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Frauen in einfachen Kleidern aus leuchtend buntem Stoff hockten in den Arbeitsbereichen und mahlten Tavawurzeln, aus denen sie ein Fladenbrot buken, das bei den Schlammenschen als Grundnahrungsmittel diente. Süß duftender Rauch stieg über den Feuerstellen auf. Junge Mädchen mit kurzgeschorenem und mit klebrigem Schlamm geglättetem Haar saßen bei den Frauen und halfen ihnen. Kahlan spürte ihre scheuen Blicke. Von ihren vorherigen Besuchen wußte sie, wie neugierig die jungen Mädchen auf sie waren. Als Reisende war sie an vielen fremden Orten gewesen und hatte alles mögliche gesehen. Sie war eine Frau, die von Männern geachtet und gefürchtet wurde. Die älteren Frauen duldeten die Ablenkung mit verständnisvoller Nachsicht.

Kinder eilten aus allen Ecken des Dorfes heran, um zu sehen, was für seltsame Fremde Savidlins Jagdgesellschaft angeschleppt hatte. Sie scharten sich aufgeregt kreischend um die Jäger, stampften mit ihren nackten Füßen im Matsch und bespritzten die Männer. Normalerweise hätten sie sich für die Rehe oder das Wildschwein interessiert, jetzt jedoch ließen sie das Wild zugunsten der Fremden links liegen. Die Männer lächelten gutgelaunt und duldeten sie. Kleine Kinder schalt man nicht. Sobald sie älter wurden, erhielten sie sehr strengen Unterricht, in dem man ihnen die Arbeiten der Schlammenschen beibrachte: die Jagd, das Holzsammeln und die Wege des Geistes. Im Augenblick jedoch durften sie einfach Kinder sein, denen man beim Spielen fast völlig freie Zügel ließ.

Aus dem Knäuel der Kinder wurden Essensbrocken gereicht, als Bestechung für eine Geschichte, wer denn diese Fremden seien. Die Männer lehnten die Angebote lachend ab, sie wollten sich die Erzählungen für die Dorfältesten aufheben. Die Kinder waren nur wenig enttäuscht und tanzten weiter umher, schließlich war dies das Aufregendste, was in ihrem jungen Leben geschehen war. Etwas vollkommen Außergewöhnliches mit einem Hauch von Gefahr.

Sechs Älteste standen unter dem lecken Schutzdach einer der luftigen Pfahlkonstruktionen und warteten darauf, daß Savidlin die Fremden zu ihnen brachte. Jeder trug eine Hose aus Rehleder, zeigte die nackte Brust und hatte ein Kojotenfell um die Schultern gelegt. Trotz der grimmigen Blicke waren sie freundlicher, als sie aussahen, wie Kahlan wußte. Kein Schlammensch lächelte einen Fremden an, bevor nicht eine Begrüßung stattgefunden hatte, da ansonsten seine Seele gestohlen wurde. Die Kinder blieben der Pfahlkonstruktion fern. Sie saßen im Matsch und verfolgten, wie die Jagdgesellschaft die Fremden zu den Ältesten hinaufführte. Die Frauen hatten ihre Arbeit an den Küchenfeuern unterbrochen, die Männer bei der Waffenherstellung ebenfalls, und alles wurde still, sogar die im Matsch hockenden Kinder. Die Geschäfte der Schlammenschen fanden im Freien statt, und jeder hatte daran teil.

Kahlan trat auf die sechs Ältesten zu, Richard zu ihrer Rechten, doch einen Schritt zurück, Savidlin rechts neben ihm. Die sechs beäugten die beiden Fremden.

»Kraft dem Konfessor Kahlan«, sagte der Älteste.

»Kraft dem Toffalar«, antwortete sie.

Er gab ihr einen leichten Klaps ins Gesicht, kaum mehr als ein Tätscheln. Es war ihr Brauch, im Dorf selbst nur vorsichtige Schläge auszutauschen. Solche, wie Savidlin sie ausgeteilt hatte, waren zufälligen Begegnungen draußen in der Steppe vorbehalten, fern vom Dorf. Was sowohl der öffentlichen Ordnung als auch den Gebissen zugute kam. Surin, Caldus, Arbrin, Breginderin und Hajanlet begrüßten sie reihum und gaben ihr einen leichten Klaps. Kahlan erwiderte die Begrüßung und die Schläge. Sie wandten sich Richard zu. Savidlin trat vor und zog seinen neuen Freund hinter sich her. Stolz präsentierte er den Ältesten seine geschwollene Lippe.

