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Die anderen brachen in Gelächter aus. Kahlan hielt sich die Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu verbergen. Die Spannung verflog.

»Was hat er gesagt?« wollte Richard wissen.

»Er meinte, du hättest großen Respekt vor ihm und seist ein weiser Mann. Ich glaube, du hast aus Versehen einen Freund gewonnen.«

Savidlin hielt Richard die Hand hin, er solle ihm aufhelfen. Richard kam der Bitte nach. Als Savidlin auf den Beinen stand, legte er Richard einen Arm um seine muskulösen Schultern.

»Ich freue mich wirklich, daß du meine Kraft erkannt hast, doch hoffe ich, daß du mir keinen weiteren Respekt mehr zollst.« Die Männer lachten. »Bei den Schlammenschen sollst du den Namen tragen ›Richard, der Mann mit dem Zorn‹

Kahlan versuchte beim Übersetzen nicht loszuprusten. Die Männer kicherten noch immer. Savidlin wandte sich an sie.

»Vielleicht wollt ihr jetzt meinen kräftigen Freund begrüßen und ihm Gelegenheit geben, euch zu zeigen, welchen Respekt er vor eurer Kraft hat

Alle streckten abwehrend die Arme von sich und schüttelte heftig den Kopf.

»Nein«, meinte einer zwischen Lachanfällen, »der Respekt, den er dir gegenüber gezeigt hat, reicht für uns alle

Er wandte sich wieder Kahlan zu. »Konfessor Kahlan ist den Schlammmenschen wie immer willkommen.« Ohne hinzusehen deutete er mit einem Nicken auf Richard. »Ist er dein Gatte?«

»Nein!«

Savidlin verkrampfte sich. »Dann bist du gekommen, um einen unserer Männer zu erwählen?«

»Nein«, sagte sie und fand zu ihrer ruhigen Stimme zurück.

Savidlin zeigte sich überaus erleichtert. »Der Konfessor hat einen gefährlichen Reisegefährten ausgesucht

»Für mich ist er nicht gefährlich, nur für die, die mir etwas antun wollen

Savidlin nickte lächelnd und betrachtete Kahlan von Kopf bis Fuß. »Du trägst seltsame Kleidung. Anders als sonst

»Darunter bin ich dieselbe wie immer«, sagte Kahlan und beugte sich ein wenig vor, um das Gesagte zu unterstreichen. »Mehr brauchst du nicht zu wissen

Savidlin wich ein wenig zurück und nickte. Er kniff die Augen zusammen. »Und warum bist du hier?«

»Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen. Es gibt einen Mann, der euer Volk unterwerfen will. Der Sucher und ich möchten, daß ihr euch selbst regiert. Wir sind gekommen, die Kraft und Weisheit eures Volkes zu erbitten, und um Unterstützung in unserem Kampf

»Vater Rahl«, verkündete Savidlin wissend.

»Du hast von ihm gehört?«

Savidlin nickte. »Ein Mann kam vorbei. Er nannte sich Bekehrer und meinte, er wolle uns von der Güte eines gewissen Vater Rahl berichten. Drei Tage sprach er zu unserem Volk, bis wir ihn leid wurden

Jetzt war Kahlan an der Reihe zu erstarren. Sie sah zu den anderen Männern hinüber, die bei der Erwähnung des Bekehrers angefangen hatten zu grinsen. Sie sah dem Ältesten wieder ins schlammbeschmierte Gesicht. »Und was wurde nach den drei Tagen aus ihm?«

»Er war ein guter Mann.« Savidlin lächelte vielsagend.

Kahlan richtete sich auf. Richard beugte sich zu ihr.

»Worüber reden sie?«

»Sie wollen wissen, warum wir hier sind. Sie sagen, sie hätten von Darken Rahl gehört.«

»Sag ihnen, ich möchte zu ihrem Volk sprechen. Und an einer Versammlung teilnehmen.«

Sie sah ihn von unten her an. »Dazu komme ich noch. Adie hatte recht, du bist nicht gerade geduldig.«

Richard schmunzelte. »Nein, sie hatte unrecht. Ich bin sehr geduldig, nur nicht sehr tolerant. Das ist ein Unterschied.«

Kahlan lächelte Savidlin an, während sie mit Richard sprach. »Schön. Aber im Augenblick solltest du weder intolerant werden noch ihnen weiter deinen Respekt bekunden. Ich weiß, was ich tue; alles läuft gut. Laß es mich auf meine Art machen, einverstanden?«

Er gab nach, doch sie sah, wie unzufrieden er war. Wieder wandte sie sich dem Ältesten zu. Er blickte sie scharf an und stellte ihr eine Frage, die sie überraschte.

