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Catelyn runzelte die Stirn, besorgt.»Ich hatte es so verstanden, daß Lysas Junge bei Lord Tywin auf Casterly Rock aufwachsen sollte.«

«Nein, es war Lord Stannis«, sagte Walder Frey gereizt.»Glaubt Ihr, ich könnte Lord Stannis nicht von Lord Tywin unterscheiden? Beide sind After, die sich zum Scheißen zu fein sind, aber wie dem auch sei, ich kenne den Unterschied. Oder glaubt Ihr, ich wäre so alt, daß ich mich nicht erinnern könnte? Ich bin neunzig und erinnere mich sehr gut. Ich erinnere mich auch daran, was ich mit einer Frau tun kann. Diese Frau, die ich da habe, wird mir spätestens im nächsten Jahr um diese Zeit einen Sohn schenken, das wette ich. Oder eine Tochter, wenn es nicht anders geht. Junge oder Mädchen, das Kind wird rot und faltig sein und schreien, und allerhöchstwahrscheinlich wird man es Walder oder Walda nennen wollen.«

Catelyn machte sich weniger Sorgen darum, welchen Namen Lady Frey für ihr Kind wählen mochte.»Jon Arryn wollte seinen Sohn in Lord Stannis' Obhut geben, da seid Ihr Euch ganz sicher?«»Ja, ja, ja«, sagte der alte Mann.»Nur ist er gestorben. Was macht es also schon? Ihr sagt, Ihr wollt den Fluß überqueren?«

«Das wollen wir.«

«Nun, das könnt Ihr nicht!«verkündete Lord Walder forsch.»Nicht, sofern ich es Euch nicht erlaube, und wieso sollte ich? Die Tullys und die Starks waren nie meine Freunde. «Er sank auf seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme, höhnisch grinsend, wartete auf Antwort. Der Rest war Feilschen.

Eine pralle, rote Sonne hing tief vor den Hügeln im Westen, als sich die Tore der Burg öffneten. Knarrend kam die Zugbrücke herunter, die Falltore gingen hoch, und Lady Catelyn ritt zu ihrem Sohn und seinen Lords und Bundesbrüdern hinaus. Hinter ihr folgten Ser Jared Frey, Ser Hosteen Frey, Ser Danwell Frey und Lord Walders Bastardsohn Ronel Rivers, die einen langen Trupp von Pikenieren führten, Reihe auf Reihe von schlurfenden Männern in stählernen Kettenhemden und silbergrauen Umhängen.

Robb galoppierte ihr entgegen, und Grey Wind rannte neben seinem Hengst her.»Es ist vollbracht«, erklärte sie ihm.»Lord Walder läßt dich passieren. Und auch seine Streiter sind die deinen, abzüglich der vierhundert Mann, mit denen er die Twins halten will. Ich schlage vor, du läßt vierhundert deiner eigenen Leute hier, gemischt aus Bogenschützen und Schwertkämpfern. Er kann kaum etwas gegen das Angebot einzuwenden haben, daß du seine Truppen vergrößern willst… nur achte darauf, daß du das Kommando einem Mann gibst, dem du vertraust. Es könnte sein, daß Lord Walder etwas Unterstützung braucht, wenn er die Treue halten will.«

«Wie du meinst, Mutter«, antwortete Robb mit einem Blick auf die Reihen von Pikenieren.»Vielleicht… Ser Helman Tallhart, was meinst du?«

«Eine gute Wahl.«

«Was… was wollte er von uns?«

«Wenn du einige Recken entbehren kannst, bräuchte ich ein paar Männer, die zwei von Lord Freys Enkel söhnen gen Norden nach Winterfell geleiten«, erklärte sie ihm.»Ich habe eingewilligt, sie als Mündel aufzunehmen. Es sind kleine Jungen, acht und sieben Jahre alt. Soweit ich weiß, heißen sie beide Walder. Dein Bruder Bran wird sich über Gesellschaft von Jungen in seinem Alter freuen, denke ich.«

«Ist das alles? Zwei Mündel? Das ist ein kleiner Preis für…«

«Lord Freys Sohn Olyvar wird mit uns ziehen«, fuhr sie fort.»Er wird als dein persönlicher Schildknappe dienen. Sein Vater würde es gern sehen, wenn er zum Ritter geschlagen würde nach angemessener Zeit.«

«Ein Knappe. «Er zuckte mit den Achseln.»Gut, das ist gut, wenn er… «

«Außerdem, falls deine Schwester Arya sicher zu uns heimkehren sollte, so ist es vereinbart, daß sie Lord Walders jüngsten Sohn Elmar heiratet, sobald die beiden mündig werden.«

