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»Ist es leichter, Menschen umzubringen, wenn man ausgeruht ist?« Sofort nachdem es heraus war, tat es ihm leid, er hatte nicht barsch werden wollen. Die Anspannung machte ihn immer noch nervös.

»Tut mir leid, Richard. So hatte ich das nicht gemeint. Ich wollte nur nicht, daß dir etwas zustößt. Wenn du zu müde bist, kannst du dich nicht so gut verteidigen. Ich habe Angst um dich.« Mit der Gabel schob sie eine Kartoffel auf dem Teller hin und her. Es tat ihm in der Seele weh, als er den gequälten Ausdruck auf ihrem Gesicht sah. Er stupste sie scherzhaft mit der Schulter an.

»Diese Reise hätte ich um nichts missen wollen. Endlich habe ich Zeit für meine Freundin.« Sie sah ihn aus den Augenwinkeln an. Er lächelte.

Sie erwiderte sein Lächeln und legte ihm für einen Augenblick den Kopf an die Schulter, bevor sie die Kartoffel aß. Ihr Lächeln tat ihm gut.

»Warum wolltest du, daß ich den Jungen bitte, er soll sich um unsere Pferde kümmern?«

»Ergebnisse. Das ist das Wichtigste, hast du gesagt. Der arme Kerl ist hoffnungslos in dich verliebt. Da du ihn gefragt hast, wird er sich besser um die Pferde kümmern, als wir es selber hätten tun können.« Sie sah ihn an, als könnte sie es nicht fassen. »So wirkst du eben auf Männer«, versicherte er ihr.

Ihr Lächeln bekam etwas Gequältes. Richard wußte, daß er ihren Geheimnissen zu nahe geraten war, und sagte nichts mehr. Als sie mit dem Essen fertig waren, ging sie zum Zuber, tauchte das Ende des Handtuchs ins Wasser und ging zu Zedd. Sie wischte ihm vorsichtig übers Gesicht und sah Richard an.

»Alles beim alten. Seine Lage hat sich nicht verschlechtert. Bitte, Richard, überlaß mir die erste Wache und schlaf ein wenig, ja?«

Er nickte, rollte sich ins Bett und war Sekunden später eingeschlafen. Irgendwann früh am Morgen weckte sie ihn für seine Wache. Als sie sich schlafen legte, wusch er sich, um wachzuwerden, das Gesicht mit kaltem Wasser, setzte sich auf die Bank, lehnte sich an die Wand und wartete auf das erste Anzeichen von Ärger. Er lutschte ein Stück Trockenobst und versuchte, den üblen Geschmack des Schlafes aus dem Mund zu bekommen.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang klopfte es hartnäckig an der Tür.

»Richard?« rief eine gedämpfte Stimme. »Hier ist Bill. Schließ die Tür auf. Es gibt Ärger.«

16

Kahlan sprang aus dem Bett und rieb sich den Schlaf aus den Augen, als Richard die Tür entriegelte. Sie zog ihr Messer. Bill zwängte sich schwer atmend durch die Tür und drückte sie mit dem Rücken zu. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.

»Was gibt's? Was ist passiert?« wollte Richard wissen.

»Alles war ziemlich ruhig.« Bill schluckte, versuchte zu Atem zu kommen. »Und dann sind vor einer Weile diese zwei Kerle aufgetaucht. Wie aus dem Nichts. Große Männer mit kräftigem Hals, blonden Haaren. Gutaussehend. Bis an die Zähne bewaffnet. Die Sorte Männer, denen man besser nicht in die Augen sieht.« Er holte ein paarmal tief Luft.

Richard blickte Kahlan kurz in die Augen. Sie hatte keinen Zweifel, wer die Männer waren. Offenbar hatte ihnen der Arger, den ihnen der Zauberer bereitet hatte, nicht gereicht.

»Zwei?« fragte Richard. »Bist du sicher, es waren nicht mehr?«

»Ich hab nur zwei reinkommen sehen, aber das hat mir gereicht.« Bill sah mit aufgerissenen Augen unter den buschigen Brauen hervor. »Der eine war ziemlich abgerissen, trug einen Arm in der Schlinge und hatte große Krallenspuren an seinem anderen Arm. Schien ihm aber nichts auszumachen. Wie auch immer, sie fingen an, sich nach einer Frau zu erkundigen, die sich sehr nach deiner Lady hier anhörte. Aber sie trägt eben kein weißes Kleid, wie die Kerle es beschrieben haben. Sie wollten gerade die Treppe hoch, als sie sich zu streiten begannen, wer was mit ihr anstellen wollte. Dein rothaariger Freund hat sich auf den mit der Armschlinge gestürzt und ihm die Kehle von einem Ohr zum anderen aufgeschlitzt. Der andere hat innerhalb eines Herzschlages ein paar meiner Gäste niedergemäht. So etwas habe ich noch nie gesehen. Dann war er auf einmal einfach nicht mehr da. Verschwunden im Nichts. Überall ist Blut. Der Rest der Meute steht jetzt unten und streitet sich, wer der erste sein darf, der…« Er sah zu Kahlan hinüber und sparte sich den Rest. Er wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht. »Randy bringt die Pferde nach hinten, ihr müßt sofort raus hier. Reitet zu Adie. Eine Stunde bis Sonnenaufgang, zwei, bis die Hunde kommen, ihr habt also genug Zeit. Aber nicht, wenn ihr zögert.«

