Выбрать главу

Er bemühte sich, von dieser Vorstellung loszukommen. Aber der Roboter stellte seine eigene zerstörerische Neigung, losgelöst vom Lebensimpuls, immer deutlicher dar.

Perceveral arbeitete, und seine Neurose stakte hinter ihm her, in Ewigkeit auf Zerstörung bedacht, und doch auf seinen Schutz ausgerichtet, wie Neurosen nun einmal sind. Sein verkörpertes Gebrechen lebte mit ihm, beobachtete ihn beim Essen, blieb in seiner Nähe, wenn er schlief.

Perceveral tat seine Arbeit mit ständig zunehmender Geschicklichkeit. Er freute sich über jeden Tag, bedauerte den Sonnenuntergang und durchlebte die Schrecken der Nacht, da der Roboter neben seinem Bett stand und sich zu fragen schien, ob die Zeit für eine endgültige Abrechnung reif war. Und am Morgen versuchte Perceveral einen Weg zu finden, wie sich diese schwankende, taumelnde, zerstörerische Neurose beseitigen ließ.

Aber kein Ausweg zeigte sich aus dieser verfahrenen Situation, bis ein neuer Faktor die Sache noch mehr komplizierte.

Es hatte mehrere Tage lang heftig geregnet. Als das Wetter aufklarte, ging Perceveral auf seine Felder hinaus. Der Roboter stapfte hinter ihm drein, ein paar Ackergeräte schleppend.

Plötzlich tat sich unter seinen Füßen im feuchten Boden ein Spalt auf. Er verbreiterte sich, und die ganze Stelle, wo er sich befand, brach ein. Perceveral sprang auf festen Boden. Er zog sich an der Böschung hoch, und der Roboter half ihm hinauf, beinahe seinen Arm aus dem Gelenk reißend.

Als Perceveral das eingesunkene Stück betrachtete, sah er, daß darunter ein Tunnel verlaufen war. Man konnte die Grabspuren noch erkennen. Auf einer Seite war der Tunnel durch den Einsturz blockiert worden. Auf der anderen tauchte er tief in den Boden hinab.

Perceveral ging ins Lager zurück, holte seinen Strahler und eine Taschenlampe. Er kletterte in das Loch hinab und leuchtete in den Tunnel. Ein großes, pelzbekleidetes Wesen verschwand hastig hinter einer Biegung. Es sah aus wie ein riesiger Maulwurf.

Endlich hatte er eine neue Art Lebewesen auf Theta entdeckt.

Im Laufe der nächsten Tage erkundete er vorsichtig die Tunnels.

Mehrmals erblickte er graue, maulwurfähnliche Wesen, aber sie flüchteten vor ihm in ein Labyrinth von Gängen.

Er änderte seine Taktik. Er drang nur fünfzig bis sechzig Meter im Haupttunnel vor und hinterließ ein paar Früchte als Geschenk. Als er am nächsten Tag zurückkam, waren die Früchte verschwunden. An ihrer Stelle lagen zwei Klumpen Blei auf dem Boden.

Der Austausch von Geschenken wurde eine ganze Woche fortgesetzt. Als Perceveral eines Tages wieder Früchte und Beeren brachte, erschien ein Riesenmaulwurf; er kam langsam und mit offensichtlicher Nervosität näher. Er deutete auf Perceverals Lampe, und Perceveral bedeckte den Leuchtkopf mit der Hand, damit der Maulwurf nicht geblendet wurde.

Er wartete. Der Maulwurf näherte sich langsam auf zwei Beinen, mit gerümpfter Nase, während er seine kleinen, runzligen Hände auf der Brust verschränkt hatte. Er blieb stehen und sah Perceveral mit großen Augen an. Dann bückte er sich und kratzte ein Zeichen in den Boden des Tunnels.

Perceveral hatte keine Ahnung, was das Zeichen bedeutete. Aber das Tun allein bewies das Vorhandensein einer Sprache, beträchtlicher Intelligenz und eines gewissen Fassungsvermögens für Abstraktionen. Er kritzelte ein Symbol neben das Zeichen des Maulwurfs, um dasselbe für sich anzudeuten.

Ein Akt der Verständigung zwischen zwei einander fremden Rassen hatte begonnen. Der Roboter stand mit glühenden Augenzellen hinter Perceveral und sah zu, während Mensch und Maulwurf eine Gemeinsamkeit suchten.

Dieser Kontakt bedeutete für Perceveral erneut Mehrarbeit. Die Felder und Gärten mußten weiterhin betreut, die Geräte repariert und der Roboter im Auge behalten werden. In seiner Freizeit plagte sich Perceveral damit ab, die Sprache der Maulwürfe zu erlernen. Und die Maulwürfe gaben sich ebensoviel Mühe, sie ihm beizubringen.

