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Der Wirt deutete in seine Richtung. Golo wünschte sich, er hätte Wasser statt Wein getrunken. Dieser Bischof roch nach Ärger! Er müßte sich als Ritter oder vielleicht besser als Knappe von edler Abstammung ausgeben. Wenn der Bischof durchschaute, daß er nur ein Knecht war, aber die Kleider eines Edelmannes trug, dann ließ er ihm wahrscheinlich gleich draußen bei der Dorfeiche einen Hanfkragen anlegen. Was er jetzt brauchte, war eine tolldreiste Lügengeschichte, um seinen Kopf zu retten!

»Woher hat Er dieses Pferd?« Der Bischof hatte sich inzwischen vor ihm aufgebaut, so als stünde er in der Kanzel einer Kathedrale, um eine ganze Stadt wegen ihrer Verderbtheit zu geißeln. »Der Burgunde, dem es gehört, hat mir erst vor zwei Wochen erklärt, er würde lieber seine linke Hand als diesen Hengst hergeben.«

Golo räusperte sich. »Die Reise zur schönen Gunbrid, der Nichte unseres Königs, hat ihn in der Tat mehr als seine linke Hand gekostet.«

Auf der Stirn des Bischofs zeigte sich direkt über der Nase eine steile Zornesfalte. »Wie meint Er das? Spreche Er nicht in Rätseln zu mir!«

»Mein Fechtmeister, der Herr von Alzey, ist vom Feenvolk in den Sümpfen bei Marans ermordet worden, als er versuchte, die schöne Gunbrid aus den Händen dieser Unholde zu befreien. Ich bin auf der Reise zum Hof des Königs Eurich, um dort Klage wegen des Todes meines Herrn zu erheben!«

»Seines Herrn? Wer ist Er? Reist mit vier Pferden, als sei Er ein Baron, und hat doch zugleich keinerlei Diener oder Knechte um sich. Auch sieht Er nicht aus, als sei Er von hoher Geburt. Man mag Ihn vielmehr für einen Pferdedieb und Halsabschneider halten.«

Golo erhob sich leicht schwankend von seinem Stuhl. »Ihr seid gewiß von hohem Stand, Herr Bischof, doch gibt Euch das kein Recht, einen Mann von edler Geburt zu schmähen! Mein Vater, der Herr von Zeilichtheim, hat mich als Edelknappen in die Obhut des Herren von Alzey gegeben, damit dieser mich die Tugenden des Rittertums lehren konnte. Indem Ihr mich beleidigt, schmäht Ihr auch ihn, dessen blutbefleckten Waffenrock ich als Zeugnis des feigen Mordes zu Eurem König tragen werde.« Golo blickte den Bischof offen an und hoffte, den richtigen Ton getroffen zu haben. Er hatte zwar oft zugehört, wenn Volker sich mit anderen Adeligen in der gestelzten Hofsprache unterhielt, doch ihm selbst fehlte darin jede Übung.

»Zeige Er mir doch einmal diesen Waffenrock und erkläre Er mir, warum Er noch lebt, während Sein Waffenmeister tot ist.«

»Nun, Volker hat gefochten, als sei er der Erzengel Gabriel selbst und...«

Der Bischof packte ihn am Wams und fauchte erbost: »Hüte Er sich, den Namen eines Engels so leichtfertig und lästerlich auszusprechen! Hinaus mit Ihm, und zeige Er mir nun diesen Waffenrock!« Der Kirchenmann versetzte Golo einen groben Stoß, so daß er quer durch die Schenke zur Türe taumelte.

Flankiert von den Söldlingen des Geistlichen wurde der Knecht zu den Pferden geführt. Mit zitternden Fingern hantierte er an dem schweren Packsattel herum und zog schließlich aus einer der Taschen den Waffenrock seines Herren. Triumphierend hielt er ihn dem Bischof hin. »Hier, genügt Euch das als Beweis für die Wahrheit meiner Worte?«

Der Kirchenmann betrachtete das Kleidungsstück kurz und zeigte dann auf den Schild, der auf dem Packsattel befestigt war. »Er sagte doch, Sein Herr sei in einem Zweikampf ermordet worden, nicht wahr?«

Golo nickte eifrig.

»Wie kommt es dann, daß auf Seinem Schild nicht eine Schramme zu sehen ist? War der Herr von Alzey etwa ein so schlechter Fechter, daß die Feen sofort seine Deckung zu durchbrechen vermochten? Schildere Er mir doch einmal diesen Kampf.«

Golo spürte, wie ihm kalter Angstschweiß den Rücken hinabrann. Dieser Bischof wollte seinen Kopf und sich dann die Pferde nehmen! Wenn ihm jetzt auch nur der kleinste Fehler unterlief, dann würde er binnen einer Stunde an einem der ausladenden Zweige der Dorfeiche baumeln!

