Выбрать главу

Unterhalb von Kahlan vernahm er angestrengtes Ächzen, als der Rest der kleinen Truppe sich mühsam den steilen Kamin hinaufquälte.

Von seinem Platz auf dem ebenen Felssims konnte Richard endlich weiter vorn sowie etwas oberhalb je einen Lichtpunkt erkennen. Er hatte die Strecke auskundschaftet und wußte, daß sie dicht vor dem Ausgang am anderen Ende waren, doch zuvor galt es noch einen Felsvorsprung zu überwinden, der ihnen nach oben hin extrem wenig Spielraum ließ. Der Spalt dort hatte etwas unangenehm Beengendes.

»Von hier an müssen wir auf dem Bauch weiterrobben«, erklärte er Kahlan. »Halt dich an meinem Knöchel fest und sag den anderen, sie sollen es ebenso machen.«

Kahlan spähte blinzelnd nach vorn ins Licht und stieß einen tiefen Seufzer aus. »Also gut.«

»Alle mal herhören«, rief Richard nach hinten in die Dunkelheit. »Wir sind fast durch.« »Hier, schieb dich an mir vorbei«, sagte Kahlan zu Jennsen, die plötzlich große Angst bekommen hatte. »Halt dich an Richards Knöchel fest, dann bist du noch vor uns anderen draußen.«

»Ich achte darauf, daß Betty dich hindurchkriechen sieht und dir hinterherklettert«, erbot sich Tom.

Damit schien die ausweglose Situation geklärt. Jennsen zog sich auf den Felssims und reichte ihren Rucksack herauf. Richard, der in dem niedrigen Felsspalt auf dem Bauch lag, ergriff ihre Hand und zog sie hoch.

Als sie im Schein des Lichtes sah, wie niedrig und eng der Spalt war, und daß Richard sogar auf dem Bauch liegen mußte, fing sie am ganzen Körper an zu zittern. Beim Hochziehen dann geriet ihr Gesicht ganz dicht neben seines, und er konnte im trüben Licht erkennen, daß sie weinte.

»Bitte, Richard, ich hab Angst. Ich will mich da nicht hineinzwängen.«

Er nickte. »Ich weiß, aber es ist wirklich nicht weit. Ich lasse dich nicht hier drinnen zurück. Sei unbesorgt, ich bringe dich und auch die anderen hier raus.« Er legte ihr die Hand an die Wange. »Versprochen.«

»Woher weiß ich, daß du dein Versprechen halten wirst?«

Lächelnd erwiderte er: »Zauberer halten ihre Versprechen immer.«

»Du hast gesagt, du weißt nicht viel darüber was es bedeutet, ein Zauberer zu sein.«

»Aber ich weiß, wie man sein Versprechen hält.«

Zu guter letzt willigte sie ein. Richard schob sich immer tiefer in die Dunkelheit, umging so den trügerischen Engpaß in der Mitte der flachen Höhle und erreichte schließlich jene Stelle, wo die Felsendecke niedriger wurde. Wenige Zoll später reichte sie so weit herab, daß sie spürbar gegen seinen Rücken preßte. Er wußte, es war nicht mehr weit, nicht mehr als ein Dutzend Fuß, doch ohne die Möglichkeit, tief Luft zu holen, hatte der enge Durchlaß etwas Furchteinflößendes.

Richard stieß die beiden Rucksäcke vor sich her, während er sich windend und schlängelnd vorwärts mühte. Er mußte sich mit den Zehenspitzen vorwärtsschieben und, während seine Finger jeden Halt und jede Ritze nutzten, seinen Brustkorb hindurchzwängen. Es kostete ihn einige Überwindung, mit dem Kopf voran ins Dunkel – immer weiter fort vom Licht – zu kriechen.

Jennsens Finger hielten seinen Knöchel mit eisernem Griff umklammert. Ihm war das nur recht, denn auf diese Weise konnte er ihr helfen und sie hinter sich herziehen. Vor allem an der Stelle, wo der Fels ihre Brust zusammenpressen würde, war ihm das wichtig.

Dann, plötzlich, ließ sie seinen Knöchel los.

33

Irgendwo hinter seinem Rücken hörte er Jennsen hektisch wegkrabbeln.

»Jennsen? Was ist passiert? Was tust du?«

Mit einem Aufschrei hielt sie plötzlich vor Entsetzen wimmernd auf den Lichtschein bei der Felsenöffnung zu.

»Jennsen!«, rief Richard ihr zu. »Nicht dort entlang! Bleib bei mir!«

Unter Aufbietung aller Kräfte schob er sich ein Stück nach vorn, ehe er sich im Krebsgang zur Seite drehte und sie auszumachen versuchte. Jennsen, taub für seine Zurufe, kroch auf Händen und Füßen weiter auf das Licht zu.