Kahlan rief leise Richards Namen und hob gegen Ende warnend die Stimme. »Das sind wichtige Leute. Bitte schlag ihnen nicht die Zähne aus.«

Er warf ihr kurz einen Blick aus den Augenwinkeln zu und schnitt ein schelmisches Gesicht.

»Das ist der Sucher, Richard mit dem Zorn«, sagte Savidlin voller Stolz über seine Aufgabe. Er beugte sich zu den Ältesten vor und meinte mit bedeutungsschwerer Stimme: »Konfessor Kahlan hat ihn zu uns geführt. Ihr habt von ihm gesprochen. Es ist der, der den Regen gebracht hat. Sie hat es mir bestätigt

Kahlan begann sich Sorgen zu machen, sie wußte nicht, was Savidlin meinte. Die Ältesten behielten ihre versteinerten Mienen bei. Nur Toffalar zog eine Braue hoch.

»Kraft dir, Richard mit dem Zorn«, sagte Toffalar. Er gab Richard einen leichten Klaps.

»Kraft dir, Toffalar«, antwortete er, da er seinen Namen rausgehört hatte, und erwiderte sofort den Klaps.

Kahlan atmete erleichtert auf, er war sacht. Savidlin strahlte und zeigte noch einmal auf seine dicke Lippe. Endlich lächelte auch Toffalar. Nachdem die anderen ebenfalls ihre Begrüßung ausgesprochen und empfangen hatten, lächelten auch sie.

Die sechs Ältesten und Savidlin sanken auf ein Knie und verneigten vor Richard den Kopf. Kahlan wurde sofort nervös.

»Was geht hier vor?« fragte Richard leise. Ihre Unruhe hatte ihn sofort alarmiert.

»Ich weiß es nicht«, antwortete sie leise. »Vielleicht begrüßen sie so den Sucher. Ich habe sie das nie zuvor tun sehen.«

Die Männer erhoben sich und strahlten übers ganze Gesicht. Toffalar reckte die Hand in die Höhe und zeigte über ihre Köpfe hinweg auf die Frauen.

»Bitte«, sagte Toffalar zu den beiden, »setzt euch zu uns. Es ist uns eine Ehre, euch bei uns zu haben

Kahlan setzte sich im Schneidersitz auf den feuchten Holzboden und zog Richard mit sich hinunter. Die Ältesten warteten, bis sie Platz genommen hatten, bevor sie sich selbst setzten. Sie schenkten dem Umstand, daß Richard immer eine Hand am Schwert hatte, keinerlei Beachtung. Frauen kamen mit geflochtenen Tabletts, schwer beladen mit rundem Tavafladenbrot, von dem sie das erste Toffalar und den anderen Ältesten anboten, während sie ihre Augen lächelnd auf Richard geheftet hielten. Leise schwatzend unterhielten sie sich über Richards Größe, und welch seltsame Kleidung er trug. Kahlan ignorierten sie fast völlig. Frauen in den Midlands mochten Konfessoren nicht besonders. Sie sahen in ihnen eine Bedrohung für ihre Männer und ihre Art zu leben. Unabhängige Frauen waren verpönt. Kahlan achtete nicht auf ihre kühlen Blicke, sie war längst daran gewöhnt.

Toffalar nahm ein Brot und brach es in drei Stücke, von denen er erst Richard und dann Kahlan eines anbot. Lächelnd bot eine andere Frau eine Schale mit gerösteten Pfefferschoten an. Kahlan und Richard nahmen je eine und folgten dem Beispiel des Ältesten, indem sie sie in das Brot rollten. Gerade noch rechtzeitig bemerkte Kahlan, daß Richard seine Rechte immer noch am Schwert hatte und beabsichtigte, mit der Linken zu essen.

»Richard!« zischte sie ihn warnend an. »Nicht mit der linken Hand essen.«

Er erstarrte. »Wieso nicht?«

»Weil sie glauben, daß nur böse Geister mit links essen.«

»Das ist doch Unsinn«, erwiderte er in leicht gereiztem Tonfall.

»Richard, bitte. Sie sind uns zahlenmäßig überlegen. Alle ihre Waffen sind vergiftet. Für theologische Streitereien ist dies der falsche Augenblick.«

Sie spürte seinen Blick, während sie die Ältesten anlächelte. Aus dem Augenwinkel sah sie erleichtert, wie er das Essen in die Rechte nahm.

»Bitte vergebt uns, daß wir euch nur magere Kost anbieten können«, sagte Toffalar. »Für heute abend werden wir ein Bankett ansetzen

»Nein!« platzte Kahlan heraus. »Ich meine, wir wollen deinem Volk nicht zur Last fallen

»Wie du willst«, meinte Toffalar achselzuckend und ein wenig enttäuscht.