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So betrachten zum Beispiel die gängigen Freimaurerstudien den bayerischen Illuminatenorden, der die Auflösung der Nationen und die Abschaffung des Staates anstrebte, als Inspirator nicht nur des Bakuninschen Anarchismus, sondern auch des Marxismus. Unsinn. Die llluminaten waren Provokateure, von den Baconianern in die Reihen der deutschen Templer eingeschleust, aber Marx und Engels dachten an etwas ganz anderes, als sie 1848 das Kommunistische Manifest mit dem reißerischen Satz begannen: »Ein Gespenst geht um in Europa.« Warum benutzten sie ausgerechnet eine so gotisch-schauerromantische Metapher? Nun, ganz klar, das Kommunistische Manifest spielt sarkastisch auf die gespenstische Jagd nach dem Großen Plan an, die seit einigen Jahrhunderten heimlich durch die Geschichte des Kontinents tobt. Und es schlägt sowohl den Baconianern wie den Neutemplern eine Alternative vor. Marx war Jude, vielleicht war er anfangs das Sprachrohr der Rabbiner von Gerona oder von Safed gewesen und hatte versucht, das ganze Volk Gottes in die Suche mit einzuschalten. Dann aber riss ihn der eigene Schwung mit, er identifizierte die Schechinah, das ins Reich exilierte Volk Gottes, mit dem Proletariat, er verriet die Erwartungen seiner Inspiratoren und drehte die Tendenzen des jüdischen Messianismus um. Templer aller Länder, vereinigt euch! Die Karte der Welt den Arbeitern! Wunderbar! Wo gäbe es eine bessere historische Rechtfertigung für den Kommunismus?

»Gut«, sagte Belbo, »aber auch bei den Baconianern kommt es zu Zwischenfällen, meint ihr nicht? Einige von ihnen verlieren sich unterwegs in einen szientistischen Traum und landen in einer Sackgasse. Ich meine die Einsteins und die Fermis am Ende der Dynastie, die das Geheimnis im Innern des Mikrokosmos suchen und daher die falsche Entdeckung machen. Statt die tellurische Energie, die eine saubere, natürliche, weisheitsmäßige Energie ist, entdecken sie die Atomenergie, die technologisch, schmutzig, vergiftet ist... «

»Raum-Zeit, Irrtum des Okzidents«, sagte Diotallevi.

»Verlust der Mitte. Serum und Penicillin als Karikatur des Lebenselixiers«, warf ich ein.

»Wie dieser andere Templer, Freud«, sagte Belbo. »Statt in den Labyrinthen des physischen Untergrundes zu graben, gräbt er in denen des psychischen Untergrundes, als hätten darüber nicht schon die Alchimisten alles und besser gesagt... «

»Aber du bist es doch«, meinte Diotallevi, »der dauernd die Bücher von Doktor Wagner herausbringen will. Für mich ist die Psychoanalyse nur etwas für Neurotiker.«

»Ja, und der Penis ist nur ein Phallussymbol«, schloss ich. »Lassen wir das, meine Herren, verlieren wir uns nicht in müßige Spielereien. Und verlieren wir keine Zeit. Wir wissen noch immer nicht, wohin wir die Paulizianer und die Jerusalemer tun sollen.«

Doch ehe wir uns dieser neuen Frage zuwenden konnten, stießen wir auf eine andere Gruppe. Eine, die nicht zu den sechsunddreißig Unsichtbaren gehörte, aber sich schon recht früh in das Spiel mit eingemischt und es teilweise aus dem Gleis gebracht hatte, indem sie als Störtrupp agierte. Die Jesuiten.

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The Baron Hundt, Chevalier Ramsay... and numerous others who founded the grades in these rites, worked under instructions from the General of the Jesuits... Templarism is Jesuitism.

(Der Baron Hund, Chevalier Ramsay... und zahlreiche andere, welche die Grade in diesen Riten [der Schottischen Freimaurerei] begründeten, arbeiteten unter dem Kommando des Generals der Jesuiten... Templerismus ist Jesuitismus.)

