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Woody und Kendall schauten Tyler an.

«Das war ich«, bekannte Tyler.

«An einem anderen Tag hat meine Mutter Sie zum Einkaufen bei Fylene mitgenommen, und ein Kind hat sich im Kaufhaus verlaufen, was große Panik ausgelöst hat.«

«An dem Tag habe ich die anderen verloren«, gestand Kendall.

«Ja? Sonst noch was?«fragte Tyler.

«Einmal hat meine Mutter Sie zum Union Oyster House mitgenommen, da haben Sie zum ersten Mal Austern gegessen, davon ist Ihnen schlecht geworden.«

«Ich kann mich daran erinnern.«

Schweigen. Die drei Geschwister wechselten verlegene Blicke.

Die junge Frau sah Woody offen in die Augen.»Und Sie sind mit meiner Mutter einmal nach Charlestown zur Besichtigung der USS Constitution im Hafen der Kriegsmarine gefahren und wollten dann nicht mehr vom Schiff herunter. Meine Mutter hat Sie förmlich von dort wegschleifen müssen. «Sie richtete den Blick auf Kendall.»Und Sie haben einmal in den öffentlichen Parks Blumen gepflückt und wären deshalb beinah eingesperrt worden.«

Kendall schluckte.»Stimmt.«

Inzwischen hörten alle im Raum gebannt zu.

«An einem anderen Tag hat meine Mutter Sie alle ins Naturgeschichtliche Museum geführt, und vor dem Urelefanten und dem Seeschlangenskelett haben Sie sich schrecklich gefürchtet.«

«In der Nacht hat keiner von uns einschlafen können«, ergänzte Kendall nachdenklich.

Julia sprach Woody an.»Einmal hat meine Mutter Sie zum Schlittschuhlaufen mitgenommen, es war am Weihnachtstag, Sie sind gestürzt, und Sie haben einen Zahn verloren. Und als Sie mit sieben Jahren von einem Baum fielen, hatten Sie Schürfwunden am Bein, die genäht werden mußten, und davon ist eine Narbe zurückgeblieben.«

«Die habe ich immer noch«, räumte Woody widerstrebend ein.

Sie wandte sich an die anderen.»Einer von Ihnen ist von einem Hund gebissen worden, ich habe vergessen, wer, meine Mutter hat ihn jedenfalls zur Unfallstation im Allgemeinen Krankenhaus von Massachussetts gefahren.«

Tyler nickte.»Ich mußte danach gegen Tollwut geimpft werden.«

Jetzt strömten die Worte nur so aus ihr heraus.»Als Achtjähriger sind Sie einmal weggelaufen, Woody, weil Sie nach Hollywood wollten, um Schauspieler zu werden. Ihr Vater war Ihnen furchtbar böse und hat Sie ohne Abendessen aufs Zimmer geschickt, aber Ihre Mutter hat Ihnen heimlich was zu essen gebracht.«

Woody bestätigte dies durch ein stummes Kopfnicken.

«Ich… ich weiß nicht, was ich Ihnen sonst noch erzählen könnte«, doch fiel ihr gleich darauf plötzlich etwas ein.»Ich habe ein Foto bei mir, in der Handtasche. «Sie holte es heraus und streckte es Kendall hin.

Alle wollten das Foto sehen, das die drei kleinen Stanfords neben einer hübschen jungen Frau im typischen Gouvernantenkleid zeigte.

«Das habe ich von meiner Mutter.«

«Hat sie Ihnen sonst noch etwas hinterlassen?«erkundigte sich Tyler.

«Leider nein. «Sie schüttelte traurig den Kopf.»Sie wollte nichts bei sich haben, was sie an Harry Stanford erinnert hätte.«

«Außer Ihnen natürlich«, bemerkte Woody bissig.

Sie wehrte sich trotzig.»Es ist mir völlig gleichgültig, ob Sie mir glauben oder nicht. Sie wollen mich offenbar nicht verstehen… Ich… ich hatte nur die Hoffnung…«

In der plötzlich eingetretenen Stille ergriff Tyler das Wort.»Wie meine Schwester vorhin schon sagte, hat Ihr Erscheinen uns einen ziemlichen Schock versetzt. Ich meine… da taucht jemand wie aus dem Nichts auf und behauptet, zur Familie zu gehören. Ich denke, wir brauchen jetzt erst einmal ein bißchen Zeit für uns.«

«Das kann ich natürlich verstehen.«

«Wo sind Sie in Boston abgestiegen?«

«Im Hotel Tremont House.«

«Warum kehren Sie jetzt nicht dorthin zurück? Wir lassen Sie hinfahren und werden uns dann wieder mit Ihnen in Verbindung setzen. Es dauert bestimmt nicht lange.«

Sie nickte, fixierte jeden im Raum kurz und erklärte dann mit leiser, aber fester Stimme:»Sie können denken, was Sie wollen, aber ich gehöre zu Ihrer Familie.«

«Ich begleite Sie zur Haustür«, sagte Kendall.

