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»Kannst du kochen?«

Richard mußte daran denken, wie Kahlan gemeint hatte, seine Gewürzsuppe sei genau wie ihre, und daß ihre beiden Länder sich so ähnlich seien. Adie war aus den Midlands, vielleicht mochte auch sie etwas aus ihrer Heimat. Er lächelte sie an.

»Es wäre mir eine Ehre, dir eine Gewürzsuppe zu kochen.«

Sie schlug die Hände zusammen. »Das wäre wunderbar. Ich habe schon seit Jahren keine gute Gewürzsuppe mehr gegessen.«

Richard zog sich in die gegenüberliegende Ecke des Raumes zurück, setzte sich an den Tisch, schnitt Gemüse und mischte die Gewürze. Über eine Stunde arbeitete er und beobachtete dabei die beiden auf dem Boden sitzenden Frauen, die sich in einer fremden Sprache unterhielten. Die beiden Frauen tauschten Neuigkeiten aus der Heimat aus, dachte er glücklich. Er war bei guter Laune. Endlich tat jemand etwas für Zedd und Chase. Jemand, der wußte, worum es ging. Als er fertig war und die Suppe über dem Feuer hing, wollte er sie nicht stören. Sie sahen aus, als hätten sie Spaß miteinander, daher bat er Adie, ob er ein wenig Feuerholz für sie hacken könnte. Der Vorschlag schien ihr zu gefallen.

Er ging nach draußen und entfernte den Zahn von seinem Hals, steckte ihn in die Tasche und ließ sein Hemd auf der Veranda, damit es trocknen konnte. Das Schwert nahm er mit hinters Haus, wo er den Stapel Feuerholz finden würde, wie Adie ihm gesagt hatte. Er legte die Scheite auf den Sägebock und schnitt die Stücke der Länge nach zu. Das meiste war Birkenholz, für eine alte Frau am einfachsten zu sägen. Er wählte den Steinahorn aus, ausgezeichnetes Feuerholz, doch schwer zu sägen. Der Wald ringsum war dunkel, dicht, wirkte aber nicht bedrohlich. Eher einladend, schützend und sicher. Dennoch, irgendwo dort draußen befand sich der letzte Mann des Quadrons und machte Jagd auf Kahlan.

Er mußte an Michael denken. Hoffentlich war er in Sicherheit. Michael wußte nicht, was Richard gerade tat und fragte sich wahrscheinlich, wo er steckte. Vermutlich machte er sich Sorgen. Richard hatte vorgehabt, nach seinem Besuch bei Zedd zu Michaels Haus zu gehen. Doch dafür war keine Zeit gewesen. Rahl hätte sie beinahe erwischt. Er wünschte, er wäre in der Lage gewesen, Michael zu benachrichtigen. Michael war in großer Gefahr, wenn die Grenze fiel.

Als er müde vom Sägen war, begann er mit dem Hacken. Es fühlte sich gut an, seine Muskeln zu gebrauchen, vor Anstrengung zu schwitzen, etwas zu tun, bei dem er nicht nachzudenken brauchte. Der Regen war angenehm kühl auf seiner Haut. Wenn er die Axt herabsausen ließ, stellte er sich vor, das Holz wäre Darken Rahls Kopf. Hin und wieder stellte er sich zur Abwechslung vor, es sei ein Gar. War ein Stück besonders hart, stellte er sich vor, es sei der Kopf des Rothaarigen.

Kahlan erschien draußen und fragte ihn, ob er zum Essen kommen wollte. Er hatte nicht einmal bemerkt, wie es dunkel geworden war. Als sie weg war, ging er zum Brunnen und kippte sich einen Eimer Wasser über, um den Schweiß abzuwaschen. Kahlan und Adie saßen am Tisch, und da es nur zwei Stühle gab, holte er einen Holzklotz herein, um sich daraufzusetzen. Kahlan reichte ihm einen Teller Suppe und einen Löffel.

»Du hast mir eine große Freude gemacht, Richard«, sagte Adie.

»Und wie das?« Er pustete, um die Suppe abzukühlen.

Sie sah ihn aus ihren weißen Augen an. »Du hast mir Zeit gelassen, mich mit Kahlan in meiner Muttersprache zu unterhalten, ohne dich gekränkt zu fühlen. Du kannst dir nicht vorstellen, was für ein Geschenk das für mich ist. Es ist so viele Jahre her. Du bist ein sehr scharfsichtiger Mann. Ein wahrer Sucher.«

Richard strahlte sie an. »Du hast mir auch etwas sehr Wertvolles gegeben. Das Leben meiner Freunde. Ich danke dir, Adie.«

»Und deine Gewürzsuppe ist ausgezeichnet«, fügte sie etwas überrascht hinzu.

