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»Da gibt es nichts mehr zu überlegen«, sagte Esanna verstimmt. »Ich werde meiner Wege ziehen - und ihr könnt tun, was ihr nicht lassen könnt.«

»Nun gut«, sagte Skar mühsam beherrscht. »Wenn es denn dein Wille ist: Ich werde dich nicht mit Gewalt aufhalten. Aber denke wenigstens daran ...«

»Du wirst sie nicht aufhalten«, unterbrach ihn Kama.

»Aber ich.«

Skar und Esanna blickten ihn verblüfft an.

»Was ihr so schauen?«, fragte Kama ärgerlich. »Seht euch doch mal an. Ein Mann ohne Beinkleider. Aber so schwach, dass er gleich umkippt. Ein Mädchen, das so viel Schock hat, dass es nicht einmal weiß, wie schwer seine vielen kleinen Wunden wiegen.«

»Mir fehlt nichts!«, protestierte Esanna.

»Natürlich dir fehlt nichts«, sagte Kama ohne jeden Spott in seiner Stimme. »Aber du sein mehr als halb tot.« Er klopfte sich gegen die Brust. »Hier drinnen - du sein fast ganz tot. Und dein Körper auch nicht gerade sein in Best-form. Selbst nachdem ich deine Stirnwunde gereinigt habe, du noch brauchen viel Ruhe.«

»Und? Was soll ich deiner Meinung nach tun?« Esanna deutete in das feuchte Grau um sich herum. »Siehst du das hier? Diese Brühe? Ich kann sie nicht mehr ertragen. Nicht nach der Höhle ...« Sie schluckte trocken und fuhr leiser fort: »Nicht nach dem, was uns in der Dunkelheit passiert ist.«

»Du hast Angst, dass die Khtaám hierher kommen«, stellte der Nahrak fest. »Angst nicht schlecht. Macht wachsam. Aber in diesem Fall unbegründet. Die Khtaám können die Höhle nicht verlassen.«

»Und warum nicht?«, fragte Skar.

»Weil die Khtaám die Höhle sind«, sagte Kama ernsthaft. »Es gibt nicht viele Khtaám, sondern nur einen Khtaám.«

»Moment«, protestierte Skar. »Das kann doch nicht so ganz stimmen. Die Khtaám sind die Wiedergeborenen der Hoger. So hat man mir das zumindest erklärt, damals ...«

»Coar hat dir das gesagt«, stellte Kama fest. »Und sie hatte Recht mit den Wiedergängern. Fast.«

»Coar?«, fragte Skar alarmiert. »Woher kennst du sie? Das ist weit mehr als dreihundert Jahre her ...«

»Ich bin ein Nahrak, Hüter des Waldes«, unterbrach ihn Kama. »Wir reichen weiter unser Wissen von Generation zu Generation. Natürlich auch gerade dann, wenn es den Großen Skar betrifft.«

Skar starrte ihn nur sprachlos an. »Das glaube ich einfach nicht«, sagte er dann. »Ich habe mich damals mit Del zu euch gerettet...«

»Vor ein paar Quorrl«, fuhr der Nahrak unbarmherzig fort. »Und ihr nicht wusstet, warum. Aber bald wirst du es verstehen.«

»Bald werde ich es verstehen?« Skar war zwar noch immer müde, aber die unerwartete Wendung des Gesprächs hatte das Gefühl der Entspannung in ihm endgültig vertrieben. »Du meinst allen Ernstes, dass die damalige Verfolgung durch die Quorrl mit den heutigen Zusammenhängen in Verbindung steht?«

»Aber ja«, bestätigte der Nahrak. »Ganz gewiss sogar. Wir nur haben gebraucht viele Jahre, um dahinter zu kommen.«

»Und hinter was seid ihr gekommen?«

»Die Quorrl damals gehörten mit zur Verschwörung«, sagte Kama. »Zu denen, die jetzt die Quorrl vernichten wollen.«

»Moment, Moment.« Skar schüttelte den Kopf. »Das ist doch alles wirres Gerede.«

»Kein wirres Gerede«, protestierte der Nahrak. »Sondern Wahrheit. Ganz einfache Wahrheit, wenn man den Zusammenhang versteht.«

»Also bitte.«

»Bitte was?«

»Erklär uns diesen Zusammenhang.«

»Oh. Natürlich.« Kama seufzte tief und ließ dann das glänzende Eisenrohr in einer Falte seines Gewandes verschwinden. »Das, was du kennst als Khtaám, ist geworden sehr mächtig in den letzten Jahrhunderten. Es ist das, was hinter den Dingen steht.«

»Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, das zu verstehen«, sagte Skar. »Kannst du dich nicht etwas verständlicher ausdrücken?«

»Ich will es versuchen.« Kama runzelt die Stirn, als müsse er angestrengt nachdenken. »Das Khtaám versucht zu unterwandern alles. Auch das, was alles unterwandert.«

»Oh nein«, protestierte Skar. »So geht das nicht. Du häufst Rätselsprüche aufeinander und erwartest dann, dass ich sie entwirre.«

»Du es nicht verstehen?«, fragte der Nahrak verblüfft. »Du nicht wissen, was hinter den Dingen steht?«

»Nein, das weiß ich nicht«, brummte Skar. »Ich weiß nur, dass ich das Gespräch gleich beende, wenn du nicht endlich anfängst etwas verständlicher zu reden.«

»Es ist die Zeit der Entscheidung«, sagte Kama vorsichtig. »Die Kräfte auf beiden Seiten sind bereit sich zu messen. Doch sie sind sich zu nah, um sich vollends entwirren zu können. Sie sind eins und doch zwei.«

»Du meinst die Quorrl und die Satai«, vermutete Skar. »Die Quorrl und die Satai führen einen Stellvertreterkrieg«, sagte Kama. »Wären nicht sie es, wären es andere. Aber viel gefährlicher sind die Digger.«

»Schon wieder wir Digger«, mischte sich Esanna ein, die es nun offenbar überhaupt nicht mehr eilig hatte, ihr halbwegs komfortables Lager zu verlassen. »Was soll denn dieser Schwachsinn. Wir tun doch niemandem etwas.«

»Oh, ihr tut sehr schlimme Dinge«, sagte der Nahrak. »Ihr grabt nach Kaol. Dadurch ihr schwächt es. Und damit stärkt ihr das Khtaám.«

»Wir haben überhaupt nichts mit diesen Khtaám zu tun«, behauptete Esanna. »Ich habe heute Nacht zum ersten Mal davon gehört.«

»Ein Teil von dir hat heute Nacht zum ersten Mal davon gehört«, gab ihr Kama Recht. »Ein anderer Teil kennt die Wahrheit schon viel länger. Denn du bist bestimmt, Skar zu helfen.«

Esanna zog die Stirn kraus und zuckte zusammen, als würde ihre Stirnwunde dabei schmerzhaft zu pochen anfangen. »Schwachsinn«, sagte sie leise und führte die Hand an die Stirn, um mit dem Handballen gegen die Wunde zu drücken.

»Kein Schwachsinn«, widersprach Kama. »Nur ihr beide zusammen können Enwor retten. Ihr beide wurdet dazu auserwählt - auf eine Weise, die ihr vielleicht erst in vielen Jahren verstehen werdet. Es wird nicht leicht sein für euch zu begreifen, was muss getan werden, und es sein eine Zeit der Prüfung, bis es euch kann gelingen, den unsinnigen Krieg zwischen Quorrl und Satai zu beenden. Ihr müsst diesen Weg gemeinsam beschreiten, Esanna, gegen das Khtaám und für Enwor. Wenn ihr es nicht tut, ist Enwor verdammt.«

»Enwor soll verdammt sein, wenn ich jetzt meiner Wege gehe und nicht mit Skar ziehe?« Esanna schüttelte den Kopf. »Das glaubst du doch selber nicht. Wir kennen uns ja nicht einmal. Im Grunde genommen weiß ich ja nicht einmal, wer Skar ist.«

»Du selbst hast doch das Zeichen erkannt«, sagte Kama sanft. »Du hast doch gesehen, was ist mit seiner Brust verwachsen.«

»Das Zeichen... ja.« Ihre Stimme zitterte und ihr Blick flackerte plötzlich vor Angst. »Und ich habe Skar kämpfen sehen. Anders als alle anderen Männer, die ich je im Kampf sah - anders selbst als die beiden Satai, die letzten Winter für meinen Vater kämpften.«

»Zwei Satai?« Skar sah eine Chance das Gespräch in eine unverfänglichere Richtung zu lenken. »Hat sie dein Vater angeheuert?«

»Angeheuert ist wohl das falsche Wort«, antwortete Esanna leise. »Sie tauchten irgendwann von selbst auf... und sie verhielten sich äußerst merkwürdig.«

»Inwiefern merkwürdig?«

»Nun ... sie ... sie ...« Esanna schüttelte angeekelt den Kopf. »Aber das ist ja auch nicht so wichtig.«

»Wieso ist das nicht wichtig?«, fragte Skar. »Mich interessiert alles, was mit den Satai zu tun hat. Ich muss wissen, was in den letzten dreihundert Jahren mit ihnen geschehen ist.«