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»Um die können sich die Riesenkrähen balgen«, antwortete Richard ohne das geringste Zögern.

Tom schien keinerlei Einwände dagegen zu haben. »Ich sollte Friedrich jetzt besser beim Einspannen der Pferde helfen. Mit dem Blutgeruch in den Nüstern dürften sie ihm ziemlich schwer zu schaffen machen.«

Nachdem Tom gegangen war, um nach seinen Pferden zu sehen, rief Richard Cara zu sich. »Stellt die genaue Zahl der Gefallenen fest«, trug er ihr auf. »Wir müssen wissen, wie viele es insgesamt waren.«

»Richard«, wandte sich Kahlan in vertraulichem Ton an ihn, als Tom außer Hörweite war und Cara mit der Zählung der Toten begonnen hatte, wobei sie zwischen den Leichen umherlief und über manche einfach hinwegstieg, »was war eigentlich los, als du versucht hast, das Schwert zu ziehen?«

Er fragte weder nach, was genau sie meinte, noch versuchte er es ihr schonend beizubringen.

»Mit seiner Magie stimmt etwas nicht. Als ich es zog, hat es sich geweigert, meiner Aufforderung nachzukommen. Aber da stürmten die Männer bereits ins Lager, und ich durfte nicht länger zögern. Als ich mich dann dem Angriff entgegenwarf reagierte endlich auch die Magie.

Vermutlich liegt es an den durch die Gabe verursachten Kopfschmerzen – offenbar beeinträchtigen sie meine Fähigkeit, mit der Magie des Schwertes eins zu werden.«

»Aber letztes Mal, als du diese Kopfschmerzen hattest, war das nicht der Fall.«

»Wie ich bereits sagte, laß deine Phantasie nicht mit dir durchgehen. Es ist erst aufgetreten, seit ich diese Kopfschmerzen wieder bekomme. Demnach müssen sie auch der Grund sein.«

Kahlan wußte nicht, ob sie ihm guten Gewissens glauben konnte, noch ob er selbst daran glaubte. Aber er hatte natürlich Recht. Die Probleme mit der Magie des Schwertes hatten sich erst in jüngster Zeit gezeigt – nach dem neuerlichen Auftreten der Kopfschmerzen.

»Sie werden immer schlimmer, hab ich Recht?«

Er nickte. »Komm jetzt, hören wir uns an, was dieser Kerl uns zu erzählen hat.«

16

Als Kahlan vor ihn hintrat, starrte er aus tränenüberströmten, flehenden Augen zu ihr hoch. Er hatte ja inzwischen eine ganze Weile allein und in Unkenntnis ihrer Wünsche ausharren müssen und befand sich demzufolge in einem Zustand fortgeschrittenen Elends.

»Du wirst uns begleiten«, befahl ihm Kahlan mit Eiseskälte in der Stimme. »Du wirst vor dem Wagen hergehen, wo wir dich im Auge behalten können. Du wirst die Anordnungen aller meiner Begleiter ebenso befolgen wie meine eigenen und sämtliche an dich gerichteten Fragen wahrheitsgemäß beantworten.«

Er warf sich unter Tränen bäuchlings auf den Boden, küßte ihr die Füße und bedankte sich überschwenglich, daß sie endlich über ihn gebot. Wie er so kriechend, mit der Kerbe im Ohr, vor ihr am Boden lag, erinnerte er sie an nichts so sehr wie an ein Schwein.

Die Hände zornig zu Fäusten geballt, fuhr Kahlan ihn an: »Schluß damit!«

Erschrocken über den zornigen Ton ihrer Stimme, ja geradezu entsetzt, daß sie mit ihm unzufrieden war ließ er augenblicklich von ihr ab und verharrte in unterwürfiger Haltung regungslos zu ihren Füßen, die Augen aus Angst, ihr Mißfallen zu erregen, weit aufgerissen.

»Du trägst keine Uniform«, sprach Richard ihn an. »Demnach seid ihr gar keine Soldaten?«

»Soldaten sind wir schon, aber keine regulären Truppen«, stammelte er aufgeregt, eifrig bemüht, die Frage zu beantworten und damit Kahlans Anordnungen Folge zu leisten. »Wir gehören zu einer Spezialeinheit der Imperialen Ordnung.«

»Einer Spezialeinheit? Und worin besteht eure spezielle Aufgabe?«

Unschlüssig sah er nervös hoch zu Kahlan, doch da sie ihm bereits zu verstehen gegeben hatte, daß er jeder Aufforderung nachzukommen hatte, fuhr er, sich ihrer Absicht endlich gewiß, hastig fort.

