Die Tür ging hinter uns zu. Wir waren allein in ihrem Schlafgemach. An den Wänden hingen Webteppiche, der Boden war mit Schaffellen ausgelegt. Ihr Bett stand unter einem kleinen Fenster. Sie zog ihr Kleid über den Kopf und ließ es fallen.
»Findest du mich schön?«, fragte sie.
Ich war froh, eine einfache Antwort geben zu können, und sagte: »Ja.« Sie war kleingewachsen und zierlich, der Bauch, in dem ihr Kind heranwuchs, kaum merklich gewölbt. Mein Blick wanderte unwillkürlich auf das, was ich bislang noch nie gesehen hatte, ein kleines Dreieck dunkler und nach oben gerichteter Härchen. Sie sah, wohin ich blickte, langte nach meiner Hand und führte sie an die Stelle, die eine Gluthitze ausstrahlte.
Die Haut, über die meine Finger fuhren, war warm und so zart, dass ich fürchtete, sie könnte zerreißen. Mit der anderen Hand streichelte ich ihre Wange und die weichen Lider unter den Augen, deren Ausdruck mich erschreckte. Er war ohne Hoffnung und freudlos, zeugte aber von fester Entschlossenheit.
Fast hätte ich Reißaus genommen. Doch ich konnte sie nicht noch mehr enttäuschen, ihr vorenthalten, was sie wünschte. Also ließ ich zu, dass sie mich aufs Bett und zwischen ihre Schenkel zog, wo sich zarte Haut auftat. Ihr kleines Gesicht wirkte hoch konzentriert, und es schien, als habe sie Schmerzen, so fest presste sie die Zähne aufeinander. Es war für uns beide eine Erleichterung, als sie sich mir schließlich öffnete.
Ich kann nicht sagen, dass ich erregt war, doch ich spürte ein langsames Aufwallen in mir, eine seltsame, fast träumerische Empfindung, die so ganz anders war als meine scharfe, heftige Lust auf Achill. Es schien, dass meine Trägheit sie erneut verletzte. Noch mehr Gleichgültigkeit. Und so rührte ich mich, gab lustvolle Laute von mir und presste meine Brust an ihre.
Es schien ihr zu gefallen. Sie trieb mich an und schien plötzlich zu brennen. Ihre Augen leuchteten triumphierend auf, als ich zu keuchen anfing. Und als ich immer schneller wurde, schlang sie ihre leichten Schenkel fest um meinen Leib und bäumte sich unter mir auf.
Danach lagen wir atemlos Seite an Seite, ohne uns zu berühren. Sie war wie entrückt, ihre Haltung seltsam steif. Noch benommen und erschöpft versuchte ich, sie in den Arm zu nehmen. Zumindest das konnte ich ihr anbieten.
Doch sie rückte von mir ab und stieg aus dem Bett. Ihre Augen waren dunkel umrandet. Sie schlüpfte in ihr Kleid und kehrte mir dabei den Rücken zu. Ich wusste nicht, worauf sie es angelegt hatte, spürte aber, dass ich ihr nicht geben konnte, was sie wollte. Auch ich stand auf und zog mich an. Ich wollte sie berühren, ihr Gesicht streicheln, doch ihr Blick wehrte mich ab. Hüte dich, sagten ihre Augen. Sie öffnete mir die Tür. Mit gesenktem Kopf trat ich über die Schwelle hinaus in den Gang.
»Warte!« Ihre Stimme klang rau. Ich drehte mich um. »Richte ihm mein Lebwohl aus«, sagte sie und schlug die Tür zu.
Als ich Achill schließlich fand, fiel ich ihm vor Glück und Erleichterung in die Arme, selig, von Deidameias Kummer und Schmerz erlöst zu sein.
Später war ich fast überzeugt davon, dass ich, von seinen Schilderungen und meiner überbordenden Fantasie inspiriert, nur geträumt hatte. Doch dem war nicht so.
Vierzehntes Kapitel
Deidameia verließ, wie angekündigt, die Burg am nächsten Morgen. »Sie besucht eine Tante«, erklärte Lykomedes dem Hofstaat beim Frühstück mit flacher Stimme. Niemand wagte es, Fragen zu stellen. Sie würde fort sein, bis das Kind geboren war und Achill sich zur Vaterschaft bekannte.
Die folgenden Tage durchlebten wir wie in einem Schwebezustand. Achill und ich hielten uns so häufig wie möglich außerhalb der Burg auf, und an die Stelle der Freude über unser Wiedersehen trat Ungeduld. Wir wollten gehen, um auf den Pelion oder nach Phthia zurückzukehren. Angesichts des Schicksals der Prinzessin plagte uns ein schlechtes Gewissen, und die Stimmung am Hof hätte schlechter kaum sein können. Lykomedes legte die Stirn in Falten, sooft er uns sah.
