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Das Holz hatte lange schon Stein weichen müssen. Die Twins — zwei stämmige, häßliche, eindrucksvolle Burgen, in jeder Hinsicht gleich — bewachten die Furt schon seit Jahrhunderten. Hohe Mauern, tiefe Gräben und schwere Tore aus Eiche und Eisen schützten vor allem, was sich näherte, die Sockel der Brücke erhoben sich innerhalb gesicherter Festen, es gab ein Vorwerk und Falltore auf beiden Ufern, und der Wasserturm verteidigte die Brücke selbst.

Ein Blick genügte, und Catelyn wußte, daß die Burg nicht im Sturm zu nehmen wäre. Auf den Zinnen wimmelte es von Speeren und Schwertern und Skorpionen, an jeder Schießscharte stand ein Bogenschütze oder Armbruster, die Zugbrücke war oben, die Falltore unten, die Tore verriegelt und verrammelt.

Der Greatjon fing an zu fluchen und zu schimpfen, sobald er sah, was sie erwartete. Lord Rickard Karstark wütete still vor sich hin.»Das läßt sich nicht bezwingen, Mylords«, verkündete Roose Bolton.

«Ebensowenig läßt es sich mit einer Belagerung einnehmen, wenn man keine Armee auf der anderen Flußseite stehen hat, welche die andere Burg belagert«, ergänzte Helman Tallhart düster. Jenseits der tiefen, grünen Fluten stand der westliche Twin wie ein Spiegelbild seines östlichen Bruders.»Selbst wenn wir die Zeit hätten. Die wir ganz sicherlich nicht haben.«

Während die Nordlords die Burg betrachteten, öffnete sich ein Ausfalltor, eine Plankenbrücke glitt über den Graben, und ein Dutzend Ritter kam heraus, um sich ihnen zu stellen, angeführt von vier der zahlreichen Söhne Lord Walders. Auf ihrem Banner waren die Zwillingstürme abgebildet, dunkelblau auf hellem, silbergrauem Grund. Ser Stevron Frey, Lord Walders Erbe, sprach für die anderen. Die Freys sahen alle aus wie Wiesel. Ser Stevron, schon über sechzig, selbst schon mit Enkeln gesegnet, wirkte wie ein besonders altes und müdes Wiesel, doch war er sehr freundlich.»Mein Hoher Vater hat mich gesandt, Euch zu begrüßen und zu fragen, wer dieses mächtige Heer wohl führen mag.«

«Ich. «Robb trat sein Pferd, daß es einen Satz nach vorn machte. Er trug seine Rüstung, sein Schild mit dem Schattenwolf von Winterfell war am Sattel festgebunden, und Grey Wind lief an seiner Seite.

Der alte Ritter betrachtete ihren Sohn mit einem Anflug von Belustigung in seinen wäßrig grauen Augen, obwohl sein Wallach unruhig wieherte und vor dem Schattenwolf zurückwich.»Meinem Hohen Vater wäre es eine Ehre, wenn Ihr in der Burg Speis und Trank mit ihm einnehmen und den Anlaß für Euer Hiersein erklären wolltet.«

Seine Worte schlugen zwischen den Bundesgenossen ein, als handelte es sich um große Steine, von einem Katapult geschossen. Keiner von ihnen stimmte dem zu. Sie fluchten, stritten, schrien einander nieder.

«Das dürft Ihr nicht tun, Mylord«, flehte Galbart Glover Robb an.»Lord Walder ist nicht zu vertrauen.«

Roose Bolton nickte.»Geht allein hinein, und Ihr seid in seiner Hand. Er kann Euch an die Lannisters verkaufen, Euch in den Kerker werfen oder die Kehle aufschneiden, ganz wie es ihm beliebt.«

«Wenn er mit uns reden will, laßt ihn die Tore öffnen, und wir werden alle mit ihm Speis und Trank einnehmen«, erklärte Ser Wendel Manderly.

«Oder laßt ihn herauskommen und Robb hier bewirten, wo seine und unsere Männer sehen können, was geschieht«, schlug Ser Wylis, sein Bruder, vor.

Catelyn Stark teilte diese Zweifel, doch mußte sie nur einen Blick auf Ser Stevron werfen, um zu erkennen, daß dieser von dem, was er hörte, nicht erfreut war. Noch ein paar Worte mehr, und die Chance wäre vertan. Sie mußte handeln, und zwar schnell.»Ich werde gehen«, sagte sie laut.

«Ihr, Mylady?«Der Greatjon legte seine Stirn in Falten.

«Mutter, bist du sicher?«Robb war es offenbar nicht.

«Nie mehr als jetzt«, log Catelyn zungenfertig.»Lord Walder ist meines Vaters Bundesgenosse. Ich kenne ihn, seit ich ein kleines Mädchen war. Nie würde er mir Leid antun. «Es sei denn, er sähe seinen Vorteil darin, fügte sie im stillen hinzu, manche Wahrheit allerdings durfte nicht geäußert werden, und manche Lüge war vonnöten.

