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Schön und stolz erhoben sich die Köpfe über den hohen Hälsen. Der Mann hatte die breiten Schultern eines Menschen der Arbeit und des Kampfes, die Frau die breiten Hüften der Mutter eines denkenden Wesens, aber keineswegs wurde dadurch der Eindruck von der intellektuellen Kraft der Menschen des unbekannten Planeten beeinträchtigt.

Als sich die Fremden mit der schon bekannten Gebärde der Aufforderung, es ihnen nachzutun, zurückzogen, stellten sich auf die Bitte des Kommandanten hin Tei Eron und Afra Dewi Hand in Hand vor der durchsichtigen Trennwand auf. Trotz der unirdischen Beleuchtung, die den Körpern der jungen Menschen die kalte Tönung von hellblauem Marmor verlieh, war dieser Anblick der nackten Schönheit ihrer Gefährten für die Erdbewohner eindrucksvoll und überwältigend. Ähnlich erging es auch den Fremden. Ihren Gesten und Bewegungen nach waren sie offensichtlich stark beeindruckt.

„Jetzt habe ich keinen Zweifel mehr, daß sie die Liebe kennen“, sagte Taina, „die echte, herrliche und erhabene Liebe, wenn ihre Männer und Frauen so schön und klug sind!“

„Sie haben völlig recht, Tairya, und das ist aus dem Grunde besonders erfreulich, weil sie uns dadurch in allem richtig verstehen werden“, entgegnete Mut Ang dem jungen Mädchen.

Inzwischen hatten die Fremden eine grüne Filmleinwand nach vorn geschoben. Auf ihr begannen sich kleine Gestalten zu bewegen. Es war ein ganzer Zug Leute, die einen steilen Hang hinaufkletterten. Auf ihrem Rücken trugen sie schweres Gepäck. Nachdem sie das Gipfelplateau erreicht hatten, warf jeder seine Last ab und fiel, mit dem Gesicht nach unten, nieder.

Der kleine Film sollte wahrscheinlich dartun, wie ermüdet die Fremden seien und daß sie das Bedürfnis nach einer Erholungspause hätten. Auch die Erdbewohner fühlten sich nach dem anstrengenden Warten und nach den ersten starken Eindrücken der Begegnung recht angegriffen. Die Menschen vom Fluorplaneten hatten anscheinend schon damit gerechnet, mit anderen Menschen zusammenzutreffen, und sich darauf vorbereitet, indem sie solche „sprechenden Filme“ hergestellt hatten.

Die Besatzung der „Tellur“ war auf diese Begegnung nicht vorbereitet gewesen, aber sie wußte sich zu helfen. Sie brachte eine Leinwand herbei, und Jaß Tin begann damit, eine Reihe Skizzen zu zeichnen. Zuerst stellte er mehrere ebenso ermattete Menschen dar, wie man sie in dem Film gesehen hatte. Die nächste Skizze zeigte die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne. Der Zeichner teilte die Umlaufbahn in 365 gleiche Teile und die Eigendrehung der Erde in 24 Teile, von denen er die Hälfte schwarz machte. Schnell antworteten die Fremden mit einem ähnlichen Schema. Dann wurden auf beiden Seiten Metronome geholt und eingeschaltet. Mit ihrer Hilfe gelang es, die Dauer der kleinen Zeiteinheiten zu bestimmen und dann die größeren abzuleiten. Die Raumfahrer erfuhren, daß sich der Fluorplanet innerhalb von etwa 14 Erdstunden einmal um seine Achse drehte und daß die Umlaufszeit um seine blaue Sonne neunhundert Tage betrug. Auf diese Weise gelang es, die Dauer der Ruhepause, welche die Fremden vorgeschlagen hatten, auf fünf Erdstunden festzusetzen. Noch ganz benommen von dem Erlebten verließen die Menschen den Verbindungstunnel. Die Lampen in dem Durchgang erloschen, auch die Außenbeleuchtung der „Tellur“ wurde ausgeschaltet. Beide Raumschiffe lagen finster und bewegungslos nebeneinander, als sei alles Leben in ihnen zugrunde gegangen, erstarrt in der eisigen Kälte und der undurchdringlichen Finsternis des unendlichen kosmischen Raumes.

