht, wie lange ich ihn hier noch kontrollieren können. Diese Höhle... zu gefährlich.«

Skar stöhnte. Es fehlte ihm noch, dass der Nahrak das sowieso schon vollkommen überforderte und panische Mädchen zusätzlich verängstigte. »Wenn du nicht freiwillig mitkommst, werde ich dich rübertragen«, sagte er mühsam beherrscht. »Aber vielleicht schaffst du es ja auch alleine - diesmal.«

Esanna warf ihm einen so verzweifelten Blick zu, dass Skar in diesem Moment alles getan hätte, um sie zu beruhigen. Oder besser gesagt: fast alles oder zumindest das, was er auch für Kiina zu tun bereit gewesen wäre in dieser gleichzeitig abstrusen und bedrohlichen Situation. Wider die Vernunft zu handeln konnte er sich allerdings nicht leisten, und das musste auch das bockige Mädchen einsehen.

»Jetzt los!« Kama wirkte so aufgeregt, wie ihn Skar noch nie erlebt hatte. »Das Opfer darf nicht umsonst sein.« Skar hatte keine Ahnung, von welchem Opfer der Nahrak sprach. Aber in der Sache als solcher konnte er ihm nur zustimmen. Er packte Esannas Arm, eindeutig grob diesmal, und zerrte sie mit.

»Lass mich los, du Idiot!«, schrie Esanna und kratzte ihm mit scharfen Fingernägeln blutige Striemen auf den Handrücken.