«Blackfish«, sagte Robb.»Danke, daß Ihr Euch uns anschließen wollt, Ser. Wir brauchen Männer mit Eurem Mut. Und Ihr, Ser Wendel, ich bin froh, Euch hier zu haben. Ist auch Ser Rodrik bei Euch, Mutter? Er fehlt mir.«
«Ser Rodrik ist auf dem Weg nach Norden von White Harbor aus. Ich habe ihn zum Kastellan ernannt und ihm befohlen, Winterfell bis zu unserer Rückkehr zu halten. Maester Luwin ist ein weiser Mann, nur ist er in der Kriegskunst unerfahren.«
«Fürchtet Euch in dieser Frage nicht, Lady Stark«, erklärte der Greatjon mit seinem tiefen Baß.»Winterfell ist sicher. Wir schieben unsere Schwerter bald schon in Tyrion Lannisters Spundloch, verzeiht mir meine Worte, und dann geht's weiter zum Red Keep, um Ned zu befreien.«
«Mylady, eine Frage, wenn es erlaubt ist. «Roose Bolton, Lord übers Dreadfort, hatte eine leise Stimme, doch wenn er sprach, schwiegen auch größere Männer, um zu hören, was er sagte. Seine Augen waren seltsam blaß, fast ohne Farbe, und sein Blick beunruhigend.»Man hört, Ihr hieltet Lord Tywins Zwerg gefangen. Habt Ihr ihn uns mitgebracht? Ich schwöre, wir hätten gute Verwendung für eine solche Geisel.«
«Ich hatte Tyrion Lannister in meinem Gewahrsam, doch jetzt nicht mehr«, sah sich Catelyn gezwungen zuzugeben. Ein Chor der Bestürzung folgte dieser Neuigkeit.»Ich war darüber nicht erfreuter als Ihr, Mylords. Die Götter hielten es für angebracht, ihn zu befreien, mit einiger Hilfe meiner Närrin von einer Schwester. «Sie hatte ihre Verachtung nicht so offen zur Schau stellen sollen, das wußte sie, doch ihr Abschied von der Eyrie war nicht angenehm gewesen. Sie hatte angeboten, Lord Robert für ein paar Jahre als Mündel mit nach Winterfell zu nehmen. Die Gesellschaft anderer Jungen würde ihm guttun, hatte sie vorzuschlagen gewagt. Der Zorn, der ihr entgegenschlug, hatte sie erschreckt.»Schwester oder nicht«, hatte sie erwidert,»wenn du versuchst, mir mein Kind zu stehlen, gehst du zur Mondpforte hinaus. «Danach gab es nichts mehr zu sagen.
Die Lords wollten sie dringend weiter befragen, aber Catelyn hob die Hand.»Wir werden ohne Zweifel später noch Zeit für all das haben, doch hat mich meine Reise ermüdet. Ich würde zunächst gern mit meinem Sohn allein sprechen. Ich weiß, Ihr werdet mir verzeihen, Mylords. «Sie ließ ihnen keine Wahl. Angeführt von ihrem stets gefälligen Lord Hornwood, verneigten sich die Bundesgenossen und verließen die Halle.»Auch du, Theon«, fügte sie hinzu, als Greyjoy blieb. Er lächelte und ging.
Bier und Käse standen auf dem Tisch. Catelyn füllte ein Horn, setzte sich, trank und betrachtete ihren Sohn. Er schien gewachsen zu sein, seit sie ihn zuletzt gesehen hatte, und die Haarbüschel ließen ihn älter wirken.»Edmure war sechzehn, als er sich den ersten Backenbart stehen ließ.«
«Ich werde noch früh genug sechzehn sein«, sagte Robb.
«Und jetzt bist du fünfzehn. Fünfzehn und führst eine Armee in die Schlacht. Kannst du vielleicht verstehen, warum ich mir Sorgen mache, Robb?«
Sein Blick wurde stur.»Es war sonst niemand da.«
«Niemand?«sagte sie.»Sag, wer waren diese Männer, die ich hier eben noch gesehen habe? Roose Bolton, Rickard Karstark, Galbart und Robert Glover, der Greatjon, Helman Tallhart… jedem von ihnen hättest du das Kommando übertragen können. Gnaden uns die Götter, du hättest sogar Theon schicken können, auch wenn meine Wahl nicht auf ihn gefallen wäre.«
«Sie sind keine Starks«, sagte er.
«Sie sind Männer, Robb, erfahren in der Schlacht. Es ist noch kein Jahr her, daß du mit Holzschwertern gefochten hast.«
Sie bemerkte die Wut in seinem Blick, doch die verflog so schnell, wie sie gekommen war, und plötzlich war er wieder ein Junge.»Ich weiß«, sagte er beschämt.»Willst du… willst du mich zurück nach Winterfell schicken?«
Catelyn seufzte.»Ich sollte es tun. Du hättest nie losziehen dürfen. Aber ich wage es nicht, nicht mehr. Du bist zu weit vorangeschritten. Eines Tages werden dich diese Lords als Lehnsherrn sehen. Wenn ich dich nun fortschicke wie ein Kind, das ohne Abendessen ins Bett muß, werden sie sich daran erinnern und beim Wein darüber lachen. Der Tag wird kommen, an dem es nötig wird, daß sie dich respektieren, sogar ein wenig fürchten. Gelächter ist Gift für die Furcht. Das will ich dir nicht antun, sosehr ich mir wünschte, daß du in Sicherheit wärst.«
«Ich schulde dir Dank, Mutter«, sagte er, und hinter seiner Förmlichkeit war die Erleichterung deutlich herauszuhören.
