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Seine zwei» Jungen «waren älter als Catelyn, und sie hätte sich gewünscht, daß die beiden nicht so direkt nach ihrem Vater kämen. Ser Wylis fehlten nur wenige Aale, bis auch er sein Pferd nicht mehr besteigen konnte. Sie hatte Mitleid mit dem armen Tier. Ser Wendel, der jüngere Sohn, wäre der dickste Mann gewesen, dem sie je begegnet war, hätte sie nur versäumt, seinen Vater und Bruder kennenzulernen. Wylis war still und förmlich, Wendel laut und stürmisch, beide hatten prächtige Walroßbärte und Köpfe, so kahl wie Kinderpopos. Keiner der zwei schien auch nur ein einziges Kleidungsstück zu besitzen, das nicht mit Essensflecken übersät war. Dennoch mochte sie die beiden gern. Sie hatten sie zu Robb gebracht, wie ihr Vater es geschworen hatte, und nichts anderes zählte.

Erfreut nahm sie zur Kenntnis, daß ihr Sohn Späher ausgesandt hatte, sogar gen Osten. Die Lannisters würden von Süden her kommen, wenn sie kamen, doch war es gut, daß Robb umsichtig vorging. Mein Sohn führt eine Armee in die Schlacht, dachte sie und konnte es nur halbwegs glauben. Sie machte sich verzweifelt Sorgen um ihn und auch um Winterfell, aber auch einen leisen Stolz konnte sie nicht verhehlen. Vor einem Jahr noch war er ein Kind gewesen. Was war er jetzt, fragte sie sich.

Vorreiter hatten die Banner der Manderlys erspäht — den weißen Wassergeist mit einem Dreizack in der Hand, der aus blaugrüner See auftauchte — und grüßten sie herzlich. Man führte sie an einen hochliegenden Ort, der trocken genug für ein Lager war. Ser Wylis ließ dort halten und kümmerte sich darum, daß Feuer gemacht und die Pferde versorgt wurden, während sein Bruder Wendel mit Catelyn und ihrem Onkel weiterritt, um ihrem Lehnsherrn die Ehrerbietung ihres Vaters zu übermitteln.

Der Boden unter den Hufen ihrer Pferde war weich und naß. Langsam sank er unter ihnen weg, als sie an qualmenden Torffeuern, Reihen von Pferden und Wagen vorüberritten, die mit Dauerbrot und Salzfleisch schwerbeladen waren. Auf einem steinigen Stück Land, das höher als die Umgebung lag, kamen sie am großen Zelt eines Lords mit Wänden aus schwerem Segeltuch vorbei. Catelyn erkannte das Banner, den

Elchbullen der Hornwoods, braun auf dunklem, orangefarbenem Grund.

Gleich dahinter, im Nebel, entdeckte sie die Mauern und Türme von Moat Cailin… oder was davon geblieben war. Mächtige Blöcke von schwarzem Basalt, jeder davon so groß wie ein kleines Bauernhaus, lagen verstreut und umgestürzt herum wie Holzklötze von Kindern, halbwegs in der weichen, morastigen Erde versunken. Weiter war von dieser Mauer nichts geblieben, die einst so hoch wie die von Winterfell aufragte. Der hölzerne Turm war vor tausend Jahren schon vermodert, und nicht einmal mehr Holzstümpfe verrieten, wo er einst gestanden hatte. Von der großen Festung der Ersten Menschen war kaum etwas erhalten worden… drei Türme, wo einst zwanzig gestanden hatten, falls man den Geschichtenerzählern Glauben schenken durfte.

Der Gatehouse Tower, Torhausturm, wirkte stabil und rühmte sich sogar einiger Meter Mauer zu beiden Seiten. Der Drunkard's Tower drüben im Sumpf, wo die Süd- und Westmauer sich einander einst trafen, neigte sich wie ein Mann, der kurz davor stand, einen ganzen Bauch voll Wein in den Rinnstein zu spucken. Und der hohe, schlanke Children's Tower, Kinderturm, in dem die Kinder des Waldes der Legende nach einst ihre namenlosen Götter angerufen hatten, damit diese den Hammer der Fluten senden sollten, hatte seine halbe Krone verloren. Er sah aus, als hätte irgendein Riesentier ein Stück aus den Zinnen oben am Turm herausgebissen. Alle drei Türme waren grün vom Moos. Ein Baum wuchs zwischen den Steinen an der Nordseite des Gatehouse Tower, die knorrigen Äste mit klebrigen, weißen Decken aus Geisterfell behängt.