Sie lächelte.»Das ist nicht nötig, ich finde schon hinaus. Mir ist, wie wenn ich jeden Zentimeter dieses Hauses kennen würde.«

Sie schauten ihr nach.

«Also«, meinte Kendall.»Das… Es sieht ja ganz so aus, als ob ihr außer mir noch eine zweite Schwester hättet.«»Davon bin ich keineswegs überzeugt«, widersprach Woody.

«Ich habe den Eindruck…«, sagte Marc, doch gingen seine Worte unter im Durcheinander der Stimmen, da plötzlich alle gleichzeitig sprachen.

Tyler hob die Hand und brachte sie zum Schweigen.»So kommen wir nicht weiter. Betrachten wir das Ganze doch einmal logisch. In einem gewissen Sinn steht diese Person hier als Angeklagte vor Gericht, und wir sind die Geschworenen, das heißt, unsere Aufgabe besteht darin, sie für schuldig oder nicht schuldig zu befinden. Bei einem solchen Prozeß müssen die Geschworenen ein einstimmiges Urteil abgeben. Das heißt, wir müssen uns auf ein und dieselbe Meinung einigen.«

«Okay«, sagte Woody.

«Dann möchte ich als erster mein Votum abgeben«, erklärte Tyler.»Also: Nach meiner Überzeugung ist diese Dame eine Hochstaplerin.«

«Eine Hochstaplerin? Aber wieso?«fiel ihm Kendall ins Wort.»Außer der echten Julia Stanford könnte doch niemand solche Details von uns wissen.«

Tyler blieb unbeeindruckt.»Denk mal nach, Kendall«, sagte er.»Wie viele Bedienstete haben während unserer Kindheit in diesem Hause gearbeitet?«

Kendall betrachtete ihn mißtrauisch.»Warum?«

«Dutzende, stimmt's? Und von denen könnte manch einer das gewußt haben, was die junge Dame uns vorhin erzählt hat. So wie sie ja auch das Foto von einem der Hausmädchen, Chauffeure, Butler oder Köche von damals haben könnte.«

«Du meinst… daß sie mit einem ehemaligen Hausangestellten in Rose Hill unter einer Decke steckt?«

«Vielleicht auch mit mehreren«, erwiderte Tyler.»Vergeßt bitte nicht, daß es hier um Riesensummen geht.«

«Aber sie hat doch gesagt, daß sie gar kein Geld will«, merkte Marc an.

Woody zog die Brauen hoch.»Ja, sagt sie. «Er warf Tyler einen fragenden Blick zu.»Aber wie sollen wir beweisen, daß sie eine Betrügerin ist? Ich sehe keine Möglichkeit…«

«Es gibt eine Möglichkeit«, erwiderte Tyler bedächtig.

Aller Augen richteten sich auf ihn.

«Wie denn?«

«Auf die Frage werde ich euch morgen eine präzise Antwort geben.«

«Wollen Sie mir etwa erzählen, daß nach all den Jahren Julia Stanford aufgetaucht ist?«sagte Simon Fitzgerald langsam.

«Bei uns ist eine Frau erschienen, die behauptet, Julia Stanford zu sein«, korrigierte Tyler ihn kühl.

«Das heißt, Sie glauben ihr nicht?«hakte Steve nach.

«Nein, absolut nicht. Zum einzigen Beweis für ihre Echtheit hat sie ein paar Anekdoten aus unseren Kindertagen geliefert, die mindestens zwei Dutzend ehemaliger Hausangestellter bekannt gewesen sein müssen, sowie ein altes Foto, das gar nichts beweist. Es könnte durchaus sein, daß sie sich mit irgend jemandem abgesprochen hat. Ich bin jedenfalls fest entschlossen, sie als Hochstaplerin zu entlarven.«

Steve wurde ernst.»Und wie gedenken Sie vorzugehen?«

«Ganz einfach. Ich will einen DNS-Test durchführen lassen.«

Steve Sloane gab sich nicht die geringste Mühe, sein Erstaunen zu verbergen.»Das würde jedoch eine Exhumierung der Leiche Ihres Vaters erforderlich machen.«