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»Ich bin nicht auf den Kopf gefallen und habe längst gemerkt, dass hier irgendetwas im Busche ist. Aber das schreckt mich nicht. Ich habe schon ganz andere Sachen überstanden und weiß mich meiner Haut zu erwehren!«, prahlte er und fügte dann mit beißendem Hohn hinzu: »Obwohl ich zugeben muss, dass ich ein Kloster bisher für einen Ort gehalten habe, an dem fromme Menschen ein gottgefälliges Leben führen!«

»Im Flussbett der Welt fehlt es nie an Schlamm, so klar und rein der Fluss auch sein mag«, räumte Bruder Basilius ein und seine Stimme hatte einen betrübten Klang. »Leider wird das Kreuz zu oft als Würde auf dem Bauch getragen statt als Bürde auf dem Rücken.«

»Dafür kann ich mir nichts kaufen«, sagte Jakob verdrossen. »Und es interessiert mich auch nicht, wer hinter Klostermauern welche Intrige gegen wen spinnt. Ich lasse mich jedenfalls nicht um meinen Lohn bringen und wenn Ihr Euch den Mund in Fransen redet!«

Jakob wollte sich entfernen, doch Bruder Basilius hielt ihn am Arm fest. »Ich beschwöre Euch auf meinen guten Rat zu hören! Euer Trotz ist in dieser Situation so hilfreich wie eine erloschene Fackel in der Dunkelheit! Ihr werdet damit nicht weit kommen, sondern womöglich die bittere Erfahrung machen, dass.«

»Ihr könnt ja für mich beten, ehrwürdiger Bruder!«, fiel Jakob ihm bissig ins Wort, riss sich los und stapfte wütend durch den Schnee.

Er hörte, wie Bruder Basilius einen resignierten Stoßseufzer von sich gab und tatsächlich ein Bittgebet gen Himmel schickte: »Allmächtiger, ewiger Gott, halte deine schützende Hand über diesen unerfahrenen, uneinsichtigen jungen Mann und schenke ihm die Einsicht, die ich vergebens in ihm zu wecken versucht habe. Und segne, oh Herr, das Feuer des rechten Glaubens, das die Nacht der unbarmherzigen Selbstgerechtigkeit, des Hasses und der Verzagtheit erhellt, und entflamme in uns eine immer stärker werdende Sehnsucht nach dir! Herr, alles steht in deiner Macht. Hilf, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit. «

Jakob drehte sich nicht einmal um und die Stimme von Bruder Basilius verlor sich hinter ihm im Schneetreiben. Was für ein merkwürdiger Kauz dieser Mönch doch war. Aber weder von ihm noch von irgendeinem anderen hier würde er sich ins Bockshorn jagen und um seinen Lohn prellen lassen!

Achtes Kapitel

Jakob war noch nicht einmal bis zur Ruine des Gästehauses gekommen, als er einen scharfen Knall vernahm, dem sofort ein zweiter und ein dritter folgten. Es klang wie Pistolenschüsse. Verwundert blieb er stehen und drehte sich um. Im selben Augenblick stieß bei der zweiten Klosterpforte eine gellende Stimme einen Warnschrei aus, dem ein wütendes Schimpfen folgte.

Jakob kniff die Augen zusammen. Das dichte Schneetreiben bei schwindendem Tageslicht behinderte die Sicht erheblich. Alles schien hinter tanzenden, weißen Schleiern zu verschwimmen. Nur vage sah er einen Mann an der Pforte zur Seite springen, kaum dass ein großer, dunkler Schatten wie eine mächtige, graue Wolke durch den hohen Torbogen geflogen kam.

Im nächsten Moment nahm der dunkle Schatten Gestalt an - und erwies sich als rubinrot lackierte Kutsche, die von vier nachtschwarzen Pferden gezogen wurde.

»Heiliger Pegasus!«, stieß jemand hinter Jakob hervor. »Wenn das nicht die Kutsche des Erzbischofs ist!«

Die Kutsche schlingerte unter dem scharfen Peitschenknall des Kutschers über den Hof, passierte Jakob mit weniger als zwei Armlängen Abstand und kam dann ein gutes Dutzend Schritte vor dem Konventsgebäude zum Stehen.

Wie magisch angezogen, ging Jakob auf das hochherrschaftliche Gefährt zu, auf dessen Kutschenschlag tatsächlich ein prächtiges Wappen prangte.

»Die Nacht rückt an mit dunklem Felle, geliebt vom schweifenden Getier. Die Löwen brüllen zu den Sternen: Deck uns den Tisch mit deinem Brot!«, sagte eine bekannte Stimme neben ihm und Jakob brauchte nicht den Kopf zu wenden, um zu wissen, dass es der Schwede war.