Richard packte Chase an den Beinen, Bill an den Schultern. Kahlan sagte er, sie solle die Tür verriegeln und ihre Sachen zusammenpacken. Mit Chase in ihren Armen stapften sie die Hintertreppe hinunter, dann hinaus in die Dunkelheit und in den Regen. Der gelbe Lichtschein aus den Fenstern spiegelte sich in den Pfützen und erhellte die nassen, schwarzen Umrisse der Pferde. Randy wartete und machte ein besorgtes Gesicht. Er hielt die Pferde. Sie ließen Chase auf eine Bahre fallen und liefen so leise wie möglich die Treppe wieder hinauf. Bill nahm Zedd in die Arme, während Richard und Kahlan ihre Umhänge umwarfen und sich ihr Gepäck schnappten. Zu dritt rannten sie die Treppe hinunter und zur Tür.

Als sie aus der Tür herausplatzten, wären sie beinahe über Randy gestolpert. Er lag ausgestreckt auf dem Boden. Richard riß den Kopf hoch und sah, wie der Rothaarige ausholte. Er sprang zurück und entging nur knapp dem langen Messer. Der Mann landete mit dem Gesicht zuerst im Matsch. Überraschend schnell war er wieder auf den Beinen, außer sich vor Wut — um sofort zu erstarren. Das Klirren von Stahl erfüllte die Luft. Die Schwertspitze befand sich einen Zentimeter von seiner Nase. Der Mann blickte aus wilden, schwarzen Augen nach oben. Wasser und Matsch tropften ihm von den Haarsträhnen. Mit einer kurzen Bewegung hatte Richard das Schwert um ein Viertel gedreht und hämmerte ihm die flache Seite der Klinge über den Schädel. Er sackte zu einem schlaffen Haufen zusammen.

Bill legte Zedd auf die Bahre, während Kahlan Randy umdrehte.

Ein Auge war zugeschwollen. Regen trommelte auf sein Gesicht. Er stöhnte. Als er mit seinem guten Auge Kahlan erblickte, fing er an zu grinsen. Sie umarmte ihn erleichtert und half ihm auf.

»Er hat mich angesprungen«, sagte Randy zur Entschuldigung. »Tut mir leid.«

»Du bist ein tapferer junger Mann, du brauchst dich für nichts zu entschuldigen. Danke für die Hilfe!« Sie drehte sich zu Bill. »Auch an dich.«

Bill lächelte und nickte ihr zu. Zedd und Chase wurden rasch mit Decken und Öltuch zugedeckt, und das Gepäck aufgeladen. Bill erklärte, die Vorräte für Adie befänden sich bereits auf Chases Pferd. Richard und Kahlan stiegen auf. Sie schnippte Randy die Silbermünze zu.

»Bezahlt wird bei Lieferung, wie versprochen«, meinte sie zu ihm. Er fing die Münze mit einem Grinsen auf.

Richard beugte sich vor, bedankte sich aufrichtig mit einem Handschlag bei Randy und zeigte dann verärgert auf Bill.

»Du! Stell mir eine genaue Rechnung auf. Berechne auch sämtliche Schäden, deine Zeit, deinen Aufwand, selbst die Totengräber. Ich möchte, daß du einen angemessenen Betrag hinzufügst, weil du uns das Leben gerettet hast. Und dann möchte ich, daß du sie einreichst. Wenn sie nicht zahlen wollen, sagst du ihnen, du hättest dem Bruder des Obersten Rates das Leben gerettet, und Richard Cypher hätte gesagt, wenn sie nicht zahlen, wolle er den Verantwortlichen persönlich köpfen und ihn im Garten vor dem Haus seines Bruders auf einer Lanze aufspießen.«

Bill nickte. Sein Lachen war lauter als der strömende Regen. Richard riß die Zügel zurück, um sein herumtänzelndes Pferd zu halten. Es wollte los. Wütend zeigte er auf den bewußtlosen Kerl im Matsch.

»Ich habe ihn nur deshalb nicht getötet, weil er jemanden umgebracht hat, der übler war als er selbst, und er dadurch vielleicht, ohne es zu wissen, Kahlan das Leben gerettet hat. Aber er ist des Mordes schuldig, des versuchten Mordes und der versuchten Vergewaltigung. Ich schlage vor, du hängst ihn auf, bevor er wieder zu sich kommt.«