Выбрать главу

Auf dem Weg in das erste der Quartiere, wo die Zhadär den Lohasbrander festhielten, besah Ingrimmsch die Leichen. »Es ist mir ein Rätsel, wie die Unsichtbaren das geschafft haben, ohne dass sich eine der Schweineschnauzen gewehrt hat«, sagte er zu Slin; die Verwunderung trieb ihm die Worte aus dem Mund.

»Sie haben von den Albae erschreckend gut gelernt«, stimmte ihm der Vierte bei. »Ich denke die ganze Zeit daran, dass sie meine Heimat in- und auswendig kennen. Es wäre ihnen ein Leichtes gewesen, das Gleiche im Braunen Gebirge mit meinem Leuten zu machen.« Er sah zu Balyndar. »Oder bei euch Fünften. Oder den Freien. Man stelle sich vor, die Albae hätten für die Aushebung der Zhadär-Truppe Dritte gefunden, die uns unbedingt töten wollten! Es gäbe uns längst nicht mehr.«

»Es wäre ihnen sicherlich nicht so leicht gelungen«, widersprach Balyndar und betrachtete einen der toten Orks, dem ein Schnitt die Kehle geöffnet hatte; die Wunde klaffte weit auseinander.

»Aber die Verluste wären schrecklich gewesen«, erwiderte Ingrimmsch und betrat das Haus.

Tungdil stand mit Barskalin vor dem Lohasbrander, den sie auf die Knie gezwungen und an einen Stützbalken gefesselt hatten. Er trug eine schwere Lamellenrüstung, hellblonde Haare standen nach allen Seiten von seinem Kopf ab. Er war feist und kräftig zugleich, der hellblonde Bart im breiten Gesicht hatte sich durch das Blut, das aus einer Platzwunde auf der linken Wange floss, rötlich gefärbt.

»Das ist Wielgar!«, rief Coira. »Er ist einer der Lohasbrander, der vor Kurzem in Mifurdania war. Er hat den Unerreichbaren Rodario hinrichten lassen.« »Schau an, die kleine Maga«, ächzte er unter Schmerzen. »Dieser Versuch eines Aufstandes wird Euch teuer zu stehen kommen. Der Drache legt Euer Reich in Schutt und Asche!«

»Wir haben andere Dinge mit ihm vor. Er wird keine Zeit haben, solche Torheiten zu begehen.« Tungdil baute sich vor dem Mann auf. »Wo finden wir die magische Quelle und den Hort des Drachen?« Wielgar setzte zu einem Lachen an. »Bevor du das tust, überlege es dir. Ich bin ein Meister im Zufügen von Leid.« Er ließ sich ein Fußbänkchen bringen, löste eine Fessel und befreite den rechten Arm des Mannes. Er zwang die Hand ausgestreckt auf das Holz. »Wir fangen bei deinen Fingern an, Glied für Glied. Ich klopfe jedes samt Knochen zu Mus.« Mit den Fesseln band er ihm den Oberarm ab, damit der Blutverlust nicht zu gravierend war. »Danach schneide ich mich hinauf, und du kannst deinen Arm in Scheibchen vor dir liegen sehen, ehe ich sie dir einzeln in den Mund stopfe, damit du bei Kräften bleibst. Dann gehen wir über zu deinem zweiten Arm.«

Wielgar wirkte verunsichert. »Ich bin ein Verehrer des Drachen und einer seiner höchsten Männer...«

»Das ist mir gleich.« Blutdürster zuckte mit der flachen Seite nieder, und die Kuppe des kleinen Fingers wandelte sich in ein flaches, matschiges Ding; der Nagel fiel auf die Holzbretter, Blut floss.

Wielgar schrie. »Ihr werdet alle sterben!«, versprach er brüllend. »Gebt lieber gleich auf.«

»Du kennst meine Fragen. Höre ich Antworten?«

»Es gibt keine magische Quelle«, stöhnte er, und als sich das Schwert wieder hob, kreischte er: »Es gibt keine Quelle, glaub mir! Wir kennen die Gerüchte, aber wir haben niemals eine entdeckt.« »Wie solltet ihr auch? Ihr seid keine Magi«, bemerkte Coira.

»Der Drache hat es uns gesagt«, entgegnete er und schielte dabei auf Blutdürster, der über seiner Hand schwebte. »Ich schwöre bei Samusin, dass es im Roten Gebirge nichts gibt, das Magie in sich trägt. Außer der Maga.«

Coira sah zu Mallenia und bat sie schweigend mit Blicken, der Gruppe nichts von ihrem Zustand zu berichten. »Auch nicht weiter schlimm«, sagte sie gespielt gleichmütig. »Mit meinen Kräften könnte ich zehn Drachen besiegen. Dennoch werde ich einen Zauber wirken, um zu sehen, ob er die Wahrheit spricht: Lügt er bei der nächsten Frage, wird sein Kopf platzen.« Sie bewegte die Finger, schloss die Augen und berührte die Stirn mit dem linken Zeigefinger. »Gibt es eine magische Quelle?« »Nein!«, rief Wielgar außer sich. »Nein, bei den...«

»Und der Hort?«, erinnerte Tungdil den Lohasbrander und nahm für einen weiteren Schlag Maß.