Richard versetzte den Rucksäcken einen kräftigen Stoß und arbeitete sich wie von Sinnen vorwärts, bis er in den Bereich jenseits des Engpasses gelangte, wo er zumindest genügend Platz hatte, um tief durchzuatmen und sich fast bis auf Hände und Knie zu erheben.

Jennsen stieß erneut einen Schrei aus. Richard konnte nur undeutlich ausmachen, wie sie ihre Finger panisch in den Fels krallte, ohne auch nur einen Millimeter voranzukommen. Mit einer letzten, verzweifelten Anstrengung versuchte sie sich vorwärts zu schieben, statt dessen aber rutschte sie seitlich weiter die Schräge hinunter und klemmte sich noch fester ein.

»Jennsen! Atme ganz flach und beruhige dich!«, rief Richard ihr zu, während er robbend zur Öffnung herumschwenkte. »Atme ruhig und flach! Atme!«

Endlich erreichte Richard die Öffnung. Er zwängte sich aus dem dunklen Felsspalt ins Freie und kniff gegen die plötzliche Helligkeit die Augen zusammen. Noch auf den Knien beugte er sich wieder in die Öffnung und half Kahlan heraus. Unmittelbar dahinter folgte Betty, der es irgendwie gelungen war alle anderen zu überholen. Nachdem kurz darauf Owen und schließlich auch Cara aus der Öffnung geklettert kamen, legte Richard seinen Waffengurt ab und reichte Kahlan sein Schwert.

Von weiter hinten rief Tom, er wolle noch einmal zurück und versuchen, bis zu Jennsen vorzudringen.

Kaum waren alle sicher im Freien, zwängte Richard sich erneut in die Felsspalte. Kopf voran, krabbelte er auf Händen und Knien in die Dunkelheit und sah sofort, daß Tom von der Seite, von der aus er sich ihr zu nähern versuchte, keine Chance hatte, bis zu ihr vorzudringen.

»Ich hole sie, Tom!«

»Ich kann sie fast schon berühren«, rief dieser, während er sich selbst immer fester verkeilte.

»Nein, könnt Ihr nicht«, erklärte Richard mit entschiedenem Ernst. »Der Wille allein wird Euch nicht weiterbringen. Ihr werdet Euch nur immer fester einklemmen. Hört mir genau zu. Kriecht zurück, sofort, ehe Euer Körpergewicht Euch die Schräge hinunterzieht und Ihr so fest eingezwängt werdet, daß Ihr Euch nicht mehr befreien könnt. Macht schon. Überlaßt Jennsen mir.«

Als Tom weg war, legte Richard sich flach auf den Bauch und arbeitete sich mit windenden, schlängelnden Bewegungen tiefer hinab, während er sich gleichzeitig weiter nach links die Schräge der Felsplatte hinunterschob. »Atme, Jennsen. Ich bin schon unterwegs. Alles in Ordnung!«

»Richard, bitte laß mich nicht allein hier zurück! Richard!«

Er redete mit leisen, beruhigenden Worten auf sie ein, während er sich langsam hinter ihr in den engeren Teil der Höhle zwängte. »Ich lasse dich nicht zurück. Alles wird wieder gut. Warte einfach auf mich.«

»Ich kann mich nicht bewegen, Richard!« Sie ächzte angestrengt. »Ich krieg keine Luft! Die Decke senkt sich herab! Sie bewegt sich – ich spüre deutlich, wie sie sich bewegt. Sie wird mich zerquetschen! Hilf mir, bitte! Richard, bitte laß mich nicht allein!«

»Sei unbesorgt, Jennsen. Die Decke bewegt sich nicht. Du sitzt einfach fest. Einen Augenblick noch, dann hab ich dich befreit!«

»Richard«, rief sie, »es tut so weh. Ich krieg keine Luft. Ich sitze fest. Bei den gütigen Seelen, ich kriege keine Luft. Bitte, Richard, ich hab solche Angst!«

Richard streckte seinen Körper und versuchte, ihren Knöchel zu fassen zu bekommen. Zu weit weg. Er mußte seinen Kopf zur Seite drehen, um sich weiter vorschieben zu können. Beide Ohren scharrten gegen Stein. Mit windenden Bewegungen gelang es ihm, sich Zoll für Zoll tiefer hinabzuschieben – wider sein besseres Wissen, daß er ohnehin bereits in der Klemme steckte.

»Jennsen, bitte, du mußt mir helfen. Du mußt dich ein kleines Stück zurückschieben, damit ich dich zu fassen kriege.«

»Nein! Bitte! Ich will raus! Ich will hier raus!«

»Ich hole dich ja raus, versprochen. Schieb dich einfach zurück, damit ich deinen Knöchel packen kann.«

Da sie das Licht verdeckte, vermochte er nicht zu erkennen, ob sie seine Anweisung befolgte oder nicht. Er wand sich ein kleines Stück tiefer hinein, dann noch mehr. Mittlerweile saß sein Kopf nahezu unverrückbar fest. Es war ihm absolut schleierhaft, wie sie es so tief nach unten geschafft hatte.