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«Hoffentlich störe ich nicht, Tyler. «Der boshafte Ton in der Stimme war nicht zu überhören.

«Um ganz ehrlich zu sein — du störst. Ich bin mitten in einem Prozeß und… «

«Dann brumm ihm rasch eine Geldstrafe auf, bring's hinter dich.«

«Vater…«

«Ich brauche deine Hilfe. Ich habe ein großes Problem.«

«Was für ein Problem hast du denn?«

«Mein Koch bestiehlt mich.«

Tyler wollte seinen Ohren nicht trauen, und der aufwallende Zorn verschlug ihm fast die Sprache.»Du hast mich aus dem Gerichtssaal rufen lassen, weil…«

«Du bist doch ein Hüter von Gesetz und Recht, oder? Nun, er verletzt Recht und Gesetz. Ich bestehe darauf, daß du unverzüglich nach Boston kommst und das gesamte

Dienstpersonal überprüfst. Man raubt mich aus.«

Tyler konnte seine Wut kaum mehr unterdrücken.»Vater… «

«Man kann sich heute einfach nicht mehr auf die

Empfehlungen der Personalagenturen verlassen.«

«Ich befinde mich mitten in einem Prozeß und kann unmöglich sofort nach Boston kommen.«

Daraufhin entstand ein kurzes, bedrohliches Schweigen.»Was hast du da gerade gesagt?«

«Ich habe gesagt…«

«Du willst mich doch wohl nicht schon wieder enttäuschen, Tyler? Vielleicht sollte ich mit Fitzgerald reden, damit er einige Änderungen in meinem Testament vornimmt.«

Da war es wieder, das Zuckerbrot, das Geld, sein Anteil an den Dollarmilliarden, die ihn nach dem Tode des Vaters erwarteten.

Tyler räusperte sich.»Wenn du mir dein Privatflugzeug schicken könntest…«

«Nun hör aber mal — nein! Eines Tages wird das Flugzeug dir gehören, wenn du das richtige Spiel spielst, laß dir das mal in Ruhe durch den Kopf gehen. Bis dahin fliegst du mit Linienmaschinen wie alle anderen auch. Aber ich will dich sofort hier bei mir haben!«Und damit war die Leitung tot.

Tyler fühlte sich beleidigt und erniedrigt. So behandelt mein Vater mich nun schon das ganze Leben! Soll er sich doch zur Hölle scheren! Ich fliege nicht nach Boston, nie und nimmer.

Am Abend des gleichen Tages saß Tyler in einer Maschine nach Boston.

Harry Stanfords Hauspersonal zählte zweiundzwanzig Angestellte — eine Phalanx von Sekretärinnen, Butlern, Haushälterinnen, Zimmermädchen, Köchen, Chauffeuren und Gärtnern sowie einen Leibwächter.

«Allesamt Räuber und Diebe!«schimpfte Harry Stanford.

«Warum heuerst du nicht einen Privatdetektiv an? Oder, noch besser, warum rufst du nicht die Polizei?«

«Weil ich ja dich habe«, erwiderte Harry Stanford.»Du bist doch Richter, ja? Na also. Dann nimm du die Sache in die Hand.«

Es war pure Bosheit.

Tyler schaute sich um in dem riesigen Haus mit seinen exquisiten Möbeln und Gemälden, und dabei fiel ihm immer wieder das schäbige kleine Haus ein, in dem er wohnte. Das Haus hier hätte ich verdient, sagte er sich, und eines schönen Tages wird es auch mein Eigentum sein.

Tyler führte Gespräche mit Clark, dem Butler, und mit anderen langgedienten, vertrauenswürdigen Angestellten. Er vernahm das Personal, einen nach dem anderen, überprüfte ihre Akten und stellte fest, daß die meisten hier erst seit kurzer Zeit tätig waren. Harry Stanford war ein schwieriger Arbeitgeber, und so herrschte eine erhebliche Fluktuation bei den Angestellten. Bei den jüngsten Einstellungen gab es einige, die früher Taschendiebstähle begangen hatten, und einer war Alkoholiker, ansonsten konnte Tyler jedoch keinen Problemfall entdecken.

Mit einer Ausnahme — Dmitri Kaminski.

Dmitri war als Leibwächter und Masseur angestellt worden, und da Tyler aufgrund seiner Tätigkeit eine gehörige Portion Menschenkenntnis entwickelt hatte, erregte Dmitri sofort sein Mißtrauen. Er war erst vor kurzem eingestellt worden, da Harry Stanfords früherer Leibwächter gekündigt — den Grund konnte Tyler sich denken — und Kaminski empfohlen hatte.