»Ja«, Kahlan zwinkerte ihm zu. »Sie ist genauso gut wie meine.«

»Kahlan hat mir von Darken Rahl erzählt, und vom Schwächerwerden der Grenze«, sagte Adie. »Das erklärt einiges. Sie hat mir erzählt, daß du den Paß kennst und in die Midlands willst. Nun mußt du entscheiden, was du tun willst.« Sie nahm einen Löffel Suppe.

»Wie meinst du das?«

»Die beiden müssen jeden Tag zum Trinken geweckt und mit Haferschleim gefüttert werden. Deine Freunde werden vielleicht noch fünf Tage schlafen, vielleicht auch zehn. Als Sucher mußt du entscheiden, ob du auf sie warten oder weiterziehen willst. Wir können dir dabei nicht helfen, entscheiden mußt du.«

»Für dich allein wäre das eine Menge Arbeit.«

Adie nickte. »Ja. Aber nicht soviel wie die Suche nach den Kästchen oder der Kampf gegen Darken Rahl.« Sie aß noch etwas Suppe und beobachtete ihn.

Richard rührte gedankenverloren in seiner Schale. Lange Zeit sagte niemand etwas. Er sah zu Kahlan hinüber, aber sie erwiderte den Blick nicht. Er blickte wieder in seine Suppe.

»Mit jedem Tag, der verstreicht«, sagte er schließlich ruhig, »kommt Rahl dem dritten Kästchen näher. Zedd hat mir gesagt, er hätte einen Plan. Das heißt nicht, daß der Plan gut ist. Und vielleicht ist keine Zeit mehr, wenn er wieder aufwacht. Wir könnten verloren haben, bevor wir anfangen.« Er blickte Kahlan in ihre grünen Augen. »Wir können nicht warten. Dieses Risiko können wir nicht eingehen, es steht zuviel auf dem Spiel. Wir müssen ohne ihn aufbrechen.« Kahlan lächelte ihm beruhigend zu. »Chase wollte ich ohnehin nicht mitnehmen. Für ihn habe ich eine wichtigere Aufgabe.«

Adie streckte den Arm über den Tisch aus und legte ihre Hand auf seine. Sie fühlte sich weich an und warm. »Die Entscheidung ist nicht einfach. Es ist nicht leicht, Sucher zu sein. Was vor dir liegt, wird deine schlimmsten Erwartungen übertreffen.«

Er zwang sich zu einem Lächeln. »Wenigstens habe ich meine Führerin noch.«

Die drei saßen schweigend da und überlegten, was zu tun sei.

»Ihr beide werdet heute nacht ordentlich ausschlafen«, sagte Adie. »Ihr werdet es brauchen. Nach dem Abendessen werde ich euch erzählen, was ihr wissen müßt, um über den Paß zu kommen.« Ihr Blick schwenkte von einem zum anderen, ihre Stimme schien noch mehr zu schnarren. »Und ich werde euch erzählen, wie ich meinen Fuß verloren habe.«

17

Richard stellte die Lampe an den Rand des Tisches, in die Nähe der Wand, und zündete sie mit einem Fidibus an. Die Geräusche des sanften Regens und der Geschöpfe der Nacht drangen durch das Fenster herein. Das Zirpen und die Rufe der kleinen Tiere, die ihrem nächtlichen Dasein frönten, waren ihm vertraut: tröstliche Geräusche von Zuhause. Zuhause. Es war die letzte Nacht in seiner Heimat, dann würde er in die Midlands hinübergehen. Wie sein Vater. Er mußte angesichts der Ironie lächeln. Sein Vater hatte das Buch der Gezählten Schatten aus den Midlands geschafft, und nun brachte er es zurück.

Er setzte sich Kahlan und Adie gegenüber auf den Holzklotz. »Nun erzähl mir, wie wir den Paß finden.«

Adie lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und machte eine ausladende Bewegung mit der Hand. »Das habt ihr bereits. Ihr seid auf dem Paß. Am Anfang jedenfalls.«

»Und was müssen wir wissen, um hinüberzukommen?«

»Der Paß ist eine Lücke in der Unterwelt, dennoch befindet er sich noch im Land der Toten. Ihr lebt. Die Monster machen Jagd auf die Lebenden, wenn diese groß genug sind, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen.« Richard betrachtete Kahlans regungsloses Gesicht, sah dann wieder zu Adie hinüber. »Was für Monster?«

Adie zeigte mit ihrem langen Finger nacheinander auf alle vier Wände. »Dies sind die Knochen der Monster. Eure Freunde sind von Wesen aus der Unterwelt berührt worden. Die Knochen verwirren ihre Kräfte. Deswegen meinte ich, euren Freunden sei von dem Augenblick an geholfen worden, als ihr sie hier hereingebracht habt. Die Knochen treiben das Zaubergift aus dem Körper. Mich können die Monster nicht entdecken, weil sie das Gegengift der Knochen spüren. Es blendet sie und läßt sie in dem Glauben, ich sei eine der ihren.«