Perceveral und die Maulwürfe begannen einander langsam zu verstehen, sich an der Gesellschaft des anderen zu erfreuen, Freunde zu werden. Perceveral lernte ihren Alltag kennen, ihren Abscheu vor dem Licht, ihre Märsche durch die unterirdischen Höhlen und Gänge, ihr Bestreben nach Wissen und Erkenntnis. Und er brachte ihnen über die Menschen bei, soviel er konnte.

»Aber was ist dieses Metallding?« wollten die Maulwürfe wissen.

»Ein Diener des Menschen«, erklärte ihnen Perceveral.

»Aber es steht hinter dir und macht ein grimmiges Gesicht. Es haßt dich, das Metallding. Hassen alle Metalldinge die Menschen?«

»Selbstverständlich nicht«, erwiderte Perceveral. »Das hier ist ein Sonderfall.«

»Es macht uns Angst. Verbreiten alle Medalldinge Schrecken?«

»Manche. Nicht alle.«

»Man kann nicht richtig nachdenken, wenn uns das Metallwesen anstarrt, man kann dich dann nicht so gut verstehen. Ist das bei allen Metallwesen so?«

»Manchmal mischen sie sich ein«, gab Perceveral zu. »Aber macht euch keine Sorgen, der Roboter tut euch nichts.«

Die Maulwürfe waren nicht so ganz überzeugt davon. Perceveral versuchte für die schwere, wankende, blöde Maschine Entschuldigungen zu finden, erzählte vom Dienst der Maschinen für die Menschheit und dem angenehmen Leben, das sie ermöglichten. Aber die Maulwurfleute ließen sich nicht überzeugen. Sie wichen vor dem Roboter zurück.

Trotzdem schloß Perceveral nach langwierigen Verhandlungen einen Vertrag mit den Maulwurfleuten. Als Gegenleistung für frische Früchte und Beeren, für welche die Maulwürfe allerhand übrig hatten, an die sie aber von sich aus selten herankamen, erklärten sie sich bereit, für die künftigen Kolonisten Metalle aufzuspüren sowie Wasser- und Ölquellen zu finden. Außerdem wurde den Kolonisten die gesamte Oberfläche Thetas zugestanden, während den Maulwürfen die Herrschaft über den Untergrund blieb.

Das schien für beide Teile annehmbar; Perceveral und der Anführer der Maulwürfe unterzeichneten das Steindokument mit so vielen Schnörkeln, wie es der Grabmeißel erlaubte.

Zur Feier des Vertrages gab Perceveral ein Fest. Er und der Roboter brachten den Maulwürfen Früchte und Beeren aller Sorten. Die Maulwürfe mit ihren grauen Pelzen und schmelzenden Augen versammelten sich und hielten eifrige Zwiesprache.

Der Roboter setzte seine Körbe an und trat ein paar Schritte zurück. Er rutschte auf einer glatten Felsplatte ab, versuchte, sein Gleichgewicht wiederzugewinnen und stürzte auf einen der Maulwürfe. Sofort war er wieder auf den Beinen und versuchte mit seinen ungeschickten, stählernen Händen, dem Maulwurf aufzuhelfen. Aber er hatte ihm das Rückgrat gebrochen.

Die übrigen Maulwürfe flohen, ihren toten Kameraden mit davonzerrend. Perceveral und der Roboter standen allein im Tunnel, umgeben von ihren Körben.

In dieser Nacht dachte Perceveral lange und angestrengt nach. Er vermochte die fluchwürdige Logik des Vorfalls zu durchschauen. Minimalwertkontakte mit fremdartigen Wesen mußten ein Element der Unsicherheit enthalten, Mißtrauen, Mißverständnisse, gelegentlich sogar ein Opfer. Seine Beziehungen zu den Maulwurfleuten hatten sich für Minimalerfordernisse zu glatt entwickelt.

Der Roboter hatte lediglich die Situation korrigiert und jene Fehler begangen, die Perceveral selbst hätte machen sollen.

Obwohl er also den logischen Hintergrund des Vorfalls begriff, konnte er ihn nicht akzeptieren. Die Maulwurfleute waren seine Freunde, und er hatte sie verraten. Es gab kein Vertrauen mehr zwischen ihm und ihnen, keine Hoffnung für eine Zusammenarbeit mit den künftigen Kolonisten. Solange jedenfalls nicht, als der Roboter in den Tunnels hin- und hertrampeln konnte.

Perceveral entschied, daß der Roboter vernichtet werden mußte. Er war ein für allemal entschlossen, seine mühsam erworbene Tüchtigkeit gegen die zerstörerische Neurose einzusetzen, die ihm nicht von der Seite wich. Und wenn es sein Leben kostete - nun ja, erinnerte sich Perceveral, er war ja auch bereit gewesen, es vor nicht einmal einem Jahr aus weit weniger stichhaltigen Gründen wegzuwerfen.