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»Was?!«

Zedd rüttelte ihn. »Er ist zu mächtig. Der Zauber der Ordnung schützt ihn während des Jahres seiner Suche. Wenn du versuchst, das Schwert einzusetzen, bist du tot, bevor es ihn trifft.«

»Das ist verrückt! Erst willst du, ich solle der Sucher werden und das Schwert annehmen, und nun erzählst du mir, ich könnte es nicht benutzen.« Richard war außer sich. Er fühlte sich betrogen.

»Nur gegen Darken Rahl nicht, gegen ihn wirkt es nicht! Ich habe den Zauber nicht gemacht, Richard, ich weiß nur, wie er wirkt. Und Darken Rahl weiß es auch. Vielleicht versucht er, dich dazu zu bringen, das Schwert gegen ihn zu erheben. Er weiß, daß dich das tötet. Wenn du deiner Wut nachgibst und das Schwert gegen ihn erhebst, wird er gewinnen. Dann bist du tot, und er hat die Kästchen.«

Kahlan runzelte verzweifelt die Stirn. »Zedd, Richard hat recht. Das macht es unmöglich. Wenn er seine wichtigste Waffe nicht benutzen darf, dann…«

Zedd schnitt ihr das Wort ab. »Nein! Das hier…« er, klopfte Richard mit den Knöcheln auf den Kopf, »das hier ist des Suchers wichtigste Waffe.« Er bohrte Richard seinen langen Finger mitten in die Brust. »Und dies.«

Sie standen einen Augenblick lang da und schwiegen.

»Der Sucher selbst ist die Waffe«, sagte Zedd mit Nachdruck. »Das Schwert ist nur ein Mittel. Du wirst einen anderen Weg finden. Du mußt.«

Eigentlich, dachte Richard, hätte er verärgert sein müssen, wütend, enttäuscht, überwältigt, doch so war es nicht. Er fühlte sich seltsam ruhig und entschlossen.

»Tut mir leid, mein Junge. Ich wünschte, ich könnte den Zauber ändern, aber…«

Richard legte Zedd die Hand auf die Schulter. »Schon gut, mein Freund. Du hast recht. Wir müssen Rahl Einhalt gebieten. Das ist es, was zählt. Um Erfolg zu haben, muß ich die Wahrheit kennen, und du hast sie mir anvertraut. Jetzt ist es an mir, daraus das Beste zu machen. Bekommen wir eines der Kästchen, wird Rahl Gerechtigkeit widerfahren. Ich muß es nicht sehen. Ich muß es nur erledigt wissen. Ich habe gesagt, ich will nicht zum Mörder werden, und ich werde keiner sein. Das Schwert ist von unschätzbarem Wert, dessen bin ich sicher. Aber wie du gesagt hast, es ist nur ein Werkzeug, und in diesem Sinne will ich es verwenden. Der Zauber des Schwertes ist kein Selbstzweck. Diesem Fehler darf ich nicht verfallen, sonst wäre ich nur zum Schein ein Sucher.«

Es begann zu dämmern. Zedd schlug Richard liebevoll auf die Schulter. »Du hast alles verstanden, mein Junge. Alles.« Er brach in ein breites Grinsen aus. »Ich habe den Sucher gut gewählt. Ich bin stolz auf mich.« Richard und Kahlan mußten über Zedds Eigenlob lachen.

Kahlans Lächeln erstarrte. »Zedd, ich habe den Baum gefällt, den du zum Gedenken an deine Frau gepflanzt hast. Das macht mir Sorge. Es tut mir aufrichtig leid.«

»Das muß es nicht, meine Liebe. Ihr Angedenken hat uns geholfen. Sie hat geholfen, dem Sucher die Wahrheit zu zeigen. Eine angemessenere Anerkennung könnte ihr nicht widerfahren.«

Richard hörte sie nicht. Er blickte nach Osten, zu der massiven Wand der Berge hin, und dachte über Lösungen nach. Die Grenze überschreiten, überlegte er, die Grenze überschreiten, ohne sie zu durchqueren. Wie? Was, wenn es unmöglich war? Oder es keinen Weg über die Grenze gab? Saßen sie hier fest, während Darken Rahl nach den Kästchen suchte? Mußten sie sterben, ohne eine Chance zu bekommen? Er wünschte, sie hätten mehr Zeit und mehr Möglichkeiten. Richard verwünschte sich, weil er die Zeit mit Wünschen vergeudete.

Wenn er nur wüßte, es könnte gelingen, dann würde er auch herausfinden, wie. Etwas in seinem Hinterkopf ließ ihm keine Ruhe, beharrte darauf, daß es eine Möglichkeit gab und er die Wahrheit kannte. Es gab einen Weg, es mußte einen geben. Wenn er es nur wüßte.