Und doch ging im Innern des Schiffes das Leben weiter, mit heißem Herzschlag, erfüllt von Wissensdurst und Schaffenskraft. Das ewig erfinderische menschliche Hirn forschte nach neuen Wegen, wie man den wesensgleichen Brüdern und Schwestern, geboren und herangewachsen auf Planeten endlos ferner Sterne, das Wissen und die Zukunftshoffnungen übermitteln könne, die sich in tausendjährigen unermeßlichen Mühen, Gefahren und Leiden auf der Erde angesammelt hatten. Das zweite Treffen im Durchgang begann mit der Vorführung von Sternkarten. Sowohl die Erdmenschen als auch die Bewohner des Fluorplaneten erkannten nicht die von der anderen Seite vorgeführten Skizzen jener Sternbilder, an denen der Kurs ihres Schiffes vorbeigeführt hatte. (Erst auf der Erde gelang es später den Astronomen, die genaue Lage des blauen Himmelskörpers festzustellen.)

Im Durchgang der Fremden war eine Art Rost mit Lamellen aus einem roten Metall aufgestellt. Er hatte die Höhe eines Menschen. Dahinter begann sich etwas zu drehen, wie man durch die Zwischenräume erkennen konnte. Plötzlich schoben sich die Lamellen zusammen, stellten sich auf die Kante und waren verschwunden. An der Stelle des Rostes gähnte ein gewaltiger leerer Raum, in dem man in weiter Ferne bläuliche Kugeln, Sputniks des Fluorplaneten, vorüberziehen sah. Allmählich kam der Planet selbst näher. Um seinen Äquator herum verlief ein breiter Gürtel undurchdringlicher Wolken, über den Polen und den Polarzonen lag ein graurötlicher Widerschein. Zwischen dem Äquator und den Polen aber liefen Streifen von der gleichen reinweißen Farbe um den ganzen Planeten herum, wie sie die Außenfläche des fremden Raumschiffes zeigte. Hier konnte man durch den Dunst der nicht völlig gesättigten Atmosphäre hindurch, wenn auch undeutlich, die Konturen von Meeren, Kontinenten und Gebirgen unterscheiden, die in unregelmäßigen vertikalen Gürteln aufeinanderfolgten. Der Planet war sichtlich größer als die Erde und schien ein riesiges Magnetfeld zu haben. Er verbreitete ein starkes fliederfarbenes Leuchten um sich, das sich über den Äquator hinzog und weit in die Schwärze des kosmischen Raumes hineinreichte.

Staunend und ganz überwältigt von dem, was sie zu sehen bekamen, saßen die Erdmenschen Stunde um Stunde vor der durchsichtigen Wand und wurden des Schauens nicht müde. Das wunderbare Gerät, das auf der Erde unbekannt war, vermittelte Bilder und Eindrücke vom Fluorplaneten mit einer so starken Wirklichkeitstreue, daß jeder der Raumfahrer glaubte, alles das, was jenseits der Trennwand vorgeführt wurde, selbst mitzuerleben. Da wogten die vom Winde bewegten Wellen eines gewaltigen Ozeans, aber sie waren nicht grünlichgrau wie auf der Erde, sondern lilafarben, denn es war ein Ozean von Fluorwasserstoff. Sie umspülten hier „Sand“-ufer, dort rote Felsenklippen und steil ins Meer abfallende Hänge vielgezackter Gebirge.

Die Gebirge gingen in Polnähe in runde Kuppen, Wälle und flache Erhebungen mit hellem opalfarbenem Glanz über. Die bläulichen Schleier der Dämmerung lagen über den tief eingeschnittenen Tälern, die sich von den Polarhöhen zu dem eingebuchteten Meeresgürtel am Äquator hinzogen. Gigantische Bauten, aus rotem Metall und irgendwelchen grasgrünen Steinen errichtet, umsäumten die Küsten der Meere und folgten in endlos langen Reihen den vertikal gerichteten Tälern nach den Polen hin. Diese ins Riesenhafte gehenden Ansammlungen von baulichen Anlagen, die man auch aus der sehr großen Entfernung deutlich wahrnehmen konnte, waren durch breite Streifen einer üppigen Vegetation mit grünlichblauem Laubwerk oder durch flache Bergkuppen voneinander getrennt. Diese Berge strahlten ein aus dem Innern kommendes funkelndes Licht aus, wie man es auf der Erde an Opalen kannte. Dagegen glichen die runden Eiskappen aus gefrorenem Fluorwasserstoff, die die beiden Pole trugen, edlen Saphiren.