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Scheite knisterten und knackten, und die Flammen loderten in einem Kamin aus Ziegelsteinen, der die einzige Lichtquelle in einem der kleineren Zimmer bildete, das sie jetzt betraten. An den Wänden hingen Jagdtrophäen, die Köpfe aller möglichen Wildtiere. Geweihe, vom Licht der Flammen beleuchtet, schienen sich in den Raum hineinzurecken. Darken Rahl blieb plötzlich mitten in der Bewegung stehen. Sein Gewand wirkte im Widerschein der Flammen rosa.

»Schon wieder«, flüsterte er.

Demmin war zusammen mit Rahl stehengeblieben und sah ihn jetzt mit fragenden Augen an.

»Sie kommt schon wieder in die Grenze. In die Unterwelt.« Er befeuchtete sich die Fingerspitzen, und fuhr sich bedachtsam über Lippen und Brauen, während sein Blick erstarrte.

»Wer?« fragte Demmin.

»Mutter Konfessor. Kahlan. Sie hat Hilfe von einem Zauberer bekommen, verstehst du?«

»Giller ist bei der Königin«, beharrte Demmin, »nicht bei der Mutter Konfessor.«

Auf Darken Rahls Lippen breitete sich ein dünnes Lächeln aus. »Nicht Giller«, flüsterte er, »der Alte. Der, den ich suche. Der meinen Vater umgebracht hat. Sie hat ihn gefunden.«

Demmin richtete sich überrascht auf. Rahl drehte sich um und ging zum Fenster am Ende des Raumes. Es war aus kleinen Scheiben zusammengesetzt, hatte oben einen Rundbogen und war doppelt so hoch wie er. Der Widerschein der Flammen funkelte am Griff des geschwungenen Messers an seinem Gürtel. Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken und starrte auf die dunkle Landschaft hinaus, in die Nacht, auf Dinge, die andere nicht sahen. Er drehte sich wieder zu Demmin um. Seine blonde Mähne wehte ihm über die Schultern.

»Deshalb ist sie nach Westland gegangen, mußt du wissen. Nicht, weil sie vor dem Quadron fliehen wollte, wie du dachtest, sondern um den großen Zauberer zu finden.« Seine blauen Augen funkelten. »Sie hat mir einen großen Gefallen getan, mein Freund. Sie hat den Zauberer aufgetrieben. Es ist ein Glück, daß sie den Wesen der Unterwelt entgangen ist. Das Schicksal ist wahrlich auf unserer Seite. Begreifst du jetzt, Demmin, warum ich dir sage, du sollst dir nicht so viele Sorgen machen? Der Erfolg ist meine Bestimmung. Alles arbeitet mir in die Hand.«

Demmin runzelte nachdenklich die Stirn. »Nur weil ein Quadron versagt hat, heißt das noch lange nicht, daß sie den Zauberer gefunden hat. Quadrone haben auch schon früher versagt.«

Rahl befeuchtete sich bedächtig die Fingerspitzen. Er trat näher an den großen Mann heran. »Der Alte hat einen Sucher ernannt«, flüsterte er.

Demmin löste überrascht seine verschränkten Hände. »Bist du sicher?«

Rahl nickte. »Der alte Zauberer hat geschworen, ihnen nie wieder zu helfen. Seit vielen Jahren hat ihn niemand mehr zu Gesicht bekommen. Niemand hat seinen Namen verraten können, nicht einmal um den Preis des eigenen Lebens. Und nun geht ein Konfessor hinüber nach Westland, das Quadron verschwindet, und ein Sucher wird ernannt.« Er lächelte vor sich hin. »Sie muß ihn berührt haben, damit er ihr hilft. Stell dir seine Überraschung vor, als er sie gesehen hat.« Rahls Lächeln verblaßte, er ballte die Fäuste. »Fast hätte ich sie gehabt. Alle drei. Aber andere Dinge haben mich abgelenkt, und sie sind mir entwischt. Fürs erste.« Er dachte schweigend einen Augenblick darüber nach und verkündete dann: »Auch das zweite Quadron wird versagen. Auf die Begegnung mit einem Zauberer sind sie nicht vorbereitet.«

»Ich werde ein drittes Quadron losschicken und ihnen von dem Zauberer erzählen«, versprach Demmin.

