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Die Straße verengte sich zu einem Pfad, der sich im schwarzen Wasser nur mühsam behauptete. Aus Angst, sie könnten sich zwischen den Wurzeln ein Bein brechen, mußten sie die Pferde langsamer laufen lassen. Als Kahlans Pferd passierte, sah Richard, wie sich die Wasseroberfläche durch die Bewegungen der darunter lebenden Wesen träge kräuselte. Jetzt hörte er die Hunde am oberen Rand des Kessels. Kahlan drehte sich um, als sie das Geheul vernahm. Wenn sie auf der Straße blieben, hätten die Hunde sie in wenigen Minuten eingeholt. Richard drehte sich um und zog das Schwert. Das unverwechselbare Klirren hallte über das trübe Wasser. Kahlan blieb stehen und drehte sich um.

»Da.« Er zeigte mit dem Schwert über das Wasser nach rechts. »Die Insel. Sie sieht hoch genug aus, um trocken zu sein. Vielleicht können die Herzhunde nicht schwimmen.«

Er hielt es für eine vage Hoffnung, doch etwas Besseres fiel ihm nicht ein. Chase hatte geglaubt, im Sumpf wären sie vor den Hunden sicher. Aber warum, das hatte er ihnen nicht verraten. Etwas anderes fiel ihm nicht ein. Kahlan zögerte keinen Augenblick. Sie lenkte ihr Pferd schnurstracks hinein, Zedds hinter sich herziehend. Richard folgte dichtauf mit Chase und behielt den Pfad nach oben im Blick. In den Lücken zwischen den Bäumen entdeckte er eine Bewegung. Das Wasser schien nicht tiefer als drei oder vier Fuß zu sein, der Untergrund schlammig, Unkraut riß aus seiner Verankerung und trieb an die Oberfläche, als Kahlans Pferd vor ihm hindurchwatete und sich langsam der Insel näherte.

Dann sah er die Schlangen.

Ihre dunklen Körper schlängelten sich dicht unter der Oberfläche durchs Wasser und glitten von allen Seiten auf sie zu. Einige hoben die Köpfe und schnellten ihre roten Zungen in die feuchte Luft. Ihre dunkelbraunen Körper hatten kupferfarbene Flecken, und sie waren in dem trüben Wasser kaum zu erkennen. Beim Schwimmen kräuselten sie kaum die Wasseroberfläche. Richard hatte noch nie so große Schlangen gesehen. Kahlan hatte die Insel im Blick und sie noch nicht bemerkt. Das trockene Land war zu weit entfernt. Unmöglich, es zu erreichen, bevor die Schlangen sie eingeholt hatten.

Richard drehte sich um und blickte nach hinten. Vielleicht konnten sie es zurück zu dem höher gelegenen Gelände schaffen. Wo sie den Pfad verlassen hatten, zeichneten sich knurrend und kläffend die dunklen Silhouetten der Herzhunde ab. Den Kopf gesenkt, rannten die großen schwarzen Körper auf und ab. Sie wollten ins Wasser, ihrer Beute nach, taten es aber nicht. Statt dessen jaulten sie.

Richard senkte die Schwertspitze ins Wasser, und um sie herum bildete sich ein kleiner Strudel; er machte sich bereit, auf die erste Schlange einzuschlagen, die nahe genug kam. Dann geschah etwas Überraschendes. Als er das Schwert ins Wasser hielt, drehten die Schlangen plötzlich ab und wimmelten, so schnell sie konnten, davon. Irgendwie hatte die Zauberkraft des Schwertes sie vertrieben. Er hatte keine Ahnung, wie der Zauber wirkte. Aber er war verdammt froh darüber.

Sie arbeiteten sich zwischen den riesigen Baumstämmen hindurch, die wie Säulen aus dem Sumpf herausragten. Abwechselnd wischten sie im Vorüberreiten Kletterpflanzen und Moosstreifen zur Seite. Als sie in flacheres Wasser gelangten, reichte das Schwert nicht mehr bis hinein. Sofort kehrten die Schlangen um. Er beugte sich vor, tauchte die Schwertspitze wieder ein, und wieder schwammen die Schlangen davon und wollten nichts mit ihnen zu tun haben. Was würde geschehen, wenn sie trockenes Gelände erreicht hatten? Würden die Schlangen ihnen dorthin folgen? Konnte die Zauberkraft des Schwertes sie fernhalten, wenn es nicht im Wasser war? Möglicherweise bedeuteten die Schlangen ebensoviel Ärger wie die Herzhunde.

