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«Wie du meinst«, sagte Ser Kevan.

Tyrion betrachtete grimmig und fasziniert, wie sein Hoher Vater sich dann den halbwilden Stammesbrüdern zuwandte.»Es heißt, die Männer der Bergstämme seien furchtlose Krieger.«

«Das ist wahr gesprochen«, antwortete Conn von den Stone Crows.

«Und auch die Frauen«, fügte Chella hinzu.

«Reitet mit mir gegen meine Feinde, und Ihr sollt alles bekommen, was mein Sohn Euch versprochen hat, und mehr«, erklärte Lord Tywin.

«Wollt Ihr uns mit unserer eigenen Münze bezahlen?«sagte Ulf, Sohn des Umar.»Was brauchen wir das Versprechen des Vaters, wenn wir das des Sohnes haben?«

«Ich habe nichts von brauchen gesagt«, erwiderte Lord Tywin.»Meine Worte waren Höflichkeit, mehr nicht. Ihr braucht Euch uns nicht anzuschließen. Die Männer aus dem Winterland sind aus Eisen und Eis gemacht, und selbst meine kühnsten Ritter fürchten, sich ihnen zu stellen.«

Oh, geschickt gemacht, dachte Tyrion und lächelte schief.

«Die Burned Men fürchten nichts und niemanden. Timett, Sohn des Timett, reitet mit den Löwen.«

«Wohin die Burned Men auch gehen, die Stone Crows waren vorher da«, erklärte Conn erhitzt.»Wir reiten mit.«

«Shagga, Sohn des Dolf, schneidet ihnen die Männlichkeit ab und verfüttert sie an die Krähen.«

«Wir reiten mit Euch, Löwenlord«, stimmte Chella, Tochter des Cheyck, ein,»aber nur, wenn Euer Halbmenschsohn mit uns kommt. Er hat seine Atemluft mit einem Versprechen erkauft. Solange wir den Stahl, den er uns zusagte, nicht in Händen halten, gehört sein Leben uns.«

Lord Tywin wandte seine goldgefleckten Augen seinem Sohn zu.

«Da kommt Freude auf«, sagte Tyrion mit resigniertem Lächeln.

Sansa

Die Wände des Thronsaales waren leer geräumt, die Jagdteppiche, die König Robert so geliebt hatte, abgenommen und in einer Ecke auf einen unordentlichen Haufen geworfen.

Ser Manon Moore nahm seinen Platz unter dem Thron ein. Sansa blieb an der Tür stehen. Die Königin hatte ihr» Freiheit in der Burg «gewährt als Belohnung dafür, daß sie brav gewesen war, dennoch wurde sie überallhin eskortiert.»Ehrenwache für meine zukünftige Tochter«, nannte die Königin das, doch gaben sie Sansa nicht das Gefühl, geehrt zu werden.

«Freiheit in der Burg «bedeutete, daß sie sich innerhalb des Red Keep bewegen durfte, wie sie wollte, solange sie versprach, das Innere der Mauern nicht zu verlassen, ein Versprechen, das Sansa nur allzu bereitwillig gegeben hatte. Die Tore wurden bei Tag und Nacht von Janos Slynts Goldröcken bewacht, und auch Leibgardisten der Lannisters standen überall herum. Außerdem, selbst wenn sie die Burg verlassen konnte, wohin sollte sie gehen? Es reichte, daß sie über den Hof spazieren konnte, in Myrcellas Garten Blumen pflücken und der Septe einen Besuch abstatten, um dort für ihren Vater zu beten. Manchmal betete sie auch im Götterhain, da die Starks den alten Göttern huldigten.

Es war die erste Sitzung des Hofrates, seit Joffrey regierte, weshalb Sansa sich auch unruhig umsah. Eine Reihe von Leibgardisten der Lannisters standen unter den westlichen Fenstern, eine Reihe von Goldröcken der Stadtwache unter den östlichen. Vom gemeinen Volk und Bürgerlichen sah sie niemanden, doch unter der Galerie irrte rastlos eine Traube von großen und kleinen Lords herum. Es waren nicht mehr als zwanzig, wo für gewöhnlich hundert auf König Robert

gewartet hatten.

Sansa gesellte sich zu ihnen, murmelte Grußworte, während sie sich einen Weg nach vorn bahnte. Sie erkannte den schwarzhäutigen Jalabhar Xho, den düsteren Ser Aron Santagar, die Zwillinge von Redwyne Horror und Slobber… nur schien niemand sie zu erkennen. Oder wenn sie es doch taten, scheuten sie vor ihr zurück, als hätte sie die graue Pest. Der kränkliche Lord Gyles versteckte sein Gesicht, täuschte einen Hustenanfall vor, und der lustige, stets trunkene Ser Dontos wollte sie begrüßen, doch Ser Balon flüsterte ihm etwas ins Ohr, woraufhin auch er sich abwandte.

Und so viele andere fehlten. Wo waren sie geblieben? fragte sich Sansa. Vergeblich suchte sie nach freundlichen Gesichtern. Niemand wollte ihrem Blick begegnen. Es war, als wäre sie zum Geist geworden, schon im Leben tot.

