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Aus den Augenwinkeln konnte Volker beobachten, wie der Rothaarige sich näherte. Er hielt seinen Bogen jetzt in der Linken und hatte mit der Rechten ein langes Messer aus seinem Gürtel gezogen. Vorsichtig näherte sich der Krieger und stieß Volker mit dem Fuß an. Der Spielmann blieb reglos liegen. Mit einem triumphierenden Lächeln beugte sich der Rothaarige herab. Seine Klinge näherte sich Volkers Hals. Im letzten Augenblick erst rollte sich der Ritter zur Seite. Seine Rechte schnellte vor, und der Dolch, auf dem er gelegen hatte, bohrte sich dem jungen Mann in den Bauch.

Der Kerl taumelte zurück. Die Waffen glitten ihm aus den Händen. Er öffnete den Mund, als wolle er schreien, doch drang nur ein leises Röcheln über seine Lippen. Blut tropfte ihm aus dem Mundwinkel. Er griff mit der Rechten nach dem Griff des Messers, das aus seiner Brust ragte.

Volker richtete sich auf und zog sein Schwert. Sein Gegner war inzwischen in die Knie gegangen. »Wolltest meinen Kopf, nicht wahr?« Volker schnitt eine Grimasse. Bei jeder Bewegung schmerzte die Pfeilwunde in seiner Brust. »Ist heute nicht dein Tag, Feenritter.« Er berührte den Hals des Rothaarigen mit seiner Schwertspitze.

»Vielleicht sollte ich dich mitnehmen und deinem Anführer einen Gefangenentausch vorschlagen? Was glaubst du, wie ihm das gefallen wird?«

Der Verwundete blickte ihn einige Herzschläge lang an. Er hatte große, graue Augen. Plötzlich preßte er die Lippen zusammen und stürzte sich nach vorne in Volkers Schwert. Der Spielmann riß die Waffe zurück, doch die scharfe Klinge hatte dem Rothaarigen den Hals aufgeschlitzt. Pulsierend sprudelte das Blut aus der tödlichen Wunde. Der junge Mann lächelte matt. Dann sank er zur Seite.

Der Ritter fluchte. Was für ein Wahnsinn! Warum hatte der Kerl das getan? Hatte er solche Angst vor dem Zorn seiner Gefährten gehabt? Volker kniete nieder und wischte sein Schwert an der Hose des Toten sauber. Dann löste er seinen Dolch aus der Wunde und reinigte auch ihn.

Noch immer hallte das Klingen von Schwertern durch den Nebel. Der Kämpfer der Morrigan mußte gut sein, daß er sich so lange gegen Gwalchmai hatte halten können. Der Spielmann richtete sich auf. Helle Lichtpunkte tanzten ihm vor den Augen. Ihm wurde schwindelig, und er mußte sich auf sein Schwert abstützen. Mit zitternden Fingern griff er nach dem Pfeil, der in seiner Brust steckte. Vorsichtig bewegte er das gefiederte Ende, und ein brennender Schmerz schoß durch seine Brust bis in den linken Arm hinauf. Das Geschoß steckte tiefer, als er zunächst gedacht hatte. Es wäre töricht zu versuchen, sich den Pfeil herauszuziehen. Die Wunde würde dann nur noch stärker bluten.

Mit der Linken umklammerte er den Schaft des Geschosses. Er ballte die Hand zur Faust und preßte sie auf seine Brust. Der Schmerz raubte ihm fast die Sinne. Mit der anderen Hand griff er nach dem gefiederten Ende.

»Heilige Maria, Mutter Gottes, gib mir Kraft«, flüsterte er. Dann brach er mit einem Ruck den Pfeil durch. Stöhnend ging er in die Knie. Es war, als hätten ihm Teufel ein glühendes Eisen in die Brust getrieben. Für einige Augenblicke konnte er nicht mehr klar sehen. Die Bäume schienen in wildem Reigen um ihn herum zu tanzen. Endlich ließ der Schmerz ein wenig nach. Er blickte an sich herab. Nur ein kleines Stück des Pfeilschaftes, nicht länger als sein kleiner Finger, ragte jetzt noch aus der Wunde. Sein weißer Waffenrock war über und über mit Blut bespritzt. Es mußte auch von dem jungen Krieger stammen!