Wasser troff von der Unterseite von Kahlans Pferd, als es auf die Insel kletterte. Auf einer höher gelegenen Stelle in der Mitte standen einige Pappeln, und am gegenüberliegenden Ende, auf einem kleinen Flecken trockenen Bodens, erhoben sich einige Zedern, größtenteils jedoch war sie mit Schilf und einem lichten Bewuchs aus Iris bedeckt. Um zu sehen, was passierte, zog Richard das Schwert aus dem Wasser, bevor er mußte. Die Schlangen gingen wieder auf ihn los. Als er das Wasser verließ, drehten einige ab und verschwanden, andere schwammen am Ufer entlang, doch auf das trockene Land folgte keine.

In fast völliger Finsternis legte Richard Zedd und Chase neben den Pappeln auf den Boden. Er holte eine Plane hervor und spannte sie zwischen den Bäumen auf, als Schutzdach. Alles war feucht, doch da kein Wind ging, hielt es wenigstens den Regen ab. Im Augenblick bestand keine Aussicht, ein Feuer entzünden zu können, da alles auffindbare Holz völlig durchnäßt war. Zum Glück war die Nacht nicht kalt. Frösche quakten unablässig in der schwülen Nacht. Richard stellte zwei dicke Kerzen auf ein Stück Holz, damit sie etwas Licht unter der Plane hatten.

Zusammen untersuchten sie Zedd. Nichts deutete auf eine Verletzung hin, aber er war immer noch bewußtlos. Auch Chases Zustand hatte sich nicht verändert. Zum Glück blutete seine Wunde nicht mehr.

Kahlan strich Zedd über die Stirn. »Es ist kein gutes Zeichen, wenn die Augen eines Zauberers so geschlossen sind. Ich weiß nicht, was ich mit den beiden tun soll.«

Richard schüttelte den Kopf. »Ich auch nicht. Wir können uns glücklich schätzen, wenn sie kein Fieber bekommen. Vielleicht gibt es in Southhaven einen Heiler. Ich werde Bahren bauen, die die Pferde ziehen können. Ich denke, das ist besser, als sie wie heute auf dem Rücken der Pferde zu transportieren.«

Kahlan holte zwei weitere Decken hervor und deckte sie über ihre Freunde, dann setzten sie und Richard sich zusammen neben die Kerzen. Ringsum tropfte der Regen. Gelbglühende Augenpaare warteten oben auf dem Pfad weit hinten in der Dunkelheit zwischen den Bäumen. Mit dem Hin- und Hergerenne der Herzhunde bewegten sich auch die Augen. Gelegentlich heulten sie verärgert auf.

Die beiden behielten ihre Häscher jenseits des schwarzen Wassers im Auge.

Kahlan starrte auf die glühenden Augen. »Ich frage mich, warum sie uns nicht folgen.«

Richard sah sie von der Seite her an. »Ich glaube, sie haben Angst vor den Schlangen.«

Kahlan sprang auf, sah sich rasch um und stieß mit dem Kopf gegen die Plane. »Schlangen? Was für Schlangen? Ich kann Schlangen nicht ausstehen«, stieß sie in einem Atemzug hervor.

Er sah auf. »Eine Art großer Wasserschlangen. Sie sind fortgeschwommen, als ich das Schwert ins Wasser gehalten habe. Ich glaube, wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Sie sind uns nicht auf trockenen Grund gefolgt. Ich glaube, wir sind sicher.«

Sie sah sich vorsichtig um, zog den Umhang fester um sich und setzte sich wieder hin. Diesmal etwas dichter bei ihm. »Du hättest mich vor ihnen warnen können«, sagte sie mit einem Stirnrunzeln.

»Ich wußte selber nichts davon, bis ich sie gesehen habe. Und da waren uns die Hunde dicht auf den Fersen. Ich glaube, wir hatten keine andere Wahl, und ich wollte dir keinen Schrecken einjagen.«

Sie sagte nichts. Richard holte eine Wurst und einen Laib harten Brotes hervor, ihren letzten. Er brach das Brot in zwei Hälften, schnitt die Wurst in Scheiben und reichte ihr ein paar. Sie hielten jeder eine Blechtasse unter das Regenwasser, das von der Plane tropfte. Schweigend aßen sie, hielten Ausschau nach irgendeinem Anzeichen von Gefahr und lauschten dem gleichförmigen Plätschern des Regens.