Выбрать главу

Zur gleichen Zeit, und das war sicher kein bloßer Zufall, schrieb Salomon de Caus, der Mann der Rosenkreuzer, für Kardinal Richelieu ein Traktat über Sonnenuhren. Danach begann, mit Galilei einsetzend, eine hektische Forschung über Pendel. Als Vorwand diente die Frage, wie man Pendel zur Bestimmung der Latitüden benutzen kann, aber als Huygens 1681 entdeckte, daß eine Pendeluhr, die in Paris genau gegangen war, in Cayenne nachging, begriff er sofort, daß dies von der Veränderung der Zentrifugalkraft durch die Erdrotation kommen musste. Und als er sein Pendeluhrbuch Horologium oszillatorium publizierte, in dem er Galileis Einsichten über Pendel vertiefte, wer rief ihn da nach Paris? Colbert, derselbe, der Salomon de Caus nach Paris geholt hatte, damit er sich um den Pariser Untergrund kümmerte!

Und in Italien? Als die Florentiner Accademia del Cimento 1661 die Schlussfolgerungen Foucaults vorwegnahm, löste Herzog Leopold von Toskana sie kaum fünf Jahre später auf, und sofort danach erhielt er aus Rom als geheime Belohnung einen Kardinalshut.

Aber damit nicht genug. Auch in den nächsten Jahrhunderten ging die Jagd nach dem Pendel weiter. 1742 (ein Jahr vor dem ersten belegten Auftritt des Grafen von Saint-Germain!) legte ein gewisser de Mairan der Académie Royale des Sciences eine Denkschrift über Pendel vor; und 1756 (als in Deutschland die templerische Strikte Observanz entstand!) schrieb ein gewisser Bouguer » sur la direction qu’affectent tous les fils à plomb«.

Ich fand fantasmagorische Titel, wie diesen von Jean-Baptiste Biot aus dem Jahre 1821: Recueil d’observations géodésiques, astronomiques et physiques, executées par ordre du Bureau des Longitudes de France, en Espagne, en France, en Angleterre et en Ecosse, pour déterminer la variation de la pésanteur et des degrés terrestres sur le prolongement du méridien de Paris. In Frankreich, Spanien, England und Schottland! Und bezogen auf den Meridian von Saint-Martin! Und von Sir Edward Sabine, 1823, An Account of Experiments to Determine the Figure of the Earth by Means of the Pendulum Vibrating Seconds in Different Latitudes. Und der mysteriöse Graf Fjodor Petrowitsch Litke publizierte 1836 die Ergebnisse seiner Forschungen über das Verhalten des Pendels während einer Reise um die Welt. Und das für die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in St Petersburg. Wieso jetzt auch die Russen?

Und wenn nun in der Zwischenzeit eine Gruppe, sicher eine der Baconschen Linie, beschlossen hätte, das Geheimnis der Strömungen ohne Karte und ohne Pendel zu lösen, einfach durch neues und gründliches Horchen auf den Atem der Schlange? Dann wären die Ahnungen von Salon auf einmal gar nicht mehr so abwegig, denn mehr oder weniger zur Zeit Foucaults begann die industrielle Welt, eine Schöpfung des Baconschen Flügels, mit dem Bau der Untergrundbahnen in den Herzen der europäischen Metropolen.

»Stimmt«, sagte Belbo, »das neunzehnte Jahrhundert war geradezu besessen von den Untergründen: Jean Valjean, Fantomas und Javert, Rocambole, ein einziges Hin und Her zwischen unterirdischen Gängen und Abwasserkanälen. Mein Gott, ja, und jetzt, wo ich daran denke: das ganze Werk von Jules Verne ist eine einzige initiatische Offenbarung der Geheimnisse des Untergrundes! Reise zum Mittelpunkt der Erde, zwanzigtausend Meilen unter dem Meer, die Höhlen der geheimnisvollen Insel, die Stadt unter der Erde, das unterirdische Riesenreich des Schwarzen Indien! Man müsste einen Plan seiner außerordentlichen Reisen rekonstruieren, sicher fände man eine Skizze der Windungen der Großen Schlange, eine Karte der Leys, für jeden Kontinent einzeln erstellt. Jules Verne erforschte von oben und von unten das System der tellurischen Ströme!«

Ich machte mit: »Wie heißt der Held im Schwarzen Indien? John Garral, fast ein Anagramm von Graal.«

»Seien wir nicht zu kopflastig, bleiben wir auf der Erde. Jules Verne hat viel deutlichere Signale ausgesandt: Robur le Conquérant, R. C, Rosencreutz. Und Robur von hinten nach vorn gelesen ergibt Rubor, das Rot der Rose.«