»Kennt Ihr das Wappen? Ist das wirklich der Erzbischof aus Trier?«, fragte Jakob.

»Kaum anzunehmen, wiewohl das Wappen die Kutsche in der Tat als erzbischöfliches Gefährt ausweist. Ein Mann von seinem Rang würde sich jedoch kaum dazu herablassen, ohne standesgemäße Eskorte zu reisen«, lästerte der Schwede. »Und schon gar nicht würde er sich bei diesem Wetter aus seinem bischöflichen Palast begeben. Nein, er wird die Kutsche einem seiner Günstlinge überlassen haben, hoch im Rang, aber doch um einiges unter dem eines kurfürstlichen Erzbischofs!«

Die vier prächtigen Hengste hatten Schaum vor dem Maul. Ihre Flanken bebten im schnellen Rhythmus ihres Atems und glänzten vor Schweiß. Kein Zweifel, der Kutscher hatte die Pferde nicht geschont, sondern hart herangenommen und durch die verschneite Landschaft gejagt. Der Mann, dessen schwerer, pechschwarzer Umhang mit einem roten Samtkragen versehen war, sprang nun vom Bock. Er war von breitschultriger, kantiger Gestalt und das Erste, was Jakob ins Auge fiel, war, dass er Hände so groß wie Mühlsteine besaß. Das Gesicht des Mannes schien wie aus einem Block Granit gehauen. Es wirkte grobflächig und unfertig, so als hätte der Steinmetz die Gesichtszüge nur ansatzweise aus dem Stein gemeißelt und dann die Arbeit daran eingestellt.

Der Klotz von einem Kutscher riss nun den wappengeschmückten Schlag auf. »Die Zisterzienserabtei Himmerod, Euer Hochwürden«, meldete er förmlich.

»Ich habe noch Augen im Kopf, Rutger Mundt!«, antwortete ihm eine kräftige, befehlsgewohnte Stimme aus dem Innern der Kutsche, die mit violettfarbenem Samt ausgeschlagen war.

Ein gerötetes, fleischiges Gesicht mit der scharf gebogenen Nase eines Habichts erschien in der Türöffnung und lugte auf den Hof hinaus.

»Bei Zions Zimbeln!«, stieß der Schwede überrascht hervor. »Melchior von Drolshagen!«

»Wer ist dieser Mann?«, wollte Jakob wissen.

»Domherr und Prälat!«, antwortete der Schwede. »Er gehört zu den einflussreichsten Männern in der erzbischöflichen Kurie. Ein Kanoniker, dessen Ehrgeiz und flammender Glaubenseifer so grenzenlos ist wie ein Fass ohne Boden.«

»Ihr kennt ihn?«

»Er ist uns nicht unbekannt«, antwortete der Schwede ausweichend.

Der Domherr Melchior von Drolshagen war kräftig, wohl beleibt und in einen kostbaren Pelzmantel gehüllt. Er trat auf die Stufe, die der grobschlächtige Kutscher namens Rutger Mundt ausgeklappt hatte, verharrte dort jedoch. »Warum seid Ihr nicht näher vor das Portal gefahren, Mundt?«, rügte er scharf. »Wollt Ihr, dass ich meinen Mantel durch den Dreck des Hofes schleife und mir nasse Stiefel hole? Sorgt gefälligst dafür, dass ich trockenen Fußes ins Haus komme!«

»Sehr wohl, hochwürdiger Domherr!«, sagte Rutger Mundt katzbuckelnd und drehte sich um. Sein Blick fiel sofort auf Jakob und den Schweden, die ihm am nächsten standen. »Ihr zwei!. Ja, ihr!. Kommt her!«

Der Schwede stellte sich taub wie eine Ziegelwand und rührte sich nicht von der Stelle und Jakob tat es ihm gleich, wenn ihm auch das Herz im Halse klopfte.

Mit grimmiger Miene kam der kantige, bullige Mann nun auf sie zu. »Habt Ihr nicht gehört, was der hochwürdige Domherr und vertraute Berater unseres hochwohlgeborenen Erzbischofs gesagt hat? Holt ein paar Bretter von da drüben und legt sie von der Kutsche bis zum Portal in den Schnee!«, befahl er ihnen und wies auf den Stapel Bauholz, der neben dem niedergebrannten Gästehaus aufragte.

Der Schwede blieb unter dem eisigen Blick des Kutschers gelassen und antwortete scheinbar gedankenversunken: »Es quoll wie Rauch hervor sein Odem und wie bei Glut- und Feuerbergen aus seinem Munde fressend Feuer.«

Rutger Mundt starrte ihn einen Augenblick verständnislos an. »Was redet Ihr da für wirres Zeug, Mann! Geht an die Arbeit!«, blaffte er ihn an. Dann ging sein Blick zu Jakob. »Und du auch, Bursche!«