Grand Master Pycelle saß allein an seinem Ratstisch, schien zu schlafen, seine Hände über dem Bart gefaltet. Sie sah, wie Lord Varys in die Halle hastete, ohne daß seine Schritte zu hören gewesen wären. Einen Augenblick später trat Lord Baelish lächelnd durch die hohen Türen am hinteren Ende ein. Er plauderte freundlich mit Ser Balon und Ser Dontos, während er auf dem Weg nach vorn war. Schmetterlinge flatterten in Sansas Bauch. Ich sollte keine Angst haben, sagte sie sich. Ich habe nichts zu fürchten, alles wird am Ende gut ausgehen, Joff liebt mich, und die Königin auch, das hat sie gesagt.

Die Stimme eines Herolds wurde laut.»Grüßet alle Seine Majestät Joffrey aus den Häusern Baratheon und Lannister, der Erste seines Namens, König der Andalen, der Rhoynar und der Ersten Menschen, Lord über die Sieben Königslande. Grüßet alle seine Hohe Mutter Cersei aus dem Hause Lannister, Königinregentin, Licht des Westens und Protektorin des Reiches.«

Ser Barristan Selmy, prachtvoll anzusehen in weißem

Panzer, schritt ihnen voran. Ser Arys Oakheart eskortierte die Königin, während Ser Voros Blount neben Joffrey ging, so daß sechs Männer der Königsgarde in der Halle waren, alle Weißen Schwerter, bis auf Jaime Lannister. Ihr Prinz — nein, ihr König jetzt! — nahm je zwei Stufen zum Eisernen Thron, indes seine Mutter sich beim Rat niederließ. Joff trug edlen, schwarzen Samt, mit Rot geschlitzt, einen schimmernden Umhang aus Goldtuch mit hohem Kragen und auf seinem Kopf eine goldene Krone mit Rubinen und schwarzen Diamanten.

Als Joffrey sich umdrehte und den Saal überschaute, fiel sein Blick auf Sansa. Er lächelte, setzte sich und sprach:»Es ist die Pflicht des Königs, Untreue zu strafen und jene zu belohnen, die redlich sind. Grand Maester Pycelle, ich heiße Euch, meine Erlasse vorzulesen.«

Pycelle erhob sich schwerfällig. Er trug eine prachtvolle Robe aus dickem, rotem Samt mit einem Kragen aus Hermelin und glänzenden, goldenen Spangen. Aus einem herabhängendenÄrmelmitvergoldeten

Schneckenverzierungen zog er ein Pergament, entrollte es, begann, eine lange Liste von Namen zu verlesen, und befahl im Namen des Königs und des Rates jedem, vorzutreten und Joffrey die Treue zu schwören. Täten sie es nicht, betrachtete man sie als Verräter, und ihr Land und ihre Titel fielen an den Thron.

Bei den Namen, die er las, stockte Sansa der Atem. Lord Stannis Baratheon, seine Hohe Gattin, seine Tochter. Lord Renly Baratheon. Beide Lords Royce und deren Söhne. Ser Loras Tyrell. Lord Mace Tyrell, seine Brüder, Onkel, Söhne. Der rote Priester Thoros von Myr. Lord Beric Dondarrion. Lady Lysa Arryn und ihr Sohn, der kleine Lord Robert. Lord Hoster Tully, sein Bruder Ser Brynden, sein Sohn Ser Edmure, Lord Jason Mallister. Lord Bryce Caron von den Marschen. Lord Tytos Blackwood. Lord Walter Frey und sein Erbe Ser Stevron. Lord Karyl Vance. Lord Jonos Bracken. Lady Shella

Whent. Doran Martell, Prinz von Dorne und alle seine Söhne. So viele, dachte sie, während Pycelle immer weiterlas, ein ganzer Schwarm von Raben wird nötig sein, diese Befehle auszusenden.

Und am Ende, fast zum Schluß, kamen die Namen, vor denen sich Sansa gefürchtet hatte. Lady Catelyn Stark. Robb Stark. Branden Stark, Rickon Stark, Arya Stark. Sansa verschluckte ein Stöhnen. Arya. Sie wollten, daß Arya erschien und einen Eid ablegte… dies konnte nur bedeuten, daß ihre Schwester mit der Galeere geflohen war und sich inzwischen auf Winterfell in Sicherheit befand…

Grand Maester Pycelle rollte die Liste auf, stopfte sie in seinen linken Ärmel und zog ein anderes Pergament aus dem rechten. Er räusperte sich und begann von neuem.»Anstelle des Hochverräters Eddard Stark ist es der Wunsch und Wille Seiner Majestät, daß Tywin Lannister, Lord über Casterly Rock und Hüter des Westens, das Amt der Rechten Hand des Königs einnimmt, mit seiner Stimme spricht, seine Armeen gegen Feinde führt und seinem königlichen Willen entspricht. Solches hat der König erlassen. Der Kleine Rat stimmt damit überein.