«Gnaden uns die Götter«, rief Ser Bryndon angesichts dessen, was vor ihnen lag.»Das ist Moat Cailin? Es ist nicht mehr als eine.. «

«… Todesfalle«, endete Catelyn.»Ich weiß, wie es aussieht,

Onkel. Ich dachte beim ersten Mal dasselbe, aber Ned hat mir versichert, daß diese Ruine ernstzunehmender ist, als es den Anschein hat. Die drei verbliebenen Türme beherrschen den Damm von allen Seiten, und ein möglicher Feind muß zwischen ihnen hindurch. Die Sümpfe hier sind unpassierbar, voller Treibsand und Moorlöcher, und es wimmelt nur so von Schlangen. Um einen der Türme anzugreifen, müßte eine Armee bis an die Hüften durch schwarzen Schlamm waten, einen Graben voller Löwenechsen durchqueren und Mauern erklimmen, die vom Moos glitschig sind, während sie sich dabei dem Feuer durch Bogenschützen auf den anderen Türmen aussetzen. «Sie sah ihren Onkel mit breitem Grinsen an.»Und wenn es Nacht wird, gibt es dort angeblich Gespenster, kalte, rachsüchtige Geister des Nordens, die es nach Südländerblut dürstet.«

Ser Brynden lachte in sich hinein.»Erinnert mich daran, nicht allzu lang dort zu verweilen. Als ich zuletzt in den Spiegel sah, war ich selbst noch ein Südländer.«

Auf allen drei Türmen hatte man Standarten gehißt. Das Sonnenbanner der Karstarks hing vom Trinkerturm, unter dem Schattenwolf. Am Kinderturm war es Greatjons Riese in gesprengten Ketten, doch auf dem Gatehouse Tower flatterte allein das Banner der Starks. Dort hatte sich Robb eingerichtet. Catelyn machte sich auf den Weg dorthin, Ser Brynden und Ser Wendel hinter sich, die Pferde trotteten langsam über den Weg aus langen Planken, den man durch die grünschwarzen Felder aus Morast gelegt hatte.

Sie fand ihren Sohn, umgeben von den Bundesgenossen seines Vaters, in einer zugigen Halle, in deren schwarzem Kamin ein Torffeuer qualmte. Er saß an einem massiven Steintisch, einen Stapel Karten und Papiere vor sich, und sprach mit Roose Bolton und dem Grearjon. Erst bemerkte er sie nicht… nur sein Wolf tat es. Das große, graue Tier lag am Feuer, doch als Catelyn eintrat, hob es den Kopf und blickte sie mit seinen goldenen Augen an. Die Lords verstummten einer nach dem anderen, und Robb sah auf, weil es plötzlich so still war, und entdeckte sie.»Mutter?«sagte er, die Stimme rauh vor Ergriffenheit.

Catelyn wäre gern zu ihm gelaufen, um ihn auf seine süße Stirn zu küssen, ihn in die Arme zu schließen und so fest an sich zu drücken, daß ihm nichts geschehen konnte… aber hier vor seinen Lords wagte sie das nicht. Er spielte jetzt die Rolle eines Mannes, und die wollte sie ihm nicht nehmen. Daher hielt sie sich am anderen Ende derr Basaltplatte, die man dort als Tisch benutzte. Der Schattenwolf kam auf die Beine und tappte zu ihr hin. Er wirkte größer, als ein Wolf sein sollte.»Du hast dir einen Bart stehen lassen«, sagten sie zu Robb, während Grey Wind an ihrer Hand schnüffelte.

Er rieb an seinem stoppeligen Kinn herum, plötzlich verlegen.»Ja. «Das Haar an seinem Kinn war roter als auf seinem Kopf.

«Er gefällt mir. «Ciatelyn streichelte dem Wolf den Kopf.»Damit siehst du aus wie» mein Bruder Edmure. «Grey Wind zwickte sie verspielt in die Finger und trottete zu seinem Platz am Feuer zurück.

Ser Helman Tallhaart folgte dem Schattenwolf als erster darin, Respekt zu zollen, kniete vor ihr nieder und drückte seine Stirn in ihre Hand.»Lady Catelyn«, sagte er,»Ihr seid schön wie eh und je, ein willkommener Anblick in schweren Zeiten. «Es folgten die Glovers, Galbart und Robett, dann Greatjon Umber und der Rest, einer nach dem anderen. Theon Greyjoy war der letzte.»Ich hätte nicht gedacht, Euch hier zu sehen, Mylady«, sagte er, indem er niederkniete.

«Ich hatte nicht die Absicht, herzukommen«, sagte Catelyn,»bis ich in White Harbor an Land ging und Lord Wyman mir berichtete, daß Robb zu den Fahnen gerufen hatte. Ihr kennt seinen Sohn, Ser Wendel. «Wendel Manderly trat vor und verneigte sich so tief, wie sein Umfang es erlaubte.»Und meinen Onkel, Ser Brynden Tully, der aus den Diensten meiner Schwester in die meinen getreten ist.«