Und dann war da der Krieg. Nachrichten erreichten sogar die entlegene, vergessene Insel Skyros. Helenas ehemalige Bewerber hatten sich an ihren Schwur gehalten, und Agamemnons Streitkräfte waren voll fürstlichen Geblüts. Es hieß, er habe geschafft, was bisher keinem Mann gelungen sei: die Vereinigung unserer vielen kleinen Königreiche unter einer gemeinsamen Sache. Ich erinnerte mich an ihn, an sein grimmiges Gesicht und seine zottelige, bärenhafte Erscheinung. Sein Bruder Menelaos hatte auf mich, den Neunjährigen, mit seinen roten Haaren und der heiteren Stimme einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen. Aber Agamemnon war älter, sein Heer größer. Er würde den Feldzug gegen Troja anführen.
Es war an einem Vormittag im Spätherbst. Hier, so weit unten im Süden, welkte das Laub nicht, und der Luft am Morgen fehlte die frostige Kälte. Wir hockten in einer Felsnische hoch über dem Strand mit weitem Blick aufs Meer und warteten darauf, Schiffe vorbeisegeln oder graue Delfinrücken durchs Wasser ziehen zu sehen. Wir warfen Kieselsteine und beugten uns vor, um zu beobachten, wie sie über die Felswand in die Tiefe sprangen. So hoch oben waren wir, dass wir ihren Aufprall in der Tiefe nicht hören konnten.
»Ich wünschte, wir hätten die Leier deiner Mutter bei uns«, sagte er.
»Ja, ich auch.« Doch sie war mit all den anderen Dingen in Phthia zurückgeblieben. Schweigend erinnerten wir uns an den Klang ihrer Saiten.
Er blickte auf. »Was ist das?«
Blinzelnd folgte ich seinem Fingerzeig. Die Sonne stand tief und schien mir ins Gesicht.
»Ich kann nichts erkennen«, antwortete ich mit Blick auf den Dunst zwischen Horizont und Himmel. Ein dunkler Fleck zeichnete sich in der Ferne ab. Vielleicht war es ein Schiff, vielleicht aber auch nur die Spiegelung der Sonne auf dem Wasser. »Wenn es ein Schiff ist, wird es Neuigkeiten bringen«, sagte ich mit jenem mulmigen Gefühl in der Magengegend, das mir inzwischen vertraut war. Ich fürchtete seit längerem, dass jemand kommen würde, der nach dem letzten Bewerber Helenas suchte, dem Eidbrüchigen. Ich war damals noch sehr jung gewesen und hatte nicht bedacht, dass es kein Heerführer auf sich sitzen ließe, wenn jemand seinem Ruf nicht folgte.
»Es ist ein Schiff, ganz bestimmt«, sagte Achill. Der Fleck rückte näher; das Schiff schien schnell voranzukommen. Bald zeichneten sich vor dem blaugrünen Wasser die Segel ab.
»Eine Handelsbarke ist es jedenfalls nicht«, meinte Achill. Die fuhren unter weißen Segeln, die praktisch und billig waren. Nur reiche Herrscher konnten es sich leisten, das Segeltuch ihrer Schiffe zu färben. Agamemnon ließ wie die Könige aus dem fernen Osten rote und violette Segel hissen. Diejenigen, die wir sahen, waren gelb und mit schwarzen Kreislinien gemustert.
»Sagen dir diese Farben etwas?«, fragte ich.
Achill schüttelte den Kopf.
Wir sahen das Schiff an der engen Einfahrt zur Bucht vorbeiziehen und auf den Sandstrand zusteuern. Ein Steinanker wurde gesetzt, eine Laufplanke ausgefahren. Aus der Entfernung waren die Männer an Bord nicht zu erkennen, wir sahen nur schwarze Köpfe.
Achill stand auf und ließ seine vom Wind zerzausten Haare unter dem Kopftuch verschwinden. Ich half ihm, sein Kleid zu richten, den Gürtel und die Bänder anzulegen, und hatte mich längst daran gewöhnt, ihn in dieser Aufmachung zu sehen. Als wir fertig waren, beugte er sich vor und gab mir einen Kuss. Seine weichen Lippen versetzten mich in Erregung. Er sah den Ausdruck meiner Augen und lächelte. »Später«, versprach er mir, drehte sich um und kehrte auf dem Pfad zurück, der zur Burg führte. Er würde sich in den Frauengemächern versteckt halten, bis der Bote die Insel wieder verlassen hatte.