Kaminski war ein Hüne von Mann mit massigem Brustkorb und auffallend muskulösen Armen.

«Sie wollen mich sprechen?«

Sein Englisch hatte einen starken russischen Akzent.

«Richtig. «Tyler winkte ihn zu einem Stuhl.»Nehmen Sie Platz. «Er hatte sich den Beschäftigungsnachweis des Mannes angeschaut, aus dem sich allerdings wenig Anhaltspunkte ergaben — außer daß Kaminski erst kürzlich in Amerika eingetroffen war.»Sie sind in Rußland zur Welt gekommen?«

«Ja. «Er musterte Tyler argwöhnisch.

«Wo in Rußland?«

«Smolensk.«

«Warum haben Sie Rußland verlassen und sind nach Amerika emigriert?«

Kaminski zuckte mit den Schultern.»Hier gibt es bessere Möglichkeiten.«

Möglichkeiten wozu? überlegte Tyler. Der Kerl verhielt sich seltsam ausweichend, und nach dem zwanzigminütigen

Gespräch war Tyler fest überzeugt, daß Dmitri Kaminski etwas zu verbergen hatte.

Tyler rief Fred Masterson an, einen guten Bekannten, der beim FBI arbeitete.»Ich möchte dich um einen Gefallen bitten.«

«Gern. Falls ich mal nach Chicago kommen sollte, wirst du dann dafür sorgen, daß meine Strafzettel annulliert werden?«

«Ich meine es ernst.«

«Dann mal los.«

«Ich hätte gern einen Russen überprüft, der vor sechs Monaten in den USA eingetroffen ist.«

«Moment mal — das ist doch ein Fall für die CIA, oder?«

«Schon, aber bei der CIA kenne ich niemanden.«

«Da geht's dir wie mir.«

«Ich wäre dir wirklich sehr dankbar, wenn du das für mich erledigen könntest, Fred.«

Tyler hörte am anderen Ende der Leitung ein Seufzen.

«Okay. Wie heißt er?«

«Dmitri Kaminski.«

«Ich will dir sagen, was ich tun werde. Ich kenne da jemanden in der Russischen Botschaft in Washington, und den werde ich fragen, ob er Informationen über Kaminski hat. Wenn nicht, kann ich dir leider nicht helfen.«

«Ich weiß deine Bemühungen zu schätzen.«

Während des Abendessens in Rose Hill wurde Tyler sich seines Wunsches deutlich bewußt, daß sein Vater gealtert, zerbrechlicher und verletzlicher geworden wäre, doch statt dessen mußte er feststellen, wie ungemein munter und bei bester Gesundheit Harry Stanford war. Er wird ewig leben, dachte Tyler verzweifelt, er wird uns alle überleben. Das Gespräch bei Tisch verlief absolut einseitig.

«Ich habe gerade den Vertrag über den Erwerb des

Kraftwerks in Hawaii ausgehandelt…«

«Nächste Woche fliege ich nach Amsterdam, um ein paar Probleme mit GATT auszuräumen…«

«Der Botschafter hat mich eingeladen, ihn auf seiner Chinareise zu begleiten…«

Tyler konnte kaum ein Wort anbringen.

Nach der Mahlzeit stand sein Vater sofort auf.»Wie kommst du mit dem Problem bei meinem Personal voran?«

«Ich habe meine Überprüfungen noch nicht abgeschlossen, Vater.«

«Na, laß dir damit nicht ewig Zeit«, knurrte der Vater und verließ das Zimmer.

Fred Masterson vom FBI rief am folgenden Morgen an.

«Tyler?«

«Am Apparat.«

«Da bist du aber auf ein richtiges Juwel gestoßen.«

«Ach ja?«

«Dmitri Kaminski war ein Killer der polgoprudnenskaya.«

«Was, zum Teufel, ist das denn?«

«Ich will's dir erläutern. Moskau befindet sich in der Hand von acht verbrecherischen Vereinigungen, die sich gegenseitig bekämpfen; die stärksten Rivalitäten gibt es jedoch zwischen den Tschetschenen und der polgoprudnenskaya, und für letztere hat dein Freund Kaminski gearbeitet. Er wurde vor drei Monaten auf einen Tschetschenenführer angesetzt, hat ihn aber nicht umgelegt, sondern ist zu ihm gegangen und hat sich eine beachtliche Summe zahlen lassen. Die polgoprudnenskaya hat das herausgekriegt und jemanden auf ihn angesetzt. Dazu muß man wissen, daß die Banden drüben seltsame Praktiken haben: Als erstes säbeln sie dir die Finger ab, dann lassen sie dich ein Weilchen bluten, und am Ende erschießen sie dich.«