85

Philéas Fogg. Un nom qui est une véritable signature: EAS, en grec, a le sens de globalité (il est donc l’équivalent de pan ou de poly) et PHILEAS est donc identique à POLPHILE. Quant à Fogg, c’est »le brouillard« en anglais... Nul doute, Jules Verne appartenait bien à la Société »Le Brouillard«. Il eut même la gentillesse de nous préciser les liens de celleci avec la Rose+Croix, car enfin, qu’estce que ce noble voyageur nommé Philéas Fogg, sinon un Rose+Croix?... Et puis, n’appartientil pas au Reform-Club dont les initiales R. C. désignent la Rose+Croix réformatrice? Ce Reform-Club est élevé dans »Pall-Mall«, évoquant une fois de plus le Songe de Poliphile.

(Phileas Fogg. Ein Name, der eine Signatur ist: EAS hat im Griechischen die Bedeutung von Globalität (ist also gleichbedeutend mit pan oder poly), und PHILEAS ist somit dasselbe wie POLYPHIL. Fogg ist englisch »der Nebel«... Kein Zweifel, Jules Verne gehörte zu der Gesellschaft »Der Nebel«, Le Brouillard. Er hatte sogar die Freundlichkeit, uns deren Verbindungen zum Rosen+Kreuz zu präzisieren, denn schließlich, was ist dieser noble Reisende namens Phileas Fogg, wenn nicht ein Rosen+Kreuzer?... Und gehört er nicht zu jenem Reform-Club, dessen Initialen R. C. das reformatorische Rosen+Kreuz bezeichnen? Und dieser Reform-Club hat seinen Sitz an der »Pall-Mall«, womit er einmal mehr den Traum des Polyphil evoziert.)

Michel Lamy, Jules Verne, initié et initiateur, Paris, Payot, 1984, p. 237f

  Die Rekonstruktion beanspruchte uns über Tage und Wochen, wir unterbrachen unsere Arbeiten, um uns den neuesten Zusammenhang mitzuteilen, wir lasen alles, was uns in die Finger kam, Lexika, Zeitungen, Comics, Verlagskataloge, diagonal nach möglichen Kurzschlussverbindungen durch, wir blieben an jedem Bouquinistenstand stehen, um zu kramen, schnupperten an den Zeitungskiosken, klauten unverfroren aus den Manuskripten unserer Diaboliker, stürzten mit Triumphgeschrei ins Büro und warfen den letzten Fund auf den Tisch. Wenn ich an diese Wochen zurückdenke, kommt mir das ganze Ganze blitzartig vor, rasant wie ein Film von Larry Semon, voller Slapsticks, mit Türen, die überschallschnell auf- und zugehen, Torten, die durch die Luft segeln, Fluchten über Treppen vor und zurück, Zusammenstößen von alten Autos, Zusammenbrüchen von Drugstore-Regalen zwischen Salven von Dosen, Flaschen, Weichkäsepackungen, Sodawasserfontänen, aufplatzenden Mehlsäcken. Und andererseits, wenn ich an die Zwischenräume und toten Zeiten denke — das übrige Leben, das sich um uns herum abspielte —, kann ich alles auch wie eine Geschichte in Zeitlupe lesen, mit dem Großen Plan, der allmählich Gestalt annahm, langsam wie Slow-Motion-Gymnastik, wie die zögernde Drehung des Diskuswerfers, das vorsichtige Schwingen des Kugelstoßers, das lange Zielen beim Golf, das sinnlose Warten beim Baseball. Auf jeden Fall, in welchem Rhythmus auch immer, wurden wir für unsere Mühe belohnt, denn wenn man Zusammenhänge finden will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles erklärt...

Zu Lia schwieg ich darüber, um sie nicht zu verstimmen, aber ich begann auch Giulio zu vernachlässigen. Es kam vor, daß ich mitten in der Nacht aufwachte und zum Beispiel an Descartes denken musste: Renatus Cartesius, Herrgott, das ergab ja R. C., und wie energisch hatte er nach den Rosenkreuzern gesucht und dann geleugnet, sie gefunden zu haben! Warum war er so besessen von der Methode? Nun, die Methode diente ihm zur Suche nach der Lösung des Geheimnisses, das mittlerweile alle Initiierten Europas faszinierte... Und wer hatte die Magie der Gotik verherrlicht? René de Chateaubriand, R. C. Und wer hatte, zur Zeit von Bacon, Steps to the Temple geschrieben? Richard Crashaw. Und was war mit Ranieri de' Calzabigi, mit René Clair, mit Raymond Chandler? Und mit Rick in Casablanca?