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»Nicht den Frarr anschreien«, sagte Kama besorgt. »Er sein nervös.«

»Das ist Esanna auch«, knurrte Skar, während er gleichzeitig Esannas Hand packte und recht unsanft zusammendrückte, um sie von weiteren Kratzattacken abzubringen. »Und wenn ich ehrlich bin: ich auch.«

Sie waren jetzt bei Kama angekommen, nur zwei Schritte von einem der mächtigen Säulenbeine der Flugechse entfernt; kein unbedingt beruhigender Anblick. Das einzig Positive war, dass sie sich jetzt nicht im Sichtfeld der gereizten Echse befanden.

»Wir müssen aufsteigen«, sagte Kama.

»Oh nein!«, kreischte Esanna. »Das kommt doch gar nicht infrage! Und überhaupt - wie sollte ich denn da hochkommen?«

Der Frarr stieß einen tiefen, knurrenden Laut aus, so als hätte er das Gespräch bislang aufmerksam verfolgt und sei die lächerlichen Einwände dieser winzigen Menschlinge nun leid.

»Hier, hier«, stieß Kama aufgeregt hervor und ruckelte an etwas, das Skar erst durch diese Bewegung als eine schmale grüne Strickleiter erkannte, die fast bis auf den Boden reichte. »Ich haben schon alles vorbereitet.« Er schluckte krampfhaft. »Ich gehen als Erster. Du dann kommen mit dem Mädchen nach. Klar, Skar?«

»Klar, Kama«, sagte Skar wenig überzeugt.

In diesem Moment bemerkte er aus den Augenwinkeln ein Aufbäumen, einen Flammenwirbel, der aus einem der brennenden Müllhaufen der Khtaám auf sie zuschoss. Es waren fast nur Flammen erkennbar, aber in ihrer Mitte war etwas, etwas Schwarzes, Dunkles, absolut Bösartiges, das keinesfalls gewillt zu sein schien, ihre Flucht mithilfe des Drachen zuzulassen. Skar blieb kein einziger Augenblick, um sich die Frage zu beantworten, wie überhaupt irgendetwas in dieser brennenden Fackel zu existieren vermochte. Ihm blieb gerade noch Zeit, sein Tschekal mit einer schnellen, aber schlecht gezielten Bewegung nach oben zu bringen und sich dem Monster entgegenzustellen.

Eine Atem raubende Hitzewelle schlug ihm entgegen. Es war nichts Lebendiges, was ihm da entgegenschoss, jedenfalls nicht in herkömmlichem Sinne; es war eine von Vernichtungswillen beseelte Kreatur, zu nichts anderem geschaffen, als zu töten und auszulöschen, und vielleicht war sie sogar erst in diesem einen Moment ins Leben gerufen worden, von dem Khtaám, der von der Feuerwalze zurückgeschlagen aber keinesfalls ernsthaft getroffen worden war. Im allerletzten Augenblick änderte Skar seine Strategie. Er hatte vorgehabt sich dem Monster entgegenzuwerfen, doch das war Wahnsinn angesichts der brutalen Gewalt der Kreatur, die über ihn hinwegfegen würde wie eine Flutwelle über einen ungesicherten Küstenstrich. Mit einem Aufschrei stieß sich Skar ab und sprang hoch, mehr als zwei Mannslängen, wirbelte mit einer Rolle über die lebendige Feuersbrunst hinweg und kam hinter ihr wieder auf die Füße. Die lodernde Kreatur hielt auf Esanna zu und einen fürchterlichen Sekundenbruchteil lang sah Skar sie schon unter dem Flammenwirbel verschwinden; doch dann änderte die brennende Ausgeburt ihre Richtung, so mühelos und schnell wie ein Vogel, der aus einem Sturzflug heraus wieder hochzieht. Offenbar wollte der Khtaám erst ihn vernichten, bevor er sich Esanna und den Nahrak vornahm.

Plötzlich packte Skar eine rasende, fast unbezwingbare Wut. Nach all der Gewalt und dem Leiden, nach allem, was Esanna mitgemacht hatte, ohne zusammenzubrechen wie die meisten Menschen, die noch nie mit einem unfassbaren Schrecken konfrontiert gewesen waren, nach allen Anstrengungen, die Kama und seine Nahrak unternommen hatten, um ihn hier rauszuhauen, durfte doch nicht alles umsonst gewesen sein. In diesem Moment war sich Skar ganz sicher, dass das alles nur geschah, um ihn davon abzuhalten, sich in den Konflikt zwischen Satai und Quorrl einzumischen - aber doch waren seine Gedanken fast ausschließlich bei Esanna und nicht bei den tausenden von Menschen und geschuppten Reptilienwesen, die einem sinnlosen Gemetzel zum Opfer fallen würden, wenn er versagte.

