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Erst jetzt bemerkte sie das veränderte Äußere der beiden. Sie machte ein so verblüfftes Gesicht, daß er einen Moment lang glaubte, sie werde einen Knicks vor ihnen machen.

»Donnerwetter«, entfuhr es ihr. »Ihr seht aus, als wärt ihr dazu ausersehen, die Welt zu beherrschen.«

»Na ja«, meinte Richard, »hoffen wir, daß zumindest Owens Gefährten das denken.«

Cara bog einen Fichtenzweig zur Seite und trat in gebückter Haltung unter die Zweige. Sie war jetzt wieder mit ihrem hautengen Lederanzug bekleidet und wirkte genauso furchteinflößend wie damals, als Richard ihr in den prunkvollen Hallen des Palasts des Volkes in D’Hara zum ersten Mal begegnet war.

»Lord Rahl hat mir einmal im Vertrauen gestanden, daß er tatsächlich die Absicht hat, die Welt zu beherrschen«, sagte Cara, die Jennsens Äußerung mitbekommen hatte.

»Wirklich?«

Ihr ehrfürchtiges Gebaren ließ Richard genervt seufzen. »Leider hat sich die Beherrschung der Welt als erheblich schwieriger herausgestellt, als ich dachte.«

»Würdet Ihr mehr auf die Mutter Konfessor und mich hören«, fiel Cara ihm belehrend ins Wort, »würde sie Euch erheblich leichter fallen.«

Richard überhörte Caras Unverschämtheit. »Würdet Ihr bitte alles zusammensuchen? Ich möchte mit Kahlan dort oben sein, ehe Tom mit Owen und seinen Gefährten eintrifft.«

Mit einem Nicken ging Cara daran, die Gegenstände einzusammeln, die sie unter großen Mühen angefertigt hatten; einige warf sie auf einen Haufen, andere zählte sie sorgfältig durch. Richard legte Jennsen eine Hand auf die Schulter.

»Bind Betty an, damit sie erst einmal hier unten bleibt, einverstanden? Dort oben wäre sie uns jetzt nur im Weg.«

»Ich werd mich darum kümmern«, erwiderte Jennsen, während sie nervös ihre rötlichen Locken zurechtzupfte. »Ich werde dafür sorgen, daß sie uns weder stört noch weglaufen kann.«

Ihr war deutlich anzumerken, daß sie es kaum noch erwarten konnte, Tom wiederzusehen. »Du siehst bezaubernd aus«, versicherte ihr Richard. Sofort kehrte ihr Lächeln zurück und verbannte alle Angespanntheit aus ihren Zügen. Sie schnappte sich Bettys Strick und hielt sie zurück, als Richard, neben sich Kahlan, zwischen den letzten Bäumen hindurch auf die offene Felsfläche trat. Düstere, tiefe Wolken schienen an den Hängen der umliegenden Berge zu kleben. Jetzt, da die hoch in den Himmel ragenden schneebedeckten Gipfel nicht mehr zu erkennen waren, hatte Richard unter der Decke aus tiefhängenden, Unheil verkündenden Wolken das Gefühl, dem Dach der Welt ganz nah zu sein.

Am Ende des Pfades erwartete sie der hoch aufragende steinerne Wächter, den Paß selbst und weit dahinter die Säulen der Schöpfung wie eh und je in seinem wachsamen Blick. Als sie auf ihn zugingen, suchte Richard den Himmel in der Nähe mit den Augen ab, konnte aber nur einige kleinere Vögel erkennen, die durch das Geäst eines nahen Fichtenwäldchens flatterten. Zu seiner Erleichterung hatten sich die Riesenkrähen, seit sie diesen alten Fußpfad hinauf zum Paß betreten hatte, nicht mehr blicken lassen.

In der ersten Nacht auf dem Paß, ein Stück weiter unten am Hang im dichteren Wald, hatten sie einen gemütlichen Unterschlupf errichtet, der erst fertig geworden war, als sich bereits die Dunkelheit über die endlosen Wälder legte. Gleich am nächsten Morgen hatte Richard die Statue selbst sowie die ebenen Flächen des Sockels vom Schnee befreit und dabei weitere Inschriften entdeckt.

Mittlerweile hatte er ein wenig mehr über den Mann, dessen Statue man dort, mitten auf dem Paß, errichtet hatte, in Erfahrung bringen können. Ein kleiner Schneeschauer hatte die Inschriften inzwischen wieder mit einer feinen Pulverschicht bedeckt und die Worte in der lange ausgestorbenen Sprache unter sich begraben.