Sein Schwert als Krücke benutzend, kämpfte der Spielmann sich auf die Beine. Er wollte dem Sieg Gwalchmais beiwohnen. Schweren Schrittes ging er den Wald entlang. Bald sah er etliche Boote auf dem schmalen Uferstreifen liegen. Die Räuber waren zahlreicher, als er gedacht hätte. Vielleicht wäre es klüger, sich vor ihnen zu verstecken. Schemenhaft konnte er durch den Nebel zwei Krieger mit Bogen erkennen. Mit zwei Schritten hatte er den Rand des Waldes erreicht und kauerte sich hinter einen Busch. Die beiden Schützen waren wieder im Nebel verschwunden. Vorsichtig arbeitete sich der Spielmann durch das Dickicht. Dornenranken zerrten an seinem Waffenrock, und es schien, als wollten die Wurzeln der Bäume nach seinen Füßen greifen. Zweimal strauchelte er, und die Wunde in seiner Brust begann wieder zu bluten.

Endlich konnte er im Dunst den riesigen Trophäenbaum erkennen. Auf der Lichtung umkreisten zwei Kämpfer einander. Die Nebelschleier ließen die Szene seltsam unwirklich erscheinen, so als sei sie ein Spuk oder ein Traumbild. Der Streiter der Morrigan war ein hünenhafter Kerl, der Gwalchmai um mehr als Haupteslänge überragte. Der Krieger war völlig nackt. Sein Körper war über und über mit verschlungenen blauen Mustern bemalt. Nur um den Hals trug er einen breiten, goldenen Schmuckreif. Die Haare des Kämpfers waren kurz und standen wie Stacheln von seinem Kopf ab. So wie Gwalchmai kämpfte der Streiter der Morrigan mit Schwert und Schild. Die Mitte seines Rundschildes war mit einem großen, eisernen Buckel verstärkt, und das Holz war mit gelben Spiralen auf rotem Grund bemalt.

Der Kampf wogte lange unentschieden hin und her. Die zwei Krieger waren einander fast ebenbürtig. Beide bluteten aus mehreren leichten Wunden. Ihre Bewegungen wurden langsamer, die Attacken waren nicht mehr so ungestüm. Laut hallte ihr Keuchen über die Lichtung.

Etliche Bewaffnete standen am Rand der Bäume und beobachteten das Duell. Volker schätzte, daß es mindestens vierzig Krieger sein mußten, die sich dort versammelt hatten. Für eine Räuberbande verdammt viele! Vermutlich waren auch Bauern und Fischer aus der Gegend dabei. Der Spielmann überlegte, ob er seine Deckung verlassen sollte, doch eine innere Stimme warnte ihn. Wer wußte, wie dieses Pack reagieren würde. Es war klüger, sich zunächst im Hintergrund zu halten!

Gwalchmai stieß einen wilden Kampfschrei aus und holte zu einem mächtigen Hieb aus, der auf den Kopf seines Gegners zielte. Der Kämpe der Morrigan riß seinen Schild hoch, um den Schwertstreich abzufangen. Im gleichen Moment wechselte der Kaledonier die Schlagrichtung. Volker nickte anerkennend. Gwalchmai lernte schnell! Das war derselbe Schlag, mit dem er den Kaledonier am Vortag bezwungen hatte. Der blonde Hüne, der sich mit seinem eigenen Schild die Sicht genommen hatte, konnte das überraschende Manöver nicht sehen. Das Schwert des Ritters traf ihn dicht über der Hüfte und schnitt ihm tief ins Fleisch. Stöhnend taumelte der Krieger zurück. Der Schild entglitt seiner Hand. Er preßte die Linke auf die stark blutende Wunde. Immer noch hielt er sein Schwert zur Abwehr bereit.

»Gib auf! Du warst ein ehrenhafter Gegner. Ich möchte dich nicht töten.« Gwalchmai senkte sein Schwert. »Du kannst nicht mehr gegen mich gewinnen.«

Eine Frau mit langem, rotblondem Haar trat aus dem Nebel. Sie trug einen Umhang aus Rabenfedern, der bis auf den Boden hinabreichte, und dazu ein enganliegendes, schwarzes Kleid. Ihre Stimme klang klar und befehlsgewohnt, als sie sprach. »Schafft Arbotorix fort und versorgt seine Wunden.«

Die Krieger am Rand der Lichtung gehorchten ihr schweigend. Volker traute seinen Augen kaum. Das also war die Morrigan. Die Frau wirkte unnatürlich blaß und sprach mit einem merkwürdigen Akzent, wie ihn der Spielmann bei den Bauern der Region nicht bemerkt hatte. Sollten die Geschichten über die Fee am Ende doch wahr sein? Volker duckte sich ein wenig tiefer in die Büsche.

»Ich beglückwünsche dich, Falkenritter! Du hast meinen besten Krieger besiegt. Du bist der erste, der Arbotorix überwinden konnte. Ich nehme an, du kennst den Preis deines Triumphs.«

Gwalchmai beugte das Knie. »Es heißt, der Sieger des Duells solle an deiner Seite König im Feenreich sein, edle Morrigan.«