Robb sah etwas ratlos aus.»Das wird Arya kein bißchen gefallen.«

«Und du wirst eine seiner Töchter ehelichen, sobald das Schlachten ein Ende hat«, endete sie.»Seine Lordschaft hat großzügigerweise dahingehend eingewilligt, daß er dir erlaubt, das Mädchen auszuwählen, das dir am meisten zusagt. Er hat eine ganze Anzahl davon, die er für passend hält.«

Es war Robb hoch anzurechnen, daß er nicht mit der Wimper zuckte.»Ich verstehe.«

«Willigst du ein?«

«Kann ich ablehnen?«,

«Nicht, wenn du den Fluß überqueren willst.«

«Ich willige ein«, sagte Robb feierlich. Nie war er ihr männlicher erschienen als in diesem Augenblick. Jungen mochten mit Schwertern spielen, doch war ein Lord vonnöten, um einen Ehepakt zu schließen, wohl wissend, was es bedeutete.

Bei Einbruch der Dunkelheit gingen sie hinüber, als ein gehörnter Mond im Wasser trieb. Die Doppelreihe wand sich wie eine stählerne Schlange durchs Tor des östlichen Zwillings, glitt über den Burghof in die Festung und über die Brücke, um am Westufer aus der zweiten Burg hervorzutreten.

Catelyn ritt am Kopf der Schlange, mit ihrem Sohn und ihrem Onkel Ser Brynden und Ser Stevron Frey. In deren Rücken folgten neun Zehntel ihrer Reiter: Ritter, Lanzenträger, freie Reiter und berittene Bogenschützen. Es dauerte Stunden, bis sie drüben waren. Später erinnerte sich Catelyn an das Klappern zahlloser Hufe auf der Zugbrücke, an den Anblick Lord Walder Freys, der sie von seiner Sänfte aus vorüberziehen sah, das Blitzen der Augen, die durch die Schlitze der Mordlöcher in der Decke auf sie herabblickten, als sie durch den Wasserturm ritten.

Der größere Teil der Nordarmee, Pikeniere und Bogenschützen und große Massen von Fußsoldaten blieben am Ostufer unter dem Kommando von Roose Bolton. Robb hatte ihm befohlen, den Marsch gen Süden fortzusetzen, um sich der riesigen Armee der Lannisters zu stellen, die unter Lord Tywin gen Norden zog.

Ob nun im Guten oder im Schlechten. Robbs Würfel waren gefallen.

Jon

«Geht es dir gut, Snow?«fragte Lord Mormont finsteren Blickes.

«Naja«, krächzte sein Rabe.»Naja.«

«Ja, Mylord«, log Jon… laut, als könne er es dadurch zur Wahrheit machen.»Und Euch?«

Mormont legte die Stirn in Falten.»Ein Toter hat versucht, mich zu ermorden. Wie gut kann es einem da gehen?«Er kratzte sich unterm Kinn. Sein zottig grauer Bart war im Feuer versengt, und er hatte ihn abgeschnitten. Die blassen Stoppel seines neuen Backenbartes ließen ihn alt wirken, verrufen und verdrießlich.»Du siehst nicht gut aus. Was macht deine Hand?«

«Heilt. «Jon spannte die bandagierten Finger, um es ihm zu zeigen. Er hatte sich übler verbrannt, als ihm bewußt war, beim Löschen mit den brennenden Vorhängen, und seine rechte Hand war bis zum Ellbogen mit Seide verbunden. Während des Feuers hatte er nichts gespürt, der Schmerz war erst viel später gekommen. Aus seiner aufgeplatzten, roten Haut sickerte Wundflüssigkeit, und gräßliche Blutblasen wuchsen, groß wie Kakerlaken, zwischen den Fingern.»Der Maester sagt, ich werde Narben zurückbehalten, aber ansonsten müßte die Hand wieder so werden, wie sie war.«

«Eine vernarbte Hand ist nicht schlimm. Auf der Mauer trägst du ohnehin meist Handschuhe.«

«Wenn Ihr es sagt, Mylord. «Doch nicht der Gedanke an Narben bereitete Jon Sorgen. Maester Aemon hatte ihm Mohnblumensaft gegeben, trotzdem waren die Schmerzen grauenvoll gewesen. Anfangs hatte es sich angefühlt, als stünde seine Hand noch in Flammen und brannte Tag und Nacht. Nur wenn er sie in ein Becken voller Schnee oder gekratztem Eis steckte, gab es für ihn Linderung. Jon dankte den Göttern, daß nur Ghost ihn sah, wie er sich auf dem Bett wälzte und vor Schmerzen wimmerte. Und wenn er dann doch schlief, träumte er, und das war noch schlimmer. Im Traum hatte die Leiche, mit welcher er gerungen hatte, blaue Augen, schwarze Hände und das Gesicht seines Vaters, doch wagte er nicht, Lord Mormont davon zu erzählen.