Kahlan legte ihm eine tröstliche Hand auf den Rücken. »Sie werden dich anhören, Richard. Sie werden auf dich hören.«

Mit jedem Atemzug ging ein schmerzhaftes, zunehmend schlimmer werdendes Reißen mitten durch seinen Körper. »Das werden sie auch müssen, sonst habe ich keine Chance, an das Gegenmittel zu kommen.«

Allein, darüber war er sich im Klaren, konnte er es unmöglich schaffen. Selbst wenn er seine Gabe hätte zu Hilfe nehmen und über deren Magie verfügen können, wäre er nicht imstande gewesen, irgendeinen großartigen Zauber zu wirken, der die Imperiale Ordnung aus dem Reich Bandakar vertreiben würde. Mit diesen Dingen, das wußte er, war selbst die mächtigste Magie überfordert. Magie, richtig angewandt und verstanden, war, wie sein Schwert auch, nichts weiter als ein Werkzeug – ein Mittel, dessen man sich bediente, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Magie würde ihn jedenfalls nicht retten; sie war kein Allheilmittel. Um erfolgreich zu sein, würde er seinen Verstand gebrauchen und sich überlegen müssen, wie er sich die nötige Geltung verschaffen konnte.

Zumal er nicht einmal mehr wußte, ob auf die Magie des Schwertes der Wahrheit noch Verlaß war oder wie viel Zeit ihm noch blieb, ehe seine Gabe ihn umbrachte. Manchmal schien es ihm, als lieferten sich seine Gabe und das Gift ein Wettrennen um die zweifelhafte Ehre, was ihn zuerst erledigen konnte.

Richard geleitete Kahlan das letzte Stück des Weges hinauf und anschließend, auf der rückwärtigen Seite der Statue, zu einem kleinen vorspringenden Felsen am höchsten Punkt des Passes, wo er auf die Männer warten wollte. Von dieser Stelle aus hatten sie, durch die Lücken zwischen den Bergen, freie Sicht bis hinein nach Bandakar. Vorn, am Rand der ebenen Fläche, erspähte er ein Stück weiter unten Tom, der die Männer zwischen den Bäumen hindurch den mäandernden Pfad heraufführte.

Tom hob kurz den Kopf, während er den Pfad hinaufstapfte, und erblickte Richard und Kahlan. Als er ihre Kleidung bemerkte und sah, wo sie standen, verzichtete er darauf, ihnen vertraulich zuzuwinken – es wäre unpassend gewesen. Durch die lichten Stellen zwischen den Bäumen konnte Richard beobachten, daß einige der Männer seinem Blick hangaufwärts mit den Augen folgten.

Richard zog sein Schwert einige Zoll aus seiner Scheide, um sich zu vergewissern, daß es locker saß. Die düsteren, sich auftürmenden Wolken ringsumher schienen sich über ihren Köpfen zusammenzuschieben, so als drängten sie alle in den engen Gebirgspaß hinein, um das Geschehen zu verfolgen.

In aufrechter Haltung, den Blick auf das unbekannte Land jenseits des Passes gerichtet, ergriff Richard Kahlans Hand.

So harrten sie schweigend einer Begegnung, mit der eine Herausforderung beginnen würde, die die Welt ihrem Wesen nach für immer verändern – oder ihn endgültig der Chance auf sein Leben berauben würde.

40

Als die Männer hinter Tom aus den Bäumen hervor ins Freie traten, stellte Richard zu seinem Entsetzen fest, daß es deutlich weniger waren, als sich nach Aussage Owens mit ihm in den Bergen versteckt gehalten hatten. Mit sorgenzerfurchter Stirn stieg er auf das kleine Plateau, wo Kahlan ihn bereits erwartete.

Ihr war die Besorgnis ebenfalls deutlich anzusehen. »Stimmt etwas nicht?«

»Soweit ich erkennen kann, hat er nicht einmal fünfzig Mann mitgebracht.«

Kahlan ergriff seine Hand, während sie mit sanfter Stimme ermutigend auf ihn einzureden versuchte. »Das sind immerhin fünfzig mehr als zuvor.«

Cara näherte sich ihnen von hinten und entledigte sich ein Stück weiter seitwärts ihrer Fracht, ehe sie ihren Platz an Richards linker Seite einnahm. Richard blickte in ihr grimmig-finsteres Gesicht. Wie machte sie das bloß, fragte er sich, immer so auszusehen, als erwarte sie, daß alles exakt nach ihrem Willen geschah.

Tom kam über die Kante des Felsvorsprungs geklettert, gefolgt von den Männern. Der anstrengende Aufstieg hatte ihm den Schweiß aus den Poren getrieben, doch als er Jennsen erblickte, die soeben auf der anderen Seite den Hang heraufkam, milderte ein etwas bemühtes Lächeln seine Züge. Sie erwiderte das knappe Lächeln und blieb dann im Schatten der Statue stehen; offenbar wollte sie im Hintergrund bleiben.