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Aus dem Hintergrund schrie jemand: »Das alles kann nur eine Hexe!«

»Er hat keinem einzigen etwas zuleide getan!« Richard lief auf der Veranda auf und ab und starrte die Männer nieder. »Nie hat er einem von euch etwas getan! Er hat den meisten geholfen! Warum wollt ihr einem Freund etwas tun?«

Ein paar Minuten lang herrschte verwirrtes Gemurmel, dann hatten sie zu ihrer Überzeugung zurückgefunden. »Das meiste, was er getan hat, war Zauberei!« schrie John. »Zauberei einer Hexe! Von unseren Familien ist niemand sicher, solange er in der Nähe ist!«

Bevor Richard antworten konnte, zog Zedd ihn am Arm zurück. Er drehte sich um und blickte in das lächelnde Gesicht des Alten. Zedd schien nicht im geringsten besorgt zu sein. Wenn überhaupt, wirkte er amüsiert.

»Sehr eindrucksvoll, ihr beide«, flüsterte er. »Sehr eindrucksvoll. Doch überlaßt dies von jetzt an mir, wenn ihr nichts dagegen habt.« Er zog eine Braue hoch und wandte sich dann an die Männer. »Guten Abend, Gentlemen. Wie nett, euch alle zu sehen.« Einige der Männer erwiderten den Gruß. Ein paar nahmen unsicher die Hüte ab. »Seid doch bitte so nett und laßt mich einen Augenblick mit meinen beiden Freunden hier sprechen, bevor ihr mich fertigmacht.« Alles nickte. Zedd zog Kahlan und Richard ein Stück zurück zum Haus, fort von der Menge, und beugte sich dicht zu ihnen.

»Eine Lektion in Macht, meine Freunde.« Er legte Kahlan seinen knochigen Finger auf die Nase. »Zu wenig.« Als nächstes legte er den Finger Richard auf die Nase. »Zu viel.« Dann legte er ihn sich selber auf die Nase und sagte mit einem Augenzwinkern: »Genau richtig.« Er umfaßte Kahlans Kinn mit der Hand. »Wenn ich dir dies überlassen würde, meine Liebe, wären heute nacht einige Gräber auszuheben. Unsere drei würden dazugehören. Dennoch, sehr nobel. Vielen Dank für deine Sorge um mich.« Er legte Richard die Hand auf die Schulter. »Überließe ich es dir, wären sehr viele auszuheben, und all das Graben bliebe an uns dreien hängen. Ich bin zu alt, um viele Löcher in die Erde zu graben, außerdem haben wir Wichtigeres zu tun. Aber auch du warst sehr nobel. Du hast dich ehrenhaft verhalten.« Er tätschelte Richards Schulter und legte dann einen Finger unter das Kinn eines jeden.

»Und jetzt möchte ich, daß ihr mich die Angelegenheit regeln laßt. Das Problem ist nicht, was ihr diesen Männern erzählt. Das Problem ist, sie hören nicht zu. Man muß ihre Aufmerksamkeit gewinnen, bevor sie einen anhören.« Er zog eine Braue hoch und sah die beiden abwechselnd an. »Gebt acht und lernt, was ihr könnt. Hört auf meine Worte, doch sie werden keine Wirkung auf euch haben.« Er nahm einen Finger fort, schlurfte an ihnen vorbei und winkte den Männern lächelnd zu.

»Gentlemen. Ach, John. Wie geht es deiner Kleinen?«

»Es geht ihr gut«, brummte er, »aber eine meiner Kühe hat ein Kalb mit zwei Köpfen.«

»Tatsächlich? Und wie meinst du, ist das passiert?«

»Ich denke, es ist passiert, weil du eine Hexe bist.«

»Da, jetzt sagst du es wieder.« Zedd schüttelte verwirrt den Kopf. »Das verstehe ich nicht. Wollt ihr Gentlemen mich töten, weil ihr glaubt, ich würde über Zauberkraft verfügen, oder wollt ihr mich einfach nur herabwürdigen, indem ihr mich als Frau bezeichnet?«

Das gab einige Verwirrung. »Wir haben keine Ahnung, wovon du sprichst«, meinte jemand.

»Nun, das ist ganz einfach. Mädchen sind Hexen. Jungen werden Hexenmeister genannt. Versteht ihr, was ich meine? Wenn ihr mich eine Hexe nennt, wollt ihr mich offenbar ein Mädchen schimpfen. Wenn ihr aber glaubt, ich sei ein Hexenmeister, nun, das ist eine vollkommen andere Beleidigung. Also, was meint ihr nun, Hexe oder Hexenmeister?«

Es entstand eine weitere verwirrte Diskussion, dann ergriff John wütend das Wort. »Wir haben gemeint, daß du ein Hexenmeister bist, und deshalb wollen wir deine Haut!«

»Na, na, na«, sagte Zedd und tippte sich nachdenklich mit dem Finger gegen die Unterlippe. »Nun, ich hatte ja keine Ahnung, was für mutige Männer ihr seid. Wirklich, ihr seid sehr mutig.«

»Wie meinst du das?« wollte John wissen.