»Weit von hier, siebzig Meilen in Richtung Westen«, kam es unverzüglich. »Er hat alles dorthin schaffen lassen, was wir in seinem Namen von den Tributpflichtigen eingesammelt haben.«

Ingrimmsch konnte sich nicht länger zurückhalten. »Wie viele Schweineschnauzen stehen unter seinem Kommando?«

Wielgar zuckte mit den Achseln. »Tausende. Wir haben sie gezählt.«

»So, so. Tausende.« Tungdil schlug zu und zerquetschte den kleinen Finger vollständig. »Versuche es noch einmal. Oder soll die Maga einen weiteren Spruch sprechen, um deinen Kopf...«

»Nicht mehr als siebentausend«, schrie Wielgar. »Sie hausen in den Höhlen und werden von uns zusammengerufen, wie wir sie brauchen. Dazu kommen etwa eintausend, die in Weyurn mit unseren Statthaltern reisen.« Er starrte den Zwerg wütend an. »Sie werden schon bald hier sein und euch vernichten. Euer Angriff ist bemerkt worden.«

»Ist er sicherlich nicht«, widersprach Barskalin entrüstet. »Wir haben keine Überlebenden außer ihm gelassen, Tungdil. Es ist uns keiner entkommen.« »Aber ihr habt einen übersehen.« Wielgar grinste boshaft. »Ein zweiter Ausguck, über dem Höhleneingang im Felsen. Der Wächter wird bereits auf dem Weg sein.« »Wir sollten verschwinden«, sagte Coira beunruhigt.

»Ohne ein einziges Stück aus dem Hort gestohlen zu haben? Welchen Grund hätte Lohasbrand, uns zu folgen?« Sie sah zu Tungdil. »Wir brauchen etwas, damit der Drache uns jagt.«

»Wie wäre es mit ihm?«, schlug Rodario vor und zeigte auf Wielgar. »Wenn er doch so hoch in der Hierarchie steht, wird ihn Lohasbrand zurückhaben wollen.« Wielgar lachte ihn aus. »Noch einer von denen. Die sind aber auch überall! Aber er passt in diese Komödie, die sich um mich herum abspielt.«

»Der Drache hat genügend von seiner Sorte. Der Verlust würde ihn nicht dazu bringen, uns zu folgen.«

Ein lautes, fauchendes Dröhnen erklang in der Höhle; aufgeregte Rufe klangen von draußen, Schritte näherten sich der Baracke.

»Lohasbrand!« Mallenia sah in die Runde. »Er hat uns entdeckt!«

»Er kann nicht durch die Gänge gelangen. Wir sind sicher vor ihm.« Ingrimmsch sah zur Tür, durch die einer der Schwarzen Schwadron gerannt kam. »Aber er nicht vor uns!«

»Der Drache kommt, Herr«, meldete er Tungdil. »Wir haben seinen Schrei durch den zweiten Gang vernommen. Hargorin lässt fragen, wie deine Anweisungen lauten.« Wielgar lachte siegessicher. »Wenn ihr mich fragt, dann rennt um euer Leben. Vielleicht findet ihr draußen ein Loch, in dem ihr euch verkriechen könnt.«

Tungdil musterte den Lohasbrander lange, und dessen zuversichtliche Heiterkeit verschwand mehr und mehr. »Wir greifen an«, verkündete er. »Danach komme ich zurück und schlage dir den Kopf von Schultern.« Er rannte hinaus.

»Hussa! Es geht gegen einen Drachen!« Ingrimmsch hob den Krähenschnabel. »Der hat mir noch auf meiner Liste von Ungeheuern gefehlt.« Er folgte seinem Freund. Slin blickte seufzend auf seine Armbrust. »Schon wieder die falsche Waffe. Was kann ich schon gegen Drachenschuppen ausrichten?«

»Aufs Auge schießen?«, empfahl Rodario liebenswürdig. »Mich jedenfalls würde das sehr irritieren, wenn ich ein Drache wäre.« Er sah die Frauen an. »Das wird ein harter Kampf, doch wir haben ja eine überragende Maga dabei. Ich sichere Euch den Weg, aber Lohasbrand werdet Ihr für mich erlegen müssen.«

Coira versuchte sich erfolglos an einem Lächeln; Mallenia legteihr von hinten aufmunternd eine Hand auf die Schulter. Gemeinsam liefen sie hinter den Zwergen her, die gleich einer schwarzen Flut auf den zweiten Gang zuströmten und hineinrannten.