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Hier geht es ja wirklich sehr zivilisiert zu, dachte Hawkwood misstrauisch und fragte sich, was Morgan im Schilde führte. Morgan war doch nicht der Typ, der Leute nur zu höflichem Geplauder einlud, und Pepper sah aus, als würde er sich lieber seinen gesunden Arm auch noch abbeißen, als überhaupt mit jemandem zu plaudern, ob höflich oder nicht.

Während Lasseur seine Zigarre anzündete und einen ersten Zug tat, sagte Morgan: »Das war ein interessanter Vorstoß, den Sie da vorhin machten, Captain.«

Lasseur lehnte sich in die Polster zurück und blies den Rauch aus. »Aber fair, glaube ich, im Hinblick auf die Gewinnspanne, besonders, wenn Sie erwarten, dass die Männer ihr Leben dafür aufs Spiel setzen.« Lasseur hob sein Glas und warf Hawkwood einen schnellen Blick zu, ehe er trank. »Im Übrigen glaube ich, dass Sie auch bis fünfundzwanzig gegangen wären.«

Morgan riss die Augen auf. Doch dann vertieften sich die Fältchen um seine Augen, als er mit seiner noch kalten Zigarre auf Lasseurs Gesicht deutete. »Das könnte sogar sein.« Er sah Hawkwood an. »Wie ist’s mit Ihnen, Captain Hooper? Sie haben bisher noch nicht viel gesagt. Ich habe das Gefühl, hier drin geht mehr vor sich, als Sie uns verraten.« Damit tippte er sich an den Kopf. »Ich wette, diese Narben, die Sie da haben, könnten einige Geschichten erzählen. Habe ich Recht?«

»Die beweisen nur, dass ich nicht schnell genug aus dem Weg gegangen bin«, sagte Hawkwood. »Im Übrigen haben alle Soldaten Narben.«

Er nahm einen Schluck Wein. Lasseur hatte Recht. Er war vorzüglich.

»Das stimmt schon, aber manche gehen tiefer als andere, nicht wahr?«, sagte Morgan.

Hawkwood gab keine Antwort, sah aber, dass jetzt ein Schatten auf Morgans Gesicht lag.

»Wir haben ein kleines Problem, meine Herren.«

»Ein Problem?«, sagte Hawkwood vorsichtig.

Morgan ließ sich Zeit, um seine Zigarre anzuzünden. Hawkwood vermutete, er brauchte Zeit zum Nachdenken.

Als die Zigarre zu seiner Zufriedenheit brannte, fuhr Morgan fort. »Wir haben etwas Ärger mit dem Zoll. Ein Berufsübel, ich weiß, aber es gibt hier einen berittenen Offizier, der uns hinterherschnüffelt. Er entwickelt sich zu einem regelrechten Ärgernis.«

Hawkwood überlegte, was für eine Antwort Morgan wohl erwartete. Für leere Phrasen schien es nicht der richtige Moment. Er nahm einen weiteren Schluck Wein und wartete. Lasseur dachte offenbar dasselbe. Der Privateer stieß ein durchsichtiges Rauchfähnchen aus und versuchte, nonchalant auszusehen, während er einen Tabakkrümel von seiner Unterlippe entfernte.

Morgan fuhr fort. »Er wurde erst vor ein paar Monaten eingestellt und versucht seitdem, sich zu profilieren. Vielleicht denkt er, wir hätten keine Inventur gemacht, aber das haben wir. Die Sache ist, er ist nicht von hier. Normalerweise rekrutiert der Zoll Einheimische. Es ist nicht wie bei der Miliz: Dort hält man das Risiko, dass jemand das Gesetz umgeht, für geringer, wenn er in der unmittelbaren Nachbarschaft keine Verwandtschaft hat. Deshalb frieren die Jungs aus Kent sich in Dumfries den Arsch ab, die armen Kerle, und in Dungeness ist’ne Kompanie aus Flintshire.«

Morgan zog an seiner Zigarre, ehe er sie aus dem Mund nahm und zwischen den Fingern rollte. Er betrachtete das Ende und sah hoch.

»Wie ich schon sagte, er kommt aus einer anderen Grafschaft. Übrigens heißt er Jilks, und er erweist sich als … nun ja, als gewissenhafter, als wir erwartet hatten.«

»Ich gehe davon aus, Sie haben es mit einem Anreiz versucht?«, sagte Hawkwood.

Morgan nickte. »Hat nicht funktioniert. Ist stolz darauf, auf dem Weg der Tugend zu wandeln. Aber im Laufe des letzten Monats sind ein paar unserer Ladungen aufgehalten worden. Vor zwei Wochen hatten wir in Sandwich eine Ladung, wo wir hundert Fässer verloren haben und zwei unserer Männer verwundet wurden. Wir hörten, dass er auch hinter dem Überfall in Warden steckte. Das Letzte, was wir brauchen, ist, dass er von der Sache in Deal etwas erfährt und uns verpfeift. Wenn das passiert, sind wir alle aufgeschmissen. Damit meine ich Sie, mich selbst und Bonapartes Möglichkeit, seine Truppen zu bezahlen, auch zukünftige Ladungen - der ganze verdammte Handel. Das können wir nicht riskieren.« Morgan unterbrach sich. »Wir müssen diesen Hundesohn ausschalten, ehe es zu spät ist.«

»Ausschalten?«, sagte Lasseur.