Sie streckte über den Tisch hinweg die Hand aus und streichelte sein Haar.»Du bist mein Erstgeborener, Robb. Ich muß dich nur ansehen, um mich an den Tag zu erinnern, als du auf diese Welt kamst, rotgesichtig und schreiend.«
Er stand auf, deutlich verlegen ob ihrer Berührung, und ging zum Kamin hinüber. Grey Wind rieb den Kopf an seinem Bein.»Du weißt… von Vater?«
«Ja. «Die Berichte über Roberts plötzlichen Tod und Neds Sturz hatten Catelyn mehr angst gemacht, als sie ausdrücken konnte, doch wollte sie ihren Sohn die Furcht nicht spüren lassen.»Lord Manderly hat es mir bei meiner Landung in White Harbor erzählt. Hast du irgendwelche Nachricht von deinen Schwestern?«
«Es kam ein Brief«, sagte Robb, während er seinen
Schattenwolf unter dem Kinn kraulte.»Auch einer an dich, aber er kam mit meinem nach Winterfell. «Er trat an den Tisch, wühlte zwischen einigen Karten und Papieren herum und kehrte mit zerknülltem Pergament zurück.»Diesen hier hat sie mir geschrieben. Ich habe nicht daran gedacht, dir deinen mitzubringen.«
Etwas in Robbs Stimme beunruhigte sie. Sie strich das Papier glatt und las. Sorge wich Zweifel, dann Zorn und sogar Furcht.»Das ist Cerseis Brief, nicht der deiner Schwester«, sagte sie schließlich.»Die eigentliche Botschaft liegt in dem, was Sansa nicht sagt. All das, wie nett und freundlich die Lannisters sie behandeln… Ich weiß, wie eine Drohung klingt, selbst wenn sie geflüstert wird. Sie haben Sansa als Geisel und wollen sie auch behalten.«
«Da steht kein Wort von Arya«, bemerkte Robb betreten.
«Nein. «Catelyn wollte nicht darüber nachdenken, was das bedeuten mochte, nicht jetzt, nicht hier.
«Ich hatte gehofft… falls du den Gnom noch hättest, ein Tausch der Geiseln…«Er nahm Sansas Brief und zerknüllte ihn in seiner Faust, und daran, wie er es tat, konnte sie sehen, daß es nicht das erste Mal war.»Gibt es Nachricht von der Eyrie? Ich habe Tante Lysa geschrieben und um Hilfe gebeten. Hat sie Lord Arryns Verbündete zusammengerufen, weißt du davon? Kommen die Ritter aus dem Grünen Tal, um sich uns anzuschließen?«
«Nur einer«, sagte sie,»der beste von ihnen, mein Onkel…aber Brynden Blackfish war vorher ein Tully. Meine Schwester wird sich hinter ihrem Bluttor nicht rühren.«
Das traf Robb schwer.»Mutter, was sollen wir tun? Ich habe diese ganze Armee zusammengerufen, achtzehntausend Mann, aber ich bin nicht… ich bin nicht sicher…«Er sah sie an, mit glänzenden Augen, der stolze, junge Lord in einem Augenblick dahingeschmolzen, und schon war er wieder das Kind, der fünfzehnjährige Junge, der bei seiner Mutter um Antwort flehte.
Es würde nicht genügen.
«Warum fürchtest du dich so, Robb?«fragte sie sanft.
«Ich…«Er wandte sich ab, um die erste Träne zu verbergen.»Falls wir marschieren… selbst wenn wir gewinnen… die Lannisters haben Sansa und Vater. Sie werden sie töten, nicht?«
«Sie wollen uns dazu verleiten, daß wir es denken.«
«Du meinst, sie lügen?«
«Ich weiß es nicht, Robb. Ich weiß nur, daß du keine andere Wahl hast. Wenn du nach King's Landing reitest und ihnen Treue schwörst, wird man dich niemals gehen lassen. Wenn du kehrtmachst und nach Winterfell heimreitest, werden deine Lords allen Respekt vor dir verlieren. Manche werden vielleicht sogar zu den Lannisters überlaufen. Dann kann die Königin, da sie soviel weniger zu fürchten hat, mit ihren Gefangenen tun und lassen, was sie will. Unsere größte Hoffnung, unsere einzig wahre Hoffnung besteht darin, den Feind auf dem Feld zu schlagen. Sollte es dir gelingen, Lord Tywin oder den Königsmörder gefangenzunehmen, nun, dann wäre ein Handel sehr wohl möglich, aber das ist nicht der Kern der Sache. Solange du genügend Macht besitzt, daß sie dich fürchten müssen, dürften Ned und Sansa sicher sein. Cersei ist klug genug, zu wissen, daß sie die beiden brauchen könnte, um Frieden zu schließen, falls sich die Schlacht gegen sie wenden sollte.«