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»Heißt Shell nicht so was wie Qelippoth? O je, dann müssen wir uns davor hüten! Von jetzt an nur noch Jungfrauenmilch... «

»Wir werden das überprüfen. Es könnte sich um eine Machenschaft der Sieben Schwestern handeln, jener inferioren Prinzipien, die den Fortgang der Schöpfung kontrollieren wollen... Jedenfalls, nach der Explosion kommt das Große Göttliche Ausatmen, das bereits in den ältesten Texten ›Entladung‹ genannt worden ist. Der Kolben steigt erneut zum Oberen Totpunkt empor und stößt die unförmige, nun verbrannte Materie hinaus. Nur wenn diese Reinigungsoperation gelingt, kann der Neue Zyklus wieder beginnen. Der, wenn man's genau bedenkt, zugleich auch der neuplatonische Mechanismus des Exodos und des Parodos ist — wunderbare Dialektik des Weges nach Oben und des Weges nach Unten.«

»Quantum mortalia pectora caecae noctis habent! (Wie viel an dunkler Nacht doch die Sterblichen haben! [Ovid]) Und die Kinder der Materie haben es nie gemerkt!«

»Deshalb lehren die Meister der Gnosis, daß man nicht den Hylikern trauen darf, sondern stets nur den Pneumatikern und warum wohl, meinen Sie, nennt man den Reifen auch Pneu?«

»Fantastisch! Für morgen bereite ich eine mystische Auslegung des Telefonbuchs vor.«

»Immer ambitioniert, unser Casaubon. Bedenken Sie, daß Sie dann das unergründliche Problem des Einen und der Vielen lösen müssen. Gehen Sie lieber in Ruhe vor. Untersuchen Sie erst mal den Mechanismus der Waschmaschine.«

»Der spricht doch für sich. Eine alchimistische Transformation: vom Schwarzen Werk zum Werk im weißer als weißesten Weiß.«

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Da Rosa, nada digamos agora...

(Von der Rose reden wir nicht mehr...)

Sampayo Bruno, Os Cavaleiros do Amor, Lissabon, Guimarães, 1960, p. 155

  Wenn man einmal Verdacht geschöpft hat, lässt man keine Spur mehr außer acht. Nach den Fantastereien über den »Motorbaum« war ich bereit, in allem und jedem, was mir in die Finger kam, Enthüllungen zu erblicken.

Ich hatte Kontakte zu meinen brasilianischen Freunden gehalten, und in jenen Tagen fand in Coimbra ein Kongress über die lusitanische Kultur statt. Mehr im Wunsch, mich wiederzusehen, als um meine Kompetenz zu ehren, gelang es den Freunden aus Rio, mir eine Einladung zu beschaffen. Lia kam nicht mit, sie war im siebten Monat, zwar hatte die Schwangerschaft ihre grazile Linie noch kaum verändert und sie allenfalls zu einer zarten flämischen Madonna gemacht, aber sie wollte die Reise lieber nicht antreten.

Ich verbrachte drei fröhliche Abende mit den alten Genossen, und als wir im Bus nach Lissabon zurückfuhren, kam eine Diskussion über die Frage auf, ob wir in Fatima oder in Tomar haltmachen sollten. Tomar war die Burg, in der die portugiesischen Templer sich verschanzt hatten, nachdem die Güte des Königs und des Papstes sie vor Prozess und Zerschlagung bewahrt hatte — durch den einfachen Trick, sie in den Orden der Christusritter umzubenennen. Eine Templerburg konnte ich mir nicht entgehen lassen, und zum Glück waren die anderen keine Fatima-Enthusiasten.

Wenn ich mir je eine Templerburg vorgestellt hatte, war's eine wie Tomar. Man steigt auf einer befestigten Straße hinauf, die sich um die äußeren Bastionen windet, zwischen kreuzförmigen Schießscharten, und vom ersten Moment an atmet man Kreuzzugsluft. Jahrhundertelang hatten die Christusritter an diesem Ort prosperiert — die Überlieferung will, daß sowohl Heinrich der Seefahrer wie Christoph Columbus aus ihren Reihen stammten, und in der Tat hatten sie sich auf die Eroberung der Meere verlegt und damit Portugal reich gemacht. Das lange und glückliche Dasein, das sie dort genossen, hat dazu geführt, daß die Burg im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgebaut und vergrößert worden ist, so daß ihr mittelalterlicher Kern jetzt von Renaissance-und Barockflügeln eingefasst wird. Mit einem Gefühl der Bewegung trat ich in die Kirche der Templer, deren achteckige Rotunde die der Grabeskirche in Jerusalem nachbildet. Mir fiel auf, daß die Form des Templerkreuzes in den Kirchen je nach Region differiert — ein Problem, das sich mir schon bei der Arbeit an meiner Dissertation gestellt hatte, als ich die konfuse Ikonografie zum Thema durchsah. Während das Malteserkreuz mehr oder weniger immer dasselbe geblieben ist, scheint das der Templer viel stärker den Einflüssen des Jahrhunderts oder der örtlichen Tradition unterworfen. Deshalb genügt es den Templer-Jägern, irgendwo ein beliebiges Kreuz zu entdecken, und schon haben sie eine Spur...

Nach der Kirchenbesichtigung zeigte der Führer uns auch das Manuelinische Fenster, die janela par excellence, ein rautenförmiges Gitterwerk, eingefasst von einer wildwuchernden Collage aus Meeresfunden, Algen, Muscheln, Ankern, Tauen und Ketten, zur Feier des Ruhmes der Ritter auf den Ozeanen. Doch zu beiden Seiten des Fensters, auf dem steinernen Gürtel um die beiden turmartigen Säulen, die es einrahmten, sah man die Insignien des Hosenbandordens. Was tat das Symbol eines englischen Ordens in diesem befestigten portugiesischen Kloster? Der Führer konnte es uns nicht sagen, aber wenig später, auf einer anderen Seite, ich glaube an der nordwestlichen, zeigte er uns das Wappen des Goldenen Vlieses. Ich musste unwillkürlich an das feine Spiel der Allianzen denken, das den Hosenbandorden mit dem Orden des Goldenen Vlieses verband, das Goldene Vlies mit den Argonauten, die Argonauten mit dem Gral und den Gral mit den Templern. Die Fantastereien des Oberst Ardenti kamen mir in den Sinn, auch einige Stellen aus den Manuskripten der Diaboliker... Ich zuckte zusammen, als der Führer uns in einen Nebenraum führte, einen niedrigen Saal mit Gewölbedecke und mehreren Schlusssteinen. Es waren kleine Rosetten, doch auf einigen sah ich in Stein gehauen ein bärtiges, bocksähnliches Gesicht. Der Baphomet!

Wir stiegen in eine Krypta hinunter. Nach sieben Stufen gelangt man auf einen nackten Steinboden, der zur Apsis führt, in der sich ein Altar erheben könnte oder der Thron des Großmeisters. Doch auf dem Wege dorthin geht man unter sieben Gewölbeschlusssteinen hindurch, deren jeder die Form einer Rose hat, eine größer als die andere, und die letzte, am weitesten entfaltete, hängt über einem Brunnen. Das Kreuz und die Rose, hier in einem Templerkloster! Und in einem Saal, der sicher vor dem Erscheinen der Rosenkreuzer-Manifeste erbaut worden ist! Ich fragte den Führer danach, und er lächelte: »Wenn Sie wüssten, wie viele Anhänger der okkulten Wissenschaften hierhergepilgert kommen... Es heißt, dies hier sei der Saal der Initiation... «