»Nein.« Rahl leckte sich die Fingerspitzen und dachte nach. »Noch nicht. Im Augenblick wollen wir abwarten und sehen, was passiert. Vielleicht ist sie dazu bestimmt, mir noch einmal zu helfen.« Er dachte einen Augenblick darüber nach. »Ist sie attraktiv? Diese Mutter Konfessor?«

Demmins Gesicht verfinsterte sich. »Ich selbst habe sie nie gesehen, aber einige meiner Männer. Sie haben darum gekämpft, wer für die Quadrone nominiert werden würde, wer sie bekommen sollte.«

»Schick ihr im Augenblick kein Quadron hinterher.« Darken Rahl lächelte. »Es wird Zeit, daß ich einen Erben bekomme.« Er nickte gedankenverloren. »Ich will sie für mich«, verkündete er.

»Sie ist verloren, wenn sie versucht, durch die Grenze zu gelangen«, gab Demmin zu bedenken.

Rahl zuckte mit den Achseln. »So dumm ist sie vielleicht nicht. Sie hat schon einmal bewiesen, wie gerissen sie ist. Wie auch immer, ich will sie haben.« Er sah zu Demmin hinüber. »Wie auch immer, sie wird sich vor mir winden.«

»Beide zusammen, die Mutter Konfessor und der Zauberer, sind gefährlich. Sie könnten uns Schwierigkeiten machen. Konfessoren können das Wort Rahls außer Kraft setzen, sie sind eine Plage. Ich glaube, wir sollten Euren ersten Plan durchführen und sie töten.«

Rahl winkte ab. »Du sorgst dich zu sehr, Demmin. Wie du gesagt hast, Konfessoren sind eine Plage, sonst nichts. Ich werde sie selber töten, sollte sie mir Ärger machen. Aber zuvor trägt sie meinen Sohn aus. Den Sohn einer Konfessorin. Der Zauberer kann mir nichts anhaben, im Gegensatz zu meinem Vater. Ich werde sehen, wie er vor mir im Dreck kriecht, und ihn dann töten. Langsam.«

»Und den Sucher?« Demmins Gesicht war vor gespannter Erwartung erstarrt.

Rahl zuckte mit den Achseln. »Er ist nicht mal eine Plage.«

»Lord Rahl, der Winter naht; daran muß ich Euch nicht erst erinnern.«

Der Meister zog eine Braue hoch. Das Licht der Flammen flackerte in seinen Augen. »Die Königin ist im Besitz des letzten Kästchens. Ich werde es schon bald haben. Es besteht kein Grund zur Sorge.«

Demmin schob sein hartes Gesicht näher. »Und das Buch?«

Rahl holte tief Luft. »Nach meiner Reise in die Unterwelt werde ich mich noch einmal auf die Suche nach diesem Jungen, diesem Cypher, begeben. Deswegen brauchst du nicht beunruhigt zu sein, mein Freund. Das Schicksal ist auf unserer Seite.«

Er wandte sich um und ging. Demmin folgte. Die Wachen huschten durch die Schatten hinter ihnen.

Der Garten des Lebens war ein höhlenartiger Raum in der Mitte des Palastes des Volkes. Bleiverglaste Fenster hoch oben ließen das Licht für den üppigen Pflanzenwuchs hinein. In dieser Nacht fiel das Mondlicht durch sie hinein. Außen, rings um den Raum, hatte man Blumen in Beeten angepflanzt, durch die sich kleine Wege wanden. Kieme Bäume hinter den Blumen, kurze Steinmauern, an denen sich Kletterpflanzen emporrankten, sowie sorgsam gepflegte Gewächse vervollständigten die Landschaftsgestaltung. Bis auf die Fenster oben glich er einem Freiluftgarten. Ein Ort voller Schönheit. Und des Friedens.

In der Mitte des weitläufigen Raumes gab es eine Rasenfläche, die sich fast zu einem vollen Kreis ausdehnte. Der Grasring wurde unterbrochen von einem Keil aus weißen Steinen, auf denen eine Granitplatte stand, die bis auf die Rillen dicht unterhalb des obersten Randes glatt war. Die Rillen führten zu einem kleinen Brunnen in der Ecke, der von zwei ausgekehlten Säulen getragen wurde. Hinter der Platte stand neben einer Feuerstelle ein polierter Steinklotz. Der Klotz trug eine uralte Eisenschüssel, die mit wilden Tieren verziert war, deren Beine die Stütze für den runden unteren Teil bildeten.

Der Eisendeckel in der gleichen Halbkugelform trug nur ein einziges Tier — einen Shinga, ein Geschöpf der Unterwelt –, das, auf seinen zwei Hinterbeinen stehend, als Griff diente. Im Mittelpunkt der Rasenfläche gab es eine weiße, runde Fläche, Zauberersand, umringt von Fackeln, in denen flüssiges Feuer brannte. Den Sand durchzogen geometrische Symbole.

Mitten im Sand steckte der Junge. Man hatte ihn aufrecht stehend bis zum Hals eingegraben.