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»Das befindet sich in meinem Besitz.«

Der Mann, in dessen Körper der Kaiser steckte, lächelte. »Er könnte kommen und es euch wegzunehmen versuchen, Nicholas. Oder er läßt sich von irgend jemandem ein anderes Gegenmittel zusammenmischen, damit er sich gar nicht erst die Mühe machen muß, hierher zu kommen.«

»Nun, das denke ich nicht. Seht Ihr, Euer Exzellenz, bei allem, was ich tue, gehe ich überaus gründlich vor. Schon das Gift, das Lord Rahl verabreicht wurde, war eine komplexe, aus zahlreichen Ingredienzien zusammengesetzte Substanz, das Gegenmittel aber ist noch weitaus komplizierter. Das weiß ich, weil ich den Mann, der fähig war, es herzustellen, habe foltern lassen, bis er mir seine Zusammensetzung – bis ins letzte geheime Detail – verraten hat. Es enthält eine ganze Liste von Dingen, an die ich mich nicht einmal ansatzweise zu erinnern vermag.

Selbstverständlich habe ich den Mann beseitigen lassen. Der Scherge, der das Geständnis, die Liste mit Inhaltsstoffen, aus ihm herausgefoltert hat, wurde ebenfalls liqidiert. Ihr seht also, Euer Exzellenz, es gibt niemanden mehr, der Lord Rahl das Gegenmittel herstellen könnte.« Er faßte das Fläschchen an seinem Hals und ließ es vor den Augen des Soldaten hin und her pendeln. »Dies hier ist die letzte existierende Dosis, die letzte Chance Lord Rahls, zu überleben.«

Jagang betrachtete das Fläschchen, das Nicholas vor seinem Gesicht schwingen ließ, mit den Augen des jungen Soldaten. Aus seinem Gesicht war jeder Anflug von Heiterkeit gewichen.

»Demnach wird Lord Rahl also hier auftauchen, um es sich zu beschaffen.«

Nicholas zog den Korken heraus und schnupperte an dem Fläschchen. Die Flüssigkeit im Innern verströmte ein zartes Zimtaroma.

»Glaubt Ihr das wirklich, Exzellenz?«

Mit einer übertrieben theatralischen Geste schüttete Nicholas die Flüssigkeit auf den Boden, ehe er das Fläschchen unter den Blicken Kaiser Jagangs ausschüttelte, um sicherzugehen, daß es sich bis zum letzten Tropfen leerte.

»Wie Ihr seht, Exzellenz, habe ich die Dinge voll im Griff. Richard Rahl wird keine Schwierigkeiten mehr machen. Das Gift wird ihn in Kürze töten – falls es meinen Leuten nicht gelingt, ihn schon vorher aufzugreifen. Wie auch immer, Lord Rahl ist ein toter Mann – exakt, wie Ihr es verlangt habt.«

Nicholas’ Verbeugung wirkte wie der krönende Abschluss einer grandiosen Vorstellung vor einem dankbaren Publikum.

Der junge Soldat lächelte erneut; es war ein Lächeln bemühter Langmut.

»Und was ist mit der Mutter Konfessor?«, wollte der Kaiser wissen.

Der deutliche Unterton unterdrückten Zorns war Nicholas nicht entgangen. Es mißfiel ihm, daß er für seine überragende Großtat nicht rundherum Bewunderung erntete.

»Nun, wie ich es sehe, Exzellenz, habe ich jetzt, nachdem ich Euch davon unterrichtet habe, daß Lord Rahl sich schon bald zur großen Gemeinde des Hüters in der Unterwelt gesellen wird, keinerlei Sicherheit mehr, daß Ihr Euren Teil des Abkommens erfüllen werdet. Deshalb möchte ich Euch um ein Versprechen bitten, ehe ich Euch die Mutter Konfessor übergebe.«

»Was macht Euch so sicher, daß Ihr ihrer habhaft werden könnt?«

»Oh, auch das habe ich voll im Griff. Ihr eigenes Wesen wird sie mir in die Hände treiben.«

»Ihr eigenes Wesen?«

»Laßt das nur meine Sorge sein, Exzellenz. Ihr braucht nur zu wissen, daß ich sie Euch übergeben werde – und zwar lebend, wie versprochen. Lord Rahl bekommt Ihr sozusagen als kostenlose Beigabe – als persönliches Geschenk von mir –, doch für den Fang, auf den Ihr es abgesehen habt, die Mutter Konfessor, werdet Ihr einen Preis bezahlen müssen.«

»Und was wäre Euer Preis?«

Nicholas schlenderte gemächlichen Schritts um den mitten im Raum stehenden Soldaten herum, wahrend er mit dem leeren Fläschchen gestikulierend auf die Umgebung wies. »All dies hier entspricht nicht recht meiner Vorstellung von einem angemessenen Lebensstil – wenn man denn zum Leben verdammt ist.«

»Demnach verlangt Ihr noch dafür belohnt zu werden, daß Ihr gegenüber dem Schöpfer, der Imperialen Ordnung und Eurem Kaiser Eure Pflicht erfüllen dürft.«

So wie Nicholas es sah, hatte er in jener Nacht im Wald bei den Schwestern bereits mehr als seine Pflicht erfüllt. Das behielt er jedoch für sich und zuckte statt dessen mit den Schultern.

