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Savidlin, der sich sein frisch gereinigtes Kojotenfell über die Schultern gelegt hatte, entdeckte die beiden, zog sie fort und schlug Richard die ganze Zeit freundschaftlich auf den Rücken. Sie sollten sich zu den Ältesten unter deren Schutzdach setzen. Der Vogelmann trug seine gewohnte Wildlederkleidung. Ein Mann von seiner Bedeutung hatte es nicht nötig, sich herauszuputzen. Weselan war ebenfalls anwesend, wie auch die anderen Frauen der anderen Ältesten. Sie setzten sich neben Kahlan, ergriffen ihre Hand und erkundigten sich aufrichtig besorgt, wie es ihrem Arm gehe. Kahlan war es nicht gewöhnt, daß sich jemand um sie kümmerte. Zu den Schlammenschen zu gehören, war ein angenehmes Gefühl, auch wenn es nur geheuchelt war. Geheuchelt deswegen, weil sie Konfessor war, und so sehr sie sich auch etwas anderes wünschte, nichts konnte etwas daran ändern. Sie tat, was sie in jungen Jahren gelernt hatte. Sie stellte ihre Gefühle zurück und dachte an die bevorstehende Aufgabe. Sie dachte an Darken Rahl und daran, wie wenig Zeit ihnen blieb. Sie dachte an Dennee.

Richard hatte sich damit abgefunden, daß sie noch einen weiteren Tag auf die Versammlung warten mußten, und versuchte, das Beste daraus zu machen. Lächelnd und nickend nahm er Ratschläge entgegen, die er nicht verstand. Menschen strömten in einer nichtendenwollenden Prozession an der Hütte der Ältesten vorbei, um die neuen Schlammenschen mit einem leichten Klaps zu begrüßen. Kahlan mußte eingestehen, daß sie ihr ebensoviel Aufmerksamkeit schenkten wie Richard.

Geflochtene Tabletts und Tonschalen mit den unterschiedlichsten Speisen standen vor ihnen auf dem Boden, wo sie sich mit untergeschlagenen Beinen niedergelassen hatten und Leute begrüßten, von denen sich manche einen Augenblick zu ihnen setzten. Richard kostete die meisten Speisen und vergaß auch nicht, dazu die rechte Hand zu benutzen. Kahlan knabberte an einem Stück Tavabrot herum, um nicht unhöflich zu wirken.

»Schmeckt ausgezeichnet«, meinte Richard und griff sich das nächste Rippchen. »Schweinefleisch, glaube ich.«

»Wildschwein«, sagte sie mit einem Blick auf die Tänzer.

»Das Wild ist auch gut. Hier, probier mal.« Er reichte ihr einen Streifen.

»Nein, danke.«

»Geht's dir gut?«

»Prima. Ich hab' einfach keinen Hunger.«

»Seit wir bei den Schlammenschen sind, hast du kein Fleisch mehr gegessen.«

»Ich habe einfach keinen Hunger, das ist alles.«

Achselzuckend machte er sich über das Wild her.

Nach einer Weile ebbte der Menschenstrom ab, der sie begrüßte, und man wandte sich anderen Dingen zu. Aus den Augenwinkeln verfolgte Kahlan, wie der Vogelmann jemandem weit weg ein Zeichen gab. Kahlan drängte ihre Empfindungen noch weiter zurück und ließ sich nichts anmerken. Das Gesicht eines Konfessors. Wie ihre Mutter es ihr beigebracht hatte.

Vier junge Frauen mit schüchternem Lächeln und mit von Schlamm geglätteten Haaren näherten sich zaghaft. Richard begrüßte sie freundlich nickend und mit einem leichten Klaps, wie auch die anderen Gratulanten. Sie blieben kichernd stehen, stupsten sich gegenseitig an und tuschelten, wie gut er doch aussähe. Kahlan sah sich zum Vogelmann um. Er nickte einmal.

»Warum verschwinden sie nicht wieder? Was wollen sie?« fragte Richard aus dem Mundwinkel.

»Die sind für dich«, sagte sie beiläufig.

Der flackernde Schein der Flammen erhellte sein Gesicht, als er die vier Frauen entgeistert anstarrte. »Für mich? Und was soll ich mit ihnen anfangen?«

Kahlan holte tief Luft und sah einen Augenblick hinüber zu den Feuern. »Ich bin nur dein Führer, Richard. Wenn du hierin Unterweisung brauchst, mußt du sie dir woanders holen.«

Einen Augenblick lang herrschte Stille.

»Alle vier? Für mich?«

Sie drehte ihm den Rücken zu, während sich auf seinem Gesicht ein schelmisches Grinsen ausbreitete. Sie war ziemlich gereizt.

»Nein. Du sollst dir eine aussuchen.«

»Eine aussuchen?« wiederholte er, immer noch mit dem dämlichen Grinsen auf dem Gesicht.