Der Sternenstahl in seinen Händen schien zu eigenem Leben zu erwachen, und als er das Tschekal mit aller seiner Kraft, unter Einsatz aller Energiereserven dem nun wieder auf ihn zustürmenden Flammenwirbel entgegenschleuderte, legte er seinen ganzen Hass, seinen ganzen Vernichtungswillen, seinen Wunsch zu töten, töten, töten in diese eine Bewegung...

Das Monster kreischte auf und versuchte in letzter Sekunde dem schwirrenden Sternenstahl auszuweichen - aber dafür war es zu langsam. Das spezialgehärtete Material fraß sich durch die Flammen, bohrte sich in das unbegreifliche Etwas, das sich dahinter verbarg, durchschlug, durch seine verrückt hohe Geschwindigkeit getrieben, gnadenlos die unfassbare Art der Panzerung der Kreatur und trat auf der anderen Seite mit fast unverminderter Wucht wieder aus.

Ein Zittern ging durch das Wesen, der Aufschrei einer gequälten Kreatur zerriss die Luft; etwas streckte sich Skar entgegen, keine Arme, Hände oder Klauen, sondern irgendetwas anderes; und dann brachen die Wirbel in sich zusammen, erloschen die Flammen wie durch Sauerstoffentzug erstickt - und das Wesen stürzte mit einer grotesk langsamen Bewegung in sich zusammen.

Aber der Kampf war noch nicht vorüber. Das Monster stürzte zwar und blieb auch einen Moment wie benommen liegen, aber dann sah er inmitten der schwirrenden Wirbel einen monströsen, missgestalteten Schatten, der rasend schnell seine Form zu ändern schien, von einem fließenden zu einem äußerst kompakten Umriss wurde; inmitten kalten, grünen Feuers verwandelte es sich in etwas, das nichts glich, was er je zuvor gesehen hatte, nichts, was ein menschlicher Geist je ersinnen könnte, und sei er noch so krank. Das unglaubliche Bündel von Gliedmaßen und tödlichen Klauen und etwas ständig Fließendem, Waberndem war mit schier unglaublicher Geschwindigkeit wieder auf den Beinen und griff an.

Aber diesmal galt die Attacke des Unfassbaren nicht Skar oder Esanna, sondern Kama, den es als seinen wichtigsten - und vielleicht einzigen ernst zu nehmenden - Gegner erkannt zu haben schien. Denn er lenkte den Drachen und ohne ihn würde die Flugechse wieder zu dem werden, was sie war: ein primitives, mordlüsternes Wesen, das sich eher gegen sie wenden würde, statt ihnen zu helfen.

Dem substanzlosen, wabernden und doch gleichzeitig mörderisch kraftstrotzenden Etwas hatte Skar nichts mehr entgegenzusetzen. Er packte dennoch sein Tschekal mit festem Griff und sprang nach vorne, um Kama zu schützen, mitten hinein in die Bewegung eines Gegners, der ständig vor ihm zu verschwimmen schien und doch so real war, dass alles in ihm aufschrie voller Entsetzen; ein riesiges, pupillenloses Auge schien ihn voll abgrundtiefer Bosheit anzustarren und er spürte einen Hass, der so alt wie Enwor war, einen unauslöschlichen, mörderischen Hass auf alles, was sich ihm entgegenstellte.

Ein dünner, grellroter Blitz zuckte aus der Mitte dieses Auges hervor und gleichzeitig fühlte sich Skar zurückgeschleudert wie vom Prankenhieb eines Bären. Etwas Blitzschnelles, Gigantisches zuckte an ihm vorbei und er wartete auf den alles vernichtenden Schlag, der ihn endgültig zu Boden schmettern würde, um sein Bewusstsein für immer und alle Zeiten auszulöschen, und danach Kama und Esanna...

Es kam nicht dazu. Es war nicht das unfassbare Wesen gewesen, dessen schnelle Bewegung er gesehen hatte, sondern die des Frarr, der während des Angriffs erstaunlich ruhig geblieben war, jetzt aber gezielt seinen gefährlichen Peitschenschwanz hatte vorschnellen lassen. Mit unglaublicher Wucht und Präzision sauste der Schwanz so nah an Skar vorbei, dass er von dem begleitenden Luftwirbel zur Seite gedrückt wurde und um sein Gleichgewicht kämpfen musste; dann hatte er sein Ziel gefunden. Mit mörderischer Gewalt riss er die angreifende Kreatur von den Füßen und zerschmetterte sie mit einer so beiläufigen Bewegung, wie Menschen Ungeziefer zerquetschten. Das unbegreifliche Etwas wurde auseinander gerissen und zerstob in einer abscheulichen Wolke unbeschreiblicher, giftig schwarzer, ätzender Flüssigkeit, und dann war plötzlich alles voller Rauch und Flammen und Hitze an der Stelle, an der es einen Sekundenbruchteil zuvor noch zu einem alles vernichtenden Schlag ausgeholt hatte.