Ringsum erwachte die Nacht geräuschvoll zum Leben. Frösche quakten an Teichen und Bächen, Nachtvögel riefen von den Bäumen, Insekten aus dem Gras. Von den fernen Hügeln wehte traurig und klagend das Geheul der Wölfe herüber. Irgendwie mußten sie über diese Berge, das Unbekannte, gelangen.

Die Berge waren wie die Grenze, überlegte er. Man konnte nicht hindurch, aber überqueren konnte man sie. Man brauchte bloß einen Paß zu finden. Einen Paß. War es möglich? Gab es so etwas?

Dann traf es ihn wie ein Blitzschlag.

Das Buch.

Richard wirbelte aufgeregt auf dem Absatz herum. Zu seiner Überraschung standen Zedd und Kahlan ruhig da und beobachteten ihn, so als warteten sie auf seine Entscheidung.

»Zedd, hast du jemals einem anderen als dir selbst beim Durchqueren der Grenze geholfen?«

»Wem denn?«

»Irgend wem! Ja oder nein?«

»Nein. Niemandem.«

»Kann außer einem Zauberer jemand einen Menschen durch die Grenze schicken?«

Zedd schüttelte voller Nachdruck den Kopf. »Außer einem Zauberer niemand. Und natürlich Darken Rahl.«

Richard sah ihn stirnrunzelnd an. »Unser Leben hängt davon ab, Zedd. Schwöre. Du hast niemals jemanden außer dir selbst durch die Grenze geschickt? Ist das wahr?«

»So wahr ich hier stehe. Warum? Was hast du dir ausgedacht? Hast du eine Lösung gefunden?«

Richard überging die Frage. Er steckte zu tief in einem Gedankenfluß, um zu antworten. Statt dessen drehte er sich wieder zu den Bergen um. Natürlich, es gab einen Paß über die Berge! Sein Vater hatte ihn gefunden und auch benutzt! Nur so konnte das Buch der Gezählten Schatten nach Westland gelangt sein. Bei seinem Umzug hierher konnte er es nicht mitgebracht haben, und er konnte es nicht in Westland gefunden haben. Das Buch verfügte über einen Zauber, und die Grenze hätte nicht funktioniert, wenn es damals hier Zauberei gegeben hätte. Zauberei konnte nur nach Errichten der Grenze nach Westland gelangt sein.

Sein Vater hatte einen Paß gefunden, war in die Midlands gereist und hatte das Buch zurückgeholt. Richard war gleichzeitig schockiert und aufgeregt. Sein Vater war es gewesen! Er hatte die Grenze überquert! Richard geriet in Hochstimmung. Jetzt wußte er, es gab einen Weg hinüber; es war möglich. Zwar mußte er den Paß noch immer finden, aber das spielte im Augenblick keine Rolle. Es gab einen Paß. Nur das zählte.

Richard drehte sich wieder zu den beiden anderen um. »Gehen wir essen.«

»Ich habe einen Eintopf aufgesetzt, kurz bevor du aufgewacht bist, und es gibt frisches Brot«, bot Kahlan an.

»Verdammt!« Zedd warf seine Vogelscheuchenarme in die Luft. »Wird auch Zeit, daß jemand ans Essen denkt!«

Richard lächelte in die Dunkelheit hinein. »Nach dem Essen werden wir Vorbereitungen treffen. Wir müssen überlegen, was wir mitnehmen, was wir tragen können, unsere Vorräte zusammensuchen und noch heute abend packen. Wir müssen ausgeschlafen sein. Beim ersten Licht brechen wir auf.« Er drehte sich um und ging zum Haus. Der schwache Schein des Feuers aus den Fenstern bot Wärme und Licht.

Zedd reckte einen Arm in die Höhe. »Wohin soll's denn gehen, mein Junge?«

»In die Midlands!« rief Richard über die Schulter.

Zedd hatte die zweite Schale mit Eintopf halb geleert, bevor er es schaffte, lange genug mit dem Essen auszusetzen, um etwas zu sagen. »Und was hast du dir nun überlegt? Gibt es tatsächlich einen Weg über die Grenze?«

»Ja.«

»Bist du sicher? Wie ist das möglich? Wie können wir sie überqueren, ohne sie zu durchschreiten?«

Richard rührte in seiner Suppe und lächelte. »Man muß nicht naß werden, wenn man einen Fluß überquert.«

Kahlan und Zedd runzelten verwirrt die Stirn. Das Licht der Lampe flackerte auf ihren Gesichtern. Kahlan drehte sich um und warf der Katze ein kleines Stückchen Fleisch zu, die, auf den Hinterpfoten sitzend, auf eine milde Gabe wartete. Zedd verdrückte eine weitere Scheibe Brot, bevor er seine nächste Frage stellte.

»Und woher weißt du, daß es einen Weg hinüber gibt?«

»Es gibt einen. Nur das zählt.«

Zedd machte ein unschuldiges Gesicht. »Richard«, er verspeiste noch zwei Löffel Suppe, »wir sind deine Freunde. Zwischen uns gibt es keine Geheimnisse. Du kannst es uns erzählen.«