«Ich bin sicher, mein Hoher Vater wäre hocherfreut, mit Lady Catelyn sprechen zu dürfen«, sagte Ser Stevron.»Zum Beweis für unsere ehrenhaften Absichten wird er hier verweilen, bis sie sicher wieder bei Euch ist.«

«Es wird uns eine Ehre sein, ihn zu bewirten«, sagte Robb. Ser Perwyn, der jüngste der vier Freys in der Gesellschaft, stieg ab und reichte seinem Bruder die Zügel seines Pferdes.»Meine Mutter sollte bei Einbruch der Dunkelheit zurück sein, Ser Stevron«, fuhr Robb fort.»Ich habe nicht die Absicht, mich hier lange aufzuhalten.«

Ser Stevron nickte höflich.»Wie Ihr meint, Mylord. «Catelyn gab ihrem Pferd die Sporen und sah nicht zurück. Lord Walders Söhne und Gesandte reihten sich hinter ihr ein.

Ihr Vater hatte einst von Walder Frey gesagt, er sei der einzige Lord der Sieben Königslande, der eine ganze Armee in seinen Hosen hatte. Als der Lord von der Furt Catelyn in der großen Halle der Westburg empfing, umgeben von zwanzig lebenden Söhnen (minus Ser Perwyn, welcher der einundzwanzigste gewesen wäre), sechsunddreißig Enkeln, neunzehn Urenkeln und zahllosen Töchtern, Enkelinnen, Bastarden und Bastardenkeln, verstand sie, was er gemeint hatte.

Lord Walder war neunzig, ein ergrautes, rosafarbenes Wiesel mit kahlem, fleckigem Kopf, zu gichtkrank, um aus eigener Kraft noch stehen zu können. Seine neueste Frau, ein blasses, zerbrechliches Kind von sechzehn Jahren, lief neben seiner Sänfte, als er hereingetragen wurde. Sie war die achte Lady Frey.

«Es ist mir eine große Freude, Euch nach so vielen Jahren wiederzusehen, Mylord«, sagte Catelyn.

Mißtrauisch blinzelte der alte Mann sie an.»Ist es das? Ich möchte es bezweifeln. Erspart mir Eure süßen Worte, Lady Catelyn, ich bin zu alt. Warum seid Ihr hier? Ist Euer Junge zu stolz, selbst vor mich hinzutreten? Was habe ich mit Euch zu schaffen?«Catelyn war noch ein Mädchen gewesen, als sie zuletzt auf den Twins zu Besuch gewesen war, und da schon hatte sie Lord Walders Reizbarkeit, seine scharfe Zunge und seine schroffen Manieren kennengelernt. Das Alter hatte das alles nur schlimmer gemacht, so schien es ihr. Sie würde ihre Worte mit Bedacht wählen und sich alle Mühe geben müssen, von seinen nicht verletzt zu sein.

«Vater«, sagte Ser Stevron vorwurfsvoll,»Ihr vergeßt Euch. Lady Stark ist auf Eure Einladung hin hergekommen.«

«Habe ich dich gefragt? Du bist nicht Lord Frey, nicht, bis ich tot bin. Sehe ich tot aus? Von dir nehme ich keine Anweisungen entgegen.«

«So spricht man nicht vor unserem edlen Gast, Vater«, sagte

einer seiner jüngeren Söhne.

«Jetzt wollen meine Bastarde mich höfliches Benehmen lehren«, klagte Lord Walder.»Ich rede, wie ich will, verdammt! Ich hatte in meinem Leben drei Könige zu Gast, und Königinnen ebenso, meinst du, ich brauchte Lektionen von jemandem wie dir, Ryger? Deine Mutter hat Ziegen gemolken, als ich ihr zum ersten Mal meinen Samen eingepflanzt habe. «Er scheuchte den rotgesichtigen Jungen mit einem Fingerschnippen fort und deutete auf zwei der anderen.»Danwell, Whalen, helft mir auf meinen Stuhl.«

Sie hoben Lord Walder aus seiner Sänfte und trugen ihn zum Thron der Freys, einem hohen Stuhl aus schwarzer Eiche, in dessen Rückenlehne die Umrisse zweier Türme geschnitzt waren, die eine Brücke verband. Ängstlich schlich seine junge Frau heran und legte ihm eine Decke um die Beine. Nachdem er sich eingerichtet hatte, winkte der alte Mann Catelyn vor und drückte ihr einen trockenen Kuß auf die Hand.»Also«, verkündete er.»Da ich dem Benimm bei Hofe nun Genüge getan habe, Mylady machen mir meine Söhne vielleicht die Ehre, den Mund zu halten. Weshalb seid Ihr hier?«

«Um Euch zu bitten, daß Ihr Eure Tore öffnet, Mylord«, erwiderte Catelyn höflich.»Mein Sohn und seine Lords und Bundesbrüder wollen gern baldmöglichst den Fluß überqueren und sich auf den Weg machen.«