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«Der junge Stark ist uns einen Marsch voraus«, sagte Bronn.»Er ist bei Nacht die Kingsroad herabgeschlichen, und jetzt ist sein Heer kaum eine Meile nördlich von hier und nimmt Aufstellung zur Schlacht.«

Schnell, riefen die Trompeten, schnell, schnell, schnell

«Sorg dafür, daß die Stammesbrüder sich zum Ritt bereitmachen. «Tyrion duckte sich ins Zelt zurück.»Wo sind meine Kleider?«bellte er Shae an.»Da. Nein, das Lederne, verdammt! Ja. Bring mir meine Stiefel.«

Als er fertig angezogen war, hatte sein Knappe die Rüstung ausgebreitet, soweit er eine bei sich hatte. Tyrion besaß eine hübsche Rüstung aus schwerem Stahl, die seinem verkrüppelten Leib vorzüglich paßte. Leider lag sie warm und trocken auf Casterly Rock. Er mußte sich mit Resten begnügen, die er von Lord Leffords Wagen gesammelt hatte: Hemd und Kappe aus Ketten, die Halsberge eines toten Ritters, bewegliche Beinschienen und Handschuhe und spitze, stählerne Stiefel. Einiges davon war verziert, anderes schlicht. Kein Teil war wie das andere oder paßte, wie es sollte. Sein Brustpanzer war für einen größeren Mann gedacht. Für seinen übergroßen Kopf fanden sie einen riesigen, eimerförmigen Großhelm, auf dem ein dreieckiger Spieß steckte, lang wie ein Fuß.

Shae half Pod mit den Schnallen und Haken.»Falls ich sterbe, weine um mich«, erklärte Tyrion der Hure.

«Wie wollt Ihr das erfahren? Ihr werdet tot sein.«

«Ich werde es schon erfahren.«

«Das will ich glauben. «Sie ließ den Großhelm auf seinen Kopf herab, und Pod befestigte ihn an der Halsberge. Tyrion schnallte seinen Gürtel um, schwer vom Gewicht des Kurzschwerts und des Dolches. Inzwischen hatte der Bursche sein Pferd gebracht, einen prächtigen, braunen Renner, so schwer gepanzert wie er selbst. Der Gnom brauchte Hilfe, um aufzusteigen. Er fühlte sich, als wöge er soviel wie tausend Steine. Pod reichte ihm den Schild, eine massive Platte aus Eisenholz, von Stahl eingefaßt. Zuletzt gaben sie ihm seine Streitaxt. Shae trat zurück und betrachtete ihn von oben bis unten.»M'lord sehen furchterregend aus.«

«M'lord sieht aus wie ein Zwerg in zu großer Rüstung«, antwortete Tyrion säuerlich,»aber ich danke dir für deine Freundlichkeit. Podrick, sollte sich die Schlacht gegen uns wenden, bring die Dame unversehrt nach Hause. «Er salutierte ihr mit seiner Axt, riß sein Pferd herum und trabte davon. In seinem Magen war ein harter Knoten, so fest, daß er schmerzte. Hinter ihm beeilten sich seine Diener, das Zelt abzubauen. Hellrote Finger breiteten sich im Osten aus, als die ersten Sonnenstrahlen am Horizont erschienen. Der Himmel im Westen war von dunklem Rot, mit Sternen übersät. Tyrion fragte sich, ob es wohl der letzte Sonnenaufgang wäre, den er je zu sehen bekam… und ob diese Frage ein Zeichen von Feigheit war. Dachte sein Bruder Jaime vor einer Schlacht je an den Tod?

Ein Kriegshorn klang aus weiter Ferne, ein tiefer, trauriger Ton, der die Seele frieren ließ. Die Stammesbrüder kletterten auf ihre zottigen Bergpferde, stießen Flüche und rüde Scherze aus. Mehrere wirkten betrunken. Die aufgehende Sonne verbrannte den schwebenden Nebel, während Tyrion sie voranführte. Das wenige Gras, das die Pferde übriggelassen hatten, war schwer vom Tau, als hätte irgendein Gott im Vorübergehen einen Sack voll Diamanten auf der Erde ausgeleert. Die Bergmenschen reihten sich hinter ihm ein, jeder Clan hinter seinem eigenen Anführer.

Im Licht des Morgengrauens entfaltete sich Lord Tywin Lannisters Armee wie eine eiserne Rose mit glitzernden Dornen.

Sein Onkel führte die Mitte an. Ser Kevan hatte seine Standarten über der Kingsroad gehißt. Die Bogenschützen nahmen in drei langen Reihen Aufstellung, östlich und westlich der Straße, standen ungerührt da und spannten ihre Bögen. Zwischen ihnen formten Pikeniere Quadrate. Dahinter warteten Reihe um Reihe von Soldaten mit Speer und Schwert und Axt. Dreihundert schwere Pferde umgaben Ser Kevan und seine Lords Lefford, Lydden und Serrett mit ihren Gefolgsleuten.