»Hat Richard mit dem Zorn uns den Regen gebracht?«

Kahlan runzelte die Stirn. »Na ja, ich nehme an, das könnte man sagen.« Die Frage verwirrte sie. Sie wußte nicht, was sie sagen sollte, also versuchte sie es mit der Wahrheit. »Die Wolken verfolgen ihn

Der Älteste betrachtete aufmerksam ihr Gesicht und nickte dann. Sie fühlte sich unter seinen musternden Blicken nicht wohl und hätte das Gespräch gern wieder auf die wichtigen Dinge gebracht.

»Savidlin, ich habe dem Sucher geraten, dein Volk aufzusuchen. Er ist nicht hier, um deinem Volk Schaden zuzufügen oder sich in dessen Angelegenheiten zu mischen. Du kennst mich. Ich bin schon bei euch gewesen. Du weißt, wie sehr ich die Schlammenschen respektiere. Ich würde keinen anderen hierherbringen, wenn es nicht wichtig wäre. Im Augenblick läuft die Zeit gegen uns

Savidlin ließ sich das Gesagte eine Weile durch den Kopf gehen, dann endlich sprach er.

»Wie schon gesagt, du bist bei uns willkommen.« Schmunzelnd sah er den Sucher an, dann wieder zurück zu ihr. »Richard mit dem Zorn ist in unserem Dorf auch willkommen

Die Entscheidung stimmte die anderen sichtlich froh, sie schienen Richard zu mögen. Sie sammelten ihre Sachen zusammen, darunter zwei Rehe und ein Wildschwein, die jeweils an einen Tragebalken gebunden waren. Kahlan hatte ihre Beute zuvor nicht gesehen, sie hatte verborgen im hohen Gras gelegen. Beim Aufbruch scharte sich alles um Richard, berührte ihn vorsichtig und überschüttete ihn mit Fragen, die er nicht verstand. Savidlin schlug ihm aus Vorfreude auf die Schultern, mit seinem neuen, großen Freund im Dorf angeben zu können. Kahlan lief neben ihm und wurde von den meisten nicht beachtet. Sie war froh, daß Richard bis jetzt gern gelitten wurde. Was sie durchaus verstand. Es fiel schwer, ihn nicht zu mögen. Es gab aber auch noch einen anderen Grund, weshalb sie ihn bereitwillig anerkannten.

»Ich habe dir doch gesagt, ich könnte sie für uns gewinnen«, meinte Richard grinsend und blickte sie über ihre Köpfe hinweg an. »Ich hätte nur nicht gedacht, daß ich dazu einen von ihnen niederschlagen müßte.«

23

Hühner flatterten ihnen um die Beine, als die Jagdgesellschaft mit Richard und Kahlan in der Mitte die beiden in das Dorf der Schlammenschen geleitete. Das Dorf lag auf einer leichten Erhebung, die in der Steppenlandschaft der Wildnis als Hügel durchgehen konnte, und bestand aus einer Ansammlung von Gebäuden aus einer Art Lehmziegel mit hellbraunem Tonputz und Dächern aus Gras, die Löcher bekamen, sobald sie trocken wurden und ständig erneuert werden mußten, damit sie den Regen abhielten. Die Türen waren aus Holz, doch in den Fenstern der dicken Wände gab es kein Glas, und nur gelegentlich ein Tuch als Wetterschutz. Die Gebäude standen kreisähnlich um einen freien Platz. Meist waren es Häuser für Familien, die jedoch nur einen Raum hatten. Besonders im Süden drängten sie sich, und oft hatten sie mindestens eine Wand gemeinsam mit einem anderen Haus. Schmale Wege verliefen hier und dort zwischen den Häusern und den Gemeinschaftsgebäuden, die sich an der Nordseite gruppierten. Getrennt wurden sie von einer Anzahl unterschiedlicher, verstreuter Gebäude im Osten und Westen. Einige davon waren nicht viel mehr als Pfahlbauten mit Grasdächern, die als Eßplätze benutzt wurden, als Schutz vor Regen und Sonne oder wo Waffen und Tongerät hergestellt wurden und Essen zubereitet und gekocht wurde. In trockenen Zeiten war das ganze Dorf in einen Staubdunst gehüllt, der sich in die Augen und Nase setzte und die Zunge verklebte, jetzt jedoch waren die Gebäude reingewaschen vom Regen, und auf dem Boden hatten sich unzählige Fußstapfen in kleine Pfützen verwandelt, in denen sich die trostlosen Gebäude spiegelten.