»Entfernen«, sagte Morgan, tat einen langen Zug aus seiner Zigarre und füllte die Lunge mit Rauch.

Das Wort hing in der Luft.

»Sie wollen, dass er umgebracht wird«, sagte Lasseur nüchtern.

»Das wäre die perfekte Lösung.«

Lasseur setzte sich auf, plötzlich dämmerte es ihm.

Die kleinen Nadelstiche, die Hawkwood am Rückgrat gespürt hatte, fühlten sich plötzlich wie Eiskristalle an.

Es wird seinen Preis haben.

»Und Sie möchten, dass wir uns darum kümmern«, sagte Hawkwood.

Jetzt zeigte Morgan mit seiner brennenden Zigarre auf Hawkwood. »Sie, Sir, sind genauso scharfsinnig wie Ihr Freund hier.« Er wandte sich an Pepper. »Habe ich nicht gesagt, das ist ein Paar, auf das man zählen kann?«

Lasseur stellte das Glas hin. »Warum wir?«

Morgan legte den Kopf schief. »Die Lieferung des Goldes an Bonaparte ist eine Geste meines guten Willens. Dies wäre Ihre.«

»Ich verstehe nicht«, sagte Lasseur. Ohne dass Morgan es bemerkte, warf er Hawkwood einen kurzen Blick zu.

»Nein?« Morgan zog an seiner Zigarre und schien das Aroma zu genießen. »Nun, sehen Sie, vorhin im Refektorium, als ich meinen kleinen Plan bekanntgab, kam es mir vor, als ob Sie und Captain Hooper sich nicht ganz so schnell dafür erwärmen konnten wie die anderen. Das ist schade, denn Cephus und ich dachten, dass Sie eine Klasse besser seien, und es wäre schade, wenn wir uns geirrt haben sollten.

Womit ich nicht sagen will, dass wir es nicht schon erlebt haben. Sie wissen ja, wie es ist: Man hält jemandem die Hand der Freundschaft hin und merkt dann, dass er die Erwartungen, die man in ihn setzt, doch nicht erfüllt. Das führt meist zu großem Bedauern und gegenseitigen Vorwürfen. Also, unterm Strich sieht’s so aus: Cephus und ich müssen wissen, auf wen wir uns verlassen können. Und deshalb halte ich es nicht für unzumutbar, wenn wir einen Beweis Ihres Engagements verlangen, finden Sie nicht?«

»Indem Sie von uns verlangen, dass wir einen Zollbeamten umbringen?«

»Um zu beweisen, dass Sie wirklich mit im Boot sind.« Morgan lächelte gewinnend. »Ich meine, es ist doch nicht so, als ob wir es bei Ihnen mit zwei Chorknaben zu tun haben, oder? Da war zum Beispiel dieser kleine Zwischenfall auf dem Hulk. Wie viele kamen da um? Fünf waren’s doch, oder? Das ist eine beeindruckende Anzahl. Man könnte fast schon sagen, etwas übertrieben. Das hat sofort unsere Aufmerksamkeit geweckt, nicht wahr, Cephus?«

»Das kann man wohl sagen«, sagte Pepper. Es war das erste Mal, dass Morgans Leutnant mit Nachdruck gesprochen hatte.

»Wir verlangen ja nur, dass Sie Ihr Geschick auch hier anwenden«, sagte Morgan.

»Halten Sie uns denn für Meuchelmörder?«, fragte Lasseur.

Morgan schüttelte den Kopf. »Daran hatte ich nie gedacht. Aber Sie befinden sich doch immer noch im Krieg, nicht wahr? Und das bedeutet, dass der berittene Officer Jilks Ihr Feind ist, und in Anbetracht dessen, was auf dem Spiel steht, ist er genauso eine Bedrohung wie eine Fregatte der Königlichen Navy oder ein Regiment Dragoner.«

»Der Mann hat Recht«, sagte Hawkwood.

»Und es gibt keine Hinweise, weswegen man die Sache mit Ihnen oder mit Captain Hooper in Verbindung bringen könnte«, sagte Morgan. »Machen Sie die Sache, und in ein paar Tagen sind Sie auf dem Heimweg, und wesentlich wohlhabender als jetzt.«

»Wollen Sie damit andeuten, dass wir dazu verpflichtet sind?«, fragte Lasseur.

»Ich deute nur an, dass Sie beide außerordentlich zupackende Männer sind, die einen hochwichtigen Auftrag vor sich haben. Was bedeutet das Leben eines Mannes, wenn es um die Zukunft Frankreichs geht?«