Der rechte Flügel bestand nur aus Kavallerie, gut viertausend Mann, schwer von der Last ihrer Rüstungen. Mehr als drei Viertel der Ritter waren dort, zusammengedrängt wie eine große, stählerne Faust. Ser Addam Marbrand hatte das

Kommando. Tyrion sah, wie sein Banner sich entrollte, als sein Standartenträger es ausschüttelte. Ein brennender Baum, orangefarben, und Rauch. Hinter ihm flatterten Ser Flements rotes Einhorn, der gescheckte Keiler von Crakehall, der Kampfhahn von Swyft und mehr.

Sein Hoher Vater nahm Stellung auf dem Hügel ein, auf dem er geschlafen hatte. Um ihn versammelte sich die Reserve, ein mächtiges Heer, halb zu Pferd und halb zu Fuß, fünftausend Mann stark. Lord Tywin zog es fast immer vor, die Reserve zu befehligen. Meist suchte er sich einen erhöhten Punkt, beobachtete die Schlacht und ließ seine Truppen wissen, wann und wo sie am dringendsten gebraucht wurden.

Noch aus der Ferne glänzte sein Vater. Tywin Lannisters Rüstung beschämte selbst den goldenen Panzer seines Sohnes Jaime. Sein großer Umhang war aus zahllosen Schichten von Goldtuch genäht, so schwer, daß er sich, auch beim Angriff, kaum bewegte, so groß, daß er das Hinterteil seines Hengstes größtenteils verdeckte, wenn der Lord im Sattel saß. Keine gewöhnliche Schnalle hielt ein solches Gewicht, daher wurde der Umhang von einem Paar miniaturisierter Löwinnen gehalten, die auf seinen Schultern hockten, als wollten sie gleich springen. Ihr Gefährte, ein Männchen mit prachtvoller Mähne, ruhte auf Lord Tywins Großhelm, eine Pranke in die Luft erhoben, während er brüllte. Alle drei Löwen waren aus Gold geschmiedet, die Augen mit Rubin besetzt. Seine Rüstung bestand aus schwerem Stahl, in dunklem Rot lackiert, Beinschienen und Handschuhe mit goldenen Schnecken verziert. Seine Medaillons waren goldene Sonnen, sämtliche Befestigungen vergoldet, und der rote Stahl war derart poliert, daß er im Licht der aufgehenden Sonne wie Feuer erstrahlte.

Nun konnte Tyrion das Dröhnen der feindlichen Trommeln hören. Er dachte daran, wie er Robb Stark zuletzt gesehen hatte, auf dem Thron seines Vaters in der Großen Halle von Winterfell, ein Schwert blank und glänzend in Händen. Er dachte daran, wie sich die Schattenwölfe aus der Dunkelheit über ihn hergemacht hatten, und plötzlich konnte er sie wieder sehen, knurrend und schnappend, die Zähne vor seinem Gesicht gefletscht. Ob der Junge seine Wölfe mit in die Schlacht brachte? Der Gedanke bereitete ihm Unbehagen.

Die Nordmänner wären nach ihrem langen, schlaflosen Marsch erschöpft. Tyrion überlegte, was sich der Junge dabei gedacht hatte. Glaubte er, er könne sie im Schlaf überraschen? Die Chancen dafür standen schlecht. Was man auch immer von Tywin Lannister sagen mochte: er ließ sich nicht zum Narren machen.

Links sammelte sich die vorderste Linie. Er sah die Standarte zuerst, drei schwarze Hunde auf gelbem Grund. Darunter saß Ser Gregor auf dem größten Pferd, das Tyrion je gesehen hatte. Bronn warf einen Blick auf ihn und grinste.»Folge stets einem großen Mann in die Schlacht.«

Tyrion warf ihm einen bösen Blick zu.»Und wieso das?«»Sie geben so wunderbare Ziele ab. Der da, er zieht die Blicke aller Bogenschützen auf sich.«

Lachend betrachtete Tyrion den Berg mit neuen Augen.»Ich muß gestehen, daß ich es so noch nie gesehen habe.«

Clegane verbreitete keinen Prunk um sich. Seine Rüstung war aus Stahl, matt und grau, vernarbt und ohne Siegel oder Verzierungen. Er zeigte Männern ihre Positionen mit der Klinge, einem beidhändigen Großschwert, das Ser Gregor mit einer Hand schwenkte wie ein Geringerer als er einen Dolch.»Jeden, der wegläuft, mache ich persönlich nieder«, brüllte er, als er Tyrion gewahr wurde.»Gnom! Nehmt die Linke. Haltet den Fluß. Wenn Ihr könnt.«

Die Linke der Linken. Um ihre Flanken aufzurollen, brauchten die Starks Pferde, die auf Wasser wandeln konnten. Tyrion führte seine Männer zum Ufer.»Seht«, rief er und zeigte die Richtung mit seiner Axt.»Der Fluß. «Eine Decke von fahlem Nebel lag noch immer auf dem Wasser, dem trüben, grünen Strom, der unter ihnen floß. Die Untiefen waren verschlammt und erstickten im Schilf.»Der Fluß ist unser. Was immer auch geschieht, haltet euch nah am Wasser. Verliert es nie aus den Augen. Laßt keinen Feind zwischen uns und unseren Fluß. Wenn sie unser Wasser besudeln, hackt ihnen die Schwänze ab und verfüttert sie an die Fische.«