Brief an Mme. Blavatsky von Charles Sotheran, 32 .-. A. and P. R., 94.-. Memphis, K. R ♣ , K. Kadosh, M. M. 104, Eng. etc., Initiale of the modern English Brotherhood of the Rosie Cross and other secret societies, 11.1.1877; in Isis Unveiled, II, 1877, p. 390

  Wir waren ihnen schon öfter begegnet, schon seit den Zeiten der allerersten rosenkreuzerischen Manifeste. Bereits 1620 war in Deutschland eine anonyme Schrift mit dem Titel Rosa Jesuitica erschienen, die daran erinnerte, daß die Symbolik der Rose katholisch und marianisch war, bevor sie rosenkreuzerisch wurde, und die behauptete, letzten Endes seien die beiden Orden — Jesuiten und Rosenkreuzer — solidarisch, und die Rosenkreuzer seien nur eine der vielen Umformulierungen der jesuitischen Mystik zum Gebrauch des Volkes im reformierten Deutschland.

Ich erinnerte mich an Salons Worte über den Groll, mit dem Pater Athanasius Kircher die Rosenkreuzer attackiert hatte, und das ausgerechnet, während er über das Innere der Erdkugel sprach.

»Pater Kircher«, sagte ich, »spielt eine zentrale Rolle in dieser Geschichte. Warum hat dieser Mann, der so oft bewiesen hatte, daß er Sinn für Beobachtung und Lust am Experimentieren besaß, seine paar guten Ideen unter Tausenden von Seiten voll abenteuerlichster Hypothesen begraben? Er korrespondierte mit den besten englischen Wissenschaftlern, und dann greift er in jedem seiner Bücher die typischen Themen der Rosenkreuzer auf, scheinbar um sie zu widerlegen, faktisch aber, um sie sich anzueignen und mit ihnen seine Version von Gegenreformation anzubieten. Im Anhang zur Erstausgabe der Fama Fraternitatis beteuerte jener Herr Haselmeyer, der wegen seiner reformatorischen Ideen ›von den Jesuittern ist auf eine Galeeren geschmiedet worden‹, wie es im Titel hieß, daß die wahren und wirklichen Jesuiten niemand anders seien als die Rosenkreuzer. Nun, und Pater Athanasius Kircher schreibt seine dreißig und mehr Bücher, um zu suggerieren, daß die wahren und wirklichen Rosenkreuzer niemand anders seien als die Jesuiten. Mit anderen Worten: die Jesuiten versuchen, den Großen Plan in die Hand zu bekommen. Sogar das Pendel will Pater Kircher studieren, und er tut es, wenn auch auf seine Weise, nämlich indem er eine planetarische Uhr erfindet, die ihm die genaue Uhrzeit in den über die ganze Welt verstreuten Ordenssitzen anzeigen sollte.«

»Aber woher wussten die Jesuiten überhaupt von der Existenz des Großen Plans, wenn doch die Templer sich lieber totschlagen ließen als etwas zu verraten?« fragte Diotallevi. Wir begnügten uns nicht mit der Antwort, daß die Jesuiten immer eins mehr als der Teufel wissen. Wir wollten eine bessere Erklärung.

Und wir fanden sie bald. Guillaume Postel, schon wieder er. Beim Durchblättern der Geschichte der Jesuiten von Crétineau-Joly (was haben wir über den Namen gelacht!) entdeckten wir, daß Postel, ergriffen von seinen mystischen Leidenschaften, von seinem Durst nach spiritueller Regeneration, im Jahre 1544 zu Ignatius von Loyola nach Rom gekommen war. Ignatius hatte ihn mit Begeisterung aufgenommen, aber Postel konnte nicht auf seine fixen Ideen verzichten, auf seine Kabbalismen, seinen Ökumenismus, auf den Mythos von seiner Johanna als Inkarnation der Sophia oder der Schechinah oder was weiß ich, und das alles konnte den Jesuiten nicht behagen, und am wenigsten behagte ihnen die fixeste seiner fixen Ideen, von der er partout nicht lassen wollte, nämlich daß der König der Welt kein anderer sein könne als der König von Frankreich. Ignatius war ein Heiliger, aber ein Spanier.

So war es nach einer Weile zum Bruch gekommen, und Postel hatte die Jesuiten wieder verlassen oder die Jesuiten hatten ihn vor die Tür gesetzt Aber wenn Postel einmal Jesuit gewesen war, und sei's nur für kurze Zeit, muß er Ignatius — dem er Gehorsam perinde ac cadaver geschworen hatte — auch seine Mission anvertraut haben. Lieber Ignatius, muß er gesagt haben, wisse, daß du, wenn du mich aufnimmst, auch das Geheimnis des Großen Planes der Templer mit aufnimmst, deren französischer Repräsentant zu sein ich unverdienterweise die Ehre habe, und da wir ohnehin alle auf das dritte Jahrhunderttreffen anno Domini 1584 warten, können wir ebenso gut auch ad maiorem Dei gloriam darauf warten.