»Nun, ich werde Euch die gesamte restliche Welt überlassen, für deren Eroberung Ihr so hart gekämpft habt. Ich verlange nichts weiter als D’Hara: ein eindrucksvolles Reich für mich allein.«

»Ihr wollt also über D’Hara herrschen?«

Nicholas vollführte eine übertriebene Verbeugung. »Selbstverständlich unter Eurer Oberhoheit, Exzellenz.« Er richtete sich wieder auf. »Ich werde herrschen wie Ihr, mit den Mitteln der Angst und des Terrors, und stets im Namen der Selbstaufopferung zum allgemeinen Wohl der Menschheit.«

Der Traumwandler musterte ihn aus den Augen des verängstigten Soldaten; Augen, deren Funkeln jetzt wieder etwas Bedrohliches bekommen hatten.

»Ihr spielt ein riskantes Spiel, Schleifer, wenn Ihr solche Forderungen stellt. Ich vermute, Ihr hängt nicht sehr am Leben.«

Nicholas ließ den Kaiser ein Lächeln sehen, um ihm zu zeigen, daß er es leid war seine Zeit mit Nichtigkeiten zu vertrödeln. »Hasse das Leben, lebe, um zu hassen.«

Endlich sprang das Lächeln des Kaisers auf die Lippen des Soldaten über.

»Ihr wünscht Euch also D’Hara. Abgemacht. Sobald Lord Rahl tot und die Mutter Konfessor mir übergeben ist, werdet Ihr D’Hara erhalten und könnt nach Gutdünken darüber verfügen ... sofern Ihr der Herrschaft der Imperialen Ordnung Eure Reverenz erweist.«

Nicholas bedachte Jagang mit einem höflichen Lächeln und neigte sein Haupt. »Das versteht sich doch von selbst.«

»Im Anschluß daran, sobald Richard Rahl tot ist und ich die Mutter Konfessor in meiner Gewalt habe, werdet Ihr zum Kaiser Nicholas, Herrscher D’Haras, ernannt werden.«

»Eure Weisheit erfüllt mich mit Demut.«

Dies war der Mann, der Nicholas’ Schicksal vorherbestimmt hatte, der Mann, der die Schwestern geschickt hatte, damit sie ihr abscheuliches Handwerk verrichteten, jene Schwestern, die ihn unter den entsetzlichen Qualen der völligen Vernichtung seines früheren Selbst innerlich gebrochen hatten, um ihn im qualvollen Akt der Neuschöpfung ein zweites Mal zu gebären.

Sie hatten verfügt, daß er sich ihrer Sache opfern müsse; Nicholas selbst hatte keinerlei Einfluß darauf gehabt. Zumindest würde er jetzt, für den unbedeutenden Dienst, die armseligen Feinde des Ordens beseitigt zu haben, endlich seinen Lohn erhalten.

Jetzt war es nur noch ein kleiner Schritt, dann war er Kaiser Nicholas.

Getrieben von unbändiger Gier, von Haß, ließ Nicholas seine Hand vorschnellen, und mit ihr seinen Verstand, und bohrte ihn, gleich einem glühenden Dolch, in den Verstand des Mannes vor ihm, in den Raum zwischen dessen Gedanken, in das Mark seiner Seele.

Er lechzte nach dem schlüpfrig heißen Gefühl, wenn die Seele seines Gegenübers in seine hineinglitt, nach der plötzlich hochschießenden Hitze, wenn er sich seiner bemächtigte, während Jagang noch im Verstand des Mannes weilte.

Doch da war nichts.

In der winzigen Zeitspanne hatte Jagang sich bereits davongemacht. Der Soldat sackte schwer auf dem Boden zusammen und war tot.

Nicholas – Kaiser Nicholas – lächelte über dieses Spiel, das soeben erst begonnen hatte. Allmählich begann er sich zu fragen, ob er den Preis nicht vielleicht zu niedrig angesetzt hatte.

51

»Dort«, stieß Owen hervor, als sie die Straßenecke erreichten, indem er mit dem Kopf nach rechts deutete. »Da entlang.«

Mit einem Blick über seine Schulter vergewisserte sich Richard, daß ihm die anderen noch immer folgten, dann bog er in die enge Seitenstraße ein. Die meisten Gebäude in der Stadt Northwick waren eingeschossig, doch jetzt gelangten sie in einen Bezirk, wo einige ein zweites Geschoß aufwiesen, das meist mehrere Fuß weit in die Straße hineinragte. Etwas Höheres als die gedrungenen, zweigeschossigen Gebäude konnte Kahlan nirgendwo entdecken.