»Nun... Meinem Herrn war für den Zweikampf die Wahl der Waffen überlassen worden, und er entschied sich für sein Bastardschwert, so daß er keine Hand mehr frei hatte, um noch einen Schild zu führen. Wie ein Erz... ich meine wie ein... aufrechter Ritter es tun sollte, focht er mit allem Mut und großer Tollkühnheit. Er brachte den Feenritter in arge Bedrängnis. Als dieser schon zu unterliegen drohte, kamen zwei weitere Ritter auf den Kampfplatz und stachen den Herrn Volker hinterrücks nieder. Er war sofort tot. Dann drangen die Feen auf mich ein, doch zum Glück saß ich noch im Sattel und konnte den Mördern mit unseren Pferden entkommen.«

Der Bischof rümpfte die Nase. »Seine Geschichte stinkt zum Himmel! Wie kommt es, daß das Bastardschwert Seines Herrn dort drüben am Packsattel festgeschnallt ist, wenn der Herr von Alzey mit dieser Waffe in der Hand gestorben sein soll und Er hier vorgibt, vor den Feen geflohen zu sein? Und wie ist Er in den Besitz des blutigen Waffenrocks gekommen?«

Golo räusperte sich. »Das kann ich alles erklären. Ich...«

»Genug! Schnall Er den Schild vom Sattel, und dann folge Er mir in die Scheune dort drüben!«

Ohne zu widersprechen, folgte der Knecht dem Befehl des Bischofs. Was wollte dieses Rauhbein von ihm? Hätte er nur nie bei diesem Wirtshaus angehalten! Das Schicksal meinte es schlecht mit ihm! Er hätte seinen Herrn nicht allein lassen dürfen.

Als Golo die Scheune betrat, verschloß der Normanne das hohe Tor hinter ihm. »Höre Er mir gut zu! Ich bin Jehan de Thenac, der Bischof von Saintes. Mein Großvater war noch ein gefürchteter normannischer Pirat, der die Küsten von Ulaid bis hin zum Land der Lotophagen unsicher machte. Mein Vater hat mit seinen Kriegern die Franken aus diesem Landstrich vertrieben, und ich habe zehn Jahre Krieg geführt, um das Poitou von maurischen Banditen zu säubern. Ich stamme aus einem Geschlecht von Kriegern, und selbst wenn ich das Gewand eines Bischofs trage, heißt das nicht, daß ich nicht genauso dreinschlagen könnte wie meine Vorfahren!« Jehans Hand glitt zum Schwert, und er zog blank. »Na los, hebe Er Seinen Schild!«

Krachend sauste die Klinge auf die Kante von Volkers Wappenschild und grub sich tief ins Holz. Golo wollte nach seinem Schwert greifen, doch der Bischof verpaßte ihm einen Stoß, der ihn zurücktaumeln ließ. »Er wird doch nicht etwa gegen einen Mann der Kirche Sein Schwert ziehen wollen, oder ist Er ein verdammter Heidensohn, der keinen Respekt vor den Dienern des Herrn hat?«

»Bitte, Herr, haltet ein! Ich möchte keinen Streit mit Euch.« Wieder traf ein Schlag den Schild.

»Er möchte keinen Streit! Dann soll Er sich nicht so aufführen, als sei ich ein Trottel. Oder glaubt Er, nur weil ich das Gewand eines Kirchenmannes trage, könne ich eine Lüge nicht mehr von der Wahrheit unterscheiden? Heraus mit der Sprache! Was ist mit Seinem Herrn geschehen?«

»Bitte, glaubt mir doch...« Das Schwert des Bischofs sauste nieder und trennte die linke Kante von dem dreieckigen Reiterschild. Dieser Kerl mußte verrückt sein! Und er schlug drein wie ein Berserker! »Mein Herr, Volker von Alzey, wurde von den Feen ermordet! Sie haben die Burg bei Marans zerstört, und er folgte ihnen in die Sümpfe.«

»Und warum lebt Er noch, wenn Sein Herr in einen Hinterhalt geraten ist? Überhaupt, wer ist Er? So wie Er diesen Schild hält, könnte Er sich auch mit einem Küchenbrett verteidigen.« Der Bischof machte einen Ausfall und trieb Golo vor sich her, bis der Knecht mit dem Rücken zum Tor stand.

»Ich gestehe, daß ich nur ein Diener bin und kein Adliger. Doch der Rest meiner Geschichte ist wahr! Ich schwöre bei Gott!«