Sie tröstete sich damit, daß er in diesem Punkt wenigstens keinen Ärger machen würde. Er betrachtete die Mädchen der Reihe nach.

»Ich soll also eine aussuchen. Das wird schwierig. Wie lange habe ich dafür Zeit?«

Sie sah zu den Feuern hinüber und schloß für einen Augenblick die Augen, dann wandte sie sich an den Vogelmann. »Der Sucher mochte wissen, wann er sich für eine der Frauen entscheiden muß

Der Vogelmann war ein wenig überrascht. »Bis er zu Bett geht. Dann muß er eine auswählen und unserem Volk sein Kind schenken. Auf diese Weise ist er durch das Blut mit uns verbunden

Sie erklärte ihm, was der Vogelmann gesagt hatte.

Richard überlegte sorgfältig, was man ihm gerade erklärt hatte. »Sehr weise.« Er sah den Vogelmann schmunzelnd an und nickte. »Der Vogelmann ist sehr weise.«

»Der Sucher sagt, du seist sehr weise«, erklärte sie ihm. Sie hatte Mühe, ihr Stimme zu beherrschen.

Der Vogelmann und die anderen Ältesten schienen erfreut. Alles lief wie gewünscht.

»Die Entscheidung wird schwierig. Ich werde darüber nachdenken müssen. Ich will nichts übereilen.«

Kahlan schob sich ein paar Strähnen aus dem Gesicht und wandte sich an die Mädchen. »Der Sucher hat Schwierigkeiten, sich zu entscheiden

Er blickte die vier breit grinsend an und winkte sie eifrig auf die Plattform. Zwei setzten sich ihm gegenüber, die anderen beiden quetschten sich zwischen ihn und Kahlan, und zwangen sie, ein Stück zu rücken. Sie lehnten sich an ihn, legten ihm die Hände auf die Arme und prüften kichernd seine Muskeln. Kahlan gegenüber machten sie Bemerkungen darüber, wie groß er sei, genau wie sie, und wie groß eine Kinder werden würden. Sie wollten wissen, ob er sie hübsch fand. Kahlan erklärte, das wisse sie nicht. Sie baten sie, ihn zu fragen.

Sie mußte wieder tief durchatmen. »Sie wollen wissen, ob du sie hübsch findest.«

»Natürlich! Sie sind wunderschön! Alle vier. Deswegen kann ich mich ja nicht entscheiden. Findest du sie nicht auch wunderschön?«

Sie ließ seine Frage unbeantwortet, statt dessen versicherte sie dem Quartett, der Sucher fände sie reizend. Sie fingen wieder mit ihrem schüchternen Gekicher an. Der Vogelmann und die Ältesten schienen zufrieden zu sein. Sie strahlten noch immer über das ganze Gesicht. Wie betäubt starrte sie die Menschen an, betrachtete die Tänzer, ohne sie wirklich zu sehen. Die vier jungen Frauen fütterten Richard mit den Fingern und kicherten dabei. Er meinte zu Kahlan, dies sei das beste Festmahl, an dem er je teilgenommen hatte, und wollte wissen, ob sie ebenso dachte. Kahlan schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter, stimmte ihm zu, es sei wundervoll, und starrte wieder in die Flammen, aus denen die Funken in die Dunkelheit stoben.

Nach einer Weile, sie wußte nicht wie lange, ihr kam es vor wie Stunden, näherte sich eine alte Frau mit gesenktem Kopf, die ein großes, rundes geflochtenes Tablett vor ihrem Körper trug. Streifen dunklen Fleisches waren darauf säuberlich zurechtgelegt.

Kahlan wurde aus ihren Gedanken gerissen.

Immer noch mit gesenktem Kopf trat die Frau respektvoll zu den Ältesten und bot jedem das Tablett an. Der Vogelmann bediente sich als erster, und riß mit den Zähnen ein Stück Fleisch ab, während die anderen jeweils einen Streifen nahmen. Einige der Frauen griffen ebenfalls zu. Weselan, die neben ihrem Gatten saß, lehnte ab.

Die Frau hielt Kahlan das Tablett hin. Sie lehnte höflich ab. Die Frau bot Richard das Tablett an. Er nahm einen Streifen. Die vier jungen Frauen schüttelten ihre gesenkten Köpfe und lehnten ab. Sie beobachteten Richard. Kahlan wartete, bis er einen Bissen genommen hatte, blickte dem Vogelmann kurz in die Augen und starrte wieder in die Flammen.

»Es fällt mir wirklich schwer zu entscheiden, welche ich von diesen vier feinen jungen Frauen aussuchen soll«, meinte Richard, nachdem er den ersten Bissen geschluckt hatte. »Meinst du, du könntest mir helfen, Kahlan? Welche soll ich nehmen? Was meinst du?«