»Wir sind Angehörige einer Spezialeinheit innerhalb der Armee; unsere Aufgabe ist die Gefangennahme von Feinden der Imperialen Ordnung. Wir wurden einem Test unterzogen, um zu gewährleisten, daß wir für diese Aufgabe geeignet und ergeben genug sind, um die Missionen, auf die man uns schickt, zu erfüllen ...«

»Langsamer«, unterbrach ihn Richard. »Du redest zu schnell.«

»Wir tragen keine Uniformen, um unseren Verwendungszweck geheim zu halten«, fuhr er fort. »Normalerweise werden wir in Städten eingesetzt, wo wir Rädelsführer aufspüren. Wir mischen uns unter die Leute und tun so, als ob wir dazugehörten. Kommen wir einem Komplott auf die Spur, beteiligen wir uns daran, bis wir die Namen aller Beteiligten in Erfahrung gebracht haben. Dann nehmen wir die Betreffenden fest und überstellen sie, damit sie verhört werden können.«

Richard betrachtete den Mann lange, ohne sich die geringste Regung anmerken zu lassen. Er war selbst bereits der Imperialen Ordnung in die Hände gefallen und ›verhört‹ worden. Kahlan konnte nur ahnen, was in diesem Augenblick in ihm vorging.

»Überstellt ihr nur Personen, von denen ihr wißt, daß sie an einem Komplott beteiligt sind?«, fragte Richard, »oder liefert ihr jeden aus, der in den vagen Verdacht gerät, sowie dessen gesamten Bekanntenkreis?«

»Wenn wir jemanden des Komplotts verdächtigen – also wenn die betreffenden Personen unter sich bleiben, nur im eigenen Umfeld verkehren und ihren Mitbürgern nicht bereitwillig Auskunft über ihren Alltag geben –, dann überstellen wir sie zum Verhör, damit festgestellt werden kann, was sie verheimlichen.« Er benetzte seine Lippen und schien es gar nicht erwarten zu können, ihnen seine Methoden bis in alle Einzelheiten zu schildern. »Wir sprechen mit ihren Arbeitskollegen und Nachbarn, um so an die Namen aller ihrer Freunde sowie sonstiger Personen zu gelangen, mit denen sie Umgang haben – und natürlich auch mit allen Familienangehörigen. Für gewöhnlich nehmen wir auch einige Personen aus diesem Kreis fest und überstellen sie ebenfalls zum Verhör. Werden diese Personen dann befragt, gestehen sie ihre Verbrechen gegenüber der Imperialen Ordnung gewöhnlich sofort, womit der Beweis als erbracht gilt, daß unser Anfangsverdacht begründet war.«

Einen Moment lang glaubte Kahlan, Richard würde sein Schwert ziehen und den Mann auf der Stelle enthaupten, schließlich wußte er aus eigener Erfahrung, was mit Menschen geschah, die auf diese Weise eingeliefert wurden, und in welch ausweglose Lage sie dadurch gerieten.

In den meisten Fällen lieferten die unter Folter erzielten Geständnisse die Namen aller, die sich aus irgendeinem Grund verdächtig gemacht hatten, weswegen der Beruf des Folterers zu einem überaus arbeitsreichen Gewerbe geworden war. Die Bewohner der Alten Welt lebten in ständiger Angst an einen der zahlreichen Orte verschleppt zu werden, wo Menschen Verhören unterzogen wurden.

Nur in den seltensten Fällen hatten sich die Verschleppten tatsächlich eines Komplotts gegen die Imperiale Ordnung schuldig gemacht; die meisten waren viel zu sehr damit beschäftigt, ihren kargen Lebensunterhalt zu verdienen und ihre Familien durchzubringen, als daß ihnen Zeit geblieben wäre für ein Komplott zum Sturz der Imperialen Ordnung. Gleichwohl wurde allerorten über die Verbesserung der Lebensumstände diskutiert.

Andere hingegen träumten nicht von einem besseren Leben; ihr höchstes Ziel war es, der Imperialen Ordnung die Namen derer zu verraten, die schlecht über sie sprachen, die Lebensmittel oder gar kleine Geldbeträge horteten, und die auf ein besseres Leben hofften. Das verbreitete Denunzieren ›unzuverlässiger Mitbürger‹ wiederum verhinderte, daß jemand mit dem Finger auf diese Informanten zeigte. So wurde das Denunziantentum schließlich zum Maßstab der Frömmigkeit.

Richard unterließ es, sein Schwert zu ziehen, und wechselte statt dessen das Thema. »Wie viele wart ihr heute Abend?«

»Mich eingeschlossen achtundzwanzig«, antwortete der Mann ohne das geringste Zögern.

»Seid ihr während des Überfalls alle in einer Gruppe zusammengeblieben?«

Er nickte, eilfertig darauf bedacht, ihren Plan bis ins Detail zu verraten und damit Kahlans Gunst zu erlangen. »Wir wollten sichergehen, daß Ihr und ... und ...« Sein Blick schweifte zu Kahlan, als er sich der Unvereinbarkeit seiner beiden Absichten bewußt wurde: ein vollständiges Geständnis abzulegen und die Mutter Konfessor zufrieden zu stellen.