Zedd zuckte mit den Achseln. »Nun, was meint ihr, wozu ein Hexenmeister fähig ist?«

Wieder entstand Gerede unter ihnen, Vorschläge wurden gerufen. Er konnte zweiköpfige Kühe machen, es regnen lassen, Leute wiederfinden, die sich verlaufen hatten, Starke schwach machen und dafür sorgen, daß ihre Frauen sie verließen. Irgendwie schien dies noch nicht zu genügen, also wurden weitere Ideen laut. Er konnte Wasser zum Brennen bringen, Leute zu Krüppeln werden lassen, einen Mann in eine Kröte verwandeln, mit einem Blick töten, Dämonen herbeirufen und überhaupt eigentlich alles.

Zedd wartete, bis sie fertig waren, dann streckte er ihnen die Arme entgegen. »Da habt ihr es. Wie ich gesagt habe, ihr Männer seid die mutigsten, die ich je gesehen habe! Man stelle sich vor, bewaffnet nur mit Heugabeln und Axtgriffen kommt ihr, um gegen einen Hexenmeister zu kämpfen, der über solche Kräfte verfügt. Sehr mutig!« Seine Stimme verhallte. Zedd schüttelte verwundert den Kopf. In der Menge machte sich Besorgnis breit.

Zedd fuhr fort, erklärte in monotonem Tonfall die Dinge, die ein Hexenmeister tun konnte, beschrieb in genauesten Einzelheiten verschiedenste Taten, von nicht ganz ernst zu nehmenden bis hin zu fürchterlichen. Die Männer lauschten mit gebannter Aufmerksamkeit. Weiter und weiter redete er, gut eine halbe Stunde lang. Richard und Kahlan hörten zu, traten von einem Fuß auf den anderen, langweilten sich und wurden müde. Die Leute hatten die Augen aufgerissen, keiner zuckte mit den Wimpern. Wie Statuen standen sie da, und die tanzenden Flammen ihrer Fackeln waren das einzige, was sich an den Männern bewegte.

Die Stimmung war umgeschlagen. Der Ärger war längst verflogen. Jetzt regierte Angst. Auch die Stimme des Zauberers hatte sich gewandelt. Sie war nicht mehr nett und freundlich, oder gar langweilig, sondern hart und bedrohlich.

»Was glaubt ihr, Männer, sollen wir nun tun?«

»Wir meinen, du solltest uns ungestraft nach Hause ziehen lassen«, erklang die klägliche Antwort. Die anderen bekundeten nickend ihre Zustimmung.

Der Zauberer drohte ihnen mit seinem langen Finger. »Nein. Das denke ich nicht. Wißt ihr, ihr seid erschienen, um mich zu töten. Mein Leben ist mein kostbarster Besitz, und ihr hattet vor, es mir zu nehmen. Ich kann euch nicht ungestraft gehen lassen.« Angstvolles Zittern ging durch die Menge. Zedd trat an den Rand der Veranda. Die Männer wichen einen Schritt zurück. »Als Strafe für den Versuch, mir das Leben zu nehmen, nehme ich euch nicht euer Leben, sondern das, was euch am kostbarsten, am wertvollsten, am liebsten ist!« Mit großer Geste schwenkte er seine Hand über ihre Köpfe hinweg. Den Männern stockte der Atem. »So. Es ist vollbracht«, verkündete er. Richard und Kahlan, die sich an die Hauswand gelehnt hatten, richteten sich auf.

Einen Augenblick lang rührte sich niemand, dann rammte ein Bursche inmitten der Menge seine Hand in die Tasche und tastete herum. »Mein Gold. Es ist weg.«

Zedd rollte die Augen. »Nein, nein, nein. Ich sagte, das Wertvollste, Liebste. Das, mit dem ihr euch vor allen anderen brüstet.«

Alles stand einen Augenblick lang wie entgeistert da. Dann hoben die ersten bestürzt die Brauen. Der nächste rammte die Hand in die Tasche, fühlte herum, die Augen angstvoll aufgerissen. Er stöhnte auf und sank in Ohnmacht. Die Umstehenden wichen zurück. Kurz darauf steckten andere die Hände in die Taschen und fühlten vorsichtig nach. Immer mehr Stöhnen und Wehklagen, und bald griffen sich alle Männer panikartig in den Schritt. Zedd lächelte zufrieden. Im Pöbel brach ein Höllenlärm aus. Männer sprangen schreiend auf und ab, befühlten sich, rannten im Kreis herum, flehten um Hilfe und fielen schluchzend zu Boden.